Archiv der Kategorie History

Tanja Kinkel - Säulen der Ewigkeit

Tanja Kinkel führt den Leser in diesem Roman in das Ägypten des 19. Jahrhunderts. Die Archäologie steckt noch in den Kinderschuhen und nur wenige Mutige wagen sich nach den Schätzen der Pharaonen zu suchen.

Sarah, die Heldin des Romans, wächst in einem Waisenhaus auf. Sie ist klug und so unterrichtet sie bereits als Jugendliche andere Kinder im Heim. Später arbeitet sie als Gesellschafterin bei einer alten Dame, bis sie den italienischen Artisten Giovanni Belzoni kennen lernt, den sie heiratet und mit den sie halb Europa bereist, bevor sie als eine der ersten Frauen im Jahr 1815 mit ihm in Ägypten ankommt. Belzoni versucht sich zuerst mit dem Bau einer Wasserpumpe, als er damit scheitert, beginnt er, angeregt durch den französischen Konsul Drovetti, nach Altertümern zu suchen. So birgt er den Kopf des Memnon. Wenig später legt er Abu Simbel frei und öffnet die zweite Pyramide als erster Mensch der damaligen Zeit. Alles geschieht im Wettlauf um Ansehen und Ehre mit Drovetti, der erst ein Freund war, dann zum Konkurrenten und später zum Feind wurde. Denn dieser kämpft nicht nur um die Altertümer Ägyptens, er kämpft auch um Sarah Belzoni, die ungewöhnliche Frau hat ihn mit ihrer pragmatischen Art stark beeindruckt.

Säulen der Ewigkeit“ ist ein hervorragend recherchierter Roman. Die Protagonisten sind reale Personen und nur ganz wenige Details wurden im Sinne einer stimmigen Geschichte von der Autorin angepasst. Der historische Hintergrund und die sehr gut beschriebenen landestypischen Eigenheiten ließen ein farbenprächtiges Bild Ägyptens vor meinem inneren Auge entstehen. Die Autorin brachte mir die Lebensweise der Einheimischen, aber auch die Schwierigkeiten im Alltag der Ausländer in diesem Land näher. Sie beschrieb anschaulich das Leben und die Religion der Moslems und der Christen, deren Eigenheiten und Traditionen.

Sarah Belzoni nahm nachgewiesenermaßen eine ganz ungewöhnliche Entwicklung. War sie mit ihren Ansichten zu Beginn des Romans noch in England der damaligen Zeit fest verwurzelt, so entwickelte sie sich zur eigenständig denkenden und handelnden modernen Frau in Ägypten. Die Rolle der duldsamen Ehefrau füllte sie nicht aus. Ihr Leitspruch ist: „Was immer du tun willst, fang damit an.“ Sie lebt ihn. Sarah Belzoni ist in diesem Roman in eine Dreiecksbeziehung verstrickt, für die es in der Historie keine Beweise gibt, allerdings gibt es Hinweise, die darauf hindeuten, dass es so gewesen könnte. Diese Geschichte ist sehr gut in das Geschehen eingebaut. Sie ist vollkommen frei von Herz-Schmerz und Kitsch.

Tanja Kinkel bedient sich einer einfachen, aber sehr einfühlsamen Sprache. Die historischen Fakten verknüpft sie geschickt mit der Romanhandlung. Man könnte ihren Roman auch problemlos als Romanbiografie bezeichnen, so eng hält sie sich an die von der Geschichte vorgegebenen Eckdaten. Die Spannung bleibt fast durchgängig erhalten, in nur ganz wenigen Szenen schleichen sich Längen in die Handlung ein. Dem Buch sind noch hilfreiche Karten und Zeichnungen sowie eine umfangreiche Bibliografie beigefügt.

Mein Fazit: „Säulen der Ewigkeit“ ist ein äußerst interessanter, detailgetreuer, historischer Roman, den ich sehr gern gelesen habe. Die enge Bindung an belegte Fakten machte das Buch an keiner Stelle lehrbuchhaft oder gar schwer lesbar. Wer sich für ägyptische Geschichte, Archäologie und historische Romane interessiert, kommt an diesem Buch sicher nicht vorbei.

Vom Verlag wurde noch eine Homepage für das Buch eingerichtet, die noch viele interessante Informationen bereit hält.

Gebundene Ausgabe: 688 Seiten * Verlag: Droemer/Knaur * ISBN-13: 978-3426198162

 

Deana Zinßmeister - Das Hexenmal

Dieser Roman von Deana Zinßmeister führt den Leser ins Eichsfeld des Jahres 1617. An fünf Schicksalen schildert die Autorin die Zeit kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg.

Die junge Katharina soll nach dem Tod ihrer Schwester an deren Stelle treten, deren Mann heiraten und den Kindern die Mutter sein. Aber sie stellt sich ihr Leben gänzlich anders vor. Ihr Traum ist es, wie einst die heilige Elisabeth von Thüringen, ihr Leben in den Dienst der Armen und Bedürftigen zu stellen. Zudem ist ihr der Schwager zuwider, der wiederum will ihr ihren Einsatz für die Armen verbieten. Als Ausweg bleibt ihr nur die Flucht.

Johannes, der älteste Sohn und somit der Erbe eines reichen Bauern, verliebt sich in die Magd Franziska. Diese ist in den Augen der Eltern nicht standesgemäß. Johann soll seinesgleichen heiraten, Reichtum muss beisammen gehalten und durch günstige Heirat gemehrt werden. Johann will aber seinem Herzen folgen. Vom Vater wird er wegen seiner Sturheit fast zu Tode geprügelt, Franziska flieht als die Gerüchte, sie sei eine Hexe, nicht verstummen, Johann folgt ihr kurze Zeit später.

Clemens lebt gemeinsam mit seiner Schwester Anna und deren Mann auf dem Hof der verstorbenen Eltern. Seinem Schwager geht es nur um Geld und dabei wirtschaftet er den Hof herunter. Clemens und seine Schwester sind ihm bei seinen Plänen im Weg. Anna will er in ein Kloster abschieben und für Clemens bereitet er ein Mordkomplott vor. Er kommt nur knapp mit dem Leben davon und muss fliehen.

Burghart, der Franziskanermönch, kann die Hexenprozesse nicht mehr ertragen, denen er beiwohnen muss. Er ist zwar der Überzeugung, dass den Hexen das Handwerk gelegt werden muss, aber die Vorgehensweise verabscheut er zutiefst. Die Umstände zwingen auch ihn zur Flucht.

Deana Zinßmeister erzählt die Geschichten der Protagonisten parallel. Ich brauchte einige Zeit um mich an diesen Stil zu gewöhnen, musste ich doch zu Beginn eines jeden überlegen, in welcher Geschichte ich mich gerade befinde. Verbindungen zwischen den Hauptpersonen gibt es nicht. Entschädigt dafür wurde ich durch die hervorragende Recherche der Autorin. Ein Quellenverzeichnis am Ende eines Romanes ist schon eher etwas Ungewöhnliches und belegt ihre Exaktheit. So fanden die Fakten zur Denunziation, zur Hexenverfolgung, zur Folter, zur peinlichen Befragung, zu Hexenproben und letztlich auch zur Verbrennung der Hexen in diesem Buch ihre Verwendung. Dies ging meines Erachtens ein wenig zu Lasten der Handlung, die doch ein wenig schwer in Gang kam, in der Mitte des Buches aber begann mich zu packen und sich zum Ende hin dann sehr steigerte.

Mit diesem Roman widmete sich die Autorin einem völlig anderen Thema als in den erfolgreichen Vorgängerromanen. Diesen Schritt fand ich mutig und gelungen. Sprachen ihre ersten beiden Romane vornehmlich Herz und Seele des Lesers an, so wurde in diesem auch der Geist gefordert.

Mein Fazit: „Das Hexenmal“ ist ein flüssig zu lesender, sehr gut recherchierter historischer Roman, der, wenn man in ihn eingetaucht ist, gute Unterhaltung bietet und fundiertes Wissen über die Zeit der Hexenverfolgung vermittelt.

 

Broschiert: 510 Seiten
Verlag: Goldmann
ISBN-13: 978-3442467051

 

 

Kirsten Schützhofer - Die Kapelle der Glasmaler

     

Frankreich im 13. Jh.. Clément ist ein angesehener Glasmaler. Er träumt davon einmal im Leben etwas zu schaffen, das der Schönheit Gottes angemessen ist. Nach der Beendigung seiner Arbeit in Rouen zieht er mit seiner Familie nach Paris, um als Glasmaler beim Bau der Sainte Chapelle zu arbeiten. Der Meister der dortigen Glasmaler ist Thomas. Beide kennen sich gut. Zu gut. Haben sie doch beide um Edwige geworben, die sich jedoch für Clément entschieden hat. Clément ist aber auf die Arbeit angewiesen und Thomas nutzt jede sich bietende Gelegenheit, um ihm zu zeigen, wer der Meister auf dem Bau ist. Seine Zurückweisung durch Edwige hat er nie verwunden, in seinem verletztem Stolz und seinem unberechenbaren Jähzorn sinnt er nach Rache. Neben diesem Haupthandlungsstrang werden noch die Geschichten des als Kind allein aufgefundenen Ghislain, der sich als Jongleur über Wasser hält und die des Baumeisters Pierre de Monteuil erzählt.

 

Dies war der erste Roman, den ich von der Autorin Kirsten Schützhofer gelesen habe. Wieder ein historischer Roman, in dem es um die Errichtung einer Kathedrale geht. Da schweifen die Gedanken schon mal zu Folletts „Die Säulen der Erde“ ab. Aber diesen Vergleich braucht die Autorin nicht scheuen. Im Gegenteil, mir hat dieser Roman deutlich besser gefallen als der Weltbestseller. Atmosphärisch dicht, in einer sehr schönen Sprache schildert Kirsten Schützhofer den Bau der Kirche. Vor dem inneren Auge habe ich das Werden dieses Bauwerks gesehen. Wie nebenbei erklärt sie das Handwerk. Die Arbeit der Glasmaler beschreibt sie in einer beeindruckenden Detailgenauigkeit. Auch die gewöhnlichsten Alltagssituationen, wie Wasser holen oder heizen, weiß Kirsten Schützhofer in die Handlung einzubauen, so dass der Leser sich gut in die damalige Zeit einfühlen kann. Abgerundet wird das Buch durch die fein gezeichneten Charaktere, denen jede Schwarz-Weiß-Malerei fehlt. Sie wirken wie aus dem Leben gegriffen, jeder hat sowohl gute als auch schlechte Seiten. Bei aller Erzählfreude der Autorin, die ich beim Lesen deutlich spüren konnte, gab es keine nennenswerten Längen in den Beschreibungen oder Handlungen.

 

Mein Fazit: „Die Kapelle der Glasmaler“ ist ein opulenter und farbenprächtiger Mittelalterroman. Kirsten Schützhofer hat es geschafft, diese Zeit für mich mit Leben zu füllen, ich konnte sowohl das Mittelalter sehen, riechen und hören, als auch mit den Protagonisten mitfiebern. Dies ist einer der besten historischen Romane, die ich bisher gelesen habe.

 

Taschenbuch: 720 Seiten
Verlag: Diana Taschenbuch
ISBN-13: 978-3453351523

 

Charlotte Thomas - Die Lagune des Löwen

    

Venedig zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Laura, Antonio, Valeria und Carlo, der entflohene Sklave, müssen ihr Leben als Straßenkinder fristen. Während sich Valeria als Kinderhure Männern hingibt, sind die anderen als Diebe unterwegs. In dieser gemeinsamen Zeit ist zwischen den Kindern eine tiefe Verbindung gewachsen, die Jahre später noch Bestand hat. Alle vier haben ein schlimmes Schicksal hinter sich. In „Die Lagune des Löwen“ wird in verschiedenen Handlungssträngen deren Lebensweg mit Höhen und Tiefen erzählt. Ihre Wege kreuzen sich immer wieder und alle sind getrieben von dem Wunsch, nie wieder in solcher Armut leben zu müssen. Die Wege, die sie gehen, um ihr Ziel zu erreichen, können verschiedener nicht sein. Ich konnte die Höhen und Tiefen des Lebens der Protagonisten bis hin zu einem fulminanten Ende miterleben.

Auch dieser zweite Roman von Charlotte Thomas führte mich ins Venedig der Renaissance. Mir hat der Vorgängerroman „Die Madonna von Murano“ schon sehr gefallen und in gleich guter Weise wurde auch dieser Roman geschrieben. Wieder entstand in meinen Gedanken ein farbenprächtiges und detailreiches Bild der Serenissima vergangener Tage. Charlotte Thomas hat in ihren Roman eine Vielzahl von Charakteren und Schicksalen eingearbeitet, die fast alle Gesellschaftsschichten berühren. Die Schilderung der verschiedenen Lebensumstände empfand ich als glaubwürdig und die Dialoge waren sehr natürlich und ungekünstelt. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Protagonisten eine deutliche Entwicklung durchlebten. Ihre Charaktere waren sehr fein gezeichnet und wirkten sehr lebensecht.

Neben der eigentlichen Handlung bekam ich gut recherchierte Informationen zum historischen Hintergrund von den Lebensumständen und dem Handel in der damaligen Zeit, die geschickt mit dem Geschehen verwoben waren. Der Roman ließ sich sehr leicht lesen. Charlotte Thomas’ leichter, flüssiger Stil, der aber keineswegs seicht ist, hat mich auch in diesem Buch überzeugt. Besonders hervorheben möchte ich die Gestaltung des Buches. Es ist wahrer „Hingucker“. „Die Lagune des Löwen“ hat mich von der ersten Seite in seinen Bann gezogen, es hat mich sehr gut unterhalten und ich hatte sehr schöne Lesestunden.

Gebundene Ausgabe: 960 Seiten
Verlag: Ehrenwirth
ISBN-13: 978-3431037449

 

Martin Walser - Ein liebender Mann

    

Bis er sie sah, hatte sie ihn schon gesehen. Als sein Blick sie erreichte, war ihr Blick schon auf ihn gerichtet. (Seite 9 „Ein liebender Mann“ Martin Walser) 

„Ein liebender Mann“ ist ein Roman über eine späte und einseitige Liebe. Der 74jährige Johann Wolfgang von Goethe hat sich in die 19jährige Ulrike von Levetzow verliebt. Eifersucht und Selbstzweifel plagen den berühmten Dichter. Träumereien und die Gedanken an die Geliebte lassen ihn nicht schlafen. Dass die Weimarer ihn inzwischen als einen Lustgreis bezeichnen, trifft ihn, der sich so jung wie seit Jahren nicht mehr fühlt, zutiefst.

„Ein liebender Mann“ habe ich sehr gern gelesen. Das Buch war unterhaltsam, teils fiktiv, teils historisch festgeschrieben.

Ich konnte in diesem Buch in die Gefühlswelt alternder, eitler und selbstverliebter Herren abtauchen. Ein Blick, die sich mir in diesem Maße noch nicht eröffnet hatte. Manches wurde mir dadurch verständlicher, manche Szenen empfand ich nur als  bizarr. Die Selbstzweifel, die Ängste, aber auch die Hochgefühle kamen mir sehr lebensecht vor. Ulrike ist der Jungbrunnen des Dichterfürsten, sie erscheint mir sehr modern und selbstbewusst. Ich hatte bisher immer einen anderen Eindruck von ihr. Aber dies ist ja auch keine Biografie sondern ein fiktiver Roman, da darf der Autor schon etwas kreativer ans Werk gehen. Mir hat die Sprache, bis auf wenige Ausnahmen, bei denen ich sie twas aufgestetzt empfand, sehr gut gefallen. Besonders die Wort- und Satzspielereien im Geplänkel zwischen Ulrike und Goethe hatten es mir angetan.
 

Und der letzte Satz war dann ganz besonders.
 

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag GmbH
ISBN-13: 978-3498073633

Ken Follett - Die Säulen der Erde

    

England im 12. Jahrhundert. Krieg, Intrigen und Hunger haben das Land im Griff. In verschiedenen Handlungssträngen zeichnet Ken Follett ein eindrucksvolles detailliertes Bild des Lebens seiner Protagonisten im Mittelalter.

Der Steinmetz Tom Builder zieht, nachdem er seine Arbeit verlor, mit seiner hochschwangeren Frau, seiner Tochter Martha und seinem Sohn Alfred durch die Lande, immer auf der Suche nach neuer Arbeit und Nahrung. Bei der Entbindung stirbt seine Frau und schon kurz darauf lernt er die rätselhafte Ellen und deren Sohn Jack kennen. Trotz aller Not verliert er nie seinen Traum aus den Augen, eines Tages eine Kathedrale zu bauen.

Aliena, die schöne Grafentochter, wurde erst geschändet und dann mit ihrem Bruder von der Burg Shiring vertrieben. Erstmals steht sie auf eigenen Beinen und muss sich im Leben bewähren. Auch sie hat einen Traum, sie setzt alles daran, den Grafentitel und die Burg für ihren Bruder Richard zurück zu holen.

Philip, der Prior von Kingsbridge, hat es sich zum Ziel gestellt, die Priorei erblühen zu lassen und dort eine Kathedrale zu errichten, deren Säulen sich von der Erde bis in den Himmel erheben.

Sie haben jedoch mächtige Gegenspieler aus Kirche und Adel. An deren Spitze steht William Hamleigh. Er ist ein junger, unberechenbarer Adliger, lässt sich willig von der Mutter, vom Bischof und vom König manipulieren und für deren Intrigen einsetzen und kennt nur eine Sprache, die Gewalt. Mit ihr verschafft er sich skrupellos Macht um der Macht Willen. Er will nur herrschen und beherrschen.  

Mir hat das Buch gut gefallen. Die historischen Begebenheiten hat der Autor glaubwürdig beschrieben. Der Spannungsbogen war gut aufgebaut und hielt sich bis zum Ende. Ken Folletts Stil zu schreiben mag ich sehr. Er schreibt flüssig und zieht seine Leser so ins Geschehen hinein, dass das Buch trotz seiner 1.151 Seiten recht zügig zu lesen ist. Leider bin ich mit sehr großen, mit zu großen Erwartungen an dieses Buch gegangen. So kam es, dass ich stellenweise mit diesem wohl bekanntesten historischen Roman etwas haderte. Zu Beginn des Buches störte mich die schwarz-weiß Malerei bei den Charakteren. Die positiv besetzten Figuren hatten kaum negative Eigenschaften, die Antihelden waren durchweg schlecht. Im weiteren Verlauf der Handlung war dieser Eindruck nicht mehr so präsent, da kaum noch neue Charaktere auf der Bildfläche erschienen. Dafür gab es hier ausführliche Beschreibungen von Schlachten, Vergewaltigungen und Metzeleien, die mich in ihrer Detailliertheit störten. Außerdem waren manche Abschnitte ein wenig mit bautechnischen Einzelheiten überfrachtet, so dass ich diese Seiten etwas überflog. Abgesehen von diesen drei Kritikpunkten habe ich dieses Buch sehr gern gelesen. In meinem Kopfkino entstand ein recht farbiges Bild dieser doch eher dunklen Zeit. Mein Fazit: „Die Säulen der Erde“ ist ein solider, sehr detailreicher historischer Roman, der mich gut unterhalten hat. Die Fortsetzung dieses Romanes „Die Tore der Welt“ werde ich in kürze lesen. Darauf bin nun schon recht gespannt.

Gebundene Ausgabe: 1151 Seiten
Verlag: Lübbe
ISBN-13: 978-3785705773

Andrea Schacht - Göttertrank

Göttertrank
Andrea Schacht

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Gebundene Ausgabe: 635 Seiten
Verlag: Blanvalet
ISBN-13: 978-3764502737

 

 

 

Der Roman ist zeitlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert angesiedelt. Als Handlungsorte spielen Gut Evashof in Mecklenburg, Berlin, Köln, Bonn, London, Trinidad und Venezuela eine Rolle. Andrea Schacht erzählt in ihrem Buch die Geschichte von Amara, der unehelichen Tochter der Zuckerbäckerin Birte. Schon als sie noch ein kleines Mädchen war, schaute sie ihrer Mutter bei der Herstellung von diversem Naschwerk zu. Am meisten begeisterte sie schon immer der Duft – nicht der Geschmack - von Kakao. Diese Passion sollte ihr wechselhaftes Leben prägen. Sie half ihr aus mancher Lebenskrise hinaus. Die Autorin hat mit Amara das Bekanntwerden von Kakao – dem Trank der Götter - in deutschen Landen verwoben und dabei auf eine sehr schöne Art und Weise sehr viele interessante Informationen rund um die Kakaobohne integriert. Parallel zur Lebensgeschichte von Amara wird die des Ingenieurs Alexander Masters erzählt. Er steht für die Industrialisierung, die Einführung von Dampfmaschinen und anderen neuen Techniken. Die Widerstände mit denen er zu kämpfen hat und auch die aufkeimende Arbeiterbewegung runden das Buch thematisch ab. Andrea Schachts Roman bewegt sich durch alle Gesellschaftsschichten hindurch, dadurch gelingt es ihr sehr gut, ein ansprechendes und nachvollziehbares Zeitbild zu schaffen. Der Spannungsbogen des Romans wird gehalten durch Intrigen, Ränkespiele, Verwicklungen und Schicksalsschläge. Aber auch Morde, oder waren es doch nur Unfälle, sind ein nicht unwichtiger Part in diesem Buch.

Göttertrank“ steht für mich für 635 Seiten gute Unterhaltung. Dazu kommen die äußerst interessanten Informationen über die Kulturgeschichte des Kakaos und Modernisierung der althergebrachten Technik und Technologien, bei denen die Autorin auch vor Details nicht zurückschreckt. Das zeugt für mich für eine akribische Recherche. Die Sprache empfand ich als gut in die Handlungszeit passend. Besonders aber hat es mich gefreut, dass ich Antonia und Cornelius Waldegg aus ihrem Vorgängerroman „Die Kreuzblume“, der mir so gut gefallen hat, wieder getroffen habe. Hervorheben möchte ich das Vorhandensein eines Personenverzeichnisses. Es erleichtert es dem Leser zumindest zu Beginn des Buches einen Überblick über die Vielzahl der Personen zu behalten. Im weiteren Verlauf des Romans stellt dies kein Problem mehr dar. Denn die Charaktere waren sehr gut beschrieben und hatten alle ihre mehr oder weniger liebenswerten Eigenarten.

Allein die Zusammenführung der einzelnen Handlungsstränge am Ende des Buches hat mir nicht ganz so zugesagt. Es ging mir alles etwas zu glatt und problemlos. Aber das ist sicher reine Geschmackssache.

Andrea Schacht steht für mich als Garant für gut recherchierte Unterhaltung. Auch dieser Roman hat mich überzeugt. Ich freue mich, dass ich noch einige ungelesene Romane von ihr vor mir habe, sie werden mir die Zeit bis zu ihrem nächsten Buch verkürzen.

Über den Autor

Andrea Schacht war lange Zeit als Wirtschaftsingenieurin in der Industrie und als Unternehmensberaterin tätig, hat dann aber dem seit ihrer Jugend gehegten Wunsch nachgegeben, Schriftstellerin zu werden. Andrea Schacht schreibt mit dem Atem der leidenschaftlichen Erzählerin. Ihre historischen Bestseller begeistern durch Detailtreue, atmosphärische Dichte und die starken, klugen und mitreißenden Frauenfiguren. Zuletzt ist im Blanvalet Verlag ihr Roman “Kreuzblume” erschienen. Sie lebt heute als freie Autorin mit ihrem Mann und ihren zwei Katzen in Bad Godesberg.

Bisher habe ich von von Andrea Schacht Kreuzblume gelesen.

 

Elmar Bereuter - Schwabenkinder

Die Schwabenkinder
Elmar Bereuter

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Gebundene Ausgabe: 360 Seiten
Verlag: Herbig
ISBN-13: 97
8-3776623048

 

 

 

Winter 1868. Der Hof der Bauernfamilie Meser im Bregenzer Land ernährt kaum seine Besitzer. Als dann auch noch das Kalb und kurze Zeit später das Schwein stirbt, wissen die Mesers nicht mehr wie es weitergehen soll. Der einzige Ausweg ist, den neunjährigen Sohn Kaspanaze zum Schwabengehen zu schicken. Dort kann er, von reichen Bauern für 8 Monate gekauft, ein bisschen Geld verdienen und neue Sachen bekommen. Außerdem ist am heimischen Tisch ein Esser weniger. Gemeinsam mit 18 anderen Jungen und Mädchen macht er sich auf den Weg nach Ravensburg zum Kindermarkt. Das Glück ist ihm nicht hold und ein als Kinderschinder bekannter Bauer ersteigert ihn. Arbeit und Schläge bekommt er mehr als Essen. Unterstützung findet er einzig bei dem jungen Amerikaner Whitehead, der seine Wurzeln im Schwabenland erforscht. Aber als er es aber gar nicht mehr aushält, flieht er vom Hof der Gebstetters. Kaspanaze läuft soweit er kann und kommt bei einer anderen Bauernfamilie unter. Auch dort muss er schwer arbeiten, aber bekommt ausreichend zu essen und wird freundlich behandelt.

Vor einigen Jahren habe ich den Film „Schwabenkinder“ gesehen, er hat mir schon sehr gut gefallen, aber das Buch war noch einmal deutlich besser. Elmar Bereuter beschreibt mit einfachen aber prägnanten Worten die Not der Vorarlberger Bauernfamilien. Die innere Zerrissenheit der Eltern, ihren Ältesten ins Schwabenland schicken zu müssen, die anfängliche Unbesorgtheit des Kaspanaze, das Heimweh und die Nöte des Jungen werden von Bereuter sehr einfühlsam geschildert. Die Charaktere hat er für mein Empfinden sehr gut herausgearbeitet. Nur Kaspanaze selbst war mir einigen Stellen für einen neunjährigen Jungen vom Bauernhof etwas naiv dargestellt. Wie bei vielen Büchern hätte ich mir das Ende nicht so abrupt gewünscht. Mich hätte schon noch die Reaktion der Eltern bei der Heimkehr des Sohnesinteressiert. So blieben auch hier Fragen offen.

Mein Fazit: „Schwabenkinder“ ist ein sehr gut und flüssig zu lesendes, hochinteressantes aber vom Thema her ein eher etwas bedrückendes Buch. Ich würde es auf jeden Fall weiter empfehlen.

 

Über den Autor

Elmar Bereuter, geboren 1948 als ältestes von vier Kindern einer Bauernfamilie im Bregenzerwald, verbrachte seine Kindheit zwischen Dorfleben, Alpwirtschaft und Internat. Nach einer Karriere als PR-Manager betreibt er seit 1991 eine Werbeagentur und lebt mit seiner Familie in der Nähe des Bodensees. Zuletzt erschien von ihm der Roman »Felders Traum«.

Außerdem habe ich von Elmar Bereuter bisher Die Lichtfänger gelesen.

 

 

E. L. Doctorow - Der Marsch

Der Marsch
Doctorow, E. L.

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN-13: 978-3462039177

 

 

 

 

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

E.L. Doctorow erzählt von Liebe in Zeiten der Gewalt, von Idealen im Malstrom der Schlacht und vom Krieg als alles verschlingendem Ungeheuer - gestern wie heute. Ein von der Kritik gefeierter und mit dem PEN/Faulkner Award ausgezeichneter US-Bestseller (Platz 3). 1865, der Amerikanische Bürgerkrieg liegt in den letzten Zügen. General William T. Sherman marschiert mit einer Armee von sechzigtausend Mann durch Georgia, South und North Carolina. Die notdürftig ausgestatteten Rebellen der Südstaaten haben keine Chance gegen die hochgerüstete Union. Und folglich führt Shermans Marsch zum Sieg der Nord- über die Südstaaten und zur Abschaffung der Sklaverei. Doch am Ende ist jeder Opfer des Krieges: einfache Soldaten ebenso wie hochstehende Generäle, befreite Sklaven ebenso wie ihre Unterdrücker, die Bewohner des Nordens wie des Südens. »Der Marsch« eröffnet das eindringliche Panorama einer der schmerzhaftesten Epochen der amerikanischen Geschichte. Mit großem Einfühlungsvermögen folgt er den Protagonisten dieses unfassbaren Dramas und zeigt dem Leser mit ungeheurer Suggestivkraft, mit welcher Wucht jeder Krieg eine zivilisierte Welt in Barbarei und Chaos stürzen kann - aber auch, dass in jedem Chaos der Keim für einen Neubeginn steckt.

Meine Meinung

Die Medien stellen Doctorows „Der Marsch“ auf eine Stufe mit „Krieg und Frieden“ von Tolstoi. Sie feiern das Buch als Meisterwerk. Ich empfinde das ein wenig anders. „Der Marsch“ ist ein solider Antikriegsroman, aber von Beginn an wirkte er auf mich etwas konstruiert. Der Autor lässt in seinem Werk eine Vielzahl von Personen agieren, die sich dann im Laufe der Handlung irgendwann einmal begegnen. Für den Gesamteindruck ist das sicherlich von Vorteil, aber eine Beziehung zu den Protagonisten aufzubauen, fiel mir stellenweise doch etwas schwer. Für mich blieben viele Charaktere dadurch ein wenig farb- und seelenlos.

Äußerst eindrucksvoll schildert E. L. Doctorow die Schrecken des Krieges. Dabei ist sein Fokus nicht unmittelbar auf Gemetzel und Schlachten gerichtet, vielmehr beschreibt er, wie sich die Unionsarmee unter General Shermans ähnlich einem alles zerstörenden Ungeheuer durch Georgia, South and North Carolina frisst und Not, Verzweiflung und Zerstörung hinterlässt. Es wird geplündert, gebrandschatzt, gelyncht und manch persönliches Scharmützel ausgetragen. Um dem zu entgehen, flüchten die Familien mit dem Hab und Gut, das auf Wagen und Karren passt. Die Sklaven schließen sich Shermans Armee an. Entwurzelt sind sowohl die Flüchtenden als auch die Befreiten. Die Sinnlosigkeit des Krieges wird besonders an der Masse der Schicksale, die Doctorow wertungs- und vorurteilsfrei beschreibt, deutlich. Ob Besatzer oder Südstaatler, ob ehemaliger Sklave oder Sklavenhalter, die Leiden der Menschen werden neutral und nachvollziehbar beschrieben. Sie haben alle nur ein Ziel: Überleben.

Die Sprache Doctorows hat mir gut gefallen. Konsequent hält er an seinem sachlich-nüchteren Stil fest . Persönliche Wertungen überlässt er dem Leser. Mit dem Lesefortschritt entstand in meinem Kopf eine Art Panoramabild, zusammengesetzt aus einer Vielzahl kleiner Szenen.

Mein Fazit: „Der Marsch” ist ein gut zu lesender, klischeefreier und interessanter Roman, der meines Erachtens ein gelungenes Abbild der letzten Jahre des amerikanischen Bürgerkrieges aufzeigt.

 

Wolf Serno - Der Puppenkönig


Der Puppenkönig
Wolf Serno

Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-13: 978-3426197479

Wer Wind sät, wird Sturm ernten, seine Saat soll nicht aufgehen und sein Gewächs kein Mehl geben.“ Hosea, 8,7

Steinfurth im Jahre 1782. Der Bauchredner und Puppenspieler Julius Klingenthal ist mit seinen Puppen, die für ihn Charakter und Seele besitzen und denen er im Spiel so vorzüglich Leben einhauchen kann, auf dem Weg nach Steinfurth, um dort, wie auch schon in den vorangegangenen Jahren im Pfarrhaus zu überwintern. Unterwegs trifft er auf die junge Klagefrau Alena, sie kommen sich schnell nahe. Und so lag bei mir die Vermutung zwischen den Seiten, Serno könnte diese Liebesgeschichte in den Mittelpunkt seines Romanes stellen. Aber zu meiner Freude kam es anders. Beide fanden Unterschlupf bei dem neuen Pfarrer. Julius übernahm Arbeiten in der Kirche und Alena fand im Pfarrhaus eine Anstellung als Haushälterin.

In der kleinen Stadt in der Mark Brandenburg ereignen sich zur gleichen Zeit eine Reihe ungewöhnlicher Morde, die auf brutalste Weise erfolgen. Die Ermordeten stammen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen und zu Beginn scheint es nichts zu geben, was die Männer verbindet. Die Untersuchungen des Stadtbüttels führen zu keinem vorweisbaren Ergebnis. Als Julius Klingenthal auf eigene Faust Nachforschungen betreibt, gerät er schnell selbst unter Mordverdacht. Über das Puppenspiel, das er wie den Einsatz seiner Stimme wie kaum ein anderer beherrscht, versucht er Zusammenhänge zu ergründen und Motive aufzudecken.

Dieser Roman war der Erste, den ich von Wolf Serno las, es war jedoch keinesfalls der Letzte. Diese gelungene Mischung aus historischem Roman und Krimi ließen mich das Buch nur ungern aus der Hand legen. Ganz besonders haben mir die Personen gefallen, die der Autor geschaffen hat. Jede war etwas Besonderes. Keine von ihnen war nur gut oder nur böse. Die Charaktere waren so diffizil und facettenreich als würden sie dem wahren Leben entstammen. Besonders beeindruckte mich die Figur des Spinner-Franz, auf eine fast schon groteske Art wuchs mir dieser Unsympath doch ans Herz. Ich hätte gern mehr über Alena erfahren. Sie blieb für mich während der Lektüre stets etwas geheimnisvoll. Hier hoffe ich auf einen Cliffhanger, der sich im Folgeroman lösen wird.

Die Auflösung der Morde am Ende des Romans kam für mich dann etwas einfach, schnell und problemlos. Obwohl ich schon einige Zeit eine Person stark verdächtigte, war ich traurig über die Art und Weise der Lösung als sich meine Vermutung bestätigte.

Neben dem sehr leicht und flüssig zu lesenden Roman erhielt ich gut recherchierte historische Informationen. Das Bild, welches vom Leben in der damaligen Zeit gezeichnet wurde war glaubwürdig und die eingearbeiteten Informationen zur Medizingeschichte rundeten das Buch ab.

Fazit: „Der Puppenkönig“ ist ein sehr schöner historischer Roman, der mir einen guten Einblick in die Handlungszeit gewährte. Geschickt verband Wolf Serno die Genres History und Krimi, so, dass ich schon gespannt auf die Fortsetzung dieses Romans warte, die mich dann hoffentlich ebenso gut unterhält wie dieser erste Teil.

 

Charlotte Thomas - Die Madonna von Murano

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Venedig1475: In der Lagunenstadt wird ausgelassen Karneval gefeiert. Nur eine junge hochschwangere Frau versucht vergeblich, ihren Häschern zu entkommen. Kurz vor ihrem Tod bringt sie ihr Kind zur Welt. Das Mädchen, Sanchia, wird von dem Glasbläser Piero aufgenommen und liebevoll wie ein eigenes Kind aufgezogen. Das Rätsel um ihre Herkunft begleitet Sanchia noch über viele Jahre. Denn die mächtigen Feinde ihrer Mutter haben ihre Verfolgung nicht aufgegeben und schrecken auch vor dem Mord an Sanchias Zieheltern nicht zurück. Daraufhin wird das Kind in ein Kloster gegeben, wo sie von der Äbtissin schon früh an die Heilkunde herangeführt wird. Dadurch ist es dem wissensdurstigen Mädchen möglich zu lernen, was den meisten Frauen in der damaligen Zeit verwehrt bleibt.

Die Jahre vergehen und Sanchias Leben läuft keineswegs in ruhigen Bahnen. Liebe, Intrigen, Abenteuer, Hass, Gewalt, schwere Schicksalsschläge und ihre Tätigkeit als Hebamme und Heilerin prägen sie. Das Buch endet nach über 1.000 Seiten fulminant, damit lüftet die Autorin auch das Geheimnis um Sanchias Herkunft.

Neben einer flüssig geschriebenen Geschichte erfährt der Leser viele Details über das Leben in der Serenissima im ausgehenden 15. Jhd. Dabei trifft man historische Persönlichkeiten wie u.a. Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Vertreter der Familien Borgia und Medici sowie Girolamo Savonarola. Gekonnt verknüpfte Charlotte Thomas das Leben dieser realen Personen mit dem der fiktiven in ihrem Roman. Das gelingt ihr so gut, dass ich den Eindruck bekommen konnte, als stiller Beobachter in die Handlung involviert zu sein. Schließlich lebte ich mit den Protagonisten, lachte, weinte liebte und litt mit ihnen und versuchte ihre Gedanken zu ergründen. Das viel genannte Kopfkino schaltete sich bereits nach wenigen Seiten ein.

Sehr gut gefallen haben mir Erläuterungen zum Alltagsleben in der damaligen Zeit, wie z. B. zur Glas- und Spiegelherstellung, zur Medizingeschichte und zum Klosterleben. Dadurch, dass die handelnden Personen in diesem Roman so unterschiedlichen Schichten und Verhältnissen entstammen, entstand mit diesem Buch ein glaubwürdiges, weil durch sorgfältige Recherche fundiertes, Zeit- und Sittenbild der venezianischen Renaissance.

Die Madonna von Murano“ist in einer einfachen, der Handlungszeit angepassten, schönen Sprache geschrieben. Der Spannungsbogen wurde von Beginn an konsequent aufgebaut und wurde durch ein grandioses Finale gelöst. Trotz der 1.028 Seiten gab es keine Längen. Im Gegenteil, der Wunsch weiterzulesen, mehr zu erfahren wurde ständig stärker.

Auf dem Schutzumschlag wird dieser Roman als „Ein prächtiger historischer Bilderbogen voller Abenteuer, Intrigen und Leidenschaft – ausgebreitet vor der einzigartigen Kulisse Venedigs“ angepriesen. Dem kann kaum noch etwas hinzugefügt werden. Für mich ist dieses Buch ein Highlight in meinem Lesejahr.

Aber nicht nur der Inhalt überzeugte mich, auch die Aufmachung des Buch ist erwähnenswert, schönes Papier, ein Lesebändchen, ein Personenverzeichnis, ein Glossar und liebevolle Illustrationen machen das Buch zu einem „Hingucker“.

Gebundene Ausgabe: 1040 Seiten
Verlag: Ehrenwirth; Auflage: 2 (20. Februar 2007)
ISBN-13: 978-3431036992
Gelesen: Oktober 2007

 

Iris Kammerer - Der Pfaffenkönig

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Iris Kammerer führt den Leser ins mittelalterliche Thüringen. Heinrich Raspe von Thüringen kam schwer verletzt von seinem letzten Feldzug zurück auf die Wartburg. Im Sterben liegend erinnert er sich an die Stationen seines Lebens, die die Autorin mittels eingefügter Rückblenden in dem Roman verarbeitet. Er erzählt seiner Frau Beatrix davon und lässt mit seinem Getreuen Wigo die Vergangenheit Revue passieren.

Er berichtet vom Leben seiner Schwägerin, der Frau seines älteren, aber bereits verstorbenen Bruder Ludwig, die als die Heilige Elisabeth in die Geschichte einging. Heinrich hat sie sehr geliebt. Diese Liebe wurde von ihr aber nicht erwidert. Elisabeth widmete ihr Leben nach dem Tod Ludwigs nur noch Gott und den Armen.

Heinrich erinnert sich an Fehden und Intrigen zwischen Herrschern und der Kirche. Dieser Zwist mündet letztlich darin, dass Heinrich sich zwischen Kaiser und Papst entscheiden muss.

Iris Kammerer hat einen Roman geschrieben, der sich nicht einfach nebenbei lesen lässt. Ich musste mich auf dieses Buch konzentrieren und mich durch manches Kapitel quälen. Erschwerend kam für mich hinzu, dass einige historisch bedingte Namensgleichheiten auftraten. So gab es die eine Elisabeth in Gestalt der Elisabeth von Thüringen und die andere als Gemahlin von Heinrich. Ein Personenverzeichnis wäre hilfreich gewesen.

Der sprachliche Stil Iris Kammerers ist bestechend klar und der Zeit angepasst. Bei manchen Redewendungen und längst in Vergessenheit geratenen Begriffen war ich dankbar, dass „Der Pfaffenkönig“ ein Glossar enthielt.

In diesem Roman finden eine Unmenge historischer Fakten ihren Niederschlag. Für den Hobby-Historiker mag dies ein Leckerbissen sein. Für den interessierten Leser ist es stellenweise ein wenig zu viel des Guten. Auf jeden Fall aber ist das Beweis für eine äußerst sorgfältige Recherchearbeit und die Liebe fürs Detail von Iris Kammerer.

Was ich wirklich kritisch anmerken möchte – dafür kann allerdings die Autorin nichts – ist die schlechte Papierqualität. Dieses raue, dicke Papier mag für eine Fibel im 1. Grundschuljahr geeignet sein, jedoch nicht für einen Roman, der auch an seine Leserschaft bestimmte Ansprüche stellt. Da wurde vom Aufbau Verlag an der falschen Stelle gespart.

Mein Fazit: „Der Pfaffenkönig ist ein anspruchsvoller, sprachlich sehr gelungener historischer Roman, der seinem Leser einiges an Geduld und Konzentration abverlangt.

Broschiert: 420 Seiten
Verlag: Aufbau Tb; Auflage: 2., Aufl. (Dez. 2006)
ISBN-13: 978-3746622958
Gelesen: September 2007

 

Nicole Vosseler - Südwinde

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Südwinde“ von Nicole Vosseler ist ein wunderbar recherchierter historischer Roman. Auszüge aus den Tagebüchern von James Cook machen den Roman zu einem Zeitdokument, das dem Leser das entbehrungsreiche und gefährliche Leben auf See und die Entdeckung unbekannter Gebiete sehr anschaulich nahe brachte. Die Mitglieder der Besatzung haben fast alle wirklich gelebt, einzig Brittany, die weibliche Protagonistin, entsprang dem Kopf der Autorin. Die Liebesgeschichte zwischen Brittany und Hicks belastete die Handlung des Buches nicht, sie war schmückendes Beiwerk zu einem fast Tatsachenroman.

Besonders gut hat mir das Ende gefallen. In einem Epilog wurde auf das spätere Leben der Hauptpersonen kurz eingegangen. So konnte ich noch etwas meinen Gedanken nachhängen und mir die eine oder andere Entwicklung ausmalen.

Dieses Buch war der erste Roman von Nicole Vosseler, einer Autorin, auf deren Bücher ich auch künftig mit großem Interesse schauen werde.

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag:
Scherz; Auflage: 1 (2001)
ISBN-10:
3502118051
ISBN-13:
978-350211805
Gelesen: Juli 2007

 

Iny Lorentz - Das Vermächtnis der Wanderhure

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Wieder hat das Schicksal es nicht unbedingt gut gemeint mit Marie. Auf dem Rückweg von einem Besuch bei ihrer Freundin Hiltrud wird die hochschwangere Marie von ihrer Todfeinding Hulda von Hettenheim entführt und nach der Geburt ihres Sohnes an Sklavenhändler verkauft, die sie ins ferne Russland bringen. Der Weg nach Hause ist lang und voller Abenteuer und Gefahren.

Wie auch schon in den beiden anderen Teilen der Trilogie zeichnet Iny Lorentz ein recht realistisches Bild des Mittelalters, in diesem Fall wird die Aufmerksamkeit auf das Leben in Russland gelenkt. Wie von Iny Lorentz bekannt, lebt auch dieses Buch durch eine gute und tiefgründige Recherche. So gibt es wieder unzählige kleine Begebenheiten, die den mittelalterlichen Alltag mit Leben erfüllen. Sehr interessant fand ich die Abschnitte, in denen auf alte russische Traditionen eingegangen wurde. Das Erbrecht spielte dort eine ganz besondere Rolle. Maries gesamte „Reise“ war gepickt mit vielfältigen Informationen, die dem Leser die damalige Zeit nahebrachten. Anmerken möchte ich noch, dass „Das Vermächtnis der Wanderhure“ kein Roman für zartbesaitete Leser ist. Denn das Mittelalter ist eine raue, brutale Zeit, besonders die Frauen mussten darunter häufig leiden. An manchen Stellen waren mir die Vergewaltigungen fast etwas zuviel, zumal sie auch als Bestrafung Anwendung fanden.

Die Charaktere fand ich in diesem Teil etwas schwächer entwickelt als in den beiden vorhergegangenen Romanen. Besonders die männlichen Personen blieben für mich etwas blass und konturenlos.

Als Leser erkennt man das bewährte Muster der Vorgängerromane, die Heldin lebt glücklich, kommt wie aus heiterem Himmel in Schwierigkeiten und meistert diese dann erfolgreich. Das hat meinen Lesespaß nicht gemindert, denn ich hatte es nicht anders erwartet. „Das Vermächtnis der Wanderhure“ ist ein einfach geschriebener, aber gut zu lesender und recht unterhaltsamer und spannender Historienschmöker, der durch die gute Recherche noch einiges an Hintergrundwissen vermittelt.

 

Broschiert: 715 Seiten
Verlag:
Droemer/Knaur; Auflage: 1 (April 2007)
ISBN-10:
3426635054
ISBN-13:
978-3426635056
Gelesen:
Juni 2007

Iny Lorentz - Die Kastellanin

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Die Kastellanin“ setzt die Geschichte von Marie aus „Die Wanderhure“ fort. 10 Jahre waren vergangen und Marie lebte mit ihrem Mann, dem Burgvogt Michel Adler, ein recht sorgenfreies Leben. Das Glück wäre vollkommen gewesen, wenn der Kinderwunsch der beiden in Erfüllung gegangen wäre. Doch auf Befehl des Pfalzgrafen musste Michel dessen Heer anführen und in den Krieg ziehen, um Kaiser Sigismund im Kampf gegen die Hussiten zur Seite zu stehen. Unter den alteingesessenen Rittern hatte Michel nicht nur Freunde. Viele sahen in dem Sohn eines Wirtes einen Emporkömmling, den es zu bekämpfen galt.

Obwohl Maries sehnlichster Wunsch nach einem Kind dann 9 Monate nach Michels Fortgehen doch in Erfüllung ging, hielt das Schicksal viele Schwierigkeiten für das Paar bereit. Aber Marie gab nicht klein bei, sie packte ihre Sachen und zog mit ihrer Tochter Trudi und Hiltrud ältestem Sohn Michi als Maketenderin dem Heer hinterher in Richtung Böhmen.

Gleich vorweg, mir hat „Die Kastellanin“ sehr gut gefallen, noch besser als „Die Wanderhure“. Ich begann dieses Buch und schon nach ganz kurzer Zeit war ich mitten im Geschehen und in meiner Phantasie setzte das Kopfkino ein. Das ist sicher auch ein Resultat der guten bildhaften Beschreibungen, die dieses Buch mit Leben erfüllten. Die Handlung war spannend, das Buch war flüssig zu lesen. Auch für die geschilderten Schlachten wurde m.E. ein gutes Maß gefunden. Es wurde gezeigt, dass erbitterte und verlustreiche Kämpfe geführt wurden. Iny Lorentz verzichtete jedoch darauf, das Blutvergießen bis ins letzte Detail auszumalen. Das empfand ich als sehr angenehm.

Ich möchte noch positiv erwähnen, dass der Leser mit den historischen Gegebenheiten nicht allein gelassen wurde. Die notwendigen Erklärungen und Beschreibungen waren immer gut in die Handlung eingebaut. Ich hatte immer wieder einen Aha-Effekt und fühlte mich an keiner Stelle belehrt.

Maries Gedanken und Handlungen konnte ich nicht in allen Situationen nachvollziehen. Das lag aber vielleicht daran, dass ich meine in der Gegenwart gemachten Erfahrungen nicht vollständig von der im Mittelalter angesiedelten Handlung trennen konnte.

Alles in allem hat mir „Die Kastellanin“ sehr schöne, unterhaltsame Lesestunden bereitet. Die Begegnung mit dem Mittelalter kam mir fast wie eine Zeitreise vor, so bildhaft und lebensnah waren die Beschreibungen, denen akribische Recherchen zugrunde lagen. Dieses Buch ist die gelungene Fortsetzung von „Die Wanderhure“. Meine Gedanken gehen nun aber schon weiter, „Das Vermächtnis der Wanderhure“ liegt schon bereit.

 

Taschenbuch: 589 Seiten
Verlag:
Droemer/Knaur (März 2006)
ISBN-10:
3426631709
ISBN-13:
978-3426631706
Gelesen:
Juni 2007

Laila El Omari - Der Duft von Sandelholz

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Zu Beginn hatte ich ein paar Probleme mich in das Buch einzulesen, aber als es dann mehrere Handlungsstränge gab, las es sich fast wie von allein. Einfach und leicht geschrieben, plätscherte die Handlung so dahin. Die beiden Protagonisten litten jahrelang unter ihrer unerfüllten Liebe, handelten aber nicht konsequent, um eine Änderung der Situation herbei zu führen. Die wenigen im Roman vorkommenden Beschreibungen des Lebens in Indien haben mir recht gut gefallen. Aber ich hätte mir deutlich mehr davon gewünscht. So spielte der Roman zwar in Indien, die einzigartige Atmosphäre konnte für meine Begriffe aber nicht überzeugend vermittelt werden.

Die vergleichenden Ausführungen zum Stand der Medizin zur damaligen Zeit fand ich sehr interessant, auf der einen Seite las man den Stand der Europäer auf der anderen Seite den der Inder.

Angenehm empfand ich, dass auf der Liebesgeschichte von Elisha und Damian, die keineswegs kitschig-schwülstig war, nicht der gesamte Focus des Buches lag. Es war meiner Meinung nach eher eine Familiengeschichte.

Das Buch enthält ein Glossar mit einen zeitlichen Abriss der indischen Kolonialzeit, Informationen die Handelsgesellschaften in Indien, die britisch-französischen Kolonialkriege und Informationen über wichtige Personen der Kolonialzeit sowie eine Karte Indiens zur Handlungszeit.

Mein Fazit: „Der Duft von Sandelholz“ ist ein leicht zu lesender Indienroman mit etwas zu wenig landestypischem Flair. Wer nur Unterhaltung in diesem Buch sucht, ist sicher nicht schlecht beraten es zu lesen. Ich hatte mir nach den Lobeshymnen auf den ersten Roman der Autorin „Die englische Erbin“ mehr davon versprochen. Dem Vergleich mit den Büchern von Rebecca Ryman hält dieses Buch nicht stand.

 

Broschiert: 671 Seiten
Verlag:
Droemer/Knaur (April 2007)
ISBN-10:
3426629860
ISBN-13:
978-3426629864
Gelesen:
Mai 2007

Deana Zinßmeister - Der Duft der Erinnerung

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Der Duft der Erinnerung“ ist die gelungene Fortsetzung von „Fliegen wie ein Vogel“. So abrupt wie der erste Teil endete, so lückenlos und harmonisch schloss sich der zweite Teil an. Problemlos war ich wieder in der spannenden Handlung um Luise und Duncan versunken.

Sehr gut gelingt es Deana Zinßmeister auch in diesem Buch, die Gefühle der Protagonisten zu schildern. Das geschieht auf eine so lebensnahe Art und Weise, dass man glauben könnte, es handele sich um reale Menschen und nicht um die Figuren in einem Roman. So fiel es mir leicht deren Denken und Tun nachzuvollziehen und mit ihnen zu fühlen. Trotz des leicht und flüssig zu lesenden Stils ist dieses Buch keine seichte oberflächliche Liebesgeschichte. Die Autorin hat auch tiefgehende Gedanken zu gesellschaftlichen Missständen und Ungerechtigkeiten zur Zeit der englischen Industrialisierung in ihren Roman eingebracht.

Die Charaktere haben sich in diesem 2. Teil auch weiter entwickelt. Sie erschienen mir menschlicher als im Vorgängerroman, auch weil sie in verschiedenen Situationen von Zweifeln gequält wurden. Sie waren eben nicht mehr nur gut, sondern hatten ihre Stärken und Schwächen deutlicher ausgeprägt.

Mir hat „Der Duft der Erinnerung“ noch besser als „Fliegen wie ein Vogel“ gefallen, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, zumal sich das Thema unauffällig durch den ganzen Roman schlängelt. Die Titelwahl hätte besser nicht sein können.

Und am Ende des Buches bleibt die Hoffnung, dass es vielleicht doch noch einmal eine Begegnung mit Luise, Duncan und den anderen geben könnte.

Die Leser, die „Fliegen wie ein Vogel“ nicht kennen, könnten auch problemlos den zweiten Teil lesen. Geschickt eingeschobene und den Handlungsablauf keineswegs störende Rückblicke machen die Geschichte stimmig.

Gebundene Ausgabe: 381 Seiten
Verlag:
Moments
ISBN-10:
3937670432
ISBN-13:
978-3937670430
Gelesen:
Mai 2007

Edward Rutherfurd - London

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Edward Rutherfurds „London“ beginnt im Jahr 54 v. Chr. mit der Besetzung Britanniens durch die Römer und endet im Jahr 1997. Ihm gelang mit diesem Buch eine gewaltige Saga, in deren Mittelpunkt die Entwicklung der kleinen Siedlung Londinium am Themseufer zur Metropole London stand. Dabei hielt er sich eng an die historischen Fakten. Ich begegnete Julius Cäsar, Heinrich VIII., Elisabeth I. und erlebte die Gründung Londons, den Bau der Westminster Abbey, den großen Stadtbrand, das Entstehen der London Bridge, bis hin zu den Luftangriffen im 2. Weltkrieg. In diesen historischen Rahmen setzte Rutherfurd fiktive Familien, die der Realität sicher nicht all zu fern waren und das Buch mit Leben erfüllten.

Obwohl die Handlung in diesem Roman eine Zeitspanne von 2000 Jahren umfasst, hatte „London“ keine Längen. Geschickt setzte Rutherfurd seine Protagonisten so ein, dass sie letzten Endes in allen Gesellschaftsschichten agierten, so erhielt ich als Leser auch einen tiefen Einblick in die verschiedenen Lebensumstände. Der große Zeitrahmen erforderte vom Autor auch, Zeitsprünge einzubauen. In einzelnen, aber letztlich doch zueinander gehörenden Geschichten widmete er sich den verschiedenen Epochen. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass die Übergänge den Lesefluss behindern. Durch kleine Kunstgriffe gelang es Rutherfurd, dass die Handlungszeiträume recht fließend in einander griffen. Darüber hinaus erleichterte der im Buch vorhandene Stammbaum der handelnden Familien eine Orientierung.

Beeindruckend fand ich auch in diesem Roman von Edward Rutherfurd seine Fähigkeit, zu beschreiben. So gut wie seine Landschafts- und Stadtbeschreibungen sind, schildert er auch die Charaktere der handelnden Personen. Sie sind facettenreich und lebensecht und es fiel bei fast allen Protagonisten schwer sie nun als ausschließlichen Sympathieträger oder Antihelden einzuordnen.

Der sprachliche Stil, in dem „London“ gehalten ist, hat mir gut gefallen. Sachlich nüchtern wurden historisch unverzichtbare Fakten geschildert. Sobald die Handlung wieder einsetzte, begann der Roman sich wieder mit Leben zu füllen.

Das Buch enthält auch drei Pläne der Stadt aus den verschiedenen Epochen, diese habe ich beim Lesen gern genutzt. Sie rundeten das Bild ab, das ich von London bekam.

London“ ist ein sehr gelungener historischer Roman, den ich den Liebhabern dieses Genres ans Herz lege. Darüber hinaus kann ich ihn auch den vielen Liebhabern der Stadt empfehlen, es gibt sicher auch für sie vieles über London neu zu entdecken.

Gebundene Ausgabe: 876 Seiten
Verlag:
Droemer Knaur (Oktober 2002)
ISBN-10:
3426193450
ISBN-13:
978-3426193457
Gelesen:
Mai.2007

Jörg Kastner - Das Wahre Kreuz

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Spannung, genaue Recherche der historischen Fakten, interessante Charaktere, eine angenehme Sprache, eine farbenprächtige Kulisse und ein bisschen Mystik, nach diesem Rezept bereitete mir Jörg Kastner mit „Das Wahre Kreuz“ unterhaltsame Lesestunden.

Schnell fand ich in die in Ägypten zur Zeit des napoleonischen Feldzuges angesiedelte Handlung. Der Spannungsbogen wurde konsequent aufgebaut, so wurde ich förmlich von Kapitel zu Kapitel gezogen. Besonders beeindruckt hat mich das Bild, das der Autor von Napoleon Bonaparte zeichnet. Die agiert zwar nicht als Protagonist, aber als historische Persönlichkeit prägt der charismatische General die Handlung.

Ein zweite Zeitschiene führt den Leser in die Zeit des ausgehenden 12. Jh., als das Kreuzfahrerheer bei den Hörner von Hattin eine vernichtende Niederlage erlitt, infolge derer das Wahre Kreuz, eine der wichtigsten Reliquien der Christen, verloren ging.

Beide Zeitebenen werden auf mystische Art und Weise miteinander verwoben. Sicher ist es Geschmackssache, ob ein Leser daran Gefallen findet. Mir persönlich erscheinen solche Mystery-Effekte häufig sehr konstruiert. In diesem speziellen Fall empfand ich sie nicht als störend, Jörg Kastner hat sie gekonnt als Spannungselement verwandt.

Was ich ganz besonders hervorheben möchte, ist, wie der Autor mit den beiden aufeinandertreffenden Religionen umgeht. Unterschiede werden fundiert erläutert. Gemeinsamkeiten werden begründet. Schon allein aus dieser Sicht ist der Roman lesenswert.

Die Gestaltung des Buches ist sehr ansprechend. Eine Karte auf den Einbandinnenseiten und zwei Zeittafeln komplettieren den Roman.

Das Wahre Kreuz“ ist ein spannender und bemerkenswerter Roman. Er war für mich der Erste dieses Autors, dabei wird es aber nicht bleiben.

 

Gebundene Ausgabe: 426 Seiten
Verlag:
Knaur
ISBN-10:
3426661985
ISBN-13:
978-3426661987
Gelesen:
April 2007

Rainer Cordts - Der Tonsetzer

Leider nach 80 Seiten abgebrochen