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28.11.2008 von Karthause.

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)
Menschen spiegeln sich in dem, was sie lieben und woran ihr Herz hängt: Ein Gemälde von Vermeer bezaubert alle, die es besitzen, und begleitet sie auf ihrem Lebensweg. Das geheimnisvolle Mädchen in Hyazinthblau wird über die Jahrhunderte zum stummen Zeugen alltäglicher und dramatischer Schicksale.
Meine Meinung
In „Das Mädchen in Hyazinthblau“ wird die Geschichte des Vermeer-Gemäldes von der Gegenwart bis zurück zu seiner Entstehung im 17. Jahrhundert erzählt. Dabei hat sich Susan Vreeland nur auf einige wenige Ereignisse beschränkt. Zu Beginn des Buches erwartete ich, dass sich mir Zusammenhänge zwischen den Generationen, die im Besitz des Bildes waren, erschließen. Dem war nicht so. Mit jedem neuen Kapitel wurde auch eine neuer Abschnitt aus der Geschichte des Bildes erzählt. Oft musste ich mich erst orientieren, in welcher Zeit ich mich nun befand, denn nicht immer waren Jahreszahlen oder bedeutende Ereignisse benannt worden. So empfand ich dieses Buch auch als ein wenig hingeworfen. Ein verbindendes Element zwischen den Kapiteln fehlte mir. Erst als ich ganz am Ende des Buches die Dankksagung las, wurde mir klar, dass es sich um eine Zusammenstellung von Kurzgeschichten handelte, die Susan Vreeland als Buch veröffentlichte. Einzelne dieser Kurzgeschichten haben mir sehr gut gefallen, aber einige empfand ich auch als sehr oberflächlich, weil die Charaktere nur ansatzweise skizziert wurden. Hätte ich gewusst, dass die Autorin hier lediglich Artikel für verschiedene Zeitungen zusammengefügte hat, wäre ich wohl mit anderen Erwartungen an das Buch gegangen, so bin ich doch eher enttäuscht worden.
Gebundene Ausgabe: 236 Seiten * Verlag: Diana * ISBN-13: 978-3828400481
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12.11.2008 von Karthause.


Klappentext
Niemand weiß es, nur wir zwei.
Was zwischen Catherine und Robert geschieht, ist ein Geheimnis. Es ist ihr größtes Glück, aber es birgt eine unkontrollierbare Gefahr. Niemand weiß es nur sie beide. Und doch ist da immer jenes unausgesprochene „noch nicht“, das ihnen angst macht. Denn eines Tages könnte es ans Licht kommen…
Bruder und Schwester, aufgewachsen in einer Welt der Kälte und des Schweigens, bei ihrem Großvater, der in ihnen nur die Schatten der Vergangenheit sieht, die Schatten einer schändlich zerbrochenen Familie. So klammern sich die Kinder aneinander und entwickeln, als sie heranwachsen, Gefühle, die über die Liebe zwischen Geschwistern hinausgehen. Dabei wissen sie, dass das, was ihnen alles bedeutet, ihnen nur Unglück bringen kann…
“Ein wunderbarer Roman über verbotene Leidenschaften und die unvorstellbaren Folgen einer Liebe gegen jede Vernunft.” (Daily Mail)
“Eine fesselnde Geschichte und so einfühlsam geschrieben, dass sie sich liest wie Musik - Musik für die Augen.” (Sunday Times)
Meine Meinung
Cathy und Rob wachsen bei ihrem Großvater auf. Die Mutter hat die Familie schon vor Jahren verlassen. Der Vater ist in einer Nervenheilanstalt und stirbt dort. So wachsen die Geschwister einer kalten und lieblosen Welt auf. Das Leben ist trist. Sie haben nichts und niemanden, mit dem sie ihre Gefühle teilen können. Nur die Angestellte Kate bringt ihnen Zuneigung entgegen. So haben sie einander schon immer sehr nahe gestanden. Auf ihrer Suche nach Wärme, Geborgenheit, Zärtlichkeit und Liebe verlassen sie das Terrain des Erlaubten.
„Der Duft des Schnees“ ist eine Liebesgeschichte, eine ganz besondere Liebesgeschichte. Besonders nicht nur, weil sie die verbotene Liebe zwischen Geschwistern thematisiert, sondern weil sie in einem Stil geschrieben ist, sehr einfühlsam ist. Dabei ist sie weit davon entfernt, eine simple Herz-Schmerz-Story zu sein. Der Roman wirkt nicht konstruiert, alles erscheint sehr lebensnah und real. Die Charaktere der Protagonisten hat die Autorin zu wirklichem Leben erweckt. Der Leser kann den Hoffnungen und Ängsten der Geschwister kaum entgehen, man fühlt mit und kann vor allem verstehen.
Als sehr angenehm empfand ich, dass Helen Dunmore diesen Roman wertungsfrei schrieb. Es kommt zwar zum Ausdruck, dass die beiden wissen, dass ihr Tun verboten ist, aber nie ist der erhobene Zeigefinger der Autorin spürbar.
Helen Dunmore lässt diese Geschichte von Catherine erzählen und diese berichtet, neben der Liebesgeschichte, nüchtern und unsentimental von den Zuständen auf dem Hof, der Sehnsucht nach der Mutter, der Einsamkeit.
Mein Fazit: Helen Dunmores „Der Duft des Schnees“ ist aufgrund der Handlung und des ruhigen, harmonischen Erzählstils eine der besten Liebesgeschichten, die ich je las. Ich wünsche diesem Buch viele, viele Leser.
Taschenbuch: 408 Seiten * Verlag: Lübbe * ISBN-13: 978-3404152063
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6.11.2008 von Karthause.

„Nicht immer mögen wir die Menschen, die wir lieben – nicht immer haben wir diese Wahl.“ (S. 149)
Nach Liams Selbstmord trifft sich die Familie seit Jahren zum ersten Mal wieder. Veronica Hegarty’s Gedanken gehen zurück in die Vergangenheit und sie erzählt dem Leser von ihrer Großmutter, die den Mann heiratete, der gut für sie war und nicht den, den sie liebte. Bei ihr verlebten sie als Kinder die Ferien. Sie erzählt von ihrer Mutter, die 12 Kinder bekam und 7 Fehlgeburten erlitt und sich die Namen ihrer Kinder nie merken konnte. Sie berichtet von ihrer Ehe mit Tom, die in einer Sackgasse angelangt ist und von ihren zwei Töchtern, denen sie ein anderes Familienleben ermöglichen möchte als sie es erlebte. Und sie berichtet über Mr Nugent, der ein guter Freund der Großmutter war. Wirklich nur das? In Veronicas Augen trägt er zumindest eine Mitschuld daran, dass Liam mit Steinen in den Hosentaschen ins Wasser ging. Denn die alles entscheidende Frage für Veronica ist die nach dem Warum.
Schon das Cover des Buches zeigt ein nebulöses, tristes Bild und das Buch spiegelt genau diese Stimmung wieder. In Erinnerungsfetzen und Assoziationen lässt uns Veronica an ihrem bisherigen Leben teilhaben. Manche Geschehnisse kennt sie nur durch Erzählungen, andere durch eigenes Erleben und sie schildert diese mit Härte, Wut und Resignation. Von Liebe ist sehr wenig zu spüren in dieser Familie, mehr von Sex und Begierde. Einzig unter den Geschwistern, speziell zwischen Liam und Veronica, gibt es eine gewisse Wärme und Vertrautheit. Ein ständiger Begleiter in diesem Buch ist auch der Alkohol, mit dem die Protagonisten dem Alltagselend zu entfliehen versuchen.
Als Leser blieb ich zu allen Personen deutlich distanziert, ich war lediglich Beobachter und trotz der teilweise erschreckenden Umstände blieben meine Sympathien unverteilt. Viele Geschehnisse wurden nur angerissen, andere auf so neutrale Weise geschildert, dass ich mich fragte weshalb zeigt die Erzählerin an dieser Stelle keinerlei Gefühlsregungen?
Das Familientreffen selbst fand lediglich im letzten Drittel des Buches statt und zeigte deutlich wie zerrissen die Familie eigentlich ist. Zwar gibt es Gemeinsamkeiten, die aber wohl lediglich in Erinnerungen bestehen.
Ganz zum Schluss gibt es noch einen Hoffnungsschimmer, das Buch wird aber in meinem Gedanken immer mit einer gewissen Tristesse behaftet bleiben.
Mein Fazit: „Das Familientreffen“ ist eine der düstersten Familiengeschichten, die ich je las. Deshalb ist das Buch nicht schlecht, irgendwie hat es mich in seiner Andersartigkeit auch in seinen Bann gezogen. Am Ende blieb ich mit vielen ungeklärten Fragen zurück, zu vielen, wie ich finde. Trotzdem habe ich dieses Buch gern gelesen.
Dieses Buch gewann den Booker-Preis 2007.
Gebundene Ausgabe: 330 Seiten * Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt * ISBN-13: 978-3421043702
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3.11.2008 von Karthause.
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Matthias ist als Stipendiat für ein Jahr an der renommierten kalifornischen Universität Hillcrest und studiert dort Literaturwissenschaften. Diese ist das Mekka für all jene, die sich den Theorien des anerkannten Literaturwissenschaftlers de Vander widmen möchten. Am Pool lernt der Deutsche die Studentin Janine kennen und verliebt sich in sie. Janine erwidert seine Gefühle und trennt sich wegen dieser neuen Beziehung schon bald von David, dem Fakultätsprimus, der von einer Europareise so verändert zurückkehrte. Als Davids Interesse an Matthias zunimmt, ist dieser zunächst verwundert, aber auch neugierig und so begleitet er David auf einen Ausflug, nach dem sich für Matthias sehr vieles ändert. Immer mehr beschäftigt ihn dieser „gestohlene Abend“.
Nachdem ich etwa ein Drittel des Buches gelesen hatte, dachte ich mir, eine Dreiecksgeschichte ist es also, was Wolfram Fleischhauer seiner Leserschaft präsentiert. Ich war verwundert, dieses Buch war bis auf die sehr schöne Sprache des Autors so gar nicht fleischhauertypisch, sie war mir zu einfach gestrickt und leichte Enttäuschung machte sich trotz des sehr ansprechenden Stils breit. Aber Wolfram Fleischhauer wäre nicht er selbst, wenn er den Leser auf so einfache Art und Weise abspeisen würde. Schon ein paar Seiten weiter begann die Geschichte zu leben, sie nahm Tempo auf und die zuvor monierte Dreiecksgeschichte bildete nur noch die Rahmenhandlung, im Zentrum standen Davids Nachforschungen über eben jenen Literaturwissenschaftler de Vander, der in Hillcrest so verehrt wurde. Ungeheuerliches wurde über ihn aufgedeckt.
In einem Interview der Allgemeinen Zeitung mit dem Autor las ich, dass dieser Roman einen autobiografischen Hintergrund habe. Es ist wohl sein persönlichster.
Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, das belegt auch die Tatsache, dass ich mir für ihn eine Nacht um die Ohren geschlagen habe, weil ich ihn nicht mehr zur Seite legen mochte. Und trotzdem fehlte mir in diesem wirklich guten Buch die Einzigartigkeit, die ich bisher in jedem Buch Wolfram Fleischhauers fand.
Mein Fazit: „Der gestohlene Abend“ ist ein sehr gutes, interessantes und sehr lesenswertes Buch über Verantwortung und Wahrheit, Lüge und Verschweigen, Liebe und Entfremdung, dem das letzte bisschen Brillanz fehlt um ein fantastisches Buch zu sein. Ich habe diesen Roman sehr gern und sehr schnell gelesen. Meine Leseempfehlung erhält er allemal.
Gebundene Ausgabe: 368 Seiten * Verlag: Piper * ISBN-13: 978-3492048477
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31.10.2008 von Karthause.

DER französische Gastronomiekritiker liegt im Sterben. Sein Herz versagt ihm den Dienst. In den letzten Stunden gehen seine Gedanken zurück zu den vielen Geschmackserlebnissen, die ihm sein Beruf beschert hat. Aber er tut sich schwer die Delikatesse seines Lebens klar zu benennen. Ganz langsam nähert er sich dieser jedoch.
Auch aus dem Umfeld des Kritikers kommen in diesem Roman Stimmen, die ihm nicht immer freundlich gesonnen sind. Die Concierge des Hauses in Rue de Grenille, seine Familie, ein Bettler, alle machen sich ihre Gedanken über ihn.
„Die letzte Delikatesse“ ist der erste Roman der Autorin Muriel Barbery. Es ist ein nur dünnes Büchlein von 141 Seiten. Aber sein Inhalt bietet weit mehr als nur eine kurze Unterhaltung. Einige der Handelnden sind mir aus der Lektüre von „Die Eleganz des Igels“ bereits bekannt. So fiel es mir nicht schwer, mich sofort in diesem Buch zurechtzufinden. Vom Stil her war ich auch an den Nachfolger erinnert. Jede Person bekam einen eigenen Abschnitt für seine Gedanken über den Sterbenden. Dabei war das Buch so strukturiert, dass die Gedanken derer, mit denen er sein Leben teilte sich mit seinen eigenen zu den verschiedensten Dingen abwechselten. Mir hat dies sehr gut gefallen, obwohl ich solch kurze Abschnitte eigentlich nicht so mag. Hier war es passend.
Ich bin kein Kenner der Feinschmeckerszene, fand aber die Abschnitte über die diversen Lebensmittel und die Gastronomie sehr interessant. Erstaunt war ich über die teilweise recht bissige Sprache, besonders in den Gedanken der Mitmenschen über den Kritiker. Aber er war auch nicht der liebenswerteste Zeitgenosse.
Mein Fazit: „Die letzte Delikatesse“ ist ein unterhaltsamer und nachdenklich stimmender Ausflug in das Reich der Genüsse, der vom nahenden Tod des Gastrokritikers überschattet wird. Es war eine leicht zu lesende und interessante Lektüre, die ich allen, denen „Die Eleganz des Igels“ gefallen hat, empfehlen kann. Leider ist das Buch z. Zt. nicht im Handel erhältlich.
Broschiert: 141 Seiten * Verlag: Fischer (Tb.) * ISBN-13: 978-3596160846
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31.10.2008 von Karthause.

„Und ich stellte fest, dass nicht nur das Vergessen eine Form des Erinnerns war, sondern auch das Erinnern eine Form des Vergessens.“ (S. 169)
Nach dem Tod von Bertha treffen sich sich die Töchter noch einmal in ihrem Haus, welches Iris, ihre Enkelin erbt. Nach der Trauerfeier bleibt Iris allein zurück und zunächst weiß sie nicht, was sie mit dem Erbe tun soll. So geht sie durch die Räume und den verwilderten Garten des Hauses, in dem sie gemeinsam mit ihrer Mutter die Ferien verbrachte. Mit jedem Zimmer, das sie betritt und jedem Schrank, den sie öffnet, werden Erinnerungen wach, vielleicht in gleichem Maße, wie die Großmutter sie während ihrer Krankheit verloren hat.
„Der Geschmack von Apfelkernen“ ist ein Roman über das Leben und den Tod, über Erinnern und Vergessen. Es ist ein Familienroman und schon nach wenigen Sätzen hatte mich der besondere Charme dieses Buches erreicht. Mit ruhigen Worten erzählt Katharina Hagena die Geschichte von Iris, ihrer Mutter Christa, der „elektrischen“ Tante Inga, der exzentrischen Tante Harriet, von Bertha, von Anna und Rosemarie, die beide zu jung gestorben sind. Die Erinnerungen an die verschiedenen Episoden, die bei Iris wach werden, sind allesamt liebenswert und frei von Gefühlsduselei und Kitsch. Auffällig ist jedoch, dass in dieser Familie Stürze und Äpfel eine recht große Bedeutung haben. Ein leichter Hauch von Magie zieht sich durch das Buch, da gibt es beispielsweise rote Johannisbeeren, die aufgrund eines tragischen Ereignisses über Nacht weiß werden und von der Familie als konservierte Tränen bezeichnet wurden.
Mein Fazit: „Der Geschmack von Apfelkernen“ ist eine äußerst liebenswerte Familiengeschichte, die auch die üblichen Zutaten wie Liebe, Missverständnis und Tod enthält, aber mich von der ersten Seite an gefangen nahm, weil der Erzählstil ein so klarer und unsentimentaler war. Auch wenn ich vielleicht den Inhalt vergessen werde, an das Buch, das mir so schöne Lesestunden bereitet hat, werde ich mich gern erinnern.
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten * Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag * ISBN-13: 978-3462039702
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28.10.2008 von Karthause.

Hans Bergel ist 1925 in Siebenbürgen geboren und lebte bis 1968 dort. Mit diesem Buch nimmt er den Leser in diese in Rumänien liegende Gegend und erzählt von der Zeit zwischen den Weltkriegen. „Wenn die Adler kommen“ ist der erste Teil einer geplanten Trilogie, von der bisher zwei Teile vorliegen.
Peter ist der Ich-Erzähler des Buches. Für den Jungen ist der Sommer die schönste Zeit des Jahres, dann kann er mit dem Hardt-Großvater in die Berge ziehen und bei Schäfer Bade Licus Familie die Tage und die Natur genießen. Er berichtet von seiner glücklichen Kindheit in einer großen Familie, die Freunde sowohl unter den Siebenbürger Sachsen und Rumänen als auch unter den Zigeunern hat. Oberflächlich betrachtet, erscheint das Zusammenleben zwischen den verschiedenen Gruppen harmonisch und freundschaftlich. Aber unter der Oberfläche gibt es spürbare Missstimmungen. In ruhiger und einfühlsamer Art wird der Leser mit dem Leben in der damaligen Zeit vertraut gemacht, dazu zählen u. a. der Alltag, die Jagd, eine Hochzeit und ein Sommerfest. Aber auch eine Audienz beim König und ein großes Feuer sind Bestandteil von Peters Bericht, in den immer wieder Geschichten und Anekdoten über den Vater, die Großväter oder den Krieg eingeflochten werden. Diese erklären dann warum es bestimmte Entwicklungen oder Verstimmungen oder auch Gerüchte gibt. Aber auch die politischen Ereignisse im fernen Deutschen Reich werfen ihre Schatten auf die Siebenbürgen. Und als Leonore trotz hervorragender Leistung ihre Musikprüfung nicht besteht, wird deutlich, dass die Arme der Nationalsozialisten sehr weit reichen.
Mein bisheriges Wissen über Siebenbürgen beschränkt sich auf das, was die Medien seit der Nachwendezeit verbreiten. Deshalb habe ich dieses Buch mit besonderem Interesse gelesen. Hans Bergel beschreibt sehr bildhaft und detailgetreu das Leben der Siebenbürger Sachsen und deren Zusammenleben mit den anderen Volksgruppen. Dabei ist deutlich spürbar, dass Autobiografisches in diesen Roman einfließt. Besonders interessant fand ich die Schilderungen über die Einflussnahme der Nazis, die soweit entfernt gar nicht waren, denn auch unter den Siebenbürgen gab es begeisterte Anhänger.
In der Mitte des Buches tat ich mich etwas schwer mit der Lektüre. Sie hatte spürbare Längen. So baute Bergel ausschweifende Erörterungen über die Geschichte des Scharfrichtertums in die Handlung ein, die mir deutlich zu ausführlich waren. Dagegen gab es sehr schöne Beschreibungen über die Schönheiten der Natur und sehr lesenswerte Dialoge, die mich diesen Kritikpunkt dann doch bald vergessen ließen.
Hans Bergel bedient sich einer schönen, leicht zu lesenden Sprache, mit der er eine sehr angenehme melancholische Stimmung auf den Leser überträgt. Eine Stimmung, die ich sonst fast nur bei den russischen Klassikern finden kann.
Der Titel „Wenn die Adler kommen“ ist durch das gesamte Buch zu verfolge und so ist es bezeichnend, dass dieser Roman mit Peters an seinen Vater gerichteter Frage „Tragen die deutschen Soldaten auf ihrer Uniform den Adler?“ endet.
Mein Fazit: „Wenn die Adler kommen“ ist ein sehr informativer und lesenswerter Roman, der mir die Sicht auf die Siebenbürgen und deren Brauchtum auf sehr unterhaltsame Weise erweiterte. Dieses Buch wird durch „Die Wiederkehr der Wölfe“ fortgesetzt, welches im nächsten Jahr auf meinem Leseplan steht.
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten * Verlag: Langen/Müller * ISBN-13: 978-3784425825
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22.10.2008 von Karthause.

Delia Hopkins ist Anfang dreißig. Sie hat mit Eric eine Tochter und will ihn in kürze heiraten. Sie wuchs behütet auf, allerdings ohne Mutter. Die starb als Delia noch ein kleines Kind war. Ihr fehlte es eigentlich an nichts, denn der Vater überhäufte sie mit seiner Liebe, versuchte, die Mutter zu ersetzen. Aber in ruhigen Momenten, fragte sich Delia doch, wie es wäre, eine Mutter zu haben. Dann wird ihr Vater wegen Kindesentführung festgenommen und ihre gesamte Vergangenheit in Frage gestellt. Auf ihre Frage, wen er denn entführt hätte, antwortet er: „Dich!“. Da ist es doch günstig, dass Eric Anwalt ist und die Unschuld des künftigen Schwiegervaters beweisen will. Dann stellt es sich noch heraus, dass die Mutter gar nicht tot ist, sondern der Vater dies nur als Notlüge gebrauchte.
Dies ist das zweite Buch, das ich von Jodi Picoult gelesen habe und meine Erwartungen daran wurden nicht erfüllt. Der Grundgedanke an sich, ein Vater holt seine Tochter aus der Obhut seiner alkoholkranken Ex-Frau, war nicht schlecht. Aber dann wurden neben der Alkoholproblematik der Ex-Frau auch noch das Alkoholproblem von Eric, esoterische Einflüsse einer Indianerin, die Suche Delias nach ihrem neuen Ich, eine Dreiecksbeziehung zwischen Delia, Eric und Fitz, die Erlebnisse des Vaters während dessen Gefängnisaufenthalt, die Gerichtsverhandlung und weitere Dinge thematisiert, die ich hier nicht aufführen kann, weil sie deutliche Hinweise auf das Ende gäben. So wirkte der Roman inhaltlich überfrachtet. Weniger wäre in diesem Fall deutlich mehr gewesen. Die 5 verschiedenen Perspektiven, aus denen diese Geschichte geschildert wurde, waren für meinen Geschmack auch zu viele. So kam es zu Wiederholungen, die dazu führten, dass ich manche Stellen als etwas langatmig empfand. Auch die Rührseligkeit, mit der die Autorin die Handlung würzte, hat mir nicht gefallen. Der gewollte Druck auf die Tränendrüsen, erzeugte bei mir eher genervtes Stirnrunzeln.
Mein Fazit: „Die Wahrheit meines Vaters“ empfand ich als ein von Themen überladenes, kitschig anmutendes Buch. Wenn ich nicht wüsste, dass aus der Feder der Autorin deutlich bessere Bücher stammen, würde ich zu ihren anderen nach dieser Lektüre wohl eher nicht greifen.
Broschiert: 537 Seiten * Verlag: Piper * ISBN-13: 978-3492251723
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7.10.2008 von Karthause.

In der englischen Stadt Northtown übernimmt der junge, ehrgeizige Charles Freeman die Fabrik seiner Eltern. Er hat eine gute Hand bei der Führung seines Unternehmens, er trifft zur rechten Zeit die richtigen Entscheidungen und hat aus der kleinen Metallfabrik schnell ein florierendes Unternehmen gemacht. Er kauft ein großes Haus und heiratet Mary, mit der er im Laufe der Jahre vier Kinder bekommt. Aber die Familie ist nicht so glücklich, wie es scheint. Mary leidet an Depressionen, Charles herrscht über die Seinen. Die Kinder suchen ihre Nischen und versuchen später alles, um den vom Vater auferlegten Zwängen zu entkommen. Über 40 Jahre konnte ich die Freeman’s begleiten. Von 1952 an lernte ich schließlich drei Generationen dieser Familie kennen.
Tim Pears schrieb eine Familiengeschichte, aber was für eine. Diese hebt sich deutlich von den unzähligen anderen Veröffentlichungen ab. Sie ist wohl die beste, die ich bisher las.
Pears hat seinen Protagonisten nicht nur einen fein gezeichneten Charakter gegeben, er gab ihnen auch ein Gesicht. Manchmal hatte ich das Gefühl den ziehenden Schritt von James, auf dem der eigentliche Fokus der Handlung liegt, zu hören. Alle Personen hatten ihre guten und schlechten Seiten, waren mal mehr und mal weniger sympathisch. Aber ich konnte mit ihnen fühlen und ihre Empfindungen teilen.
Es wird aber nicht nur eine Familiengeschichte erzählt, der Autor zeigt mit viel Liebe fürs Detail, dass alle Kinder ihrer Zeit sind. Das gelingt ihm unter anderem mit Verweisen auf damals aktuelle Musiktitel und in den Kinos laufenden Filmen. Er berichtet aber auch von der Hippiezeit, der Emanzipationsbewegung und der politischen und wirtschaftlichen Umgestaltung des Landes unter Margaret Thatcher. So entsteht gleichzeitig ein Zeit- und Sittenbild Englands in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. All das wird von Tim Pears in einer äußerst angenehmen Sprache präsentiert, die mich an das Buch fesselte. Er ist ein großartiger Erzähler. So wechseln sich nachdenklich machende Momente mit witzigen ab, bizarre mit Augenblicken der Normalität.
Mein Fazit: „Land der Fülle“ ist für mich ein einzigartiges Buch, geschrieben von einem einzigartigen Erzähler. Tim Pears hat mir nicht nur ein Fenster zur Welt der Freeman’s geöffnet, sondern eine große Tür. Ich hatte das Gefühl dazuzugehören und konnte gleichzeitig in eigenen Erinnerungen schwelgen. Dieses Buch wird von mir uneingeschränkt empfohlen. Ich wünsche ihm viele Leser, die ebenso begeistert sind wie ich.
Gebundene Ausgabe: 699 Seiten * Verlag: Blanvalet * ISBN-13: 978-3764500306
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24.9.2008 von Karthause.
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In der Pariser Rue de Grenelle 7 wohnen auch die 12jährige Paloma und die verwitwete 54 jährige Renée. Paloma ist die jüngste Tochter einer reichen Familie. Renée ist die Concierge des noblen Hauses. Beide verbindet ihre ungewöhnliche Intelligenz. Beide versuchen, diese so gut wie möglich zu verbergen. Sie wollen nicht auffallen. So vertrauen sie ihre Gedanken lediglich ihren Tagebüchern an und spielen im Alltag die Rolle, die von ihnen erwartet wird. Das fällt Renée deutlich schwerer, sie ist im Haus eine öffentliche Person, so hat sie in dem den Blicken der Hausbewohner ausgesetzten Bereich Bücher von Barbara Cartland liegen, in ihren privaten Räumen dagegen liest sie Tolstoi. Paloma sieht in dem Leben, das die Erwachsenen führen, keinerlei Sinn, sie will für sich die Konsequenzen daraus ziehen.
Egoismus, Dekadenz, Eitelkeit und Selbstverliebtheit prägen das Bild, das man sich über die begüterten Bewohner dieses Hauses macht. Erst als der Japaner Ozu in dieses Haus einzieht, halten mit ihm Menschlichkeit, Verständnis und Wärme Einzug.
Auf den ersten 100 Seiten habe ich mich mit diesem Buch etwas schwer getan. Einzig die wirklich schöne Sprache hat mich davon abgehalten, es zur Seite zu legen. Stellenweise fühlte ich mich belehrt. Mir waren die Kapitel zu kurz. Die philosophischen Gedanken waren nicht immer zu Ende gedacht. Das Buch fühlte sich für mich an, als hätte sich die Autorin, die selbst Philosophin ist, von „Sophies Welt“ inspirieren lassen. Aber mit Eintritt des Herrn Ozu in die Handlung, gab es für mich beim Lesen die Wende. Erschien mir „Die Eleganz des Igels“ bis dahin etwas blutleer, so las ich von nun an mit viel Freude und Begeisterung weiter. Für meine Anfangsschwierigkeiten wurde ich entschädigt. Der wirklich schöne Stil der Autorin, der durch die Übersetzung nicht gelitten hat, zog sich konsequent durch das gesamte Buch. Das Buch endete für mich unerwartet. Der Schluss erschien mir aber ein wenig zu pathetisch.
Mein Fazit: „Die Eleganz des Igels“ ist ein empfehlenswertes Buch, allerdings hatte ich höhere Erwartungen und war vielleicht deshalb zu Beginn etwas enttäuscht. Es beinhaltet viele Denkanstöße und Gedankengänge, die es wert sind, weiter gesponnen zu werden.
Broschiert: 360 Seiten * Verlag: Dtv * ISBN-13: 978-3423246583
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8.9.2008 von Karthause.

Krebs im Endstadium. Inoperabel. Medikamente können das Leben verlängern, sie können ihn aber nicht heilen. Ohne medizinische Hilfe bleiben ihm nur noch Monate zu leben. Mit dieser Diagnose wird der erfolgreiche Chef einer Werbeagentur bei seinem Arztbesuch konfrontiert. Ohne die Familie zu informieren, nutzt Mistler eine Europareise, um noch einmal Venedig zu besuchen. Unverhofft trifft er dort auf ein flüchtige Bekannte. Eine kurze, aber intensive Affäre ist die Folge dieses Zusammentreffens. Mistler ist aber zu sehr in seiner Gedankenwelt verstrickt, als dass er sich völlig auf die junge Frau einlassen könnte. Das schnelle Ende dieser Beziehung ist unumgänglich. Mistlers Tagträume geben viel von ihm und seiner Gedankenwelt preis. Ehrgeizig, war er, rücksichtslos, berechnend und in seinen Augen ein ganz passabler Liebhaber. So hat er nur noch zwei Wünsche: Schmerzfrei zu sterben und keine Rechenschaft über Sünden abgeben zu müssen.
“Mistlers Abschied” ist ein sehr berührendes Buch. Mistler, ein Leben lang erfolgreich, wird seinen letzten Kampf, den gegen den Krebs, verlieren. Er tritt eine Reise an, um zu sich zu finden, lässt in Venedig sein Leben Revue passieren und genießt noch einmal die Liebe. Familiäre Unstimmigkeiten sieht er nun aus einem anderen Blickwinkel. Er kann sogar seinen Sohn bitten, nach Hause zu kommen und auch die ungeliebte Schwiegertochter mitzubringen. Es war wieder der bekannte Stil von Begley, der mich gefangen genommen hat und doch ist dieses Buch anders alle anderen, die ich von diesem Autor bisher las, es ist ruhiger, nachdenklicher. Bereits zu Beginn dieses Buches machte ich mir Gedanken, wie Begley die Handlung letztendlich auflösen würde. Ich hatte Angst vor großem Pathos. Aber auch das hat er sehr einfühlsam und mit großer Symbolkraft gelöst. Einen Begley lese ich immer wieder gern.
Taschenbuch: 283 Seiten * Verlag: Suhrkamp * ISBN-13: 978-3518396131
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2.6.2008 von Karthause.

Emily Gold und Chris Hart kennen sich seit ihrer Geburt. Ihre Eltern sind beste Freunde und Nachbarn. So sind auch beide Seiten erfreut, als sich die enge Freundschaft zwischen den Emily und Chris in eine junge Liebe verwandelt. Sie sind unzertrennlich, teilen alles miteinander, Freude und Sorgen. Doch dann kommt der Tag, an dem für beide Familien die Welt aus den Angeln gehoben wird und Unvorstellbares geschieht. An der Frage Selbstmord, missglückter Doppelselbstmord oder Mord zerbricht die Freundschaft der Eltern. Das alles Bestimmende werden das Wie und das Warum.
„Bis ans Ende aller Tage“ ist der erste Roman, den ich von Jodi Picoult gelesen habe, deshalb kann ich nicht sagen, ob er typisch für die Autorin ist oder nicht. Mir hat er sehr gut gefallen. Binnen kürzester Zeit war ich in die Geschichte eingetaucht. Gleich zu Beginn des Buches wird der Tod von Emily offenbart und bis zum Ende bleibt der Spannungsbogen erhalten. Viele Gedanken wurden nur angerissen, andere bis zu Ende gedacht, Das Geschehen wurde aus verschiedenen Blickwinkeln heraus betrachtet. Das Handeln der einzelnen Personen wurde so beschrieben, dass jedes Tun nachvollziehbar war. Die Autorin beleuchtet jeden einzelnen Charakter und ergründet ihn. Das hat mir sehr gut gefallen. Die beiden Familien sind bis zum Tod von Emily ganz normale amerikanische Familien, mit einem ganz normalen Alltag und ganz normalen Problemen. Dieses Leben wird von Jodi Picoult gekonnt beschrieben, aber so dass durch diese Normalität keine Langeweile aufkommt.
Jodi Picoult schreibt in einem sehr schönen, warmen Stil, der wirkliche Lesefreude aufkommen lässt. So verschlang ich dieses Buch in kürzester Zeit. Es hat mich emotional sehr berührt. Trotzdem möchte ich ihm nur 4 von 5 Sternen geben. Denn nach der Lektüre blieben für mich mehrere Fragen offen. Da diese ungeklärten Sachverhalte im Buch jedoch eine nicht unerhebliche Bedeutung hatten, fühle ich mich jetzt genötigt zu spekulieren und das empfinde ich in diesem Fall als unbefriedigend.
Broschiert: 640 Seiten
Verlag: Piper
ISBN-13: 978-3492248303
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20.4.2008 von Karthause.

Im Zentrum von Louis Begleys Roman steht der pensionierte New Yorker Anwalt Albert Schmidt, ein Don Juan mit Prinzipien. Vor der Einsamkeit durch seine Liebe mit der jungen Puertoricanerin Carrie bewahrt, führt Schmidt mit ihr ein abgeschiedenes Leben in Bridgehampton, Long Island. Das erste Mal seit dem Tod seiner Frau ist Schmidt glücklich. Nur die gemeinsame Zukunft mit Carrie bereitet ihm Sorgen, denn die Schöne weist alle seine Heiratsanträge zurück. Schmidts Befürchtungen bewahrheiten sich - Carrie verliebt sich in einen anderen Mann. Schlimmer noch: Schmidts Tochter Charlotte, eine Frau mit Prinzipien, steht vor der Tür und fordert Geld. Sie hat ihren Ehemann, Schmidts ehemaligen Protege und Kanzleikollegen Jon Riker, verlassen, der dabei erwischt wurde, wie er geheime Dokumente an seine Geliebte weitergab. Nun will sie sich mit einer dubiosen Geschäftsidee selbständig machen. In seiner Verwirrung und Ratlosigkeit findet Schmidt einen ungewöhnlichen Verbündeten: Michael Mansour, den geheimnisvollen Ägypter, der ihm ein verlockendes Angebot macht. In ‘Schmidts Bewährung’ erzählt Louis Begley eine staunenswert leichte Geschichte darüber, wie schwer es ist, die Entfernung von Mensch zu Mensch zu überwinden.
Meine Meinung
Im November las ich „Schmidt“ von Louis Begley und wusste, auch die Fortsetzung „Schmidts Bewährung“ muss ich lesen. Der pensionierte Anwalt hatte sich in meine Leseseele geschlichen, obwohl ich mir bis jetzt nicht im Klaren bin, ob er mir nun wirklich sympathisch ist. Ich habe ihn akzeptiert wie er was und somit hatte ich beim Lesen viel Freude. Albert Schmidt war schon nach wenigen Seiten wieder präsent. Sein Leben hatte sich in der zwischen den Romanen liegenden Zeit kaum verändert. Die junge Geliebte Carrie lebt noch immer bei ihm. Seine Tochter Charlotte giert noch immer nach seinem Geld. Deren Mann Jon Riker ist aus der Kanzlei geflogen, sie hat sich von ihm getrennt und ein Verhältnis mit einem anderen Mann begonnen. Mit ihm und Schmidts Geld wollte sie sich selbständig machen. Aber schon nach sehr kurzer Zeit platzte dieser Traum. In Schmidts und Carries Leben trat der reiche, undurchsichtige Ägypter Mansour. Er bringt Schmidts Welt nicht nur durch die Avancen Carrie gegenüber ins Wanken. Er bringt Schmidt zum Nachdenken. Reicht der jungen Geliebten das, was Schmidt ihr zu bieten vermag? Genügt sein 2. Frühling, um Carrie dauerhaft an ihn zu binden? Kann er mit seiner Großzügigkeit Carrie und sich ein Zukunft kaufen? Lebt er das Leben, das er möchte oder ordnet er dem Wunsch nach Zweisamkeit alles andere unter? Sollte er den ersten Schritt tun, um sich seiner Tochter wieder anzunähern? All diese Fragen finden im Buch ihre mehr oder weniger eindeutige Antwort. Bei manchen bin ich als Leser gefordert, mir selbst eine Meinung zu bilden. Im Roman wird aber nicht nur der Generationenkonflikt thematisiert, es ließ mich nachdenken über das Leben an sich und noch mögliche Lebensziele im Alter. Begley bedient sich auch in diesem Buch einer sehr ruhigen, fast schon bedächtigen Sprache, die aber nie langweilig erscheint. Mit Schmidt hat er einem Charakter Leben eingehaucht, der trotz oder gerade wegen seiner Macken sehr natürlich und glaubwürdig erscheint. Der Schluss kam für mich anders als erwartet. Aber auch dieser wirkte stimmig und kein bisschen konstruiert. Ich würde sehr gern noch einen 3. Teil über Schmidt und seinen weiteren Lebensweg lesen. Es gibt noch einiges in Schmidts Leben, an dessen Entwicklung ich gern teilhaben würde.
Taschenbuch: 313 Seiten
Verlag: Suhrkamp
ISBN-13: 978-3518399361
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10.4.2008 von Karthause.

Klappentext
Kephallonia ist eine einsame, friedfertige Insel im Ionischen Meer, berühmt für ihre Anmut und den Zauber ihres Lichtes. Einst trieben dort die Götter ihr frivoles Spiel mit den Menschen, und der Inselheilige entflieht immer wieder aus seinem Sarkophag, um das Los der Wahnsinnigen zu lindern. Als Knotenpunkt vieler Schifffahrtsrouten ist Kephallonia seit jeher ein beliebtes Ziel von Invasoren jeglicher Herkunft, und im Zweiten Weltkrieg landeten hier die Italiener, dann die Deutschen. Im Mittelpunkt von Louis de Bernières’ magischem, ergreifenden Roman steht Pelagia, die schöne, stolze und eigenwillige Tochter des Arztes, die sich plötzlich zwischen zwei Männern sieht: Madras, der junge Fischer, der die Delphine aus den Tiefen des Meeres hervorzulocken vermag und sich den Partisanen anschließt, auf der anderen Seite Antonio Corelli, der souveräne Kommandeur der italienischen Besatzungstruppen, der die Frauen und die Musik um vieles mehr liebt als den militärischen Drill. Nicht einmal der Krieg kann den Lauf der Liebe hemmen, aber der Krieg gestattet auch keine idyllische Abgeschiedenheit. In Zeiten der Barbarei treten Treue und Verrat offen zutage, auch große Gefühle sind hilflos, wenn sie von schrankenloser Macht, vom Wahnwitz der Geschichte bedroht werden. In Kephallonia gerät die Landschaft der Götter und der Phantasie in die Klauen der erbarmungslosen Zeitläufe. Nur Pelagia gibt die Hoffnung nicht auf, noch einmal den betörenden Klang der Mandoline zu hören.
Meine Meinung
Es fiel mir ein wenig schwer, mich in dieses Buch einzulesen und die Handlungsfäden aufzunehmen. Aber nach etwa 60 Seiten war ich gefangengenommen vom wunderschönen Stil, mit hervorragenden feinfühligen Beschreibungen von Land und Leuten, mit dem Louis de Bernières dieses Buch ausschmückt. Die Liebesgeschichte, die vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges mit Besatzern, Angriffen und Not spielt, ist weder kitschig noch schwülstig. Sie ist schön. Die Handlung ist nachvollziehbar und der historische Rahmen meines Erachtens auch sehr realitätsnah. De Bernières lässt Mussolini und Metaxa in diesem Roman überzeugend zu Wort kommen, das unterstreicht die gute Recherchearbeit des Autors. Für mich hat in diesem Buch die Liebesgeschichte von Pelagia und Antonio die Haupthandlung inne. Den Krieg gibt es zwar, aber er scheint beim Lesen nicht so vordergründig zu sein. Obwohl die Auswirkungen doch recht deutlich beschrieben werden. Aber etwa 100 Seiten vor dem Ende gab es leider einen Bruch in dem wunderschönen Stil. Ich hatte das Gefühl, der Autor schrieb das Ende der Geschichte im Zeitraffer. Auf diesen Seiten berichtete er vom Kriegsende bis in das Jahr 1993 hinein. Auch der Schluss selbst hat mich nicht so begeistert. Er machte die Geschichte rund, aber ein offenes Ende hätte mir deutlich besser gefallen.Ein Wort zu meiner Lieblingsfigur in diesem Roman möchte ich gern noch loswerden, das war Carlos, der Antonio Corelli auf eine sehr intensive, aber zurückhaltende Art liebte. Seine Abschiedsbriefe haben mich sehr berührt. Es wahren wohl die schönsten, die ich bisher gelesen habe.Vor Jahren habe ich die Verfilmung des Buches gesehen. Die Zeit hat mich einiges vergessen lassen, aber wesentliche Unterschiede in der Handlung sind mir nicht aufgefallen.
Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
Verlag: Hoffmann und Campe
ISBN-13: 978-3455003239
Geschrieben in 2008, Belletristik | Keine Kommentare »
28.1.2008 von Karthause.

Traum im Polarnebel
Juri Rytchëu
Broschiert: 369 Seiten
Verlag: Unionsverlag
ISBN-13: 978-3293203518
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Im Jahr 1911 zog es John MacLennan, der bisher in der Nähe des Ontariosees in Kanada lebte, in die Ferne. Er lernte den Kapitän des Walfangschiffes „Belinda“, Hugh Grover, kennen. Gemeinsam träumten sie davon als erste bis zur Mündung des sibirischen Stromes Kolmya vorzustoßen. Auf der Fahrt durch das Eismeer achteten sie weder auf das Wetter noch auf den Kalender und blieben im Eis vor der nordostsibirischen Küste stecken. Beim Versuch, das Schiff freizusprengen, erlitt John einen folgenschweren Unfall. Die nächste Krankenstation war 30 Tagesfußmärsche entfernt. Die eingeborenen Tschuktschen sollten helfen und John mit dem Hundeschlitten zum Arzt fahren. Kapitän Grover versprach ihnen Winchesterbüchsen und Orwo, Toko und Armol machten sich mit John auf den Weg. Als sie feststellten, dass John der Wundbrand befallen hatte, brachten sie ihn zu Kelena, der Schamanin. John sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Was hatten die Wilden, die er misstrauisch und vorurteilsbehaftet betrachtete, mit ihm vor? Zwangsweise musste er bei dem fremden Volk mit den für ihn unbekannten Traditionen überwintern. Aber diesem einen Winter folgten viele weitere.
„Traum im Polarnebel“ ist ein Roman der ganz besonderen Art. Ganz schlicht und leise erzählt Juri Rytchëu die Geschichte des Kanadiers John MacLennan, dem nach seinem schweren Unfall die Hilfe der Tschuktschen zuteil wurde. Er berichtet von gegenseitigem Misstrauen und vorhandenen Vorurteilen, aber auch von tiefer Freundschaft. Dieser Roman kommt ohne jede Actionszene und Effekthascherei aus, dafür besticht er durch beeindruckende Naturbeschreibungen. Rytchëu, selbst Tschuktsche und Kenner beider Kulturen, schildert das Leben seines Stammes im Einklang mit der unberührten Natur, er erzählt von der „Weißen Frau“, der Urmutter aller Tschuktschen, beschreibt Bräuche und Sitten. Aber er romantisiert das Leben im Polarklima nicht, er zeigt in seinen Alltagsbeschreibungen deutlich auch die Härte des Lebens und die Nachteile gegenüber der „zivilisierten“ Lebensweise.
Die Sprache des Autors ist einfach, ruhig und einfühlsam, aber die Gedanken gehen sehr tief. An John MacLennans Schwierigkeiten, in der neuen Umgebung klar zu kommen, wird der Unterschied zwischen den verschiedenen Lebensformen sichtbar. Die Frage nach den wahren Werten im Leben des Menschen wird unausweichlich. Ich kann nun meinen Lieblingsbüchern ein weiteres hinzufügen und freue mich auf weitere Bücher dieses Autors.
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18.1.2008 von Karthause.
OT: We need to talk about Kevin
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: List
ISBN-13: 9783471786796
Gelesen: Januar 2008
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Kevin Khatchadourian war kein Wunschkind. Eva, die Verlegerin von Reiseführern und Franklin, der Location-Scout, entschlossen sich für ein Kind, weil es ihrer Meinung nach zu einer perfekten Familie gehört. Doch mit der Geburt des Jungen wurde alles anders. Damit ist aber nicht nur die normale Veränderung im täglichen Leben nach der Geburt eines Kindes gemeint, die jede junge Familie trifft. Eva konnte für ihr Kind nichts empfinden, Kevin lehnte seine Mutter vom Tage seiner Geburt ab. Diese Situation zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman. Ganz anders ist das Verhältnis Evas zu ihrer Jahre später geborenen Tochter Celia.
„Wir müssen über Kevin reden“ ist ein Briefroman, eine Art Literatur, die ich nicht unbedingt bevorzuge. Aber dieser Roman ist anders. Eva schreibt in diesen Briefen ihre Sicht der Dinge an ihren (Ex-?)Mann Franklin. Darin beschreibt sie ihr Leben bevor sie Franklin kennen lernte und schildert auch, wie es zu der Entscheidung für das Kind kam und welche Zweifel sie ständig hegte. So begleitet der Leser die Familie über einen Zeitraum von fast 20 Jahren, bis Kevin dann wenige Tage vor seinem 16. Geburtstag die unfassbare Tat begeht. Er läuft an seiner Schule Amok. Aus dem Klappentext ging das schon hervor und mit diesem Wissen ausgerüstet, bewertete ich beim Lesen jedes Problem, das bei Kevins Entwicklung auftrat. Mit Eva und ihrer Auffassung, Kevin sei von Geburt an böse, konnte ich mich den ganzen Roman über nicht richtig anfreunden. Unzufrieden war ich über weite Strecken, dass in den Briefen von Eva nie Bezug auf eine Antwort Franklins genommen wurde, auch das löst sich zum Ende hin auf.
Zu Beginn des Buches konnte ich mich nicht so einfach in Evas Gedankenwelt einfühlen. Ihre Art mit Kevin umzugehen, war für mich manchmal schwer nachzuvollziehen. Aber in ihren Briefen gibt sie Erklärungen ab, geht mit sich selbst ins Gericht, sucht die Ursachen für diese Schreckenstat nicht zuletzt bei sich selbst und erscheint erbarmungslos ehrlich dabei.
Lionel Shrivers Stil habe ich als sehr eindringlich empfunden. Der Roman liest sich als würde Eva über ein reales Geschehen schreiben, dem ist aber nicht so. Die Autorin hat sehr realitätsnah geschrieben. Ich habe das Buch nun schon einige Tage beendet, aber in Gedanken bin ich immer noch bei der Familie Khatchadourian. Dieses Buch ist fesselnd, berührend, erschreckend und bedrückend zugleich. Nach der letzten Seite hätte ich gern über Kevin geredet, aber auch über Eva, Franklin und Celia.
Geschrieben in 2008, Belletristik | 1 Kommentar »
1.1.2008 von Karthause.
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Klappentext
Eine Mutter bricht mit ihren beiden Söhnen zu einer Reise auf. Neun der Große, fünf der Kleine. Sie freuen sich, aber es ist ihnen auch unheimlich. Sie waren noch nie weg, und Ferien sind auch nicht. Was wird die Lehrerin sagen?
Sie nehmen den Nachtbus, das ist billiger. Und aufregend. Aber die Mutter hat Kevins Einschlaftuch vergessen, und Stan zählt angstvoll das Restgeld aus der Teedose. Es wird nicht lange reichen.
Auch die Mutter weiß das, aber sie ist fest entschlossen: Ihre Kinder sollen das Meer sehen, wenigstens einmal. Das Meer. Da spielt es keine Rolle, wie verlassen und trostlos der kleine Küstenort im Winter ist und dass der Regen die Kleider schwer macht und dass sie von ihrem Hotelzimmer auf eine Betonwand schauen, nicht auf den Strand. Schwieriger ist, dass sie Stan nicht in die Augen sehen kann, der versucht stark zu sein für den kleinen Bruder und auch für sie, seine Mutter. Der sich schämt, wenn sie mit dem Kleingeld aus der Teedose zahlen, das niemand will. Stan, der seine Mutter noch beobachtet, wenn sie schläft. Damit sie nicht allein ist, wenn sie aufwacht und die Panik wiederkommt. Und ihr alles entgleitet.
Diese Reise hat sie geplant, auch wenn sie sonst nie planen kann. Sie werden ans Meer gehen und abends auf die Kirmes. Die Kinder sollen es gut haben. Bis sie kein Geld mehr hat und auch der Mut sie verlässt. Denn es ist eine Reise ohne Wiederkehr, eine Reise in das Herz der Verzweiflung.
Meine Meinung
Gerade habe ich dieses Buch beendet, emotional bin ich noch stark betroffen. Veronique Olmi hat dieses Buch aus der Sicht der Mutter geschrieben, sie ist in ihr Innerstes geschlüpft und hat es wertungsfrei sichtbar gemacht. Dadurch entstand für mich eine unnatürliche Nähe zu dieser Romanfigur. Ihre Ängste, ihre Nöte und ihre Verzweiflung wurden fast körperlich spürbar. Ich fühlte mich auf eine ganz besondere Weise in das Geschehen involviert, ich empfand Hilflosigkeit und fragte mich, hat sie wirklich niemanden, der ihr zur Seite stehen kann. Recht schnell war mir klar, wie dieses Buch ausgehen könnte, aber die letzten 10 Seiten haben mich dann doch fast überwältigt.
Dieses Buch ist ein ganz besonderes Buch. Es umfasst nur 120 Seiten, aber jede einzelne Seite besticht durch die brillante Schreibweise Veronique Olmi’s, die die Tiefe in der Hoffnungslosigkeit darstellen kann wie kaum ein anderer Autor. Trotz der beklemmenden Stimmung habe ich dieses Buch sehr gern gelesen.
OT: Bord de mer
Taschenbuch: 125 Seiten
Verlag: Btb
ISBN-13: 978-3442732296
Gelesen: Januar 2008
Geschrieben in 2008, Belletristik | Keine Kommentare »
30.12.2007 von Karthause.
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Nachdem dieses Buch in aller Munde war und nun auch noch verfilmt wurde, wollte ich mir meine eigene Meinung bilden.
Die 13-jährige Briony spielt auf Grund ihrer noch kindlichen Fantasie, ihrer Unaufgeklärtheit und ihrer unterschwellig vorhandenen Eifersucht Schicksal. Die Mutter liegt migränegeplagt im Bett und macht sich über ihre morbide Welt recht eigene Gedanken. Die Schwester Cecilia ist in Robbie Turner, den Sohn der Putzfrau verliebt und auf dem Landsitz der Tallis halten sich besuchsweise Lola , eine Cousine und deren Zwillingsbrüder auf. Es herrscht eine gewisse Aufregung, denn Leon, der älteste Sohn der Tallis, kommt mit seinem Freund auf Besuch.
In einem ersten Teil stellt McEwan die einzelnen Charaktere sehr ausführlich dar. Die wenigen Ereignisse werden von mehreren verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Er ergibt sich in die Beschreibung der inneren Handlung, so dass ich schon einige Geduld beim Lesen aufbringen musste. Einziger Höhepunkt der Handlung war die Fehleinschätzung von zufällig beobachteten Situationen durch die von ihrer pubertierenden Fantasie geleiteten Briony. Sie sah was sie sehen wollte und behielt ihren „ungeheuerlichen Erkenntnisse“ auch nicht für sich. Wäre nicht die sehr schöne Sprache Ian McEwans gewesen, hätte ich das Buch noch in diesem ersten Teil entnervt zur Seite gelegt. Da ich aber von verschiedenen Seiten hörte, mir würde das Buch gefallen, hielt ich durch und es hat sich gelohnt. Im 2. und 3. Teil hat sich sowohl der Aufbau als auch die Sicht geändert. Augenmerk wurde hier auf die äußere Handlung gelegt und ich konnte schon bald nicht mehr von dem Buch lassen. Inzwischen war Krieg und McEwan beschreibt die Schrecken und Gräuel auf so besondere Weise, dass auch ohne direkte Blicke auf Kampfhandlungen eine Gänsehautgefühl entstand. Aber auch die Leiden der in London zurückgebliebenen beschreibt er realistisch und erstmalig musste ich Briony, die mir ja von Beginn des Buch an nicht gerade sympathisch war, Respekt zollen. Als Lernschwester wird sie mit den Folgen des Krieges direkt konfrontiert. Eigentlich wollte sie ja Schriftstellerin werden und diese für sie „niedere“ Tätigkeit ist ihre Form der Abbitte für die Schuld, die sie vor Jahren auf sich geladen hat.
Herausragend aber ist das Ende des Buches, das McEwan für den Leser bereit hält. Es war alles andere als vorhersehbar. Ich musste den Schluss zweimal lesen, ehe ich zwischen den Fiktionen das wirkliche Ende der Handlung fand, das war fast schon genial.
Mein Fazit: Ich hätte nach einem zähen Einstieg in dieses Buch nicht erwartet, eine so beeindruckende Lektüre vor mir zu haben. Es war nicht mein letztes Buch, dass ich von diesem Autor gelesen habe. Und schon aus reiner Neugier, wie dieses Buch filmisch umgesetzt wurde, werde ich mir den Film wohl auch ansehen.
Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Diogenes
ISBN-13: 978-3257233803
Gelesen: Dezember 2007
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26.11.2007 von Karthause.
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“Über die Jahre habe ich festgestellt, dass meine Helden gewöhnliche Menschen sind, die ungewöhnliche Dinge tun.
Was mich beschäftigt, ist immer der Mensch, der sein Leben in Würde zu leben versucht.” Alex Capus
Anton Rüter, Hermann Wendt und Rudolf Tellmann sind Arbeiter auf der Papenburger Meyer Werft. Ihr Auftrag ist es, das eben erst fertig gestellte Kanonenboot „Götzen“ wieder zu zerlegen und nach Deutsch-Ostafrika auf den Tanganjikasee zu bringen. Alle drei sind keine Abenteurer, sie erfüllen nur ihre Pflicht. Der Transport des Schiffes wird schnell abgehandelt. Ausführlich berichtet Capus dann wieder über den Aufbau des Schiffes und die Schwierigkeiten und Probleme, die sich daraus ergeben. Recht schnell können sich die Papenburger in der neuen und unbekannten Umgebung arrangieren und leben sich den Umständen entsprechen gut ein. Sie machen das Beste aus ihrer Situation. Doch dann beginnt der 1. Weltkrieg.
In einer parallelen Handlung lernt der Leser den Briten Geoffrey Spicer Simson kennen. Er ist in Afrika vom britischen Militär aufs Abstellgleis geschoben worden, wird aber nach Ausbruch des Krieges nach London zurück beordert. Er ist ein Sonderling, dem Größenwahn nicht fern ist. Der Zufall will es, dass er einen ähnlichen Auftrag wie die deutschen Werfarbeiter erhält. Er soll zwei Boote via Kapstadt an den Tanganjikasee befördern, um den Deutschen an diesem Kriegsschauplatz Paroli bieten zu können. Diese Aufgabe meistert er unerwartet souverän und bedacht. Er zeigt überraschend Führungsstärke.
Alex Capus ist ein hervorragender Beschreiber, er wertet nicht, er erzählt und das auf eine ganz besondere Art und Weise. Afrika und das Leben und Überleben auf diesem Kontinent schildert er sehr realistisch und bildhaft, dabei baut er gekonnt Situationskomik ein. Auch die Charaktere passen gut in ihre Zeit. Capus schuf lebendige Persönlichkeiten mit Eigenheiten, Stärken und Schwächen. Dabei geht aus dem Roman nicht eindeutig hervor, welche Personen wirklich lebten und welche der Fantasie des Autors entsprangen. Ein Personenverzeichnis mit entsprechenden Hinweisen, würde dieses Buch gut ergänzen. Alex Capus betreibt keine Schönfärberei und zeigt auch Probleme auf, die die Oberen mit den Einheimischen hatten und die sie auf die „altbewährte“ koloniale Weise lösten. Er bleibt mit seinem Buch eng an der historische Vorlage. Dank seiner ausgezeichneten Recherchearbeit ist ihm ein sehr authentischer Roman gelungen. Die Kapitelüberschriften waren ein Highlight für sich.
„Eine Frage der Zeit“ ist ein ruhiges Buch, das zwar den Krieg thematisiert, aber gut ohne große Gräueltaten und übermäßiges Blutvergießen auskommt. Dieser Roman ließ mich nachdenklich werden und auch schmunzeln. Wer Bücher mag, die lebensnah geschrieben sind, wird dieses Buch lieben. Es war einer der besten Romane, die ich in diesem Jahr las, für mich ein echtes Leseerlebnis.
Die „Götzen“ fährt heute noch unter dem Namen MS Liemba auf dem Tanganjikasee.
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Knaus
ISBN-13: 978-3813502725
Gelesen: November 2007
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30.10.2007 von Karthause.
Mit großen Erwartungen begann ich diesen neuen Roman von Khaled Hosseini und gleich vorweg, ich wurde nicht enttäuscht.
Mariam wurde im Jahr 1959 unehelich in Herat geboren. Mit ihrer Mutter, Nana, lebte abgeschieden und die für das Mädchen viel zu seltenen Besuche des geliebten Vaters, er besuchte sie jeden Donnerstag, waren die Höhepunkte in Mariams Leben. Als sie 15 war, nahm sich die Mutter das Leben. Mariam suchte Zuflucht bei ihrem Vater und dessen Familie. Kurzzeitig nahm er seine uneheliche Tochter auf, wollte seine Familie aber nicht ständig mit dem Zeugnis seiner Schande konfrontieren und verheiratete sie mit dem dreißig Jahre älteren Kabuler Schuhmacher Raschid.
Die Ehe verlief von Beginn an nicht glücklich. Als nach mehreren Fehlgeburten klar wurde, dass Mariam ihrem Mann keinen Sohn schenken konnte, wurde ihr Leben zur Hölle.
Fast zwanzig Jahre später nahm Raschid die verwaiste, junge Laila ins Haus und heiratete auch sie. Laila stammte aus einer Familie, in der Bildung, auch für Mädchen als sehr wichtig angesehen war. Für sie tat sich im Hause Raschids eine ganz andere Welt auf als sie bisher kannte. Ganz langsam, bedingt durch die gemeinsamen zu ertragenden Qualen des Alltags, kamen die so unterschiedlichen Frauen sich näher. Im täglichen Kampf ums Überleben entwickelte sich schließlich eine tiefe Freundschaft.
Die gesamte Handlung wurde fest mit den historischen Ereignissen in Afghanistan verknüpft. Diese wurden aber von Khaled Hosseini nicht als Rahmenhandlung abgetan. Er ließ uns die Auswirkungen des politischen Geschehens auf die Bevölkerung und die Protagonisten spüren. So der Leser Zeuge des Einmarsches sowjetischer Truppen in das Land, aber auch als Afghanistan zur Islamischen Republik Afghanistan wurde, zeigte er die Folgen, die vor allem die Frauen betrafen, ungeschönt auf.
Khaled Hosseini beschrieb eindrucksvoll den schwierigen Alltag, der von den Frauen zu meistern war. Es wurde sehr deutlich gemacht, wie das tägliche Leben für alle immer problematischer wurde. Das Ganze fand seinen dramatischen Höhepunkt mit der Schreckensherrschaft der Taliban. Öffentliche Hinrichtungen waren an der Tagesordnung, Frauen wurden von Sittenwächtern geprügelt, wenn sie sich ohne männliche Begleitung in der Öffentlichkeit bewegten oder nicht den Bekleidungsvorschriften entsprechend gekleidet waren.
Die Handlung wurde begleitet von Kampf, Gewalt und Blutvergießen. Trotzdem zeichnete Hosseinis Roman kein düsteres Bild seines Landes, ganz zum Schluss schloss sich der Kreis des Geschehens und ein Funke Hoffnung für eine friedliche und freie Zukunft wurde sichtbar.
Dem Autor gelang es wunderbar, mir das Leben in Afghanistan nahe zu bringen. Ich konnte mich problemlos in die Protagonisten hinein versetzen und deren Gedanken und Gefühle nachvollziehen, obwohl diese einen mir recht fremden Kulturkreis entstammen. „Tausend strahlende Sonnen“ ist ein atmosphärisch dichter und in einer wunderbaren Sprache geschriebener Roman mit hervorragend ausgearbeiteten Charakteren. Auch die Übersetzung hat dem Buch nichts von seiner Tiefe genommen.
Ich fühlte mich von diesem Roman eingefangen und begab mich auf die Reise in ein fernes Land zu Personen, die mir beim Lesen ans Herz wuchsen, mit denen ich litt und die kleinen Freuden teilte. Es war eine Lesereise auf der ich auch gefühlsmäßig stark gefordert wurde, oft musste ich tief durch atmen, an anderen Stellen war ich nur noch fassungslos, dann wieder konnte ich schmunzeln. Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen, es war für mich ein Leseerlebnis, das sich mir nicht allzu oft bietet und immer noch in mir nachklingt.
Gebundene Ausgabe: 381 Seiten
Verlag: Bloomsbury; Auflage: 1 (September 2007)
ISBN-10: 3827006716
ISBN-13: 978-3827006714
Gelesen: August 2007
Geschrieben in 2007, Belletristik, Meine Besten | Keine Kommentare »