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21.9.2008 von Karthause.

Klappentext
Nach den Kinderspielen kommen die Kämpfe: Rico, Marc, Paul und Daniel wachsen auf im Leipzig der Nachwendejahre, zwischen Autoklau, Alkohol und Angst, zwischen Wut und Zerstörung. Jede Nacht ziehen sie durch die Straßen. Sie feiern, sie klauen, Sie fahren ihr Leben gegen die Wand. Sie sind frei und dem Leben ausgeliefert. Mit direkter, wütender, sensibler und authentischer Stimme erzählt dieser Roman von diesem Traum, dass irgendwo ein besseres Leben wartet.
Meine Meinung
In meiner Taschenbuchausgabe habe ich die ersten 3 Kapitel (55 Seiten) gelesen. Damit beende ich dieses Werk. Bewusst habe ich bisher noch keinen Wende-/Nachwenderoman gelesen, dabei hätte ich es auch belassen sollen. Selten habe ich so viele Klischees aneinandergereiht gelesen. Das Klientel, dass Meyer zu seinen Protagonisten macht, der dazugehörige Jargon, das ist nicht meine Welt. Außerdem konnte ich bisher so gar keine Chronologie bzw. richtige Zusammenhänge erkannt. Tut mir Leid, ich hatte mir von diesem Buch mehr versprochen.
Broschiert: 528 Seiten * Verlag: Fischer (Tb.) * ISBN-13: 978-3596173051
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19.3.2008 von Karthause.

Ein Tag mit Herrn Jules
Diane Broeckhoven
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Taschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb
ISBN-13: 978-3499241550
Seit über 50 Jahren sind Alice und Jules verheiratet, liebgewonnene Rituale haben sich in dieser Zeit eingeschlichen. So steht zum Beispiel Jules früh auf, bereitet das Frühstück und Alice genießt in ihrer halben Stunde noch die Wärme des Bettes. Erst wenn der Kaffeeduft bis zu ihr dringt, steht sie auf. So ist es auch an diesem von Diane Broeckhoven beschriebenen Tag, aber doch ist alles anders. Es hat geschneit und Jules sitzt bewegungslos am Fenster. Eine Weile dauert es, bis Alice realisiert, Jules ist tot. Sie ruft nun aber nicht nach ihrem Sohn, nach dem Notarzt oder dem Bestattungsinstitut, sie will diesen letzten Tag noch mit ihrem Mann verbringen. Es gibt Dinge, die sie nach Jahren endlich einmal aussprechen möchte, sie nimmt Abschied auf ihre Art und Weise.
Dann um zehn Uhr kommt der autistische David zum täglichen Schachspiel zu Herrn Jules. Alice hatte vor der Reaktion des Jungen ein wenig Angst, aber er reagiert anders als erwartet, sieht nur noch Herrn Jules Hülle.
Eigentlich sollte dieses knapp 100 Seiten dünne Büchlein nur eine Zwischenlektüre zwischen zwei Büchern sein, ein Lückenfüller sozusagen. Es wurde aber viel mehr. Auf diesen wenigen Seiten gelang es der Autorin den Ablauf eines Tages zu schildern. Dabei entstanden trotz des ruhigen gefühlvollen Stils von Diane Broeckhoven keine Längen. An keiner Stelle kam Rührseligkeit auf. Trotz der Thematik des Todes und des Abschiednehmens, den tiefen Gedanken und der Trauer war das Buch sehr leicht zu lesen und vor allem nachzuempfinden. Diane Broeckhoven hat wieder einmal den Beweis erbracht, um Tiefe und Emotionalität zu erzeugen bedarf es nicht vieler Seiten, sondern nur einfühlsamer, unspektakulärer und sachlicher Worte. Aber meisten beeindruckte mich, wie sie es schaffte, den Leser zum Ende des Buches nicht in Trauer, sondern recht hoffnungsvoll zurückzulassen.
Elke Heidenreich nannte Ein Tag mit Herrn Jules „ein liebenswertes Buch“, dem kann ich mich in meiner Bewertung nur anschließen.
Inzwischen ist die Fortsetzung dieses Buches unter dem Titel Eine Reise mit Alice erschienen.
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5.12.2007 von Karthause.
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“Ich kenne keine Schweine und keine Heiligen. Nichts ist ganz schwarz oder ganz weiß; das Grau setzt sich durch. So ist es auch bei den Menschen und ihren Seelen.“ (Seite 114)
1917 in einem kleinen Ort im Osten Frankreichs nahe der Stadt V(erdun). Die Front ist nahe, die Auswirkungen sind direkt zu spüren, aber in dem Örtchen geht das Leben seinen üblichen Gang. Claudel lässt den Ich-Erzähler, der der Dorfpolizist ist, viele Jahre nach dem Mord an der zehnjährigen Belle de jour, der Tochter des Wirts, das Leben und Denken der Gemeindebewohner schildern. Dabei versucht zu ergründen, wer hinter dieser grausamen Tat steckt. Mehr möchte ich von der Handlung hier nicht vorweg nehmen, ich liefe Gefahr, zuviel zu verraten.
„Die grauen Seelen“ hat mir sehr gut gefallen, es ist eines der Bücher, dem ich viele Leser wünsche. Habe ich vorher schon einmal ein Buch gelesen, in dem die Seelen der Darsteller förmlich seziert wurden? Ich glaube nicht. Auch das Ergebnis irritierte mich nicht, denn im Seelenleben der Menschen gibt es kein Schwarz oder Weiß, es ist eher eine Mischung aus beidem, mal etwas heller, mal etwas dunkler gehalten. Interessant fand ich auch, wie Claudel einigen Personen, u.a. dem Staatsanwalt, der Lehrerin, dem Wirt, dem Bürgermeister, mehr Aufmerksamkeit in diesem Roman schenkte. Sie wurden mir wirklich nahe gebracht. Claudel hat mit „Die grauen Seelen“ ein dichtes, sehr sensibles Buch geschrieben, das von einer tiefen, bis zur Hoffnungslosigkeit reichenden Traurigkeit geprägt ist und dessen Leitgedanke sein könnte, keiner ist ohne Schuld.
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Rowohlt, Reinbek
ISBN-13: 978-3498009304
Gelesen: November 2007 in Krümels Book-Club
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4.12.2007 von Karthause.
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Albert Schmidt, von allen seit der Kindheit Schmidtie genannt, hat sich als Anwalt einer renommierten New Yorker Kanzlei wegen der Krebserkrankung seiner Frau frühpensionieren lassen. Danach brach seine Welt zusammen. Seine Frau starb und nur ein halbes Jahr später eröffnete ihm seine Tochter Charlotte, den jungen Anwalt Jon Riker zu heiraten. Schmidt hatte diesem jungen Mann zwar den Weg in der Kanzlei geebnet. Aber als Schwiegersohn lehnt er ihn rigoros ab. Für Schmidt ist er ein banaler Streber und unkultivierter Karrierist, was aber für ihn noch schwerer wiegt, Riker ist Jude. Charlotte passt sich sehr schnell der neuen Familie an und schon bald haben sich Vater und Tochter nichts mehr zu sagen, es bleiben nur noch unerfreuliche Diskussionen über Charlottes Geldforderungen. Schmidt steckt mitten in einer tiefen Lebenskrise als er die junge Kellnerin Carrie kennen lernt.
Zu Beginn des Buches hatte ich ein paar Schwierigkeiten, mich an dieses Buch zu gewöhnen. Es war mir zu finanz- und steuerlastig. Aber nach dem ersten Drittel las es sich fast von allein. Wie von Begley nicht anders gewöhnt, ist auch „Schmidt“ ein eher ruhiges Buch. Die Einsamkeit des Protagonisten nach seiner Pensionierung stellte er überzeugend und einfühlsam dar. Schmidts Lebenskrise ist für mich sehr nachvollziehbar, er ist einsam, die sozialen Kontakte pflegte früher seine Frau, er hat Probleme diese Kontakte aufrecht zu erhalten. Seine Einsamkeit war teilweise fast körperlich zu spüren, ein Thema, das heute aktueller denn je ist. Es hat mich sehr berührt.
Schmidts Unscheinbarkeit, seine Unentschlossenheit, seine Passivität, überhaupt sein ganzes Verhalten kommen nicht immer sympathisch rüber, werden von Begley aber sehr lebendig und greifbar geschildert.
Auch Schmidts Tochter, Charlotte, wurde von Louis Begley sehr eindrucksvoll beschrieben. Ihr Vater existiert für sie nur noch als Finanzier ihrer geplanten Hochzeit. Dabei erwartet sie, dass er keine Schwierigkeiten macht, alle ihre Wünsche akzeptiert und letztendlich auch finanziert. Sie war für mich die Antiperson des Romans.
Das Ende hat mit gut gefallen. Ich empfand es nicht als hoffnungslos. Nun bin ich auf “Schmidts Bewährung” gespannt.
Taschenbuch: 311 Seiten
Verlag: Suhrkamp
ISBN-13: 978-3518395004
Gelesen: November 2007 in Krümels Book-Club
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2.11.2007 von Karthause.
„Der Tod hat ihm alles genommen. Er besitzt nichts mehr. Er ist tausende Kilometer entfernt von einem Dorf, das es nicht mehr gibt, tausende Kilometer entfernt von den verlassenen Gräbern, eilig ausgehoben für die, die nur wenige Schritte weiter gestorben waren. Er ist tausende Tage entfernt von einem Leben, das einst schön und glücklich war.“
Monsieur Linh ist einer von vielen Flüchtlingen, die mit dem Schiff in ein fernes, ihnen fremdes land kommen. Er hat Schwierigkeiten sich in der ungewohnten und unfreundlichen neuen Umgebung einzugewöhnen. Liebevoll kümmert er sich um seine kleine Enkelin Sang-diû, sie ist die Einzige, die ihm von seiner Familie geblieben ist.
Eines Tages verlässt er die Flüchtlingsunterkunft und lernt im Park Monsieur Bark kennen. Keiner der beiden alten Männer versteht die Sprache des Anderen. Trotzdem sind sie nicht sprachlos. Gesten und Mimik sagen oft mehr als viele Worte. Sie fühlen sich im Inneren verbunden, denn beide sind auf ihre Art wie entwurzelte Bäume.
Leise und sehr gefühlvoll schildert Philippe Claudel diese besondere Freundschaft. „Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung“ ist ein unwahrscheinlich warmherziges, intensives, aber aber auch melancholisches Buch. Mich hat es emotional stark angesprochen, zum Schluss liefen mir die Tränen übers Gesicht.
Der einzige winzige Wermutstropfen waren die für meinen Geschmack teilweise zu kurzen Kapitel.
Trotzdem ist Philippe Claudel ein neuer Stern an meinem Autorenhimmel.
OT: La petite fille de Monsieur Linh
Gebundene Ausgabe: 126 Seiten
Verlag: Kindler (Juli 2006)
ISBN-10: 3463404982
ISBN-13: 978-3463404981
Gelesen: November 2007
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30.10.2007 von Karthause.
Wieder einmal ist es Baltimore, wo Anne Tyler die Geschichte um Rebecca und ihre Familie angesiedelt hat. Rebecca ist 53 Jahre alt und der Überzeugung, dass die Person zu der sie geworden ist, nicht zu ihr passt. Sie ist das weibliche Oberhaupt einer skurril-chaotischen Familie und richtet Partys für andere Leute aus. In Gedanken unternimmt sie eine Reise in ihre Vergangenheit Sie hinterfragt ihre sehr schnell geschlossene Ehe. Mit ihrer Jugendliebe nimmt sie wieder Kontakt auf und dazwischen bekommt der Leser einen recht umfassenden Eindruck vom hektischen und mitunter unübersichtlichen Leben der Familie Davitch.
Rebecca selbst machte auf mich eher den Eindruck einer etwas unreifen Frau. Ihre Entscheidungen waren für mich nur selten nachvollziehbar.
Das Buch war flüssig zu lesen, im typischen Anne-Tyler-Stil, den ich eigentlich gern mag. Trotzdem konnte mich dieses Buch nicht in dem Maße in den Bann ziehen wie andere der Autorin. Diesem Roman fehlte das gewisse Etwas, das sich so schwer beschreiben lässt. Es war mir ein wenig zu amerikanisch, zu chaotisch und zu oberflächlich.
Anne Tyler ist eine meiner Lieblingsautorinnen. Deshalb war sicher die Erwartungshaltung, mit der ich an dieses Buch ging, deutlich höher.
Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Krüger, Frankfurt; Auflage: 1 (Februar 2003)
ISBN-13: 978-3810519252
Gelesen: September 2007
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30.10.2007 von Karthause.
Dieses Buch ist eines der ungewöhnlichsten Bücher, welches ich bisher gelesen habe, das betrifft nicht nur die Typographie, es betrifft auch den Protagonisten.
“Extrem laut und unglaublich nah” hat mich ziemlich schnell gepackt. Mit klugen und schön gesetzten Worten führte Foer den Leser förmlich in einen Irrgarten, der sich langsam zum Ende hin entwirrte.
Gefallen hat mir die Suche Oskars nach Mr. bzw. Mrs. Black. Die Personen, die Foer beschrieb, waren alle auf ihre Art einzigartig, teilweise waren sie skurril, andere waren wieder ganz normale Mitmenschen. Auch die Geschichte, die die Großeltern zu erzählen hatten, hat mich berührt, obwohl deren Beziehung schon äußerst merkwürdig war. Oft ertappte ich mich dabei, dass ich eigentlich immer von ihnen mehr erfahren wollte als von Oskar.
Mein einziger Kritikpunkt an diesem Buch betrifft Oskar. Er ist für einen 9-jährigen nicht wirklich altersgerecht dargestellt. Besonders störten mich seine sexuellen Gedanken, Äußerungen und Fragen. Hätte mein Sohn in diesem Alter solche Gedanken geäußert, wäre ich hoch besorgt mit ihm zum Psychologen gegangen. Ehrlicherweise muss ich aber auch schreiben, dass mich dies in der 2. Hälfte des Buches nicht mehr so gestört hat. Vielleicht war es eine Art Gewöhnung. Ich habe leider nicht erkannt, was Jonathan Safran Foer bewogen hat, den Jungen dermaßen zu überzeichnen.
In diesen Roman baut der Autor eine den Atombombenabwurf auf Hiroshima betreffende Episode ein, diese konnte ich bis zum Ende nicht eindeutig in diesen Roman einordnen.
Die Erinnerungen an den Vater waren sentimental und Foer drückte schon auf die Tränendrüse. Aber es ist der Vater eines 9-jährigen ums Leben gekommen. Dieser Vater wird für den Jungen immer auf einer Art Sockel stehen. Alles was den Vater betrifft, gerät ins Licht von etwas ganz Besonderem. Für mich war es nicht zu sentimental. Und als Oskar dem William Black dann erzählte, er konnte um 10.26 Uhr nicht ans Telefon gehen als sein Dad zum letzten mal anrief und er das was dann geschah wirklich live am Anrufbeantworter mithörte, musste ich auch mit den Tränen kämpfen.
Die Fotos haben das Buch abgerundet, nur die auf den letzten Seiten fand ich grausam, nachdem ich nicht umhin kam Daumenkino zu spielen. Das ging mir durch und durch.
Mein Fazit: “Extrem laut und unglaublich nah” ist ein ungewöhnliches Buch, das aus der Masse der Bücher herausragt. Es zählt für mich zu den Büchern, die mit jedem Lesen besser werden, weil man neue Details erkennt, die vorher einfach überlesen wurden. Dieser Roman ist vielschichtig und gut geschrieben. Er macht Lust auf weitere Foers.
Broschiert: 436 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.)
ISBN-13: 978-3596169221
Gelesen: September 2007
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30.10.2007 von Karthause.
Yi Munyol erzählt in seinem Buch die Geschichte des zu Beginn des Romanes 12jährigen Han Pyongtae. Sein Vater wurde wegen eines Vergehens aus einem Seouler Ministerium in die Provinz strafversetzt. In Han’s neuer Schule ist alles anders als er es von Seoul her kennt. Der Klassensprecher, Om Sokdae, regiert die gesamte Klasse auf diktatorische Weise. Er tyrannisiert die Schüler, lässt sich von ihnen hofieren und bedienen und bedient sich selbst am Eigentum seiner Mitschüler. Kann er seinen Willen nicht durchsetzen, wird sowohl von ihm als auch von seinen Mitläufern Gewalt angewendet.
Han begehrt gegen dieses Unrechtregime auf und unterliegt. Völlig isoliert und ohne Freunde verbringt er sowohl seine Schulzeit als auch seine Freizeit. Doch für alle unerwartet ändert sich die Situation. Ein neuer Lehrer leitet eine „Demokratisierung“ ein.
Munyol zeichnet auf beeindruckende Weise, wie menschliche Charaktere auf veränderte Situationen reagieren. Er beschreibt, wie ehemalige Unterstützer des alten Regimes sich sofort positionieren und ihren Platz in der neuen Gesellschaft finden. Aber auch wie Gegner der des alten Systems nur zögerlich und unentschlossen den neuen Weg beschreiten, wurde eindrucksvoll herausgearbeitet. Verhaltensweisen, wie sie auch zu Zeiten politischer Umbrüche zu beobachten sind, werden hier klar aufgezeigt.
„Der entstellte Held“ hat sich für mich leicht und flüssig gelesen. Das Thema war für mich persönlich von besonderem Interesse, da ich die politische Wende in der ehemaligen DDR bewusst miterlebt habe und dabei auch auf die von Munyol so hervorragend beschriebenen Charaktere gestoßen bin. Auf dem Klappentext meiner Ausgabe steht: „In ‚Der entstellte Held’ zeichnet er (Munyol) ein Psychogramm der Macht und spricht damit ein Thema von universeller Gültigkeit an.“ Dem kann ich nur zustimmen. Ich muss sagen, mich hat das Buch sehr beeindruckt, es hat mich nachdenklich gestimmt und meine Gedanken wandern immer wieder zu den Protagonisten des Romans zurück, denn zu alltäglich sind ihre Wesenszüge, als dass man sie nach dem Lesen des Buches einfach vergessen könnte.
Gebundene Ausgabe 128 Seiten
Verlag: Pendragon (1999)
ISBN-10: 3929096730
ISBN-13: 978-3929096736
Gelesen: August 2007
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29.10.2007 von Karthause.
Dieses Buch beschreibt die Geschichte der Freundschaft zwischen Owen Meany, einem kleinwüchsigen Jungen mit Fistelstimme, und John Wheelwhrigt, dem Erzähler, die bis ins Erwachsenenalter hinein andauert. Die Story beginnt in den frühen 50-er Jahren und wird durch Berichte des Ich-Erzählers aus dem Jahr 1987 immer wieder unterbrochen. „Owen Meany“ ist aber auch eine kritische Auseinandersetzung des Autors mit der Politik der USA in diesem Zeitraum. So werden u. a. der Vietnamkrieg, die Rassenunruhen und der Einsatz der USA am persischen Golf unter der Reagan-Regierung thematisiert. John Irving bezieht aber darüber hinaus auch Stellung zu Fragen der Religion und des Glaubens.
Owen Meany ist ein Protagonist an dem ich mich – zumindest zu Beginn des Buches – reiben konnte. Seine Meinung, er sein ein von Gott Auserwählter, konnte ich zu diesem Zeitpunkt weder teilen noch nachvollziehen. Es war mir unverständlich, wie ein 11jähriger auf solche Ideen kommen konnte. Das war auch der Grund, weshalb ich mich beim Lesen der ersten Kapitel etwas schwertat. Diese ersten Kapitel wiesen auch Längen auf, die mir nicht so gefallen haben. Als ich mich dann aber eingelesen hatte, erfasste mich die Handlung wie ein Sog.
Die Charaktere wurden von John Irving, wie gewohnt, teilweise stark überzeichnet. Manche wirkten schon fast grotesk oder skurril. Aber alle wurden mit viel Liebe zum Detail geschaffen und die Protagonisten erlebten im Verlauf der Handlung auch erstaunliche Entwicklungen.
„Owen Meany“ ist ein ausgesprochen politischer Roman. Stellenweise bringt Irving bissigen Sarkasmus und Zynismus ein, er rechnet gnadenlos mit den Militäreinsätzen der USA ab. Obwohl ein breites Spektrum an Themen in diesen Roman einfließen, wirkt er nicht überladen.
„Owen Meany“ ist ein wunderbares Buch voller Menschlichkeit, Historie, Verworrenem und dem für John Irving charakteristischen Humor. Die Spannung wird vom ersten Kapitel an ganz langsam aufgebaut und steigert sich kontinuierlich. So, dass ich beim letzten Kapitel traurig war, dass dieses Buch nur 852 Seiten umfasst. Dass Owen Meany wohl der tragische Held dieses Buches sein würde, war wohl so ziemlich von Beginn des Buches an klar. Was für ein unerwartetes, furioses Ende John Irving zu dieser Geschichte inszeniert, hat mich dann aber doch stark beeindruckt. Wie Owen Meany im Verlauf des Romans mehrmals betont, dass es keine Zufälle gibt, wird zum Schluss von Irving eindrucksvoll bewiesen. Alle offenen Frage und Ungereimtheiten sind dann geklärt, alle Handlungsfäden wurden zusammengeführt .
Mich hat, trotz meiner anfänglichen Probleme, dieses Buch nachhaltig beeindruckt. Ich werde es sicher irgendwann noch einmal lesen, denn die Vielfältigkeit dieses Romans ist beim ersten Lesen kaum auszumachen.
Taschenbuch: 852 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag
ISBN-10: 3257224915
ISBN-13: 978-3257224917
Gelesen: Juli 2007
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29.10.2007 von Karthause.
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Wieder ein Buch von Anne Tyler, dass mir gut gefallen hat. Mit leisen Tönen erzählt sie die Geschichte einer Durchschnittsfamilie, die bei näherer Betrachtung doch nicht durchschnittlich ist. Ideenreich schildert sie diese Familie mit all ihren Sorgen und Problemen. Die Gedanken schweiften bei mir immer wieder ab, warum schreibt die Autorin ihre Romane über scheinbar ganz normale Menschen, wie wir sie auch bei uns um die Ecke finden? Ich glaube, ein Grund dafür könnte sein, dass es über diese Familien mit ihren Alltagsproblemen viel mehr zu berichten gibt als vielen klar ist. Der Bezug zur Realität liegt wesentlich näher.
Das Ende kam schnell und unspektakulär. Da hätte ich mir ein paar Ideen der Autoren mehr gewünscht.
Gebundene Ausgabe: 348 Seiten
Verlag: Fischer (S.)
ISBN-10: 3100800125
ISBN-13: 978-3100800121
Gelesen: Juni 2007
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28.10.2007 von Karthause.
Der Leser begleitet Pauline und Michael Anton auf ihrem Lebensweg von 1941 bis in die 1990er Jahre. Wären die beiden auch ein Paar geworden, wenn sie sich nicht im Krieg kennen gelernt hätten? Wohl eher nicht, sie sind einfach zu unterschiedlich. Für Pauline ist die Ehe die Verschmelzung zweier Menschen, Michael sieht in der Lebenspartnerschaft eine gemeinsame Reise zweier Menschen. So ist die Ehe der beiden auch eher ein 30jähriger Krieg, der durch diverse Waffenstillstände unterbrochen wurde. Zu Beginn des Buches kam ich in Versuchung, abzubrechen. Es waren mir einfach zu viele Streitigkeiten, die aus dem Nichts kamen und ins Nichts führten. Aber die Autorin schaffte es, eine Bindung zwischen mir und den Protagonisten aufzubauen. Gefühlsmäßig gehörte ich bald schon zur Anton-Familie. Ich wurde zum stillen Beobachter, der sowohl Pauline als auch Michael gern gelegentlich geschüttelt hätte, um sie zur Vernunft zu bringen. Es war aber auch die schöne Sprache, derer sich Anne Tyler bedient, die mich bei diesem Buch hielt. Und ich habe das Durchhalten nicht bereut. Jetzt, nachdem ich den Roman beendet habe, kann ich sagen, dass mir „Im Krieg und in der Liebe“ recht gut gefallen hat. Denn selten habe ich an einer Alltagsgeschichte, die ich persönlich mit Krieg begann und die im Verlauf der Handlung in Liebe zum Buch umschlug, so gehangen. Die Charaktere der Antons wurden so klar und facettenreich herausgearbeitet, ich hatte oft das Gefühl, sie wären gute Bekannte von mir, die ich schon lange kenne.
Mein Fazit: „Im Krieg und in der Liebe“ ist eine sehr schön geschriebene Alltagsgeschichte, wie es sie in der Realität häufig geben mag. Aber der lebensnahe Erzählstil und die wunderbare Sprache haben aus dem Buch etwas Besonderes gemacht. (Die ständigen Streitereien und die Art wie beide sich in die Ehe einbrachten, haben mich aber hin und wieder an den Rand der Fassungslosigkeit gebracht.)
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: List
ISBN-10: 3471789448
ISBN-13: 978-3471789445
Gelesen: Februar 2007
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28.10.2007 von Karthause.
Madena, Marie, wie sie früher hieß, reist in die Vergangenheit. Schon im Prolog wurde deutlich, was für ein ergreifender Roman vor mir lag. Marie wurde in ihrer Kindheit, in den 50er Jahren, immer wieder von Vater und Onkel missbraucht. Die Mutter bekommt davon nichts mit, sie ist von ihrem Mann geschieden wundert sich nur, dass ihre Tochter immer wieder rebelliert. Sie ist kein pflegeleichtes Kind. Die Mutter muss Marie oft drängen, sich mit dem Vater zu treffen, der sich einen „schönen“ Tag mir dem Mädchen machen will. Im zweiten Teil des Romans erlebt der Leser Marie als Erwachsene. Sie hat einen ersten Freund, wird schwanger und um nicht in Schande zu leben, muss sie heiraten. Die Ehe scheitert, wie noch etliche weitere Beziehungen in den folgenden Jahren. Eine der Ursachen dafür ist ihre innere Zerrissenheit.
Diesen Roman las ich am Stück von Anfang bis zum Ende durch. Die 50er Jahre erwachten vor meinen Augen zum Leben, so wunderbar schilderte die Autorin die damalige Zeit. Sie beschrieb die Spießigkeit und die Verlogenheit sehr authentisch. Ich konnte den Mief dieser Zeit förmlich riechen. Die Sprache, manchmal empfand ich sie schon fast als poetisch, die ich im 1. Teil vor fand, hat mir sehr gut gefallen. Monika Detering fand treffende Worte für den Missbrauch, ohne dabei bis ins letzte Detail zu gehen, man wusste, was mit Marie geschah. Marie hat die Hölle durchlebt. Ihre Gefühle, ihr Leid, ihre Ängste, ihre Zerrissenheit und ihre Suche nach sich selbst haben mich zutiefst erschüttert und aufgewühlt. Ich erlebte beim Lesen dieses sehr dichten Romans die ganze Bandbreite der Gefühle, von Lachen bis Weinen. Im zweiten Teil ändert sich mit Maries Alter auch der Erzählstil. Häufig werden Sätze nur angerissen. Das sollte zwar Maries Inneres reflektieren, mich hat es aber doch etwas gestört. Den sprachlichen Ausdruck des 1. Teils vermisste ich. Auch konnte ich Marie nicht immer verstehen, manche Frage nach dem WARUM ihres Handelns blieb unbeantwortet. Trotzdem hat mir „Herzfresser“ sehr gut gefallen. Marie ist keine wirklich lebende Person, sie ist das Ergebnis der Recherchearbeit der Autorin, ein Konglomerat verschiedener Einzelschicksale. Ein Lob noch für den äußerst zutreffenden Titel. Ich würde dieses Buch jedem, der sich auf diese Thematik einlassen kann, ans Herz legen.
Broschiert: 192 Seiten
Verlag: Gipfelbuch
ISBN-10: 3937591273
ISBN-13: 978-3937591278
Gelesen: Januar 2007
10,50 EUR
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