Archiv der Kategorie 2008

Susan Vreeland - Das Mädchen in Hyazinthblau

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Menschen spiegeln sich in dem, was sie lieben und woran ihr Herz hängt: Ein Gemälde von Vermeer bezaubert alle, die es besitzen, und begleitet sie auf ihrem Lebensweg. Das geheimnisvolle Mädchen in Hyazinthblau wird über die Jahrhunderte zum stummen Zeugen alltäglicher und dramatischer Schicksale.

Meine Meinung

In „Das Mädchen in Hyazinthblau“ wird die Geschichte des Vermeer-Gemäldes von der Gegenwart bis zurück zu seiner Entstehung im 17. Jahrhundert erzählt. Dabei hat sich Susan Vreeland nur auf einige wenige Ereignisse beschränkt. Zu Beginn des Buches erwartete ich, dass sich mir Zusammenhänge zwischen den Generationen, die im Besitz des Bildes waren, erschließen. Dem war nicht so. Mit jedem neuen Kapitel wurde auch eine neuer Abschnitt aus der Geschichte des Bildes erzählt. Oft musste ich mich erst orientieren, in welcher Zeit ich mich nun befand, denn nicht immer waren Jahreszahlen oder bedeutende Ereignisse benannt worden. So empfand ich dieses Buch auch als ein wenig hingeworfen. Ein verbindendes Element zwischen den Kapiteln fehlte mir. Erst als ich ganz am Ende des Buches die Dankksagung las, wurde mir klar, dass es sich um eine Zusammenstellung von Kurzgeschichten handelte, die Susan Vreeland als Buch veröffentlichte. Einzelne dieser Kurzgeschichten haben mir sehr gut gefallen, aber einige empfand ich auch als sehr oberflächlich, weil die Charaktere nur ansatzweise skizziert wurden. Hätte ich gewusst, dass die Autorin hier lediglich Artikel für verschiedene Zeitungen zusammengefügte hat, wäre ich wohl mit anderen Erwartungen an das Buch gegangen, so bin ich doch eher enttäuscht worden.

Gebundene Ausgabe: 236 Seiten * Verlag: Diana * ISBN-13: 978-3828400481

Irving Stone - Michelangelo

Auf 700 kleingedruckten Seiten wird das Leben eines der wohl größten Genies der Menschheit, Michelangelo, abgehandelt. Der Leser lernt Michelangelo in einem Alter von 13 Jahren kennen und erfährt von den Kämpfen, die er besonders mit seinem Vater ausfechten musste, ehe er seinen Weg gehen konnte und die besondere Förderung von Lorenzo di Medici bis zu dessen Tod. Man begleitet ihn bei seiner Ausbildung, seinem Schaffen und in seinem Alltag. Auf die einzelnen Stationen seines Lebens möchte ich hier nicht im Einzelnen eingehen. Das Besondere dieses Buches war für mich, dass der Leser Michelangelo förmlich beim Entstehen seiner Werke über die Schulter schauen konnte und so viele Details seines künstlerischen Schaffen erfuhr. Aber auch der Mensch Michelangelo stand im Fokus des Autors. Da dieser stets den Bezug zum historischen Geschehen suchte, ist diese Romanbiografie sowohl eine Würdigung des Künstlers, seines Lebens, seines Werkes und eine beeindruckende Beschreibung seiner Arbeitstechniken als auch ein überaus gelungenes Zeit- und Sittenbild der italienischen Renaissance. Besonders gut hat mir gefallen, wie Irving Stone es schaffte, die Leidenschaft des Künstlers in Worte zu fassen.

Mir hat das Buch inhaltlich sehr gut gefallen. Für mich kam es einer Zeitreise gleich. Zwar war Michelangelo für mich auch vor der Lektüre selbstverständlich kein Unbekannter, aber diese Biografie rundete das Wissen zur Person und zu der Zeit, in der er lebte, ab. Parallel zu diesem Buch betrachtete ich seine Werke in einem Buch über sein Gesamtwerk. Das ergänzte das Gelesene auf hervorragende Weise.

Irving Stone schrieb seinen Roman in einem leicht zu lesenden, flüssigen Stil. Sicher sind bei der Beschreibung von Arbeitsabläufen Wiederholungen unumgänglich, aber besonders in der zweiten Hälfte des Buches hätte ich das gern weniger ausführlich gehabt. Das ist der einzige Kritikpunkt, den ich dem Autor anlasten möchten. Anders beim Verlag: das Buch umfasst gute 700 Seiten, die so klein bedruckt waren, dass ich das Lesen nach spätestens 30 Seiten als Zumutung empfand. Darüber hinaus ärgerten mich die unzähligen orthographischen Fehler, die mir auch einiges an Lesefreude nahmen.

Mein Fazit: „Michelangelo“ von Irving Stone ist ein beeindruckender Roman über das Leben und Schaffen des berühmten Michelangelo Buonarroti. Die detailreich, gut recherchierte und stimmungsvolle Romanbiografie ist nicht nur für Kunstliebhaber eine sehr empfehlenswerte Lektüre. Allerdings sollte der Leser sich vielleicht nach einer anderen Ausgabe, als ich sie besitze, umsehen.

Gebundene Ausgabe: 700 Seiten
Verlag: Herbig
ISBN-13: 978-3776606942

Helen Dunmore - Der Duft des Schnees

    

Klappentext

Niemand weiß es, nur wir zwei.

Was zwischen Catherine und Robert geschieht, ist ein Geheimnis. Es ist ihr größtes Glück, aber es birgt eine unkontrollierbare Gefahr. Niemand weiß es nur sie beide. Und doch ist da immer jenes unausgesprochene „noch nicht“, das ihnen angst macht. Denn eines Tages könnte es ans Licht kommen…

Bruder und Schwester, aufgewachsen in einer Welt der Kälte und des Schweigens, bei ihrem Großvater, der in ihnen nur die Schatten der Vergangenheit sieht, die Schatten einer schändlich zerbrochenen Familie. So klammern sich die Kinder aneinander und entwickeln, als sie heranwachsen, Gefühle, die über die Liebe zwischen Geschwistern hinausgehen. Dabei wissen sie, dass das, was ihnen alles bedeutet, ihnen nur Unglück bringen kann…

“Ein wunderbarer Roman über verbotene Leidenschaften und die unvorstellbaren Folgen einer Liebe gegen jede Vernunft.” (Daily Mail)

“Eine fesselnde Geschichte und so einfühlsam geschrieben, dass sie sich liest wie Musik - Musik für die Augen.” (Sunday Times)

Meine Meinung

Cathy und Rob wachsen bei ihrem Großvater auf. Die Mutter hat die Familie schon vor Jahren verlassen. Der Vater ist in einer Nervenheilanstalt und stirbt dort. So wachsen die Geschwister einer kalten und lieblosen Welt auf. Das Leben ist trist. Sie haben nichts und niemanden, mit dem sie ihre Gefühle teilen können. Nur die Angestellte Kate bringt ihnen Zuneigung entgegen. So haben sie einander schon immer sehr nahe gestanden. Auf ihrer Suche nach Wärme, Geborgenheit, Zärtlichkeit und Liebe verlassen sie das Terrain des Erlaubten.

Der Duft des Schnees“ ist eine Liebesgeschichte, eine ganz besondere Liebesgeschichte. Besonders nicht nur, weil sie die verbotene Liebe zwischen Geschwistern thematisiert, sondern weil sie in einem Stil geschrieben ist, sehr einfühlsam ist. Dabei ist sie weit davon entfernt, eine simple Herz-Schmerz-Story zu sein. Der Roman wirkt nicht konstruiert, alles erscheint sehr lebensnah und real. Die Charaktere der Protagonisten hat die Autorin zu wirklichem Leben erweckt. Der Leser kann den Hoffnungen und Ängsten der Geschwister kaum entgehen, man fühlt mit und kann vor allem verstehen.

Als sehr angenehm empfand ich, dass Helen Dunmore diesen Roman wertungsfrei schrieb. Es kommt zwar zum Ausdruck, dass die beiden wissen, dass ihr Tun verboten ist, aber nie ist der erhobene Zeigefinger der Autorin spürbar.

Helen Dunmore lässt diese Geschichte von Catherine erzählen und diese berichtet, neben der Liebesgeschichte, nüchtern und unsentimental von den Zuständen auf dem Hof, der Sehnsucht nach der Mutter, der Einsamkeit.

Mein Fazit: Helen Dunmores „Der Duft des Schnees“ ist aufgrund der Handlung und des ruhigen, harmonischen Erzählstils eine der besten Liebesgeschichten, die ich je las. Ich wünsche diesem Buch viele, viele Leser.

Taschenbuch: 408 Seiten * Verlag: Lübbe * ISBN-13: 978-3404152063

Anne Enright - Das Familientreffen

Nicht immer mögen wir die Menschen, die wir lieben – nicht immer haben wir diese Wahl.“ (S. 149)

Nach Liams Selbstmord trifft sich die Familie seit Jahren zum ersten Mal wieder. Veronica Hegarty’s Gedanken gehen zurück in die Vergangenheit und sie erzählt dem Leser von ihrer Großmutter, die den Mann heiratete, der gut für sie war und nicht den, den sie liebte. Bei ihr verlebten sie als Kinder die Ferien. Sie erzählt von ihrer Mutter, die 12 Kinder bekam und 7 Fehlgeburten erlitt und sich die Namen ihrer Kinder nie merken konnte. Sie berichtet von ihrer Ehe mit Tom, die in einer Sackgasse angelangt ist und von ihren zwei Töchtern, denen sie ein anderes Familienleben ermöglichen möchte als sie es erlebte. Und sie berichtet über Mr Nugent, der ein guter Freund der Großmutter war. Wirklich nur das? In Veronicas Augen trägt er zumindest eine Mitschuld daran, dass Liam mit Steinen in den Hosentaschen ins Wasser ging. Denn die alles entscheidende Frage für Veronica ist die nach dem Warum.

Schon das Cover des Buches zeigt ein nebulöses, tristes Bild und das Buch spiegelt genau diese Stimmung wieder. In Erinnerungsfetzen und Assoziationen lässt uns Veronica an ihrem bisherigen Leben teilhaben. Manche Geschehnisse kennt sie nur durch Erzählungen, andere durch eigenes Erleben und sie schildert diese mit Härte, Wut und Resignation. Von Liebe ist sehr wenig zu spüren in dieser Familie, mehr von Sex und Begierde. Einzig unter den Geschwistern, speziell zwischen Liam und Veronica, gibt es eine gewisse Wärme und Vertrautheit. Ein ständiger Begleiter in diesem Buch ist auch der Alkohol, mit dem die Protagonisten dem Alltagselend zu entfliehen versuchen.

Als Leser blieb ich zu allen Personen deutlich distanziert, ich war lediglich Beobachter und trotz der teilweise erschreckenden Umstände blieben meine Sympathien unverteilt. Viele Geschehnisse wurden nur angerissen, andere auf so neutrale Weise geschildert, dass ich mich fragte weshalb zeigt die Erzählerin an dieser Stelle keinerlei Gefühlsregungen?

Das Familientreffen selbst fand lediglich im letzten Drittel des Buches statt und zeigte deutlich wie zerrissen die Familie eigentlich ist. Zwar gibt es Gemeinsamkeiten, die aber wohl lediglich in Erinnerungen bestehen.

Ganz zum Schluss gibt es noch einen Hoffnungsschimmer, das Buch wird aber in meinem Gedanken immer mit einer gewissen Tristesse behaftet bleiben.

Mein Fazit: „Das Familientreffen“ ist eine der düstersten Familiengeschichten, die ich je las. Deshalb ist das Buch nicht schlecht, irgendwie hat es mich in seiner Andersartigkeit auch in seinen Bann gezogen. Am Ende blieb ich mit vielen ungeklärten Fragen zurück, zu vielen, wie ich finde. Trotzdem habe ich dieses Buch gern gelesen.

Dieses Buch gewann den Booker-Preis 2007.

Gebundene Ausgabe: 330 Seiten * Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt * ISBN-13: 978-3421043702

Wolfram Fleischhauer - Der gestohlene Abend

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Matthias ist als Stipendiat für ein Jahr an der renommierten kalifornischen Universität Hillcrest und studiert dort Literaturwissenschaften. Diese ist das Mekka für all jene, die sich den Theorien des anerkannten Literaturwissenschaftlers de Vander widmen möchten. Am Pool lernt der Deutsche die Studentin Janine kennen und verliebt sich in sie. Janine erwidert seine Gefühle und trennt sich wegen dieser neuen Beziehung schon bald von David, dem Fakultätsprimus, der von einer Europareise so verändert zurückkehrte. Als Davids Interesse an Matthias zunimmt, ist dieser zunächst verwundert, aber auch neugierig und so begleitet er David auf einen Ausflug, nach dem sich für Matthias sehr vieles ändert. Immer mehr beschäftigt ihn dieser „gestohlene Abend“.

Nachdem ich etwa ein Drittel des Buches gelesen hatte, dachte ich mir, eine Dreiecksgeschichte ist es also, was Wolfram Fleischhauer seiner Leserschaft präsentiert. Ich war verwundert, dieses Buch war bis auf die sehr schöne Sprache des Autors so gar nicht fleischhauertypisch, sie war mir zu einfach gestrickt und leichte Enttäuschung machte sich trotz des sehr ansprechenden Stils breit. Aber Wolfram Fleischhauer wäre nicht er selbst, wenn er den Leser auf so einfache Art und Weise abspeisen würde. Schon ein paar Seiten weiter begann die Geschichte zu leben, sie nahm Tempo auf und die zuvor monierte Dreiecksgeschichte bildete nur noch die Rahmenhandlung, im Zentrum standen Davids Nachforschungen über eben jenen Literaturwissenschaftler de Vander, der in Hillcrest so verehrt wurde. Ungeheuerliches wurde über ihn aufgedeckt.

In einem Interview der Allgemeinen Zeitung mit dem Autor las ich, dass dieser Roman einen autobiografischen Hintergrund habe. Es ist wohl sein persönlichster.

Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, das belegt auch die Tatsache, dass ich mir für ihn eine Nacht um die Ohren geschlagen habe, weil ich ihn nicht mehr zur Seite legen mochte. Und trotzdem fehlte mir in diesem wirklich guten Buch die Einzigartigkeit, die ich bisher in jedem Buch Wolfram Fleischhauers fand.

Mein Fazit: „Der gestohlene Abend“ ist ein sehr gutes, interessantes und sehr lesenswertes Buch über Verantwortung und Wahrheit, Lüge und Verschweigen, Liebe und Entfremdung, dem das letzte bisschen Brillanz fehlt um ein fantastisches Buch zu sein. Ich habe diesen Roman sehr gern und sehr schnell gelesen. Meine Leseempfehlung erhält er allemal.

 

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten * Verlag: Piper * ISBN-13: 978-3492048477

 

Muriel Barbery - Die letzte Delikatesse

DER französische Gastronomiekritiker liegt im Sterben. Sein Herz versagt ihm den Dienst. In den letzten Stunden gehen seine Gedanken zurück zu den vielen Geschmackserlebnissen, die ihm sein Beruf beschert hat. Aber er tut sich schwer die Delikatesse seines Lebens klar zu benennen. Ganz langsam nähert er sich dieser jedoch.

Auch aus dem Umfeld des Kritikers kommen in diesem Roman Stimmen, die ihm nicht immer freundlich gesonnen sind. Die Concierge des Hauses in Rue de Grenille, seine Familie, ein Bettler, alle machen sich ihre Gedanken über ihn.

Die letzte Delikatesse“ ist der erste Roman der Autorin Muriel Barbery. Es ist ein nur dünnes Büchlein von 141 Seiten. Aber sein Inhalt bietet weit mehr als nur eine kurze Unterhaltung. Einige der Handelnden sind mir aus der Lektüre von „Die Eleganz des Igels“ bereits bekannt. So fiel es mir nicht schwer, mich sofort in diesem Buch zurechtzufinden. Vom Stil her war ich auch an den Nachfolger erinnert. Jede Person bekam einen eigenen Abschnitt für seine Gedanken über den Sterbenden. Dabei war das Buch so strukturiert, dass die Gedanken derer, mit denen er sein Leben teilte sich mit seinen eigenen zu den verschiedensten Dingen abwechselten. Mir hat dies sehr gut gefallen, obwohl ich solch kurze Abschnitte eigentlich nicht so mag. Hier war es passend.

Ich bin kein Kenner der Feinschmeckerszene, fand aber die Abschnitte über die diversen Lebensmittel und die Gastronomie sehr interessant. Erstaunt war ich über die teilweise recht bissige Sprache, besonders in den Gedanken der Mitmenschen über den Kritiker. Aber er war auch nicht der liebenswerteste Zeitgenosse.

Mein Fazit: „Die letzte Delikatesse“ ist ein unterhaltsamer und nachdenklich stimmender Ausflug in das Reich der Genüsse, der vom nahenden Tod des Gastrokritikers überschattet wird. Es war eine leicht zu lesende und interessante Lektüre, die ich allen, denen „Die Eleganz des Igels“ gefallen hat, empfehlen kann. Leider ist das Buch z. Zt. nicht im Handel erhältlich.

 

Broschiert: 141 Seiten * Verlag: Fischer (Tb.) * ISBN-13: 978-3596160846

Katharina Hagena - Der Geschmack von Apfelkernen

Und ich stellte fest, dass nicht nur das Vergessen eine Form des Erinnerns war, sondern auch das Erinnern eine Form des Vergessens.“ (S. 169)

 

Nach dem Tod von Bertha treffen sich sich die Töchter noch einmal in ihrem Haus, welches Iris, ihre Enkelin erbt. Nach der Trauerfeier bleibt Iris allein zurück und zunächst weiß sie nicht, was sie mit dem Erbe tun soll. So geht sie durch die Räume und den verwilderten Garten des Hauses, in dem sie gemeinsam mit ihrer Mutter die Ferien verbrachte. Mit jedem Zimmer, das sie betritt und jedem Schrank, den sie öffnet, werden Erinnerungen wach, vielleicht in gleichem Maße, wie die Großmutter sie während ihrer Krankheit verloren hat.

Der Geschmack von Apfelkernen“ ist ein Roman über das Leben und den Tod, über Erinnern und Vergessen. Es ist ein Familienroman und schon nach wenigen Sätzen hatte mich der besondere Charme dieses Buches erreicht. Mit ruhigen Worten erzählt Katharina Hagena die Geschichte von Iris, ihrer Mutter Christa, der „elektrischen“ Tante Inga, der exzentrischen Tante Harriet, von Bertha, von Anna und Rosemarie, die beide zu jung gestorben sind. Die Erinnerungen an die verschiedenen Episoden, die bei Iris wach werden, sind allesamt liebenswert und frei von Gefühlsduselei und Kitsch. Auffällig ist jedoch, dass in dieser Familie Stürze und Äpfel eine recht große Bedeutung haben. Ein leichter Hauch von Magie zieht sich durch das Buch, da gibt es beispielsweise rote Johannisbeeren, die aufgrund eines tragischen Ereignisses über Nacht weiß werden und von der Familie als konservierte Tränen bezeichnet wurden.

Mein Fazit: Der Geschmack von Apfelkernen“ ist eine äußerst liebenswerte Familiengeschichte, die auch die üblichen Zutaten wie Liebe, Missverständnis und Tod enthält, aber mich von der ersten Seite an gefangen nahm, weil der Erzählstil ein so klarer und unsentimentaler war. Auch wenn ich vielleicht den Inhalt vergessen werde, an das Buch, das mir so schöne Lesestunden bereitet hat, werde ich mich gern erinnern.

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten * Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag * ISBN-13: 978-3462039702

 

Hans Bergel - Wenn die Adler kommen

Hans Bergel ist 1925 in Siebenbürgen geboren und lebte bis 1968 dort. Mit diesem Buch nimmt er den Leser in diese in Rumänien liegende Gegend und erzählt von der Zeit zwischen den Weltkriegen. „Wenn die Adler kommen“ ist der erste Teil einer geplanten Trilogie, von der bisher zwei Teile vorliegen.

Peter ist der Ich-Erzähler des Buches. Für den Jungen ist der Sommer die schönste Zeit des Jahres, dann kann er mit dem Hardt-Großvater in die Berge ziehen und bei Schäfer Bade Licus Familie die Tage und die Natur genießen. Er berichtet von seiner glücklichen Kindheit in einer großen Familie, die Freunde sowohl unter den Siebenbürger Sachsen und Rumänen als auch unter den Zigeunern hat. Oberflächlich betrachtet, erscheint das Zusammenleben zwischen den verschiedenen Gruppen harmonisch und freundschaftlich. Aber unter der Oberfläche gibt es spürbare Missstimmungen. In ruhiger und einfühlsamer Art wird der Leser mit dem Leben in der damaligen Zeit vertraut gemacht, dazu zählen u. a. der Alltag, die Jagd, eine Hochzeit und ein Sommerfest. Aber auch eine Audienz beim König und ein großes Feuer sind Bestandteil von Peters Bericht, in den immer wieder Geschichten und Anekdoten über den Vater, die Großväter oder den Krieg eingeflochten werden. Diese erklären dann warum es bestimmte Entwicklungen oder Verstimmungen oder auch Gerüchte gibt. Aber auch die politischen Ereignisse im fernen Deutschen Reich werfen ihre Schatten auf die Siebenbürgen. Und als Leonore trotz hervorragender Leistung ihre Musikprüfung nicht besteht, wird deutlich, dass die Arme der Nationalsozialisten sehr weit reichen.

Mein bisheriges Wissen über Siebenbürgen beschränkt sich auf das, was die Medien seit der Nachwendezeit verbreiten. Deshalb habe ich dieses Buch mit besonderem Interesse gelesen. Hans Bergel beschreibt sehr bildhaft und detailgetreu das Leben der Siebenbürger Sachsen und deren Zusammenleben mit den anderen Volksgruppen. Dabei ist deutlich spürbar, dass Autobiografisches in diesen Roman einfließt. Besonders interessant fand ich die Schilderungen über die Einflussnahme der Nazis, die soweit entfernt gar nicht waren, denn auch unter den Siebenbürgen gab es begeisterte Anhänger.

In der Mitte des Buches tat ich mich etwas schwer mit der Lektüre. Sie hatte spürbare Längen. So baute Bergel ausschweifende Erörterungen über die Geschichte des Scharfrichtertums in die Handlung ein, die mir deutlich zu ausführlich waren. Dagegen gab es sehr schöne Beschreibungen über die Schönheiten der Natur und sehr lesenswerte Dialoge, die mich diesen Kritikpunkt dann doch bald vergessen ließen.

Hans Bergel bedient sich einer schönen, leicht zu lesenden Sprache, mit der er eine sehr angenehme melancholische Stimmung auf den Leser überträgt. Eine Stimmung, die ich sonst fast nur bei den russischen Klassikern finden kann.

Der Titel „Wenn die Adler kommen“ ist durch das gesamte Buch zu verfolge und so ist es bezeichnend, dass dieser Roman mit Peters an seinen Vater gerichteter Frage „Tragen die deutschen Soldaten auf ihrer Uniform den Adler?“ endet.

Mein Fazit: „Wenn die Adler kommen“ ist ein sehr informativer und lesenswerter Roman, der mir die Sicht auf die Siebenbürgen und deren Brauchtum auf sehr unterhaltsame Weise erweiterte. Dieses Buch wird durch „Die Wiederkehr der Wölfe“ fortgesetzt, welches im nächsten Jahr auf meinem Leseplan steht.

 

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten * Verlag: Langen/Müller * ISBN-13: 978-3784425825

 

Klaus-Peter Wolf - Ostfriesenblut

 

 2. Fall

Als Ann Kathrin Klaasen eines Abends nach Hause kommt, findet sie vor der Tür ihres Hauses eine Leiche. Die Ermittlungen beginnen und recht schnell wird die Identität der Toten geklärt. Es handelt sich dabei um Regina Orthner, die früher in einem Kinderheim arbeitete. Auf ihrem Totenschein ist Herzversagen vermerkt, Untersuchungen ergeben jedoch, dass die Frau keineswegs eines natürlichen Todes gestorben ist. Noch während der Ermittlungen in diesem Fall erhält Ann Kathrin Klaasen Hinweise auf weitere Taten.

Wie schon im ersten Teil der in Norddeich handelnden Krimiserie um die Kommissarin Klaasen wird auch in diesem nicht nur der Kriminalfall beleuchtet. Die Person der Kommissarin steht ebenfalls als Mensch im Mittelpunkt. Und menschlich ist sie. Sie macht ihren Job, ist ehrgeizig, aber im Hinterkopf hat sie immer ihre gescheiterte Beziehung und den Sohn, zu dem sie immer weniger Zugang hat. Als dann auch noch die neue Lebensgefährtin ihres Ex verschwindet, wird es für Ann Kathrin Klassen ganz persönlich.

Durch „OstfriesenKiller“ wurde ich auf Klaus-Peter Wolf als Autor aufmerksam. „Ostfriesenblut“ war danach eine Art Pflichtlektüre für mich. Ich wurde auch nicht enttäuscht. Wie schon im ersten Teil sind die Protagonisten sehr lebensecht und natürlich gezeichnet. Sie stehen im Beruf mit all ihren Alltagsproblemen und grenzen sich von Superkommissaren zum Glück deutlich ab. Trotz idyllischer Urlaubslandschaft und sympathischen Polizeibeamten mangelt es diesem Krimi aber weder an Spannung noch an Brutalität. Die Tat selbst ist verknüpft mit der Thematik der schwarzen Pädagogik. Gekonnt ließ der Autor Informationen darüber ein sein Buch einfließen, ohne dabei die Kriminalfälle aus dem Auge zu verlieren.

Die Spannung wurde konsequent aufgebaut und auch durch die privaten Begebenheiten um die Kommissarin nicht abgeflacht. Durch die einfache, schnörkellose Sprache ist das Buch gut und flüssig zu lesen.

Mein Fazit: „Ostfriesenblut“ ist ein raffinierter deutscher Krimi, der mir noch einen Tick besser gefiel als sein Vorgänger. Jedem Krimifan, der ohne große Actionszenen auskommt, ist dieses Buch sehr zu empfehlen.

 

Broschiert: 328 Seiten * Verlag: Fischer (Tb.) * ISBN-13: 978-3596166688

 

Nicole C. Vosseler - Unter dem Safranmond

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Oxford 1853. Maya Greenwood ist die älteste Tochter gut situierter Eltern. Eigentlich ist es aber schon längst Zeit, die Zukunft der Tochter zu planen. Aber Maya ist anders als andere Mädchen ihres Alters. Sie will lernen, am liebsten studieren und fremde Länder bereisen. Aber die Universitäten bleiben ihr verschlossen, weil sie kein Mann ist. Als ihr Bruder auf Heimaturlaub nach Hause kommt, ist sie nicht nur von seinen Berichten über für sie exotische Länder fasziniert. Sie verliebt sich auch in seinen Begleiter, Ralph Garret. Als dieser um Mayas Hand anhält, wird er von den Eltern abgewiesen. Daraufhin brennen beide durch, heiraten in Schottland und gehen nach Arabien, wo Ralph seinen Dienst antreten muss. In der Fremde zeigt sich, ob beide wirklich für einander geschaffen sind.

Nach „Südwinde“ und „Der Himmel über Darjeeling“ war „Unter dem Safranmond“ nun der dritte Roman, den ich von Nicole Vosseler las. Wie schon in ihren anderen Romanen ist die akribische Recherche der Autorin auch in diesem Buch deutlich spürbar. Wahre Begebenheiten verknüpft sie gekonnt mit der fiktiven Handlung. Die Protagonisten sind interessant gezeichnet. Sie wirken sehr lebendig und menschlich und ihre Handlungen lassen sich vom Leser gut nachvollziehen. Besonders überzeugend waren der Wunsch Mayas nach Freiheit und deren enormer Wissenshunger geschildert,

Unter dem Safranmond“ ist eine sehr gefühlvolle Liebesgeschichte, die berührt und mitfühlen lässt. Leider haben Liebesgeschichten den Nachteil, dass sie zum Ende etwas vorhersehbar werden.

Nicole Vosseler hat einen ganz ungewöhnlichen Schreibstil. Sie verwendet sehr viele Adjektive. Dadurch werden ihre Geschichten sehr bildhaft geschildert und das Kopfkino setzt schnell ein. So waren Hitze und Sand, Gerüche und Geräusche förmlich spürbar. Stellenweise verlor sich die Autorin aber in ihren Beschreibungen und ihre Erzählung wirkte detailverliebt. Das störte meinen Lesefluss mitunter ein wenig.

Mein Fazit: „Unter dem Safranmond“ ist eine sehr unterhaltsame Liebesgeschichte, die mich an einem verregneten Wochenende mit auf die Reise in ferne Länder nahm. Dieses Buch wird sicher vornehmlich Leserinnen ansprechen und denen, die gern in Gedanken auf gefühlvolle Reisen gehen, kann ich es vorbehaltlos empfehlen.

Gebundene Ausgabe: 588 Seiten * Verlag: Luebbe Verlagsgruppe * ISBN-13: 978-3785723302

 

Jodi Picoult - Die Wahrheit meines Vaters

Delia Hopkins ist Anfang dreißig. Sie hat mit Eric eine Tochter und will ihn in kürze heiraten. Sie wuchs behütet auf, allerdings ohne Mutter. Die starb als Delia noch ein kleines Kind war. Ihr fehlte es eigentlich an nichts, denn der Vater überhäufte sie mit seiner Liebe, versuchte, die Mutter zu ersetzen. Aber in ruhigen Momenten, fragte sich Delia doch, wie es wäre, eine Mutter zu haben. Dann wird ihr Vater wegen Kindesentführung festgenommen und ihre gesamte Vergangenheit in Frage gestellt. Auf ihre Frage, wen er denn entführt hätte, antwortet er: „Dich!“. Da ist es doch günstig, dass Eric Anwalt ist und die Unschuld des künftigen Schwiegervaters beweisen will. Dann stellt es sich noch heraus, dass die Mutter gar nicht tot ist, sondern der Vater dies nur als Notlüge gebrauchte.

Dies ist das zweite Buch, das ich von Jodi Picoult gelesen habe und meine Erwartungen daran wurden nicht erfüllt. Der Grundgedanke an sich, ein Vater holt seine Tochter aus der Obhut seiner alkoholkranken Ex-Frau, war nicht schlecht. Aber dann wurden neben der Alkoholproblematik der Ex-Frau auch noch das Alkoholproblem von Eric, esoterische Einflüsse einer Indianerin, die Suche Delias nach ihrem neuen Ich, eine Dreiecksbeziehung zwischen Delia, Eric und Fitz, die Erlebnisse des Vaters während dessen Gefängnisaufenthalt, die Gerichtsverhandlung und weitere Dinge thematisiert, die ich hier nicht aufführen kann, weil sie deutliche Hinweise auf das Ende gäben. So wirkte der Roman inhaltlich überfrachtet. Weniger wäre in diesem Fall deutlich mehr gewesen. Die 5 verschiedenen Perspektiven, aus denen diese Geschichte geschildert wurde, waren für meinen Geschmack auch zu viele. So kam es zu Wiederholungen, die dazu führten, dass ich manche Stellen als etwas langatmig empfand. Auch die Rührseligkeit, mit der die Autorin die Handlung würzte, hat mir nicht gefallen. Der gewollte Druck auf die Tränendrüsen, erzeugte bei mir eher genervtes Stirnrunzeln.

Mein Fazit: „Die Wahrheit meines Vaters“ empfand ich als ein von Themen überladenes, kitschig anmutendes Buch. Wenn ich nicht wüsste, dass aus der Feder der Autorin deutlich bessere Bücher stammen, würde ich zu ihren anderen nach dieser Lektüre wohl eher nicht greifen.

Broschiert: 537 Seiten * Verlag: Piper * ISBN-13: 978-3492251723

 

 

Tim Pears - Land der Fülle

In der englischen Stadt Northtown übernimmt der junge, ehrgeizige Charles Freeman die Fabrik seiner Eltern. Er hat eine gute Hand bei der Führung seines Unternehmens, er trifft zur rechten Zeit die richtigen Entscheidungen und hat aus der kleinen Metallfabrik schnell ein florierendes Unternehmen gemacht. Er kauft ein großes Haus und heiratet Mary, mit der er im Laufe der Jahre vier Kinder bekommt. Aber die Familie ist nicht so glücklich, wie es scheint. Mary leidet an Depressionen, Charles herrscht über die Seinen. Die Kinder suchen ihre Nischen und versuchen später alles, um den vom Vater auferlegten Zwängen zu entkommen. Über 40 Jahre konnte ich die Freeman’s begleiten. Von 1952 an lernte ich schließlich drei Generationen dieser Familie kennen.

Tim Pears schrieb eine Familiengeschichte, aber was für eine. Diese hebt sich deutlich von den unzähligen anderen Veröffentlichungen ab. Sie ist wohl die beste, die ich bisher las.

Pears hat seinen Protagonisten nicht nur einen fein gezeichneten Charakter gegeben, er gab ihnen auch ein Gesicht. Manchmal hatte ich das Gefühl den ziehenden Schritt von James, auf dem der eigentliche Fokus der Handlung liegt, zu hören. Alle Personen hatten ihre guten und schlechten Seiten, waren mal mehr und mal weniger sympathisch. Aber ich konnte mit ihnen fühlen und ihre Empfindungen teilen.

Es wird aber nicht nur eine Familiengeschichte erzählt, der Autor zeigt mit viel Liebe fürs Detail, dass alle Kinder ihrer Zeit sind. Das gelingt ihm unter anderem mit Verweisen auf damals aktuelle Musiktitel und in den Kinos laufenden Filmen. Er berichtet aber auch von der Hippiezeit, der Emanzipationsbewegung und der politischen und wirtschaftlichen Umgestaltung des Landes unter Margaret Thatcher. So entsteht gleichzeitig ein Zeit- und Sittenbild Englands in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. All das wird von Tim Pears in einer äußerst angenehmen Sprache präsentiert, die mich an das Buch fesselte. Er ist ein großartiger Erzähler. So wechseln sich nachdenklich machende Momente mit witzigen ab, bizarre mit Augenblicken der Normalität.

Mein Fazit: „Land der Fülle“ ist für mich ein einzigartiges Buch, geschrieben von einem einzigartigen Erzähler. Tim Pears hat mir nicht nur ein Fenster zur Welt der Freeman’s geöffnet, sondern eine große Tür. Ich hatte das Gefühl dazuzugehören und konnte gleichzeitig in eigenen Erinnerungen schwelgen. Dieses Buch wird von mir uneingeschränkt empfohlen. Ich wünsche ihm viele Leser, die ebenso begeistert sind wie ich.

Gebundene Ausgabe: 699 Seiten * Verlag: Blanvalet * ISBN-13: 978-3764500306

Theodor Fontane - Effi Briest

Effi wuchs behütet im märkischen Havelland auf. Mit 17 Jahren heiratete sie auf Wunsch ihrer Eltern den deutlichen älteren Landrat Baron von Innstetten, der etwa 20 Jahre zuvor bereits mit Effis Mutter befreundet war. Effi folgt ihrem Ehemann in den Badeort Kessin. Dort kann sie sich aber nicht einleben, sie fühlt sich weder in ihrem neuen zu Hause wohl, noch findet sie Anschluss an die dortige Gesellschaft. Einzig mit dem Apotheker verbindet sie eine Freundschaft. Als sie den Major Crampas kennen lernt, ein bekannter Frauenheld, beginnt zwischen beiden eine Affäre. Geert von Innstetten ist auf der Karriereleiter eine Stufe nach oben gestiegen. So kann Effi bereits 1¼ Jahr nach ihrem Umzug nach Kessin den ungeliebten Ort verlassen, um in Berlin eine geeignete Wohnung für sich, ihren Mann und die gemeinsame Tochter zu suchen. Damit hat auch die Affäre mit dem Major für Effi ein Ende gefunden. Jahre später findet Innstetten die aus dieser Liaison stammenden Briefe und erst jetzt hat der Seitensprung Effis Folgen.

Fontane besticht in „Effi Briest“ mit seinem sehr leicht zu lesenden Stil. Schnell war ich in der nicht anspruchsvollen Handlung drin. Die 17 jährige Effi fühlt sich selbst noch mehr Kind als Frau, so ist sie von ihrer kurzfristigen Heirat, die die Eltern veranlassten etwas überfordert. Nach dem Einzug im Haus ihres Mannes fühlt sie sich, als wäre sie aus dem Nest gefallen. Der Mann kommt seinen Dienstpflichten nach, sie findet und sucht keine Betätigung. Für diesen ersten Teil der Handlung nimmt sich Fontane sehr viel Zeit. Die Langeweile und die Unzufriedenheit Effis, die zum Teil auch aus ihrer Unreife resultiert, wurde auch für mich deutlich spürbar und zur Herausforderung. Ich haderte mit der Protagonistin. Aber mit dem Auftreten des Major Crampas wird die Handlung deutlich lebendiger und mit dem Umzug der Innstettens nach Berlin wurde für mich das Buch ein richtig schöner Gesellschaftsroman, in dem zum Ende hin auch noch deutlich Sozialkritik zu erkennen war. „Wanderungen durch die Mark“ prägten mein Fontanebild. Leider fand ich in „Effi Briest“ viel zu wenige seiner wunderbaren Beschreibungen.

In den nächsten Monaten werde ich mich auch noch mit zwei anderen bekannten Ehebrecherinnen der Weltliteratur beschäftigen. Madame Bovary und Anna Karenina erwarten mich schon.

Gebundene Ausgabe: 456 Seiten * Verlag: Fischer (Tb) * ISBN-13: 978-3596509157

 

Gerg Iles - 24 Stunden

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

24 Stunden – so lange dauern in der Regel die perfekt geplanten Entführungen eines Kidnapper-Trios. Die schockierten Eltern zahlen das geforderte Lösegeld, und die geraubten Kinder gelangen wohlbehalten nach Hause. Doch im Fall der kleinen Abby Jennings verläuft nichts nach Plan: Denn das entführte Mädchen benötigt dringend ein lebensnotwendiges Medikament, und ihre Eltern gehören nicht zu der Sorte von Menschen, die sich widerstandslos geschlagen geben. Die Jagd nach den Kidnappern wird zu einem Kampf auf Leben und Tod …

 

 

Meine Meinung

Nachdem ich „Blackmail“ als sehr spannend und unterhaltsam empfand, wollte ich von Greg Iles mehr lesen. „24 Stunden“ kam mir als nächstes in die Hände. Die ersten Seiten hielten, was ich erwartete, eine gute Story und viel Spannung. Aber mit der Entführung der Abby Jennings verwässerte die Geschichte nach und nach immer mehr. Weder das Entführer-Trio noch die Jennings waren in ihren Handlungen konsequent. Viele Dinge erschienen nicht recht schlüssig und der Zufall war auch ein beliebter Helfer in diem Thriller. Allerdings ließ sich das Buch flüssig lesen und es gab die eine oder andere Wendung, mit der ich nicht gerechnet hätte. Der Schluss des Buches war dann sehr actiongeladen. Wahrscheinlich hatte der Autor schon das effektvolle Finale der Verfilmung vor Augen. Mich hat „24 Stunden“ nicht überzeugt.

 

 

Taschenbuch: 400 Seiten * Verlag: Lübbe * ISBN-13: 978-3404148103

 

 

Kluun - Mitten ins Gesicht

Stijn und Carmen sind jung und erfolgreich und leben in den Niederlanden. Sie lieben sich, ihre kleine Tochter und das Leben und führen eigentlich eine glückliche Ehe. Aber Stijn geht fremd, wann immer sich ihm eine Gelegenheit dazu bietet. Er kann nicht anders. Doch Carmen ist seine große Liebe. Eines Tages schlägt das Schicksal hart und erbarmungslos zu, sozusagen mitten ins Gesicht. Carmen erkrankt an einer äußerst aggressiven Form von Brustkrebs. Der Behandlungsmarathon beginnt, Chemotherapien, Bestrahlungen, Brustamputation. Dazwischen erlebt der Leser immer wieder ein Stück Normalität, so gut wie es der Gesundheitszustand Carmens gerade zulässt. Stijn tut alles für seine Frau, stößt aber auch an seine Grenzen und ist von der Situation überfordert. Er hat eine „Scheißangst“ und flüchtet sich in immer neue Affären. Als auch die Ärzte Carmen dann nicht mehr helfen können, bleibt nur noch ein Ausweg: Sterbehilfe.

Seit ein paar Monaten stand dieses Buch, das als Geschenk zu mir kam, unbeachtet im Regal. Ein Lesetipp weckte dann mein Interesse und so musste ich feststellen, dass Kluun ein ganz anderes Buch geschrieben hat, als ich erwartete. Offen und ehrlich geht Stijn mit seinen Schwächen um. Er versucht zur ergründen und zu begründen, warum er das Fremdgehen braucht. Er hinterfragt seine Beziehung zu Carmen. War ich anfangs noch der Meinung dieser notorische Fremdgänger sei so ziemlich das Letzte, was frau als Ehemann braucht, so wandelte sich dieses Bild zu meinem eigenen Erstaunen im Laufe der Zeit grundlegend.

Die einfache, deutliche und realitätsnahe Schilderung der Krankheit in allen Phasen hat mich betroffen gemacht. Die Kraft von Carmen und Stijn hat mich beeindruckt. Dieses Buch hat eine Vielzahl von Emotionen in mir geweckt, die Palette reicht von tiefer Trauer bis hin zum entspannten Schmunzeln. Dieses Buch ist etwas Besonderes.

Besonders ist auch die Aufmachung des Buches. Neu in die Handlung eingreifende Personen werden in kleinen Kästchen vorgestellt, ebenso die besuchten Lokalitäten. Jedes Kapitel wird durch ein Zitat aus einem Musikstück bekannter Künstler eingeleitet.

Mein Fazit: „Mitten ins Gesicht“ ist ein besonderes Buch im Genre der Erfahrungsberichte. Es ist nicht darauf angelegt, die Tränendrüsen des Lesers zu beanspruchen. Es schildert in Nahaufnahme wie der Krebs unbarmherzig und schonungslos das Leben und Lieben der Familie grundlegend verändert. Besonders das Ende hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Die Fortsetzung dieses Buchs „Ohne sie“ werde ich mit Sicherheit auch lesen.

Broschiert: 368 Seiten * Verlag: Fischer (TB) * ISBN-13: 978-3596169115

Muriel Barbery - Die Eleganz des Igels

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In der Pariser Rue de Grenelle 7 wohnen auch die 12jährige Paloma und die verwitwete 54 jährige Renée. Paloma ist die jüngste Tochter einer reichen Familie. Renée ist die Concierge des noblen Hauses. Beide verbindet ihre ungewöhnliche Intelligenz. Beide versuchen, diese so gut wie möglich zu verbergen. Sie wollen nicht auffallen. So vertrauen sie ihre Gedanken lediglich ihren Tagebüchern an und spielen im Alltag die Rolle, die von ihnen erwartet wird. Das fällt Renée deutlich schwerer, sie ist im Haus eine öffentliche Person, so hat sie in dem den Blicken der Hausbewohner ausgesetzten Bereich Bücher von Barbara Cartland liegen, in ihren privaten Räumen dagegen liest sie Tolstoi. Paloma sieht in dem Leben, das die Erwachsenen führen, keinerlei Sinn, sie will für sich die Konsequenzen daraus ziehen.

Egoismus, Dekadenz, Eitelkeit und Selbstverliebtheit prägen das Bild, das man sich über die begüterten Bewohner dieses Hauses macht. Erst als der Japaner Ozu in dieses Haus einzieht, halten mit ihm Menschlichkeit, Verständnis und Wärme Einzug.

Auf den ersten 100 Seiten habe ich mich mit diesem Buch etwas schwer getan. Einzig die wirklich schöne Sprache hat mich davon abgehalten, es zur Seite zu legen. Stellenweise fühlte ich mich belehrt. Mir waren die Kapitel zu kurz. Die philosophischen Gedanken waren nicht immer zu Ende gedacht. Das Buch fühlte sich für mich an, als hätte sich die Autorin, die selbst Philosophin ist, von „Sophies Welt“ inspirieren lassen. Aber mit Eintritt des Herrn Ozu in die Handlung, gab es für mich beim Lesen die Wende. Erschien mir „Die Eleganz des Igels“ bis dahin etwas blutleer, so las ich von nun an mit viel Freude und Begeisterung weiter. Für meine Anfangsschwierigkeiten wurde ich entschädigt. Der wirklich schöne Stil der Autorin, der durch die Übersetzung nicht gelitten hat, zog sich konsequent durch das gesamte Buch. Das Buch endete für mich unerwartet. Der Schluss erschien mir aber ein wenig zu pathetisch.

Mein Fazit: „Die Eleganz des Igels“ ist ein empfehlenswertes Buch, allerdings hatte ich höhere Erwartungen und war vielleicht deshalb zu Beginn etwas enttäuscht. Es beinhaltet viele Denkanstöße und Gedankengänge, die es wert sind, weiter gesponnen zu werden.

Broschiert: 360 Seiten * Verlag: Dtv * ISBN-13: 978-3423246583

 

Hans-Joachim Noack - Helmut Schmidt. Die Biografie

Der bevorstehende 90. Geburtstag von Helmut Schmidt, Bundeskanzler a. D., am 23. Dezember 2008 ist für den Politikjournalisten Hans-Joachim Noack Anlass, über das bewegte Leben des Staatsmannes zu berichten. Bereits seit Jahren sind beide eng vertraut und für diese Biografie öffnete Helmut Schmidt sein Privatarchiv.

 

Hans-Joachim Noack berichtet kurz über die Kindheit und die Jugendjahre Helmut Schmidts. Sein Ehrgeiz und seine Zielstrebigkeit sind bereits in jungen Jahren deutlich erkennbar. Sehr früh lernt Helmut Schmidt Hannelore (Loki) Glaser kennen, beide hat schon in Kindertagen eine enge Freundschaft verbunden. Nach dem Abitur leistet er seinen Wehrdienst ab, kurz vor Beendigung dessen beginnt der Zweite Weltkrieg, den der junge Mann zwar voller Ehrgeiz , aber mit wenig nationalsozialistischer Überzeugung mitmacht. Später sagt er über diese Zeit, er sei zwar kein Held aber eben auch kein Schwein gewesen. 1942 heiratet er Hannelore. Zum Ende des Krieges entkommt er wegen kritischer Äußerungen nur knapp und mit Hilfe seiner direkten Vorgesetzen einer Verurteilung. Das Ende des Krieges erlebt er in britischer Kriegsgefangenschaft. Dort lernt er Hans Bohnenkamp kennen, der ihm bezüglich des Nationalsozialismus die letzten Illusionen nimmt und ihn politisch prägt. So wird er 1945 Mitglied der SPD.

 

Nach seiner Entlassung studiert Helmut Schmidt Volkswirtschaftslehre und arbeitet nach erfolgreichem Abschluss in verschiedenen Positionen im Hamburger Senat. 1962, als Schmidt, inzwischen Innensenator der Hansestadt, während der Sturmflut die Rettungsmaßnahmen organisiert, legt er den Grundstein für seinen Ruf als Krisenmanager. Innerhalb der Partei macht er, immer noch brennend vor Ehrgeiz, schnell Karriere. Schon als junger Politiker ist er ein Meister der Selbstinszenierung und ein hervorragender Rhetoriker. Bewusst bricht er manch innerparteilichen Konflikt vom Zaun. Er ist in seinem „Verein“ – wie er die SPD nennt – ein unbequemes Mitglied, einer, der immer etwas arrogant und belehrend wirkt. Das Verhältnis zu Willy Brandt war stets problembehaftet, zeitweise sogar zerrüttet. Zahlreiche Beispiele führt der Autor an, um zu belegen, dass Pragmatismus für Helmut Schmidt immer wichtiger als politische Linientreue ist. Trotz politischer Disharmonien wird er im Mai 1974 zum 5. Bundeskanzler der Bundesrepublik gewählt. Die Ämter, die er zuvor innehatte, Bundesverteidigungsminister, Bundeswirtschaftsminister und Bundesfinanzminister, befähigen ihn dazu wie keinen anderen. Besondere Herausforderungen während seiner Kanzlerschaft sind der Antiterrorkampf gegen die „Rote Armee Fraktion“, die Verbesserung des internationalen Ansehens Deutschlands, die Abrüstungsbemühungen und der damit eng verbundene NATO-Doppelbeschluss, infolge dessen er 1982 gestürzt wird.

 

Seit 1983 ist Schmidt Mitherausgeber der Wochenzeitschrift „Die Zeit“, seine umfangreichen Erfahrungen fließen in eine Vielzahl von Büchern ein und noch heute hält er weltweit Vorträge zu aktuellen politischen Problemen. Hans-Joachim Noack würdigt aber auch Schmidts große Liebe zur Kunst.

 

In seinem Buch gelingt es Noack, das Leben und das Werk des ehemaligen Regierungschefs zu würdigen und historisch einzuordnen. Diese von Sympathie geprägte, aber auch Kritik nicht aussparende Biografie ist das, was Kenner der Szene als biografisches Psychogramm bezeichnen. Zahlreiche Fotos aus dem Archiv des Altkanzlers runden dieses Werk ab.

 

Helmut Schmidt ist mir vor der Lektüre dieser Biografie natürlich kein Unbekannter gewesen. Der Mann mit der Prinz-Heinrich-Mütze, (fast) immer mit Zigarette und hanseatisch kühl hat mich schon in jungen Jahren beeindruckt, war er doch in seiner Art so anders als alle bundesdeutschen Kanzler vor ihm. Hans-Joachim Noack versucht zu erklären, warum Schmidt ist wie er ist. Dabei verzichtet er auf boulevardjournalistische Berichte, er bringt mir den Politiker und ein Stück auch den Menschen Helmut Schmidt näher, sein Privatleben bleibt weitgehend verborgen. Mir hat diese Mischung sehr gut gefallen.

 

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten * Verlag: Rowohlt Berlin Verlag GmbH * ISBN-13: 978-3871345661

 

Clemens Meyer - Als wir träumten

Klappentext

Nach den Kinderspielen kommen die Kämpfe: Rico, Marc, Paul und Daniel wachsen auf im Leipzig der Nachwendejahre, zwischen Autoklau, Alkohol und Angst, zwischen Wut und Zerstörung. Jede Nacht ziehen sie durch die Straßen. Sie feiern, sie klauen, Sie fahren ihr Leben gegen die Wand. Sie sind frei und dem Leben ausgeliefert. Mit direkter, wütender, sensibler und authentischer Stimme erzählt dieser Roman von diesem Traum, dass irgendwo ein besseres Leben wartet.

 

 

Meine Meinung

In meiner Taschenbuchausgabe habe ich die ersten 3 Kapitel (55 Seiten) gelesen. Damit beende ich dieses Werk. Bewusst habe ich bisher noch keinen Wende-/Nachwenderoman gelesen, dabei hätte ich es auch belassen sollen. Selten habe ich so viele Klischees aneinandergereiht gelesen. Das Klientel, dass Meyer zu seinen Protagonisten macht, der dazugehörige Jargon, das ist nicht meine Welt. Außerdem konnte ich bisher so gar keine Chronologie bzw. richtige Zusammenhänge erkannt. Tut mir Leid, ich hatte mir von diesem Buch mehr versprochen.

 

 

Broschiert: 528 Seiten * Verlag: Fischer (Tb.) * ISBN-13: 978-3596173051

 

 

Tanja Kinkel - Säulen der Ewigkeit

Tanja Kinkel führt den Leser in diesem Roman in das Ägypten des 19. Jahrhunderts. Die Archäologie steckt noch in den Kinderschuhen und nur wenige Mutige wagen sich nach den Schätzen der Pharaonen zu suchen.

Sarah, die Heldin des Romans, wächst in einem Waisenhaus auf. Sie ist klug und so unterrichtet sie bereits als Jugendliche andere Kinder im Heim. Später arbeitet sie als Gesellschafterin bei einer alten Dame, bis sie den italienischen Artisten Giovanni Belzoni kennen lernt, den sie heiratet und mit den sie halb Europa bereist, bevor sie als eine der ersten Frauen im Jahr 1815 mit ihm in Ägypten ankommt. Belzoni versucht sich zuerst mit dem Bau einer Wasserpumpe, als er damit scheitert, beginnt er, angeregt durch den französischen Konsul Drovetti, nach Altertümern zu suchen. So birgt er den Kopf des Memnon. Wenig später legt er Abu Simbel frei und öffnet die zweite Pyramide als erster Mensch der damaligen Zeit. Alles geschieht im Wettlauf um Ansehen und Ehre mit Drovetti, der erst ein Freund war, dann zum Konkurrenten und später zum Feind wurde. Denn dieser kämpft nicht nur um die Altertümer Ägyptens, er kämpft auch um Sarah Belzoni, die ungewöhnliche Frau hat ihn mit ihrer pragmatischen Art stark beeindruckt.

Säulen der Ewigkeit“ ist ein hervorragend recherchierter Roman. Die Protagonisten sind reale Personen und nur ganz wenige Details wurden im Sinne einer stimmigen Geschichte von der Autorin angepasst. Der historische Hintergrund und die sehr gut beschriebenen landestypischen Eigenheiten ließen ein farbenprächtiges Bild Ägyptens vor meinem inneren Auge entstehen. Die Autorin brachte mir die Lebensweise der Einheimischen, aber auch die Schwierigkeiten im Alltag der Ausländer in diesem Land näher. Sie beschrieb anschaulich das Leben und die Religion der Moslems und der Christen, deren Eigenheiten und Traditionen.

Sarah Belzoni nahm nachgewiesenermaßen eine ganz ungewöhnliche Entwicklung. War sie mit ihren Ansichten zu Beginn des Romans noch in England der damaligen Zeit fest verwurzelt, so entwickelte sie sich zur eigenständig denkenden und handelnden modernen Frau in Ägypten. Die Rolle der duldsamen Ehefrau füllte sie nicht aus. Ihr Leitspruch ist: „Was immer du tun willst, fang damit an.“ Sie lebt ihn. Sarah Belzoni ist in diesem Roman in eine Dreiecksbeziehung verstrickt, für die es in der Historie keine Beweise gibt, allerdings gibt es Hinweise, die darauf hindeuten, dass es so gewesen könnte. Diese Geschichte ist sehr gut in das Geschehen eingebaut. Sie ist vollkommen frei von Herz-Schmerz und Kitsch.

Tanja Kinkel bedient sich einer einfachen, aber sehr einfühlsamen Sprache. Die historischen Fakten verknüpft sie geschickt mit der Romanhandlung. Man könnte ihren Roman auch problemlos als Romanbiografie bezeichnen, so eng hält sie sich an die von der Geschichte vorgegebenen Eckdaten. Die Spannung bleibt fast durchgängig erhalten, in nur ganz wenigen Szenen schleichen sich Längen in die Handlung ein. Dem Buch sind noch hilfreiche Karten und Zeichnungen sowie eine umfangreiche Bibliografie beigefügt.

Mein Fazit: „Säulen der Ewigkeit“ ist ein äußerst interessanter, detailgetreuer, historischer Roman, den ich sehr gern gelesen habe. Die enge Bindung an belegte Fakten machte das Buch an keiner Stelle lehrbuchhaft oder gar schwer lesbar. Wer sich für ägyptische Geschichte, Archäologie und historische Romane interessiert, kommt an diesem Buch sicher nicht vorbei.

Vom Verlag wurde noch eine Homepage für das Buch eingerichtet, die noch viele interessante Informationen bereit hält.

Gebundene Ausgabe: 688 Seiten * Verlag: Droemer/Knaur * ISBN-13: 978-3426198162

 

Louis Begley - Mistlers Abschied

Krebs im Endstadium. Inoperabel. Medikamente können das Leben verlängern, sie können ihn aber nicht heilen. Ohne medizinische Hilfe bleiben ihm nur noch Monate zu leben. Mit dieser Diagnose wird der erfolgreiche Chef einer Werbeagentur bei seinem Arztbesuch konfrontiert. Ohne die Familie zu informieren, nutzt Mistler eine Europareise, um noch einmal Venedig zu besuchen. Unverhofft trifft er dort auf ein flüchtige Bekannte. Eine kurze, aber intensive Affäre ist die Folge dieses Zusammentreffens. Mistler ist aber zu sehr in seiner Gedankenwelt verstrickt, als dass er sich völlig auf die junge Frau einlassen könnte. Das schnelle Ende dieser Beziehung ist unumgänglich. Mistlers Tagträume geben viel von ihm und seiner Gedankenwelt preis. Ehrgeizig, war er, rücksichtslos, berechnend und in seinen Augen ein ganz passabler Liebhaber. So hat er nur noch zwei Wünsche: Schmerzfrei zu sterben und keine Rechenschaft über Sünden abgeben zu müssen.

“Mistlers Abschied” ist ein sehr berührendes Buch. Mistler, ein Leben lang erfolgreich, wird seinen letzten Kampf, den gegen den Krebs, verlieren. Er tritt eine Reise an, um zu sich zu finden, lässt in Venedig sein Leben Revue passieren und genießt noch einmal die Liebe. Familiäre Unstimmigkeiten sieht er nun aus einem anderen Blickwinkel. Er kann sogar seinen Sohn bitten, nach Hause zu kommen und auch die ungeliebte Schwiegertochter mitzubringen. Es war wieder der bekannte Stil von Begley, der mich gefangen genommen hat und doch ist dieses Buch anders alle anderen, die ich von diesem Autor bisher las, es ist ruhiger, nachdenklicher. Bereits zu Beginn dieses Buches machte ich mir Gedanken, wie Begley die Handlung letztendlich auflösen würde. Ich hatte Angst vor großem Pathos. Aber auch das hat er sehr einfühlsam und mit großer Symbolkraft gelöst. Einen Begley lese ich immer wieder gern.

Taschenbuch: 283 Seiten * Verlag: Suhrkamp * ISBN-13: 978-3518396131