Archiv der Kategorie Krimi/Thriller

Klaus-Peter Wolf - Ostfriesenblut

 

 2. Fall

Als Ann Kathrin Klaasen eines Abends nach Hause kommt, findet sie vor der Tür ihres Hauses eine Leiche. Die Ermittlungen beginnen und recht schnell wird die Identität der Toten geklärt. Es handelt sich dabei um Regina Orthner, die früher in einem Kinderheim arbeitete. Auf ihrem Totenschein ist Herzversagen vermerkt, Untersuchungen ergeben jedoch, dass die Frau keineswegs eines natürlichen Todes gestorben ist. Noch während der Ermittlungen in diesem Fall erhält Ann Kathrin Klaasen Hinweise auf weitere Taten.

Wie schon im ersten Teil der in Norddeich handelnden Krimiserie um die Kommissarin Klaasen wird auch in diesem nicht nur der Kriminalfall beleuchtet. Die Person der Kommissarin steht ebenfalls als Mensch im Mittelpunkt. Und menschlich ist sie. Sie macht ihren Job, ist ehrgeizig, aber im Hinterkopf hat sie immer ihre gescheiterte Beziehung und den Sohn, zu dem sie immer weniger Zugang hat. Als dann auch noch die neue Lebensgefährtin ihres Ex verschwindet, wird es für Ann Kathrin Klassen ganz persönlich.

Durch „OstfriesenKiller“ wurde ich auf Klaus-Peter Wolf als Autor aufmerksam. „Ostfriesenblut“ war danach eine Art Pflichtlektüre für mich. Ich wurde auch nicht enttäuscht. Wie schon im ersten Teil sind die Protagonisten sehr lebensecht und natürlich gezeichnet. Sie stehen im Beruf mit all ihren Alltagsproblemen und grenzen sich von Superkommissaren zum Glück deutlich ab. Trotz idyllischer Urlaubslandschaft und sympathischen Polizeibeamten mangelt es diesem Krimi aber weder an Spannung noch an Brutalität. Die Tat selbst ist verknüpft mit der Thematik der schwarzen Pädagogik. Gekonnt ließ der Autor Informationen darüber ein sein Buch einfließen, ohne dabei die Kriminalfälle aus dem Auge zu verlieren.

Die Spannung wurde konsequent aufgebaut und auch durch die privaten Begebenheiten um die Kommissarin nicht abgeflacht. Durch die einfache, schnörkellose Sprache ist das Buch gut und flüssig zu lesen.

Mein Fazit: „Ostfriesenblut“ ist ein raffinierter deutscher Krimi, der mir noch einen Tick besser gefiel als sein Vorgänger. Jedem Krimifan, der ohne große Actionszenen auskommt, ist dieses Buch sehr zu empfehlen.

 

Broschiert: 328 Seiten * Verlag: Fischer (Tb.) * ISBN-13: 978-3596166688

 

Gerg Iles - 24 Stunden

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

24 Stunden – so lange dauern in der Regel die perfekt geplanten Entführungen eines Kidnapper-Trios. Die schockierten Eltern zahlen das geforderte Lösegeld, und die geraubten Kinder gelangen wohlbehalten nach Hause. Doch im Fall der kleinen Abby Jennings verläuft nichts nach Plan: Denn das entführte Mädchen benötigt dringend ein lebensnotwendiges Medikament, und ihre Eltern gehören nicht zu der Sorte von Menschen, die sich widerstandslos geschlagen geben. Die Jagd nach den Kidnappern wird zu einem Kampf auf Leben und Tod …

 

 

Meine Meinung

Nachdem ich „Blackmail“ als sehr spannend und unterhaltsam empfand, wollte ich von Greg Iles mehr lesen. „24 Stunden“ kam mir als nächstes in die Hände. Die ersten Seiten hielten, was ich erwartete, eine gute Story und viel Spannung. Aber mit der Entführung der Abby Jennings verwässerte die Geschichte nach und nach immer mehr. Weder das Entführer-Trio noch die Jennings waren in ihren Handlungen konsequent. Viele Dinge erschienen nicht recht schlüssig und der Zufall war auch ein beliebter Helfer in diem Thriller. Allerdings ließ sich das Buch flüssig lesen und es gab die eine oder andere Wendung, mit der ich nicht gerechnet hätte. Der Schluss des Buches war dann sehr actiongeladen. Wahrscheinlich hatte der Autor schon das effektvolle Finale der Verfilmung vor Augen. Mich hat „24 Stunden“ nicht überzeugt.

 

 

Taschenbuch: 400 Seiten * Verlag: Lübbe * ISBN-13: 978-3404148103

 

 

Jeffery Deaver - Der gehetzte Uhrmacher

 

 

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Er mordet mit der unfehlbaren Präzision eines Schweizer Uhrwerks

“Der kalte Vollmond scheint die Erde an: Das Ende der Reise, die mit der Geburt begann.” Der Uhrmacher

Blutige Handabdrücke auf einem Pier - die Leiche fortgerissen von den eiskalten Fluten des Hudson River. Ein toter Mann in einer dunklen Seitengasse des Broadway - sein Brustkorb zerquetscht von einem tonnenschweren Eisenquader … Lincoln Rhyme und Amelia Sachs können zwar kein Motiv für die quälend grausamen Morde entdecken, doch dafür hat der Täter an beiden Tatorten deutliche Spuren hinterlassen: kleine, laut tickende Standuhren, die unerbittlich die letzten Sekunden im Leben der Opfer herunter zählten - die unverwechselbare Visitenkarte des “Uhrmachers”. Fieberhaft machen sich die beiden Ermittler auf die Jagd und erhalten dabei unschätzbare Hilfe von einer neuen Kollegin: Kathryn Dance, eine weltweit anerkannte Spezialistin für Körpersprache, entlarvt Falschaussagen präziser als jeder Lügendetektor. Und tatsächlich scheint mit ihrer Unterstützung der Täter schon bald entlarvt. Doch dann wird klar: Der Uhrmacher ist seinen Verfolgern längst einen entscheidenden Schritt voraus, und irgendwo im Verborgenen tickt ein Zeitzünder unerbittlich gegen Null … Der siebte Fall für den genialen gelähmten Ermittler Lincoln Rhyme und seine Partnerin Amelia Sachs!

Meine Meinung

“Nichts ist, wie es scheint.”

Der gehetzte Uhrmacher“ ist der 7. Fall des Ermittlerduos Rhyme/Sachs.

In New York treibt ein Mörder sein Unwesen, der seine Opfer scheinbar willkürlich auswählt und an jedem Tatort eine laut tickende Uhr als persönliches Markenzeichen hinterlässt. Lincoln Rhyme ist wieder gefordert und in altbekannter Manier lässt Deaver den Leser direkt an den Ermittlungen teilnehmen. Die Ermittlungslisten werden von Kapitel zu Kapitel umfangreicher, aber dem Täter scheinen weder Rhyme noch der Leser näher zu kommen. Gleichzeitig ist Amelia Sachs dabei, ihren ersten eigenen Fall als Ermittlerin zu bearbeiten. So steht sie Rhyme nicht in dem Maße zur Verfügung, wie er sie benötigt. Dafür kommt ihm Kathryn Dance zu Hilfe, sie ist Spezialistin für die Analyse der Körpersprache. Rein zufällig stehen die beiden Fälle, dann aber doch in einem direkten Zusammenhang. Der Thriller nimmt noch einige unverhoffte, manchmal auch unnötige Wendungen, aber am Ende kommen Rhyme und Sachs ans Ziel und beide Fälle werden gelöst.

Jeffery Deavers Thriller um das Ermittlerpaar Rhyme/Sachs standen für mich immer als Garanten für Spannung und gute Unterhaltung. In dieser Hinsicht war ich von diesem etwas enttäuscht. Der Thriller hatte unerwartete Längen und auch der Spannungsbogen konnte nicht durchweg gehalten werden. Immer wieder flachte die Geschichte ab, obwohl der Plot an sich gut war. Einige Seiten weniger hätten die Handlung gestrafft und wären sowohl für das Buch als auch für mich als Leser von Vorteil gewesen. Etwas gestört haben mich auch die manchmal einfach zu durchschauenden Handlungskonstrukte. Überzeugt hat mich dieser Thriller nicht. Vielleicht hat sich nach den 7 Fällen die Story um die beiden Ermittler auch einfach nur abgenutzt. Vieles von der Genialität, mit der die beiden in den vorherigen Fällen brillierten, war unauffindbar.

Mein Fazit: „Nichts ist, wie es scheint.“ Und nicht in jedem Deaver ist die erwartete Spannung drin, die der Klappentext verspricht. Leider. Vielleicht bin ich auch mit zu hohen Erwartungen an dieses Buch gegangen. Aber der nächste Thriller „Die Menschenleserin“ ist schon in der Warteschleife. Ich bin gespannt.

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten * Verlag: Blanvalet * ISBN-13: 978-3764502027

Sabine Prilop - Das Mühlengrab

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Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Der schöne Rostocker Kommissar mit dem schicken Roadster, der Leidenschaft fürs Kochen und dem flotten Schlagstock beim Trommeln in seiner Jazzband ist schwer angeschlagen. Thomas Bellroth trauert um die Frau, die er heiraten wollte. Rache an Sonjas Mörder ist der einzige Gedanke, für den sein Kopf noch zu taugen scheint bis man ihn in Urlaub schickt, in die Provinz zwischen Gifhorn und Braunschweig, zu seinem Vater. Dort beginnt eine ganz andere Art von Jagd: eine Schatzsuche in alten Mühlen. Thomas ist nicht der einzige in diesem mörderischen Spiel, in dem sich Gegenwart und Vergangenheit verweben. Aber was er zuerst dabei zu Tage fördert, hatte er nie wiederfinden wollen: Erinnerungen an seine Kindheit. Der Tag, an dem sein Vater in den Westen floh …Vor dem Hintergrund der Atmosphäre der ländlichen Kleinstadt Gifhorn und der Faszination ihres Mühlenmuseums entwickelt Sabine Prilop ganz nebenher eine deutsch-deutsche Familiengeschichte und eine Vater-Sohn-Beziehung, die ebenso spannend ist wie der Kriminalfall, in den Bellroth in Meine hineingezogen wird. Es ist nicht nur ihr Insiderwissen über die Polizeiarbeit, die Prilops Romanfiguren authentisch macht.

 

Meine Meinung

Organisierte Kriminalität, eine unaufgearbeitete Familiengeschichte und Heideidyll sind die Zutaten für diesen Krimi. Mein erster Gedanke, nach dem ich den Klappentext las, war: ‚Das geht gar nicht.’ Aber schon nach wenigen Seiten war ich von dem Krimi, der für mich fast mehr eine Familiengeschichte war, gepackt. Ich wollte mehr wissen über den Rostocker Kommissar Thomas Bellroth, sein kompliziertes Verhältnis zu seinem Vater und die geheimnisvollen Geschichten um den Mühlenschatz. Geschickt hat Sabine Prilop Gegenwart und Vergangenheit der Romanfiguren mit einander verbunden, so, dass man die Hintergründe für die Handlungen der einzelnen Personen recht gut nachvollziehen konnte. Die Handlung des Buches war in der Umgebung von Gifhorn angesiedelt. Eine Gegend, die mir durch einen Urlaub nicht unbekannt war und so hatte ich z. B. den Tatort im Mühlenmuseum bildlich vor Augen.

Dies war das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe, es wird sicher nicht das letzte gewesen sein. „Mühlengrab“ ist flüssig geschrieben und leicht zu lesen. Der Sprachstil hat mir sehr gut gefallen. Besonders die detailgetreuen Beschreibungen der Mühlen haben mich beeindruckt. Trotz der komplizierten Familiengeschichte und der schön beschriebenen Heidelandschaft verlor Sabine Prilop den roten Faden nicht aus den Augen. Die Spannung zog sich konsequent durch das ganze Buch. Den Freunden des ruhigeren Krimis würde ich diesen Heidekrimi ohne Bedenken empfehlen. Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen.
Danke, liebe Steffi, für diese Überraschung.

 

Broschiert: 208 Seiten * Verlag: Leda Verlag * ISBN-13: 978-3939689102

Klaus-Peter Wolf - OstfriesenKiller

1. Fall 

Eine ostfriesische Kleinstadt wird von einer grausamen Mordserie erschüttert. Schnell wird klar, zwischen den Opfern gibt es eine Verbindung, den Verein „Regenbogen“, der sich die Hilfe für Behinderte zur Aufgabe gemacht hat, aber nicht unumstritten ist. Jedoch bleiben das Motiv und der Täter lange unbekannt.

Die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen ermittelt auf sehr sympathische Weise. Sie tritt nicht als Super-Women auf, sondern ist eine Frau, der der Spagat zwischen Beruf und Familie nicht so gelingt wie Ehemann und Sohn sich das wünschen. So sucht der Mann Trost bei einer anderen Frau, die so völlig anders ist als seine Ehefrau. Die Ehepartner trennen sich, der Sohn geht mit dem Vater und Ann Kathrin Klaasen steht privat vor dem Nichts.

Eigentlich mag ich die typischen Sonntagabendkrimis im Stil von Tatort und Co. nicht sonderlich. „OstfriesenKiller“ ist aber auf seine Art erfrischend anders. Die Personen sind alle sehr authentisch und lebensecht gezeichnet. Ich empfand sie als glaubwürdig. Sie hatten alle, begonnen bei der Kommissarin über die Vereinsmitglieder bis hin zum Täter, ihre Ecken und Kanten. Auch das Motiv, dass zu dem Morden führte, war überzeugend. Allein die Geschichte um die zerrüttete Ehe der Ann Kathrin Klaasen bietet Stoff für einen eigenen Roman. Gern hätte ich mehr über diese Nebengeschichte gelesen. Klaus-Peter Wolf steigerte die Spannung auf unaufdringliche, leise Weise ohne besonders actionlastig zu sein. Ich wurde förmlich von diesem Krimi erfasst und mit der Handlung mitgezogen. Das Gefühl ein Leser zu sein ging völlig verloren, ich fühlte mich eher wie ein stiller Beobachter.

Dem Autor ist es ausgesprochen gut gelungen, die Besonderheiten Ostfrieslands und seiner Bewohner einzufangen. Er hat die typische Atmosphäre ganz wunderbar transportiert.

Als einzigen Kritikpunkt sehe ich die Ankündigungen, wie lange ein auserkorenes Opfer noch zu leben hat. Das hat ein wenig die Spannung gemildert. Trotzdem war ich über die Auflösung erstaunt, die Hinweise am Anfang des Buches hatte ich nicht erst genommen.

Mein Fazit: „OstfriesenKiller“ ist ein ruhiger, trotzdem blutiger und spannender Krimi, den ich so nicht erwartet hätte. Ich danke dem Zufall, der mir dieses Buch in die Hände spielte. Der nächsten Fall der Kommissarin Klaasen wird mir nicht entgehen.

 

Broschiert: 311 Seiten
Verlag: Fischer
ISBN-13: 978-3596166671

 

Greg Iles - Blackmail

    

In Natchez wurde am Ufer des Mississippi die halbnackte Leiche der 17jährigen Kate gefunden. Ein Schock lag über der amerikanischen Kleinstadt und schnell war ein Tatverdächtiger gefunden, der angesehene, verheiratete Arzt Drew Elliot. Er war am Tatort. Er hatte ein Verhältnis mit der Minderjährigen und ein Motiv war auch schnell gefunden. Denn es stellte sich heraus, dass Kate schwanger war. Drew bat seinen langjährigen Freund, den ehemaligen Staatsanwalt Penn Cage, der seit dem Tod seiner Frau sehr zurückgezogen lebt und Romane schreibt, um seine Verteidigung. Doch für Penn wurde sehr schnell klar, dass hinter diesem Mord sehr viel mehr steckt, als auf den ersten Blick zu vermuten war. So ermittelte Penn Cage auf eigene Faust. Die örtliche Polizei war ihm keine echte Hilfe, sie war durch den Streit um Kompetenzen im Tun behindert, außerdem war für sie die Überführung des Mörders nur noch eine Formsache, der mutmaßliche Täter saß schließlich bereits in Untersuchungshaft. Der politisch ambitionierte farbige Staatsanwalt plante, an dem weißen Arzt ein Exempel zu statuieren und mit aller Härte des Gesetzes durchzugreifen. Das sollte ihm den Weg auf den vakanten Bürgermeisterstuhl ebnen, aber auch Penn Cage dachte über seine eigene Bewerbung für diese Position nach. Bei seiner Recherche wirbelt Cage viel Staub auf und macht sich damit, die auch zum letzten Mittel greifen würden.

Greg Iles Thriller spielt in der amerikanischen Kleinstadt Natchez, die schon bedeutend bessere Zeiten gesehen hatte. Mord, Korruption, Drogenkriminalität, organisiertes Verbrechen, politische Intrigen und Erpressung, aber auch Rassenkonflikte und Bandenrivalität spielen in diesem Ort eine nicht unwesentliche Rolle. Der Mord an der Schülerin ist nur die Spitze des Eisberges. Zwischen der detektivischen Arbeit Penns und den Auseinandersetzungen mit der Staatsanwaltschaft fügt Greg Iles sehr glaubwürdige und reale Bilder einer sterbenden Kleinstadt ein. Die Jugendlichen, die im Ort bleiben, haben kaum eine Perspektive. Viele Ältere haben resigniert und sich in die Situation ergeben. So ist die Kriminalität und der Drogenkonsum entsprechend hoch. Eine brisante Thematik, die hochaktuell ist und nicht nur für diese Stadt in den USA Gültigkeit besitzt. Die Aufkläung des Mordfalles im Zusammenhang mit den offensichtlichen Problemen der Stadt fand ich als sehr gelungen.

Blackmail“ ist sehr flüssig zu lesen. Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten, obwohl ich schon recht zeitig einen Verdacht hegte. Aber es gab immer wieder geschickt eingebaute Wendungen und Verwicklungen, die diesen Thriller nicht vorausschaubar machten. Lediglich das Ende steht in einem doch krassen Widerspruch zu meinem Rechtverständnis. Aber in diesem fiktiven Buch kann ich mit dem Ausgang gut leben.

 

Broschiert: 640 Seiten
Verlag: Lübbe
ISBN-13: 978-3404158027

Joy Fielding - Flieh, wenn du kannst

   

Bonnie Wheeler lebt mit ihrer Tochter Amanda und ihrem Ehemann Rod in einer heilen Welt. Bis sie eines morgens von der geschiedenen Frau ihres Mannes angerufen und diese Bonnie erklärt, sie und Amanda seien in Gefahr. Daraufhin verabreden sich die beiden Frauen. Als Bonnie am verabredeten Ort eintrifft findet sie Joan – sie ist tot.

Die Polizei hat somit eine Verdächtige, die die ungeliebte Vorgängerin aus dem Weg geräumt haben könnte. Aber auch Rod könnte ein Motiv haben. Schließlich hat er die Verdoppelungsklausel in der Lebensversicherung abgeschlossen, die auch bei einem Mord greifen würde. Bonnie beginnt eine Recherche auf eigene Faust und mehr als einmal zweifelt sie Liebe und Freundschaft an.

Joy Fielding kommt in diesem Buch gleich zur Sache. Ohne eine lange Einführung war ich als Leser mitten im Geschehen und der Spannungspfeil hatte mich getroffen. Ein typischer Fielding-Thriller also, den man nur ungern zur Seite legt. Der Stil ist flüssig und leicht zu lesen. Das muss in diesem Fall auch so sein, denn schließlich wollte ich vorankommen, wollte wissen, wer hat Joan umgebracht, warum wurde sie umgebracht, sind Bonnie und Amanda wirklich in Gefahr und wer bedroht sie? Mit meinen Verdächtigungen tappte ich ständig im Dunklen und jede endete immer mit der Erkenntnis, das derjenige nichts mit der Sache zu tun haben könne. Zum Schluss wird der Mord und die Bedrohung aufgelöst. Es kam fast völlig anders als ich erwartet habe.

Angenehm war, dass auch die Protagonistin keine Super-Women war. Sie war glaubhaft gestaltet mit ihren Ängsten, Zweifeln und Nöten. So, wie ich überhaupt sagen kann, dass die Figuren in diesem doch recht typisch amerikanischen Thriller recht gut gezeichnet und psychologisch durchdacht waren.

In der Mitte des Buches kommt Joy Fielding ein wenig ins Erzählen, die Spannung flacht für ein Weilchen etwas ab, aber nur um am Schluss noch einmal Hochspannung zu erzeugen.

Mein Fazit: Bei Joy Fielding finde ich immer spannende Unterhaltung, bei der ich nach einem stressigen Arbeitstag die Welt um mich für einige Zeit verdrängen kann.

Taschenbuch: 411 Seiten
Verlag: Goldmann TB
ISBN-13: 978-3442432622

Andreas Eschbach - Das Jesus Video

    

Der junge Amerikaner Stephen Foxx stößt bei Ausgrabungen in Israel auf einen sensationellen Fund. In einem 2.000 Jahre alten Grab liegt die Bedienungsanleitung einer Videokamera, die frühestens in drei Jahren auf den Markt kommen wird. Der Geldgeber der Ausgrabung, der schwerreiche Medienmagnat John Kaun, reist persönlich an, um die Nachricht als erster senden zu können. Verschiedene Theorien, wie die dieses Papier in das Grab gekommen sein könnte, werden diskutiert und wieder verworfen. Die zentrale Frage aber ist, gibt es ein Video, das Jesus zeigt und wenn ja, wo ist es?

In der Regel sind Zeitreiseromane so das Letzte wozu ich greifen würde. Aber auf wiederholtes Drängen meines Sohnes und weil es eben ein Eschbach ist, habe ich dieses Buch gelesen. Gleich vorweg, ich habe es nicht bereut.

In gewohnter Manier hat Andreas Eschbach seinen Roman „Das Jesus Video“ geschrieben. Leicht zu lesen, informativ, spannend, unterhaltsam, packend. Von der ersten Seite an war ich in die Geschichte involviert. Steven Foxx, war mir sofort, trotz seiner anfänglich fast grenzenlosen Naivität, oder vielleicht genau deshalb, ein recht sympathischer Held, mit dem ich gut mitfiebern konnte. Aber mit der Zeit öffneten sich auch seine Augen, für das Spiel, das hinter den Kulissen der Ausgrabung gespielt wurde. Den Charakteren fehlte ein wenig der Tiefgang, das wurde aber durch die rasante Handlung wettgemacht.

Der Spannungsbogen wurde bis zum Schluss gehalten, denn das Buch endete zu meiner Überraschung und Freude anders als der mir bereits bekannte Film und vor allem, es endete nicht vorhersehbar.

Auch in diesem Buch zeigt Eschbach wieder, dass er nicht nur ein hervorragender Dramaturg ist, er besticht auch wieder durch eine brillante Recherche. Dies stellt er immer wieder durch die in die Handlung gut integrierten Sach- und Fachdialoge unter Beweis, die für meinen Geschmack allerdings in diesem Buch, besonders zu Beginn, etwas zu umfangreich waren.

Ich wurde von diesem Buch wirklich sehr positiv überrascht, alle meine Vorurteile, die aus dem recht mittelmäßigen Film resultierten, sind abgebaut. Nun werde ich mich in absehbarer Zeit auch mit den Science-Fiction-Romanen von Andreas Eschbach befassen. Das ist als Genre für mich ein fast unbekanntes Gebiet, eine richtige Herausforderung. Aber wenn ein Autor mein Interesse an dieser Literaturrichtung wecken kann, dann Andreas Eschbach.

 

Gebundene Ausgabe: 590 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-13: 978-3426632390

James W. Nichol - Ausgesetzt

  

Walker Devereaux, als 3jähriger an einer Straße ausgesetzt, ist jetzt mit 19 Jahren auf der Suche nach seinen Wurzeln. Das einzige, was ihm von seiner Mutter geblieben ist, ist ein altes Foto und ein Brief.  Sein Weg führt ihn zielstrebig nach Toronto und relativ schnell findet er seine heiße Spur.

 

„Ausgesetzt“ wurde als DER Thriller gehandelt. Amazon schrieb, Nichol mache süchtig. Aber letzten Endes ist dieses Buch ein eher spannungsarmer, lediglich die Mittelmäßigkeit erreichender Thriller.  Die Story ließ sich auf Grund der einfachen Sprache sehr zügig lesen. Die Grundidee des Buches hat mir auch gefallen. Aber die Umsetzung hat mir nicht das gegeben, was ich erwartete. Einige Dinge empfand ich als an den Haaren herbei gezogen, andere wurden häufig wiederholt oder sehr in die Länge gezogen. Spätestens ab der Mitte des Buches war eigentlich klar, wer als Täter in Frage kommt. Es blieb nur noch die Frage nach dem Wie offen. Aber je mehr ich mich dem Ende näherte, wurde auch das immer vorhersehbarer. Künftig werde ich wieder vorsichtiger bei der Buchauswahl sein und mich nicht von entsprechenden Werbestickern verleiten lassen. Ich habe noch ein Buch von diesem Autor auf meinem SuB, aber das wird sich nun wohl noch eine Weile gedulden müssen.

 

Taschenbuch: 426 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-13: 978-3426628287

Charlotte Link - Die letzte Spur

   

Elaine Dawson wollte zur Hochzeit ihrer Freundin Rosanna nach Gibraltar fliegen. Aber durch den tückischen Londoner Nebel kam der Flugverkehr zum Erliegen. So blieb ihr nur die Wahl auf dem Flughafen zu übernachten, denn alle Hotels in der Umgebung waren ausgebucht, oder die Einladung des hilfsbereiten Herren anzunehmen und bei ihm Obdach zu finden. Bei Rosanna kam Elaine nie an.5 Jahre später bekommt die ehemalige Journalistin Rosanna, die ihren Vater in London besuchen will, von ihrem ehemaligen Chefredakteur ein verlockendes Angebot. Sie soll eine Serie über verschwundene Menschen schreiben und dazu den Stand der Dinge neu recherchieren. Einer von diesen Fällen ist der ihrer Freundin Elaine. Entgegen dem Willen ihres Mannes übernimmt Rosanna diesen Auftrag. Sie fliegt nach London und ist schnell in eigene Nachforschungen verstrickt. 

Diesen Roman von Charlotte Link würde ich auch eher als Spannungsroman bezeichnen, für einen Thriller reichte mir die Spannung nicht aus, denn stellenweise verflüchtigte sie sich doch. Wie bei allen ihren Romanen gibt es auch in diesem verschiedene Handlungsfäden, die anfangs scheinbar nichts miteinander zu tun haben, sich aber zum Ende hin entwirren. Allerdings kam ich bei diesem Buch schon relativ zeitig der Lösung recht nahe. Auch sprachlich war dieser Roman gewohnt einfach geschrieben und deshalb sehr flüssig zu lesen. Allerdings waren einige Dialoge etwas zu konstruiert und wirken dadurch gekünstelt. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass die Charaktere nicht so fein gezeichnet wurden, wie ich schon in anderen Romanen von ihr vorfand. Ich habe doch nun einiges an diesem Buch benörgelt. Das heißt aber nicht, dass mich dieses Buch nicht gut unterhalten hätte. Der Unterhaltungswert war gut. Das Buch lies sich schnell und leicht lesen. Aber ich habe schon wesentlich mitreißendere Bücher von Charlotte Link gelesen. In einem Arbeitszeugnis würde wohl der Satz zu finden sein: Sie legte einen Roman auf solidem Niveau vor. 

Mein Fazit: „Die letzte Spur“ ist ein unterhaltsamer Roman von Charlotte Link, der sich schnell als Zwischenlektüre liest. Es ist ein gutes, aber bei weitem nicht ihr bestes Buch.


Broschiert: 637 Seiten
Verlag: Goldmann TB
ISBN-13: 978-3442464586

Tom Rob Smith - Kind 44

Kind 44
Tom Rob Smith

   

 

OT: Child 44
Gebundene Ausgabe:
512 Seiten
Verlag: Dumont Buchverlag
ISBN-13: 978-3832180560

 

 

Zu Beginn der 50er Jahre werden in verschiedenen Städten der Sowjetunion tote Kinder aufgefunden. Offiziell heißt es, nur Unfälle können zu deren Tod geführt haben. Denn Gewaltverbrechen, so behaupten oberste Stellen vehement, gibt es in der kommunistischen Gesellschaft nicht. So soll Leo Demidow, Geheimdiestoffizier, seinen Kollegen davon überzeugen, dass der Tod dessen Sohnes Andrej, ein tragischer Unfall war.

Aber auch Leo bekommt seine Zweifel an der Sache, er forscht heimlich nach, und entdeckt 44 Fälle, bei denen Kinder zu Tode gekommen sind und deren Leichen sich auf grausamste Weise gleichen. Leo wird jedoch selbst überwacht. Solch eigenmächtiges Handeln ist alles andere als erwünscht. Er muss sich bewähren und soll seine Frau an die Geheimdienstchargen verraten. Aber innerlich hat er sich von dieser Organisation, der er immer treu gedient hat, gelöst. Sein Tun hat ernste Folgen.

Im Laufe der Geschichte erzählt Tom Rob Smith von der Gewaltherrschaft während der Stalinära. Unbescholtene Bürger werden als Staatsfeinde, Dissidenten und Regimegegner beschuldigt. Jeder kann jederzeit denunziert werden, ein Vorwand findet sich immer. Erpressung, Folter, Mord sind die Methoden der Geheimdienstler. Stalins Motto für den Überwachungsstaat ist „Kontrolliere die, denen du vertraust!“.

Die Stimmung in der damaligen Sowjetunion, die Ängste der Bürger, die unbeschreibliche Brutalität und Rücksichtslosigkeit des Geheimdienstes und die Funktionsweise des Stalinregimes hat Smith m. E. hervorragend eingefangen und beschrieben. Die Kriminalfälle dagegen und das Ende des Buches erschienen mir etwas zu konstruiert.

Die Sprache ist einfach und gut zu lesen. Dadurch rücken aber die Grausamkeiten, die beide Szenarien verbindet sehr deutlich in den Vordergrund. Beklemmung und Erschütterung ließen mich während des Lesens nicht los. Hinzu kommt das der Roman so geschickt aufgebaut ist, dass die Spannung stetig wächst und der Leser in der Handlung gefangen ist.

Ich würde dieses Buch empfehlen, aber immer darauf hinweisen, dass kaum vorstellbare Gräueltaten dieses Buch prägen.

 

 

 

Andrea Maria Schenkel - Tannöd

  

In einem Einödhof in Süddeutschland kam es zu brutalen Morden. Die ganze Familie Danner und das Gesinde wurden von einem unbekannten Täter erschlagen. Die Danners war nicht unbedingt das, was man als nette und beliebte Nachbarn bezeichnet. Im Dorf weiß jeder irgendetwas über sie zu berichten, nur gutes ist fast nicht dabei. So gibt es Mutmaßungen, Dorftratsch, und Spekulationen. Mit diesen Informationen konfrontiert Andrea Maria Schenkel die Leser anstelle einer durchgehenden Handlung. Die 8-jährige Betty kommt genauso zu Wort wie der Lehrer, der Pfarrer, Nachbarn, der Postbote, die Krämersfrau und andere aus der Dorfgemeinschaft. Der Leser erhält einen guten Einblick in das Gemeinschaftsleben und die Denkweise der Menschen. Für jeden, der zu Worte kommt, gibt es einen eigenen Abschnitt. So kommen die kurzen Kapitel zustande und der Lesefluss wird stark beschleunigt.

Tannöd“ ist ein Regionalkrimi, der sich durch seine Einfachheit erfreulich von der Masse der Krimis abhebt. Auch die Sprache ist in ihrer Art für den Handlungsort typisch. Die Personen wirken dadurch authentisch und nicht aufgesetzt.

Das Ende des Buches war mit der Aufklärung des Mordes ebenso einfach gehalten wie das gesamte Buch. Für mich ist dieser Roman durchgehend stimmig gestaltet. Andrea Maria Schenkel gelang ein Romandebüt, das mich im positiven Sinne überrascht hat.

Broschiert: 125 Seiten
Verlag: Edition Nautilus
ISBN-13: 978-3894014797
Gelesen: November 2007

 

 

Sabine Thiesler - Hexenkind

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Mitten im toskanischen Wald in der Casa della strega wird die Leiche der deutschen Sarah Simonetti gefunden. Sie war mit dem Besitzer der Trattoria des nahegelegenen Dorfes verheiratet. In dieses alte Gemäuer zog sie sich mit einer gewissen Regelmäßigkeit zurück, um ihrem Alltag zu entfliehen.

Die Polizei kommt und beginnt ihre Untersuchungen. Aber schon nach wenigen Seiten spielt die Aufklärung des Mordes zunächst keine Rolle mehr. Die Autorin schildert wie es zu dieser Bluttat kommen konnte. In Rückblenden wird nun das Leben von Sarah erzählt. Der Leser erfährt von ihrer früheren Beziehung zu Franky, dem Vater ihrer Tochter Elsa. Wir lernen Romano, Sarahs Ehemann kennen. Mit ihm geht sie nach Italien, um Franky zu entkommen. In ihrer neuen Heimat wird der gemeinsame Sohn Edi geboren, ein niedlicher aufgeweckter Junge, der im Alter von 2 Jahren einen schrecklichen Unfall hat. Damit beginnen Schuldzuweisungen, Selbstvorwürfe und Missverständnisse. Nichts ist mehr wie es war und mit dem Wissen, was zu Beginn des Buches geschah, merkt man als Leser immer deutlicher, dass sich verdeckt und zuerst ganz unterschwellig etwas zusammenbraut. Sarah ist verändert, sie stürzt sich in Affären. Darunter leidet nicht nur die Beziehung zu ihrem Mann, das belastet besonders ihr Verhältnis zu Elsa.

Je näher diese Rückblicke dem aktuellen Geschehen kommen, desto mehr wird die Spannung aufgebaut und die Ereignisse werden dramatischer.

Hexenkind“ hat außer dem Handlungsort keine Gemeinsamkeiten mit dem Vorgängerroman der Autorin. Um beiden Büchern gerecht zu werden, bin ich ohne Erwartungen an dieses Buch gegangen und versuchte, Vergleiche zu vermeiden. Mir gefällt der Erzählstil von Sabine Thiesler sehr gut. „Hexenkind“ ist flüssig, wenn auch mit ein paar Konstrukten, geschrieben und zog mich schnell in seinen Bann. Während der Schilderung der Ereignisse vor dem Mord erinnerte mich dieser Krimi eher an eine Familiengeschichte. Mich störte das überhaupt nicht. Denn die Spannung war trotzdem vorhanden. Ich sammelte Puzzleteilchen zu Puzzleteilchen. Die Frage nach dem WARUM drängte sich bei mir immer mehr in den Vordergrund.

Die Charaktere waren gut beschrieben und jeden einzelnen empfand ich in seinen Eigenarten als glaubwürdig. Das Verhältnis der Personen untereinander war für mein Empfinden hervorragend beschrieben. Da waren die Vorbehalte der Schwiegermutter Teresa gegen die junge Deutsche, die der Sohn ins Haus brachte; Romanos Festhalten an der Ehe mit Sarah, trotz deren Eskapaden und die Wut von Elsa über die Lügen und den Verrat der Mutter. Das Ende war atemberaubend, entsetzlich und erschütternd.

Mein Fazit: „Hexenkind“ ist ein eher ungewöhnlicher Krimi. Einer, der den Leser einlullt mit beinahe alltäglichen Ereignissen, die aber ein ungutes Gefühl im Bauch entstehen lassen und den Leser an das Buch fesseln. Mir hat dieser Krimi – und doch noch der Vergleich mit „Der Kindersammler“ – mindestens ebenso gut gefallen, denn er war wesentlich raffinierter im Aufbau.

Broschiert: 576 Seiten
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3453432741
Gelesen: November 2007

 

Sabine Thiesler - Der Kindersammler

:) :) :) :)

 

Geh’ nicht mit Fremden mit!“ Diesen Satz hat wohl fast jedes Kind schon mehrfach gehört. Es ist die Horrorvorstellung für Eltern, das eigene Kind könnte nicht mehr nach Hause kommen, weil ihm etwas unbeschreibliches widerfahren ist. Sabine Thiesler widmet sich diesem brisanten Thema in ihrem Debutroman.

Im Abstand von etwa 3 Jahren verschwinden in verschiedenen deutschen Orten kleine Jungen, alle sind blond und für ihr Alter recht zierlich. Alles weist auf den gleichen Täter hin. Seine Handschrift ist eindeutig und lässt keine Zweifel zu.

Auch in einer abgelegenen Gegend in der Toskana werden in den folgenden Jahren drei Jungen vermisst. Durch eine Reportage im Fernsehen wird die mit den deutschen Fällen betraute Kommissarin darauf aufmerksam und entdeckt Parallelen.

Der Roman beginnt dramatisch. Es gibt kein „Einlesen“, kein vorsichtiges Herantasten. Der Leser ist gleich mitten im Geschehen. Die Thematik bewegt, erschüttert, geht tief unter die Haut. Sabine Thiesler lässt den Leser an den Gedankengängen des Täters teilhaben, dieser ist von Anfang an bekannt. Sie schildert die Unbekümmertheit der Jungen ebenso wie ihre Todesängste. Aber auch das Entsetzen der Eltern, ihre Panik, ihre Trauer und Selbstvorwürfe werden nachvollziehbar aufgezeigt.

Die Dramaturgie dieses Buches ist meines Erachtens gut gelungen. Einem spannungsreichen Beginn folgt ein ruhiger Mittelteil, der sich gut und flüssig lesen lies. Gerade diese Ruhe lässt erahnen, das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Das Ende wird dann wieder rasant – und erstaunlich.

Meine Kritikpunkte an diesem Roman sind die etwas konstruiert wirkende letzte Tat und die in allen Einzelheiten beschriebenen Tathergänge. Meine Fantasie hätte mir genügend Grauen geliefert. Sabine Thiesler untermauerte dies durch Details.

Mein Fazit: „Der Kindersammler“ ist das beeindruckende Debut der Autorin. Spannung, Entsetzen und tiefe Betroffenheit begleiteten mich durch das Buch, das für zart besaitete Leser sicher nicht geeignet ist. Ich freue mich schon darauf, ihr neues Buch „Hexenkind“ zu lesen.

Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3453024540
Gelesen: Oktober 2007

 

 

Mark Nykanen - Totenstarre

8O 8O 8O 8O 8O

Ashley Stassler ist einer der weltbesten Bildhauer. Diesen Ruhm erwarb er sich durch seine Skulpturenserie „Family-Planning 1-8“ In seinen Werken thematisiert Stassler den Schmerz und das Entsetzen, was den Gesichtern seiner Skulpturen lebensecht anzusehen ist. Für die Realisierung seiner Projekte benötigt er Familien, aber nicht als Modelle, sondern als Opfer. Bei der Auswahl ist er besonders „sorgfältig“. Er entführt sie und bringt sie auf seinem Anwesen in einem im Keller errichteten Käfig unter. Stassler lässt sie trainieren bis ihre Körper seinen Vorstellungen entsprechen. Während der Gefangenschaft lässt er keine psychologischen Tricks aus, um die Familienmitglieder gegeneinander auszuspielen. Dann, wenn Entsetzen, Angst und Schmerz nicht mehr zu steigern sind, macht er Abgüsse von ihren Körpern und bringt sie mit perfider Perfektion, die für ihn in Genuss mündet, um.

Die Kunststudentin Kerry kann ihr Glück kaum fassen, sie hat ein Praktikum bei Ashley Stassler, ihrem Idol, ergattert und reist erwartungsvoll auf die abgelegene Ranch des Meisters. Aber schon nach wenigen Tagen meldet Stassler sie als vermisst.

Mark Nykanen bedient sich in seinem Roman zweier verschiedener Erzählebenen. Ashley Stassler lässt er seine Gedanken, Gefühle und grausamen Pläne in der Ich-Form erzählen. Die Geschehnisse um die Stundentin Kerry , ihre Professorin und die anderen an der Handlung beteiligten werden aus der Sicht eines Dritten geschildert.

Ich habe die Romane von Mo Hayder und Tess Gerritsen begeistert gelesen. Sie waren blutig und brutal. Mark Nykanen eröffnet mit seinem Buch „Totenstarre“ eine für mich neue Dimension im Genre des Psychothrillers. Seine Fantasien sind krank, grenzwertig, abartig. Er beschreibt einen Täter, dem seine Einzigartigkeit zur Obzession geworden ist.

Obwohl ich von Beginn an den Täter kannte, baute Nykanen einen Spannungsbogen auf, der mich an dieses Buch fesselte. Fast atemlos las ich mich von Grausamkeit zu Grausamkeit und konnte den Roman erst nach dem wahrlich explosiven Ende aus der Hand legen.

Totenstarre“ ist auf seine Weise einzigartig. Aber wer den geschliffenen, facettenreichen, feinen Kriminalroman liebt, sollte dieses Buch lieber im Regal stehen lassen. Ich glaube, dieses Buch wird die Meinungen der Leserschaft auseinander driften lassen.

OT: Bone Parade
Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Blanvalet (April 2007)
ISBN-13: 978-3442366248
Gelesen: Oktober 2007

 

Susan Sloan - Was keiner weiß

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Valerie Marsh sitzt im Gerichtssaal und wartet auf das Urteil, sie wird beschuldigt, nach 43 Ehejahren ihren Mann Jack erschlagen zu haben.

Ihre Gedanken gehen zurück in die Vergangenheit, 1955 lernt sie, die unscheinbar Naive, den gutaussehenden Jack kennen und verliebt sich in ihn. Kurze Zeit später heiraten beide, entgegen der Vorbehalte ihres Vater gegenüber dem Schwiegersohn. Aber die Ehe verläuft nicht harmonisch, körperliche Nähe kann sie nur erdulden, über sich ergehen lassen. Eigene Wünsche zu äußern wagt die streng katholisch erzogene Valerie nicht. So erträgt sie auch seine Schläge stumm, findet für ihre Blessuren Ausreden, denn Familienangelegenheiten werden nicht nach außen getragen, das hat man ihr seit frühester Kindheit im elternhaus beigebracht. Ihre einzige Freude sind ihre fünf Kinder, von denen Jack nicht eines wollte. Die Kinder werden groß und von der Gewalt im Hause Marsh werden auch sie nicht verschont. So bricht die Familie langsam auseinander. Nur Valerie hält immer noch zu ihrem Mann. Über 40 Jahre erduldet sie ihren Ehealltag. Als Jack jedoch ihren Enkel prügelt, bricht alle Wut aus ihr heraus.

Was keiner weiß“ ist ein sehr ruhiger, nachdenklich stimmender Roman. Er ist eher eine Familiengeschichte mit tragischem Ende als ein Thriller, wie er vom Verlag ausgewiesen wurde. Die gängigen, in amerikanischen Thrillern üblichen Actionszenen fehlen. Dafür gewährt uns die Autorin Einblick in eine nach außen hin ganz normal erscheinende amerikanische Familie. Nur wenigen Menschen fällt auf, dass Valeries häufige Verletzungen nicht auf ihre eigene Tollpatschigkeit zurückzuführen sein können, sprechen ihre Befürchtungen aber nicht aus und helfen ihr nicht.

Der Roman ist in einem leichten, einfach zu lesenden Stil geschrieben. Nichts wurde beschönigt und doch hat mich das Buch auf eigentümliche Weise berührt. Zeigt es doch ganz deutlich, welche Werte Mädchen in früheren Generationen vermittelt bekamen, damit sie sich in die Rolle der gehorsamen Ehefrau fügten.

Mich hat dieses Buch sehr gut unterhalten. Ich hatte zwar einen Thriller á la „Schuldlos schuldig“ erwartet und wurde durch den für mich neuen Stil von Susan Sloan etwas überrascht. Es war aber eine angenehme Überraschung.

Taschenbuch 506 Seiten
Verlag:
Droemer/Knaur
ISBN-10:
3426629089
ISBN-13:
978-3426629086
Gelesen:
April 2007

David Ball - China Run

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China Run“ ist die Taschenbuch-Ausgabe von „Nacht über dem Yangtse“.

In diesem Roman begegnete ich Korruption, Mord, Folter Menschen- und Organhandel, alles geschah aber auf die subtile chinesische Art. Mafiöse Strukturen waren deutlich erkennbar. Die organisierte Kriminalität blühte hinter der Kulisse des modernen sich öffnenden China. Ein bedeutendes Thema in diesem Buch war die in China geforderte Ein-Kind-Ehe. Mädchen waren nicht erwünscht, sie tragen den Familiennamen nicht weiter und verlassen als Erwachsene das Haus. Da musste frühzeitig Abhilfe geschaffen werden, entweder durch Abtreibung, bereits geborene Kinder wurden ausgesetzt oder in den Fluss geworfen oder bestenfalls in einem Waisenhaus abgegeben. Solche unerwünschten Kinder sollten amerikanischen Paaren zur Adoption übergeben werden. Auch Claire, Ruth und Allison hielten ihre Babys schon in den Armen, als das Schicksal, besser gesagt die chinesischen Behörden eine andere Entscheidung trafen, die eine rasante Flucht der Adoptiveltern zur Folge hatte.

Diesem Roman gegenüber entwickelte ich etwas gemischte Gefühle. Auf der einen Seite las ich einen spannenden, mitreißenden und emotionalen Roman. Ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen und wollte wissen, wie es weitergeht. Die Gefühlsebene wurde stark angesprochen, weil man mit den Frauen mitfieberte und mit ihnen und den Babys litt. David Ball baute in seinen Roman sehr schöne Landschaftsbeschreibungen ein. Darüber hinaus ließ er mich eine Kultur erleben, die mir recht fremd war, er schilderte die Besonderheiten der chinesischen Mentalität und des ganzen chinesischen Systems nachvollziehbar und glaubhaft.

Auf der anderen Seite störten mich diese typischen Thrillerelemente etwas. Besonders die letzte Verfolgungsjagd war mir persönlich zu dick aufgetragen. Außerdem war während der geschilderten langen Flucht der Mütter immer ein frisches Fläschchen oder eine saubere Windel für die Kleinen parat, egal welche Eile gerade geboten war. Bis auf diese Kritikpunkte wirkte „China Run“ recht authentisch. Die Vorstellung, dass solch ein Menschenhandel stattfinden könnte, liegt nicht außerhalb meiner Phantasie. Aber dieser Roman wurde aus rein amerikanischer Sichtweise geschrieben und da sind die Rollen von gut und böse recht klar verteilt.

Insgesamt gesehen hat mir das Buch gefallen, das Ende kam gemäß meinen Erwartungen. Aber es hat mich berührt, mitgerissen und gefesselt. David Ball ist ein guter Erzähler, ihm hätte ich noch ein paar Stunden folgen können.

Was mich jedoch immer wieder ärgert ist, dass Verlage Taschenbüchern einen anderen Titel geben als den entsprechenden Hardcover-Ausgaben. Das ist eine Sache, die ich wohl nie begreifen werde.

Broschiert: 541 Seiten
Verlag:
Droemer/Knaur (April 2007)
ISBN-10:
3426635275
ISBN-13:
978-3426635278
Gelesen:
April 2007

Andreas Eschbach - Ausgebrannt

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Bei den gegenwartsnahen Romanen von Andreas Eschbach setzt sich bei mir der Automatismus Sehen-Kaufen-Lesen fast unverzüglich in Gang. Im Hinterkopf bohrt immer die Frage “Wirst du dieses Mal enttäuscht sein?”. Jetzt nach 752 Seiten kann ich mit Freude feststellen, es hat sich wieder gelohnt.

 

 

Der deutsche Markus Westermann träumt einen Traum, seinen amerikanischen Traum und als sich ihm beruflich die Chance bietet, befristet in den USA zu arbeiten, setzt er alles daran, in diesem Land zu bleiben. Mit dem Geld und den Ideen anderer Leute will er den Durchbruch schaffen und sein Imperium aufbauen. Als er den Öltechniker Block kennen lernt, sieht er seine große Chance gekommen. Block ist fest davon überzeugt, dass die Ölvorkommen auf der Welt noch tausend Jahre ausreichen und er die einzige Methode kennt, das Öl zu finden, dessen Vorkommen namhafte Wissenschaftler vehement abstreiten. Gemeinsam gründen sie eine Firma. Sie schaffen es, eine Investmentgesellschaft von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen. Diese beteiligen sie zur Finanzierung ihrer Unternehmung. Zur gleichen Zeit muss in Saudi Arabien die Ölförderung auf dem weltgrößten Ölfeld eingestellt werden. Block und Westermann stehen plötzlich im Mittelpunkt des Interesses. Markus sieht sich am Ziel seiner Wünsche, aber die Entwicklung geht weiter, anders als von den beiden und dem Leser erwartet.

 

 

“Ausgebrannt” ist ein vielschichtiger, akribisch recherchierter Roman, die Handlung vollzieht sich auf mehreren Zeitebenen. Die Zahl der handelnden Personen ist hoch, aber nicht unüberschaubar. Nach kurzer Zeit begann ich deren Zusammengehörigkeit zu ahnen. Neben der romantypischen Handlung setzt Andreas Eschbach Sachbuchelemente bezüglich der Erdölthematik und auch der Historie ein. Er fand dafür das richtige Maß und eine geeignete Darstellungsform. Die Informationen hatten ein gutes populärwissenschaftliches Niveau und als Leser wurde ich an keiner Stelle vom geballten Überwissen des Autors überfordert.

 

 

Andreas Eschbach schrieb seinen Roman in einer leicht und flüssig zu lesenden klaren Sprache, dadurch kam es auch bei den “Sachthemen” zu keinen bedeutenden Unterbrechungen im Spannungsbogen.

 

Die Hauptperson des Buches, Markus Westermann, nahm im Roman meines Erachtens eine sehr gute Entwicklung. Vom naiven Amerika-Liebhaber, der jedes Klischee auslebte, entwickelte er sich zum mit anpackenden und klugen Geschäftsmann.

 

 

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Ich würde es gern als “hervorragend” bezeichnen, ein paar Szenen, die mir jedoch zu konstruiert zufällig erschienen, halten mich aber davon ab. Auf jeden Fall aber ragt “Ausgebrannt” über den herkömmlichen “Wirtschaftsthriller” heraus. Die Aktualität ist erschreckend aber nicht hoffnungslos und ließ mich schon mal über meine eigenen Lebensgewohnheiten nachdenken. Ich kann dieses Buch nur empfehlen.

 

 

Gebundene Ausgabe: 752 Seiten
Verlag:
Lübbe; Auflage: 4., Aufl. (Februar 2007)
ISBN-10:
3785722745
ISBN-13:
978-3785722749
Gelesen:
März 2007

Mo Hayder - Tokio

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“Tokio” kann nicht in einer Reihe mit “Der Vogelmann” oder “Die Behandlung” genannt werden. Dieser Roman unterscheidet sich grundsätzlich von seinen Vorgängern. War man bei den beiden anderen Thrillern sofort mitten im Geschehen, so beginnt “Tokio” recht gemächlich bis der Spannungsbogen aufgebaut ist und sich so steigert, dass man nur noch wissen möchte, wie das Finale des Buches sein wird. Leider beginnt die Spannung erst in der zweiten Hälfte des Buches richtig zu wirken. Ein gewisses Durchhaltevermögen ist auf den ersten 200 Seiten schon von Nöten, obwohl der Roman flüssig zu lesen und der bekannte Hayder-Erzählstil besonders zum Ende hin sichtbar wird.

 

Gern hätte ich noch mehr über Grey’s Vergangenheit erfahren, dadurch wären vielleicht ihre Handlungen und Beweggründe besser nachvollziehbar gewesen. Auch die Charaktere waren bei weitem nicht so brillant gezeichnet, wie ich es von der Autorin kenne. Manche Handlungen fand ich etwas zu konstruiert, so zieht z. B. die junge Engländerin, die über keinerlei Erfahrungen als Hostess verfügt, sofort die Aufmerksamkeit des japanischen Mafiabosses Fuyuka auf sich. Ohne diese Entwicklung würde es zu keiner Auflösung der Romanhandlung kommen.

 

Alles in allem ist “Tokio” ein durchschnittlicher Thriller, der zwar recht unterhaltsam war, aber bei mir, bis auf die Tagebuchaufzeichnungen, keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

 

Gebundene Ausgabe: 415 Seiten
Verlag:
Goldmann (Juni 2005)
ISBN-10:
3442310180
ISBN-13:
978-3442310180
Gelesen:
März 2007

Gerhard J. Rekel - Der Duft des Kaffees

:-) :-) :-) :-)

Der Duft des Kaffees ist würzig und viel versprechend. Voller Spannung wartet man darauf, dass sich die Geschmacksvielfalt auf der Zunge entfaltet und anregende Wirkung des Getränks eintritt. Dann, nach dem Genuss eines guten Kaffees, spürt man das Wohlbefinden. Ebenso verhält es sich mit diesem Buch.

 

Die Geschichte vor der Geschichte macht neugierig auf das, was noch kommen mag, ein gelungener Einstieg. Dann las ich die erste Seite und war gleich mittendrin in der Handlung. In verschiedenen deutschen Städten kam es zu Anschlägen. Aber es wurden keine Bomben gezündet, Unbekannte haben Kaffee vergiftet. Zahlreiche Menschen wurden mit Herzrhythmusstörungen in Krankenhäuser eingeliefert. Unter ihnen befand sich auch Jakob, der Sohn von Hans Brioni, einem kleinen Kaffeeröster aus Berlin, dessen ganze Leidenschaft, seit ihn seine Frau verließ, den braunen Bohnen gilt. In den vergangenen Jahren engagierte er sich gegen die Machenschaften der großen Kaffeekonzerne, die minderwertige Robusta-Bohnen durch fragwürdige Verfahren „aufbessern“. Im Keller hat Brioni ein Labor und etliche Vorräte an Kaffee von den großen Konkurrenzanbietern. Das macht ihn in den Augen der Polizei verdächtig. Eine rasante Verfolgungsjagd beginnt. Brioni hat die Unterstützung einer jungen und ehrgeizigen Journalistin gefunden und beide recherchieren nach den wahren Tätern. Doch wer steckt hinter den Anschlägen? Was sind die Motive? Möglich wäre Erpressung, die Taten eines Psychopaten, die Rache eines kleinen Kaffeerösters wie Brioni oder doch eine Verschwörung mit politischem Hintergrund. Denn zur gleichen Zeit soll in Deutschland das größte Reformpaket aller Zeiten verabschiedet werden.

 

In die gut mit Spannung gewürzte Handlung wurden geschickt Informationen rund um den Kaffee, den „Wein des Orients“ eingebaut, die nicht einen lehrbuchmäßigen Eindruck vermittelten oder gar den Spannungsbogen unterbrochen haben. So erfuhr ich ganz nebenbei noch einiges über die Geschichte, die Bedeutung, die äthiopische Kaffeezeremonie und die unterschiedlichen Sorten des Kaffees. Ohne dies wäre “Der Duft des Kaffees” nur ein durchschnittlicher Krimi.

 

Der Sprachstil hat mir sehr gut gefallen. Die Charaktere haben ein realistisches lebendiges Gesicht bekommen. Sie hatten ihre Eigenheiten und Macken. Besonders der Protagonist Hans Brioni, der schon ein Sonderling war, ist mir schnell ans Herz gewachsen und ich habe mit ihm gefiebert und ihm alles Glück gewünscht.

 

Wer einen blutigen Krimi mit Superdetektiven lesen will, sollte dieses Buch im Regal lassen. Wer aber an einem facettenreichen, spannenden und kurzweiligen Kriminalroman interessiert ist, der sollte an diesem Buch nicht vorbei gehen. Ich empfehle diesen Roman nicht nur den Kaffeeliebhabern.

 

Übrigens, die Geschichten rund um den Kaffee und der Krimi passen zusammen wie ein guter Espresso und seine Crema.

 

 

Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag:
Dtv
ISBN-10:
3423245050
ISBN-13:
978-3423245050
Gelesen:
Februar 2007

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