Archiv der Kategorie 2007

Oskar Maria Graf - Das Leben meiner Mutter

Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahre, und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.“ Psalm 90, Vers 10

Am 01. November 1857 wurde Theres (Resl) Heimrath, verheiratete Graf, unweit des Starnberger Sees geboren. Sie war das vierte von neun Geschwistern. Graf erzählt in diesem Buch aber nicht nur vom Leben seiner Mutter, sondern auch vom Leben seines Vaters, seiner Großeltern und seiner Geschwister. Der zweite Teil des Buches ist stark autobiografisch geprägt, denn von da an erzählt Graf auch die Geschichte seines Lebens.

Er beschreibt das Leben der einfachen Leute und zeigt die Härte und Mühsal des Alltags ungeschönt auf. Er berichtet vom Glauben und vom Aberglauben, vom Festhalten wollen an Bewährtem und der Furcht vor Neuerungen. Gleichzeitig beschreibt er in gut bemessenen Einschüben das Zeitgeschehen. Er zeigt auf das ausschweifende Leben am Hof Ludwig II., benennt die Folgen der Politik Bismarcks und der deutschen Kaiser und wirft einen kritischen Blick auf den aufkeimenden Nationalsozialismus einschließlich der Folgen der Machtergreifung der Nazis. All dies verbindet er eng mit dem Leben der Grafs und der Heimraths.

Oskar Maria Graf hat ein sehr ruhiges Buch ohne jede romantische Verklärung geschrieben. Vieles was er beschreibt, erscheint unter heutigen Umständen unvorstellbar (es sind ja nur etwa 100 Jahre vergangen) und die Frage, wie hätte ich mich in der damaligen Zeit unter diesen Bedingungen und mit der entsprechenden Erziehung geschlagen, drängte sich mir mehrmals auf. Aber nicht nur von der Härte der Arbeit wird berichtet, auch die Sitten und der Umgangston sind rau und ungewohnt. Als die Grafs es mit ihrer Bäckerei „geschafft“ hatten, hätte Resl problemlos ein leichteres Leben führen können, aber sie arbeitet unermüdlich. Sie kann nicht anders. Arbeiten und Beten sind für sie der Lebensinhalt.

Sie will gar nicht, daß es ihr einmal gut geht. … sie hat gar nie richtig gelebt wie ein anderer Mensch.“ S. 508/509

Bemerkenswert fand ich wie Graf die Personen in diesem Buch zeichnete. Jeden einzelnen Charakter brachte er mir nahe. Resl mit ihrer Duldsamkeit und Frömmigkeit hat mich ebenso beeindruckt wie ihr derber Maxl.

Das Leben meiner Mutter“ habe ich über die Weihnachtsfeiertage gelesen. Es war ein sehr passendes Buch für diese besinnliche Zeit. Ein Buch, das nachdenklich werden lässt und bei dem man den eigenen Wohlstand schätzen lernt. Es war ein Buch an das ich auch in hektischeren und stressbeladeneren Tagen gern zurück denken werde.

“Wenn alle meine Bücher vergehen, dieses Buch schreibt mir keiner nach und dies Buch bleibt. Dös glaub’ i bestimmt.” Oskar Maria Graf über „Das Leben meiner Mutter“

Taschenbuch: 670 Seiten
Verlag: Dtv
ISBN-13: 978-3423100441
Gelesen: Dezember 2007

Rezi von Heidi Hof

 

Ian McEwan - Abbitte

Nachdem dieses Buch in aller Munde war und nun auch noch verfilmt wurde, wollte ich mir meine eigene Meinung bilden.

Die 13-jährige Briony spielt auf Grund ihrer noch kindlichen Fantasie, ihrer Unaufgeklärtheit und ihrer unterschwellig vorhandenen Eifersucht Schicksal. Die Mutter liegt migränegeplagt im Bett und macht sich über ihre morbide Welt recht eigene Gedanken. Die Schwester Cecilia ist in Robbie Turner, den Sohn der Putzfrau verliebt und auf dem Landsitz der Tallis halten sich besuchsweise Lola , eine Cousine und deren Zwillingsbrüder auf. Es herrscht eine gewisse Aufregung, denn Leon, der älteste Sohn der Tallis, kommt mit seinem Freund auf Besuch.

In einem ersten Teil stellt McEwan die einzelnen Charaktere sehr ausführlich dar. Die wenigen Ereignisse werden von mehreren verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Er ergibt sich in die Beschreibung der inneren Handlung, so dass ich schon einige Geduld beim Lesen aufbringen musste. Einziger Höhepunkt der Handlung war die Fehleinschätzung von zufällig beobachteten Situationen durch die von ihrer pubertierenden Fantasie geleiteten Briony. Sie sah was sie sehen wollte und behielt ihren „ungeheuerlichen Erkenntnisse“ auch nicht für sich. Wäre nicht die sehr schöne Sprache Ian McEwans gewesen, hätte ich das Buch noch in diesem ersten Teil entnervt zur Seite gelegt. Da ich aber von verschiedenen Seiten hörte, mir würde das Buch gefallen, hielt ich durch und es hat sich gelohnt. Im 2. und 3. Teil hat sich sowohl der Aufbau als auch die Sicht geändert. Augenmerk wurde hier auf die äußere Handlung gelegt und ich konnte schon bald nicht mehr von dem Buch lassen. Inzwischen war Krieg und McEwan beschreibt die Schrecken und Gräuel auf so besondere Weise, dass auch ohne direkte Blicke auf Kampfhandlungen eine Gänsehautgefühl entstand. Aber auch die Leiden der in London zurückgebliebenen beschreibt er realistisch und erstmalig musste ich Briony, die mir ja von Beginn des Buch an nicht gerade sympathisch war, Respekt zollen. Als Lernschwester wird sie mit den Folgen des Krieges direkt konfrontiert. Eigentlich wollte sie ja Schriftstellerin werden und diese für sie „niedere“ Tätigkeit ist ihre Form der Abbitte für die Schuld, die sie vor Jahren auf sich geladen hat.

Herausragend aber ist das Ende des Buches, das McEwan für den Leser bereit hält. Es war alles andere als vorhersehbar. Ich musste den Schluss zweimal lesen, ehe ich zwischen den Fiktionen das wirkliche Ende der Handlung fand, das war fast schon genial.

Mein Fazit: Ich hätte nach einem zähen Einstieg in dieses Buch nicht erwartet, eine so beeindruckende Lektüre vor mir zu haben. Es war nicht mein letztes Buch, dass ich von diesem Autor gelesen habe. Und schon aus reiner Neugier, wie dieses Buch filmisch umgesetzt wurde, werde ich mir den Film wohl auch ansehen.

Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Diogenes
ISBN-13: 978-3257233803
Gelesen: Dezember 2007

Vikram Seth - Zwei Leben

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Im Jahr 1969 kommt Vikram Seth von Indien nach London, um dort zu studieren. Unterkunft findet er bei seinem Onkel Shanti und dessen deutschen Frau Henny, einer Jüdin. Beide lernten sich während Shantis Studienzeit im Berlin der 1930-er Jahre kennen. Das anfangs recht distanzierte Verhältnis zu Onkel und Tante weicht nach und nach einer innigen Verbundenheit.

Als Henny in den 80-er Jahren stirbt, bleibt Vikram Seth bei Shanti und in ihm reift der Entschluss, das bewegte Leben dieser zwei großartigen Menschen in einer Biografie aufzuarbeiten.

Durch die ausführlichen Interviews mit seinem Onkel, die Befragung anderer Zeitzeugen und die Sichtung der Briefe und persönlichen Unterlagen nähert sich Vikram Seth den Verwandten an. Er beschreibt das Leben Shantis und seiner Familie in Indien und seinen Weg bis nach London. Er zeigt die Schwierigkeiten auf, denen die Jüdin Henny in Nazideutschland ausgesetzt war, bis es ihr endlich, 6 Wochen vor Kriegsbeginn, gelang, nach Großbritannien zu fliehen.

Eng verbunden mit dem Leben von Shanti und Henny verarbeitet der Autor gekonnt die historischen Fakten. So entstand mit der Biografie ein beeindruckendes Zeitbild des 20. Jahrhunderts. Seth beschränkte sich aber nicht allein auf die Aufzählung geschichtlicher Ereignisse, er analysierte und zog äußerst interessante Schlussfolgerungen, die dieses Buch noch bereichern. Grundlage dafür kann nur eine äußerst akribische Recherche sein.

Es war nicht immer einfach, sich im weit gefächerten Freundeskreis von Shanti und Henny zurecht zu finden, oder die indischen Familienverhältnisse sofort zu durchschauen, da mir bei den ausführlichen Erzählungen Vikram Seths manchmal der rote Faden etwas verschwamm.

Mit dieser Biografie setzt er den beiden ein Denkmal. Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt , ich habe Zugang zum Leben zwei mir völlig fremder Menschen bekommen. Während des Lesens wurden sie zu meinen Freunden. „Zwei Leben“ ist die eindrucksvollste Biografie, die ich bisher gelesen habe, vielleicht auch deshalb, weil nicht das Leben von berühmten Künstlern oder Politikern beschrieben wurde, sondern das Augenmerk auf ganz „normalen“ Mitmenschen gelegen hat.

Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen, besonders gut hat mir die Sicht des Autors auf die Rolle Deutschlands im Verlauf des letzten Jahrhunderts gefallen. Seine Gedankenansätze waren es wert länger darüber nachzudenken. Vikram Seth ist ein großer Erzähler, ich freue mich auf die weiteren Bücher, die ich von ihm unbedingt lesen möchte.

Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
Verlag: Fischer (S.), Frankfurt
ISBN-13: 978-3100725219
Gelesen: Dezember 2007

Selma Lagerlöf - Weihnachtsgeschichten

Klappentext

Zum Vorlesen und Selberlesen: der zweite Band der Lagerlöf-Edition im dtv zum 150. Geburtstag der großen schwedischen Autorin am 20. November 2008. Es ist vor allem der Sagen- und Märchenschatz der skandinavischen Heimat, den Selma Lagerlöf festhält, um den Zauber der winterlichen Festzeit einzufangen. In schlichter Sprache erzählt, begleiten diese Geschichten seit Generationen viele Menschen. In einer Zeit, in der Kommerz und Profitstreben die Advents- und Weihnachtszeit dominieren, treffen diese spannenden und stimmungsvollen Erzählungen mitten ins Herz und laden zum Innehalten und Träumen ein. Die vorliegende Sammlung wurde eigens für die Taschenbuchausgabe zusammengestellt und mit einem Nachwort von Holger Wolandt versehen.

 

 

Mein Fazit: Selma Lagerlöfs „Weihnachtsgeschichten“ sind eine Auswahl von 12 ihrer liebsten Geschichten. Die meisten sind über 100 Jahre alt. Die schwedische Nobelpreisträgerin schreibt über ihre heimischen Bräuche, die Bedeutung der Nächstenliebe und den Wunsch nach einem geruhsamen und friedvollen Weihnachtsfest. Dieses Buch in seiner fast schon naiven Schreibweise erinnert an eine gute alte Zeit, mit weißhaarigen Großmüttern, die den Kindern Geschichten erzählen oder vorlesen, an eine Zeit ohne dieses hektische Alltagstreiben und ohne Konsumwahn. Eine große innere Ruhe kehrt beim Lesen der so warmherzigen Geschichten ein. Diese Geschichten sind nostalgisch aber nicht kitschig. Mit einem Wort: schön. Mit diesem Buch habe ich ein sehr gute Wahl getroffen. Dem Klappentext kann ich nichts mehr hinzufügen. Er spricht für sich und trifft es genau.

Broschiert: 224 Seiten
Verlag: Dtv
ISBN-13: 978-3423136037
9,50 EUR

 

 

Philippe Claudel - Die grauen Seelen

 

“Ich kenne keine Schweine und keine Heiligen. Nichts ist ganz schwarz oder ganz weiß; das Grau setzt sich durch. So ist es auch bei den Menschen und ihren Seelen.“ (Seite 114)

1917 in einem kleinen Ort im Osten Frankreichs nahe der Stadt V(erdun). Die Front ist nahe, die Auswirkungen sind direkt zu spüren, aber in dem Örtchen geht das Leben seinen üblichen Gang. Claudel lässt den Ich-Erzähler, der der Dorfpolizist ist, viele Jahre nach dem Mord an der zehnjährigen Belle de jour, der Tochter des Wirts, das Leben und Denken der Gemeindebewohner schildern. Dabei versucht zu ergründen, wer hinter dieser grausamen Tat steckt. Mehr möchte ich von der Handlung hier nicht vorweg nehmen, ich liefe Gefahr, zuviel zu verraten.

Die grauen Seelen“ hat mir sehr gut gefallen, es ist eines der Bücher, dem ich viele Leser wünsche. Habe ich vorher schon einmal ein Buch gelesen, in dem die Seelen der Darsteller förmlich seziert wurden? Ich glaube nicht. Auch das Ergebnis irritierte mich nicht, denn im Seelenleben der Menschen gibt es kein Schwarz oder Weiß, es ist eher eine Mischung aus beidem, mal etwas heller, mal etwas dunkler gehalten. Interessant fand ich auch, wie Claudel einigen Personen, u.a. dem Staatsanwalt, der Lehrerin, dem Wirt, dem Bürgermeister, mehr Aufmerksamkeit in diesem Roman schenkte. Sie wurden mir wirklich nahe gebracht. Claudel hat mit „Die grauen Seelen“ ein dichtes, sehr sensibles Buch geschrieben, das von einer tiefen, bis zur Hoffnungslosigkeit reichenden Traurigkeit geprägt ist und dessen Leitgedanke sein könnte, keiner ist ohne Schuld.

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Rowohlt, Reinbek
ISBN-13: 978-3498009304
Gelesen: November 2007 in Krümels Book-Club

 

Louis Begley - Schmidt

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Albert Schmidt, von allen seit der Kindheit Schmidtie genannt, hat sich als Anwalt einer renommierten New Yorker Kanzlei wegen der Krebserkrankung seiner Frau frühpensionieren lassen. Danach brach seine Welt zusammen. Seine Frau starb und nur ein halbes Jahr später eröffnete ihm seine Tochter Charlotte, den jungen Anwalt Jon Riker zu heiraten. Schmidt hatte diesem jungen Mann zwar den Weg in der Kanzlei geebnet. Aber als Schwiegersohn lehnt er ihn rigoros ab. Für Schmidt ist er ein banaler Streber und unkultivierter Karrierist, was aber für ihn noch schwerer wiegt, Riker ist Jude. Charlotte passt sich sehr schnell der neuen Familie an und schon bald haben sich Vater und Tochter nichts mehr zu sagen, es bleiben nur noch unerfreuliche Diskussionen über Charlottes Geldforderungen. Schmidt steckt mitten in einer tiefen Lebenskrise als er die junge Kellnerin Carrie kennen lernt.

Zu Beginn des Buches hatte ich ein paar Schwierigkeiten, mich an dieses Buch zu gewöhnen. Es war mir zu finanz- und steuerlastig. Aber nach dem ersten Drittel las es sich fast von allein. Wie von Begley nicht anders gewöhnt, ist auch „Schmidt“ ein eher ruhiges Buch. Die Einsamkeit des Protagonisten nach seiner Pensionierung stellte er überzeugend und einfühlsam dar. Schmidts Lebenskrise ist für mich sehr nachvollziehbar, er ist einsam, die sozialen Kontakte pflegte früher seine Frau, er hat Probleme diese Kontakte aufrecht zu erhalten. Seine Einsamkeit war teilweise fast körperlich zu spüren, ein Thema, das heute aktueller denn je ist. Es hat mich sehr berührt.

Schmidts Unscheinbarkeit, seine Unentschlossenheit, seine Passivität, überhaupt sein ganzes Verhalten kommen nicht immer sympathisch rüber, werden von Begley aber sehr lebendig und greifbar geschildert.

Auch Schmidts Tochter, Charlotte, wurde von Louis Begley sehr eindrucksvoll beschrieben. Ihr Vater existiert für sie nur noch als Finanzier ihrer geplanten Hochzeit. Dabei erwartet sie, dass er keine Schwierigkeiten macht, alle ihre Wünsche akzeptiert und letztendlich auch finanziert. Sie war für mich die Antiperson des Romans.

Das Ende hat mit gut gefallen. Ich empfand es nicht als hoffnungslos. Nun bin ich auf “Schmidts Bewährung” gespannt.

Taschenbuch: 311 Seiten
Verlag: Suhrkamp
ISBN-13: 978-3518395004
Gelesen: November 2007 in Krümels Book-Club

 

Alex Capus - Eine Frage der Zeit

“Über die Jahre habe ich festgestellt, dass meine Helden gewöhnliche Menschen sind, die ungewöhnliche Dinge tun.
Was mich beschäftigt, ist immer der Mensch, der sein Leben in Würde zu leben versucht.” Alex Capus

Anton Rüter, Hermann Wendt und Rudolf Tellmann sind Arbeiter auf der Papenburger Meyer Werft. Ihr Auftrag ist es, das eben erst fertig gestellte Kanonenboot „Götzen“ wieder zu zerlegen und nach Deutsch-Ostafrika auf den Tanganjikasee zu bringen. Alle drei sind keine Abenteurer, sie erfüllen nur ihre Pflicht. Der Transport des Schiffes wird schnell abgehandelt. Ausführlich berichtet Capus dann wieder über den Aufbau des Schiffes und die Schwierigkeiten und Probleme, die sich daraus ergeben. Recht schnell können sich die Papenburger in der neuen und unbekannten Umgebung arrangieren und leben sich den Umständen entsprechen gut ein. Sie machen das Beste aus ihrer Situation. Doch dann beginnt der 1. Weltkrieg.

In einer parallelen Handlung lernt der Leser den Briten Geoffrey Spicer Simson kennen. Er ist in Afrika vom britischen Militär aufs Abstellgleis geschoben worden, wird aber nach Ausbruch des Krieges nach London zurück beordert. Er ist ein Sonderling, dem Größenwahn nicht fern ist. Der Zufall will es, dass er einen ähnlichen Auftrag wie die deutschen Werfarbeiter erhält. Er soll zwei Boote via Kapstadt an den Tanganjikasee befördern, um den Deutschen an diesem Kriegsschauplatz Paroli bieten zu können. Diese Aufgabe meistert er unerwartet souverän und bedacht. Er zeigt überraschend Führungsstärke.

Alex Capus ist ein hervorragender Beschreiber, er wertet nicht, er erzählt und das auf eine ganz besondere Art und Weise. Afrika und das Leben und Überleben auf diesem Kontinent schildert er sehr realistisch und bildhaft, dabei baut er gekonnt Situationskomik ein. Auch die Charaktere passen gut in ihre Zeit. Capus schuf lebendige Persönlichkeiten mit Eigenheiten, Stärken und Schwächen. Dabei geht aus dem Roman nicht eindeutig hervor, welche Personen wirklich lebten und welche der Fantasie des Autors entsprangen. Ein Personenverzeichnis mit entsprechenden Hinweisen, würde dieses Buch gut ergänzen. Alex Capus betreibt keine Schönfärberei und zeigt auch Probleme auf, die die Oberen mit den Einheimischen hatten und die sie auf die „altbewährte“ koloniale Weise lösten. Er bleibt mit seinem Buch eng an der historische Vorlage. Dank seiner ausgezeichneten Recherchearbeit ist ihm ein sehr authentischer Roman gelungen. Die Kapitelüberschriften waren ein Highlight für sich.

„Eine Frage der Zeit“ ist ein ruhiges Buch, das zwar den Krieg thematisiert, aber gut ohne große Gräueltaten und übermäßiges Blutvergießen auskommt. Dieser Roman ließ mich nachdenklich werden und auch schmunzeln. Wer Bücher mag, die lebensnah geschrieben sind, wird dieses Buch lieben. Es war einer der besten Romane, die ich in diesem Jahr las, für mich ein echtes Leseerlebnis.

Die „Götzen“ fährt heute noch unter dem Namen MS Liemba auf dem Tanganjikasee.

Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag:
Knaus
ISBN-13:
978-3813502725
Gelesen: November 2007

Sabine Thiesler - Hexenkind

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Mitten im toskanischen Wald in der Casa della strega wird die Leiche der deutschen Sarah Simonetti gefunden. Sie war mit dem Besitzer der Trattoria des nahegelegenen Dorfes verheiratet. In dieses alte Gemäuer zog sie sich mit einer gewissen Regelmäßigkeit zurück, um ihrem Alltag zu entfliehen.

Die Polizei kommt und beginnt ihre Untersuchungen. Aber schon nach wenigen Seiten spielt die Aufklärung des Mordes zunächst keine Rolle mehr. Die Autorin schildert wie es zu dieser Bluttat kommen konnte. In Rückblenden wird nun das Leben von Sarah erzählt. Der Leser erfährt von ihrer früheren Beziehung zu Franky, dem Vater ihrer Tochter Elsa. Wir lernen Romano, Sarahs Ehemann kennen. Mit ihm geht sie nach Italien, um Franky zu entkommen. In ihrer neuen Heimat wird der gemeinsame Sohn Edi geboren, ein niedlicher aufgeweckter Junge, der im Alter von 2 Jahren einen schrecklichen Unfall hat. Damit beginnen Schuldzuweisungen, Selbstvorwürfe und Missverständnisse. Nichts ist mehr wie es war und mit dem Wissen, was zu Beginn des Buches geschah, merkt man als Leser immer deutlicher, dass sich verdeckt und zuerst ganz unterschwellig etwas zusammenbraut. Sarah ist verändert, sie stürzt sich in Affären. Darunter leidet nicht nur die Beziehung zu ihrem Mann, das belastet besonders ihr Verhältnis zu Elsa.

Je näher diese Rückblicke dem aktuellen Geschehen kommen, desto mehr wird die Spannung aufgebaut und die Ereignisse werden dramatischer.

Hexenkind“ hat außer dem Handlungsort keine Gemeinsamkeiten mit dem Vorgängerroman der Autorin. Um beiden Büchern gerecht zu werden, bin ich ohne Erwartungen an dieses Buch gegangen und versuchte, Vergleiche zu vermeiden. Mir gefällt der Erzählstil von Sabine Thiesler sehr gut. „Hexenkind“ ist flüssig, wenn auch mit ein paar Konstrukten, geschrieben und zog mich schnell in seinen Bann. Während der Schilderung der Ereignisse vor dem Mord erinnerte mich dieser Krimi eher an eine Familiengeschichte. Mich störte das überhaupt nicht. Denn die Spannung war trotzdem vorhanden. Ich sammelte Puzzleteilchen zu Puzzleteilchen. Die Frage nach dem WARUM drängte sich bei mir immer mehr in den Vordergrund.

Die Charaktere waren gut beschrieben und jeden einzelnen empfand ich in seinen Eigenarten als glaubwürdig. Das Verhältnis der Personen untereinander war für mein Empfinden hervorragend beschrieben. Da waren die Vorbehalte der Schwiegermutter Teresa gegen die junge Deutsche, die der Sohn ins Haus brachte; Romanos Festhalten an der Ehe mit Sarah, trotz deren Eskapaden und die Wut von Elsa über die Lügen und den Verrat der Mutter. Das Ende war atemberaubend, entsetzlich und erschütternd.

Mein Fazit: „Hexenkind“ ist ein eher ungewöhnlicher Krimi. Einer, der den Leser einlullt mit beinahe alltäglichen Ereignissen, die aber ein ungutes Gefühl im Bauch entstehen lassen und den Leser an das Buch fesseln. Mir hat dieser Krimi – und doch noch der Vergleich mit „Der Kindersammler“ – mindestens ebenso gut gefallen, denn er war wesentlich raffinierter im Aufbau.

Broschiert: 576 Seiten
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3453432741
Gelesen: November 2007

 

Asta Scheib - Sei froh, dass du lebst!

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In den letzten Kriegsmonaten prägen Bombenangriffe auf Attenberg im Bergischen Land das Leben der 7-jährigen Agnes. Sie kennt nichts anderes als Krieg. Dann ist er auf einmal vorbei, aber ihre Heimatstadt liegt in Trümmern und die Familie muss hungern. Agnes, aus deren Sicht das Buch geschrieben ist, wird langsam älter und wird zu einer guten Beobachterin ihrer Umgebung. Sie erzählt ganz ungezwungen, immer in einem einfach gehaltenen Stil, der die Gedanken einer Heranwachsenden am besten widerspiegelt, vom Alltag in ihrem kleineren und größeren Umfeld. Dabei wird ein Stück Zeitgeschichte auf eine eindrucksvolle und vor allem glaubwürdige Weise beschrieben, Leser, die diese Zeit nicht miterlebten, können sich während der Lektüre ein recht passables Bild vom Leben und Denken im Nachkriegsdeutschland machen. Gefallen haben mir die teils unbequemen Fragen, die Agnes z. B. zum Verbleiben des jüdischen Mannes von Ines Simon stellt und wie sie sich gegen das Schweigen wehrt.

Obwohl ich mit Agnes selbst in diesem autobiographisch geprägten Roman nicht so richtig warm wurde, hat mir das Buch recht gut gefallen. Am Beispiel des Ortes Attenberg ließ Asta Scheib die deutsche Nachkriegszeit Revue passieren. Die Beschreibungen dieser Zeit waren eindringlich, einfühlsam, informativ und sehr interessant. Damals wurde nicht diskutiert oder gejammert, jeder packte mit an und das Wirtschaftswunder begann zu werden. „Sei froh, dass du lebst“ ist ein Roman mit einem ernsten Hintergrund, der aber auch mit einem Augenzwinkern aufwarten kann.

Gebundene Ausgabe: 317 Seiten
Verlag: Rowohlt, Berlin (2001)
ISBN-13: 978-3871344213
Gelesen: November 2007

 

Maxie Wander - Leben wär’ eine prima Alternative

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Tagebücher und Briefe

Im Sommer 1976 bestätigt sich der schlimme Verdacht, den Maxie Wander hegt. Sie ist an Brustkrebs erkrankt. Anhand ihrer Tagebuchaufzeichnungen und Briefe begleitet der Leser sie während dieses Lebensabschnittes. Dabei ist ihre Erkrankung nur ein Thema von vielen. Sie schildert ihren Alltag in der damaligen DDR und gewährt dem Leser einen Einblick in ihr schriftstellerisches Leben.

 

Ich habe ihr Buch, welches von Fred Wander, ihrem Ehemann, nach ihrem Tod herausgegeben wurde, fast in einem Zug gelesen. Jede Unterbrechung empfand ich als störend. Durch ihre Offenheit empfand ich zu Maxie Wander eine ganz große, fast unheimliche Nähe. Beeindruckend fand ihren selbstkritischen und selbstironische Umgang mit der eigenen Person, sie hinterfragte die Positionen, die sie sowie ihre Verwandten und Freunde vertraten. Ihre Gedanken über das Glück und den Sinn des Lebens haben mich sehr angesprochen. Trotz des teilweise ungewohnten Dialektes, sie war Wienerin, hat mir der Stil ihrer Aufzeichnungen sehr gut gefallen. „Leben wär’ eine prima Alternative“ ist ein bemerkenswertes Buch, es hat mich unwahrscheinlich gefesselt und im tiefsten Inneren berührt.

 

Ich möchte gern mehr über diese starke, beeindruckende Frau erfahren und demnächst von Sabine Zurmühls Biografie von Maxie Wander „Das Leben, dieser Augenblick“ lesen.

 

Taschenbuch: 278 Seiten
Verlag:
Dtv (Juni 1994)
ISBN-13:
978-3423118774
Gelesen:
November 2007

 

Philippe Claudel - Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

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Der Tod hat ihm alles genommen. Er besitzt nichts mehr. Er ist tausende Kilometer entfernt von einem Dorf, das es nicht mehr gibt, tausende Kilometer entfernt von den verlassenen Gräbern, eilig ausgehoben für die, die nur wenige Schritte weiter gestorben waren. Er ist tausende Tage entfernt von einem Leben, das einst schön und glücklich war.“

Monsieur Linh ist einer von vielen Flüchtlingen, die mit dem Schiff in ein fernes, ihnen fremdes land kommen. Er hat Schwierigkeiten sich in der ungewohnten und unfreundlichen neuen Umgebung einzugewöhnen. Liebevoll kümmert er sich um seine kleine Enkelin Sang-diû, sie ist die Einzige, die ihm von seiner Familie geblieben ist.

Eines Tages verlässt er die Flüchtlingsunterkunft und lernt im Park Monsieur Bark kennen. Keiner der beiden alten Männer versteht die Sprache des Anderen. Trotzdem sind sie nicht sprachlos. Gesten und Mimik sagen oft mehr als viele Worte. Sie fühlen sich im Inneren verbunden, denn beide sind auf ihre Art wie entwurzelte Bäume.

Leise und sehr gefühlvoll schildert Philippe Claudel diese besondere Freundschaft. „Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung“ ist ein unwahrscheinlich warmherziges, intensives, aber aber auch melancholisches Buch. Mich hat es emotional stark angesprochen, zum Schluss liefen mir die Tränen übers Gesicht.

Der einzige winzige Wermutstropfen waren die für meinen Geschmack teilweise zu kurzen Kapitel.

Trotzdem ist Philippe Claudel ein neuer Stern an meinem Autorenhimmel.

OT: La petite fille de Monsieur Linh
Gebundene Ausgabe: 126 Seiten
Verlag: Kindler (Juli 2006)
ISBN-10: 3463404982
ISBN-13: 978-3463404981
Gelesen: November 2007

 

Sabine Thiesler - Der Kindersammler

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Geh’ nicht mit Fremden mit!“ Diesen Satz hat wohl fast jedes Kind schon mehrfach gehört. Es ist die Horrorvorstellung für Eltern, das eigene Kind könnte nicht mehr nach Hause kommen, weil ihm etwas unbeschreibliches widerfahren ist. Sabine Thiesler widmet sich diesem brisanten Thema in ihrem Debutroman.

Im Abstand von etwa 3 Jahren verschwinden in verschiedenen deutschen Orten kleine Jungen, alle sind blond und für ihr Alter recht zierlich. Alles weist auf den gleichen Täter hin. Seine Handschrift ist eindeutig und lässt keine Zweifel zu.

Auch in einer abgelegenen Gegend in der Toskana werden in den folgenden Jahren drei Jungen vermisst. Durch eine Reportage im Fernsehen wird die mit den deutschen Fällen betraute Kommissarin darauf aufmerksam und entdeckt Parallelen.

Der Roman beginnt dramatisch. Es gibt kein „Einlesen“, kein vorsichtiges Herantasten. Der Leser ist gleich mitten im Geschehen. Die Thematik bewegt, erschüttert, geht tief unter die Haut. Sabine Thiesler lässt den Leser an den Gedankengängen des Täters teilhaben, dieser ist von Anfang an bekannt. Sie schildert die Unbekümmertheit der Jungen ebenso wie ihre Todesängste. Aber auch das Entsetzen der Eltern, ihre Panik, ihre Trauer und Selbstvorwürfe werden nachvollziehbar aufgezeigt.

Die Dramaturgie dieses Buches ist meines Erachtens gut gelungen. Einem spannungsreichen Beginn folgt ein ruhiger Mittelteil, der sich gut und flüssig lesen lies. Gerade diese Ruhe lässt erahnen, das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Das Ende wird dann wieder rasant – und erstaunlich.

Meine Kritikpunkte an diesem Roman sind die etwas konstruiert wirkende letzte Tat und die in allen Einzelheiten beschriebenen Tathergänge. Meine Fantasie hätte mir genügend Grauen geliefert. Sabine Thiesler untermauerte dies durch Details.

Mein Fazit: „Der Kindersammler“ ist das beeindruckende Debut der Autorin. Spannung, Entsetzen und tiefe Betroffenheit begleiteten mich durch das Buch, das für zart besaitete Leser sicher nicht geeignet ist. Ich freue mich schon darauf, ihr neues Buch „Hexenkind“ zu lesen.

Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3453024540
Gelesen: Oktober 2007

 

 

Mark Nykanen - Totenstarre

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Ashley Stassler ist einer der weltbesten Bildhauer. Diesen Ruhm erwarb er sich durch seine Skulpturenserie „Family-Planning 1-8“ In seinen Werken thematisiert Stassler den Schmerz und das Entsetzen, was den Gesichtern seiner Skulpturen lebensecht anzusehen ist. Für die Realisierung seiner Projekte benötigt er Familien, aber nicht als Modelle, sondern als Opfer. Bei der Auswahl ist er besonders „sorgfältig“. Er entführt sie und bringt sie auf seinem Anwesen in einem im Keller errichteten Käfig unter. Stassler lässt sie trainieren bis ihre Körper seinen Vorstellungen entsprechen. Während der Gefangenschaft lässt er keine psychologischen Tricks aus, um die Familienmitglieder gegeneinander auszuspielen. Dann, wenn Entsetzen, Angst und Schmerz nicht mehr zu steigern sind, macht er Abgüsse von ihren Körpern und bringt sie mit perfider Perfektion, die für ihn in Genuss mündet, um.

Die Kunststudentin Kerry kann ihr Glück kaum fassen, sie hat ein Praktikum bei Ashley Stassler, ihrem Idol, ergattert und reist erwartungsvoll auf die abgelegene Ranch des Meisters. Aber schon nach wenigen Tagen meldet Stassler sie als vermisst.

Mark Nykanen bedient sich in seinem Roman zweier verschiedener Erzählebenen. Ashley Stassler lässt er seine Gedanken, Gefühle und grausamen Pläne in der Ich-Form erzählen. Die Geschehnisse um die Stundentin Kerry , ihre Professorin und die anderen an der Handlung beteiligten werden aus der Sicht eines Dritten geschildert.

Ich habe die Romane von Mo Hayder und Tess Gerritsen begeistert gelesen. Sie waren blutig und brutal. Mark Nykanen eröffnet mit seinem Buch „Totenstarre“ eine für mich neue Dimension im Genre des Psychothrillers. Seine Fantasien sind krank, grenzwertig, abartig. Er beschreibt einen Täter, dem seine Einzigartigkeit zur Obzession geworden ist.

Obwohl ich von Beginn an den Täter kannte, baute Nykanen einen Spannungsbogen auf, der mich an dieses Buch fesselte. Fast atemlos las ich mich von Grausamkeit zu Grausamkeit und konnte den Roman erst nach dem wahrlich explosiven Ende aus der Hand legen.

Totenstarre“ ist auf seine Weise einzigartig. Aber wer den geschliffenen, facettenreichen, feinen Kriminalroman liebt, sollte dieses Buch lieber im Regal stehen lassen. Ich glaube, dieses Buch wird die Meinungen der Leserschaft auseinander driften lassen.

OT: Bone Parade
Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Blanvalet (April 2007)
ISBN-13: 978-3442366248
Gelesen: Oktober 2007

 

Vladimir Nabokov - Lolita

   Abbruch nach 125 Seiten :(

Kurzbeschreibung www.amazon.de

Der Roman schildert die unselige Leidenschaft des 1910 in Frankreich geborenen Literaturwissenschaftlers und Privatlehrers Humbert Humbert zu der kindhaften und gleichzeitig frühreifen 12-jährigen Dolores (Lolita) Haze. Humbert Humbert ist Mädchen zwischen neun und vierzehn Jahren verfallen; deren vollkommene Inkarnation findet er in Lolita. Um in ihrer Nähe bleiben zu können, heiratet er ihre Mutter, die Witwe Charlotte Haze; er verursacht indirekt deren Tod und beginnt mit Lolita - aus Furcht vor Entdeckung seiner verbotenen Leidenschaft - ein unstetes Reiseleben durch die USA. Humbert Humbert stellt bald fest, dass sie verfolgt werden, und eines Tages ist Lolita, offenbar mit dem Verfolger im Bunde, verschwunden. Als er sie nach Jahren wiedersieht - verheiratet, schwanger und in ärmlichen Verhältnissen lebend -, weigert sie sich, zu ihm zurückzukehren, doch gelingt es ihm, den Namen des damaligen Nebenbuhlers zu erfahren. Es ist der Dramatiker Clare Quilty, den er in einer furiosen Racheszene erschiesst. Mit sprachlicher und stilistischer Virtuosität geschrieben, zahlreiche literarische Anspielungen aufweisend und mit distanzierender Ironie unterlegt, ist der Roman weder Schilderung der Überschreitung moralischer Schranken noch Diagnose einer dekadenten Epoche, sondern am ehesten die Geschichte einer tragischen Leidenschaft, die ihren Gegenstand - wenn überhaupt - nur um den Preis der Zerstörung erreichen kann. Versuche, den Roman allegorisch zu deuten, wonach sein Thema v. a. in der Konfrontation des alten Europa (Humbert Humbert) mit dem jungen Amerika (Lolita) zu sehen sei, hat Nabokov zurückgewiesen.

Leider konnte ich mich an dieses Buch nicht gewöhnen. Der schwülstige Stil, das Thema an sich … nein. Ich habe es wieder ins Regal gestellt.

Charlotte Thomas - Die Madonna von Murano

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Venedig1475: In der Lagunenstadt wird ausgelassen Karneval gefeiert. Nur eine junge hochschwangere Frau versucht vergeblich, ihren Häschern zu entkommen. Kurz vor ihrem Tod bringt sie ihr Kind zur Welt. Das Mädchen, Sanchia, wird von dem Glasbläser Piero aufgenommen und liebevoll wie ein eigenes Kind aufgezogen. Das Rätsel um ihre Herkunft begleitet Sanchia noch über viele Jahre. Denn die mächtigen Feinde ihrer Mutter haben ihre Verfolgung nicht aufgegeben und schrecken auch vor dem Mord an Sanchias Zieheltern nicht zurück. Daraufhin wird das Kind in ein Kloster gegeben, wo sie von der Äbtissin schon früh an die Heilkunde herangeführt wird. Dadurch ist es dem wissensdurstigen Mädchen möglich zu lernen, was den meisten Frauen in der damaligen Zeit verwehrt bleibt.

Die Jahre vergehen und Sanchias Leben läuft keineswegs in ruhigen Bahnen. Liebe, Intrigen, Abenteuer, Hass, Gewalt, schwere Schicksalsschläge und ihre Tätigkeit als Hebamme und Heilerin prägen sie. Das Buch endet nach über 1.000 Seiten fulminant, damit lüftet die Autorin auch das Geheimnis um Sanchias Herkunft.

Neben einer flüssig geschriebenen Geschichte erfährt der Leser viele Details über das Leben in der Serenissima im ausgehenden 15. Jhd. Dabei trifft man historische Persönlichkeiten wie u.a. Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Vertreter der Familien Borgia und Medici sowie Girolamo Savonarola. Gekonnt verknüpfte Charlotte Thomas das Leben dieser realen Personen mit dem der fiktiven in ihrem Roman. Das gelingt ihr so gut, dass ich den Eindruck bekommen konnte, als stiller Beobachter in die Handlung involviert zu sein. Schließlich lebte ich mit den Protagonisten, lachte, weinte liebte und litt mit ihnen und versuchte ihre Gedanken zu ergründen. Das viel genannte Kopfkino schaltete sich bereits nach wenigen Seiten ein.

Sehr gut gefallen haben mir Erläuterungen zum Alltagsleben in der damaligen Zeit, wie z. B. zur Glas- und Spiegelherstellung, zur Medizingeschichte und zum Klosterleben. Dadurch, dass die handelnden Personen in diesem Roman so unterschiedlichen Schichten und Verhältnissen entstammen, entstand mit diesem Buch ein glaubwürdiges, weil durch sorgfältige Recherche fundiertes, Zeit- und Sittenbild der venezianischen Renaissance.

Die Madonna von Murano“ist in einer einfachen, der Handlungszeit angepassten, schönen Sprache geschrieben. Der Spannungsbogen wurde von Beginn an konsequent aufgebaut und wurde durch ein grandioses Finale gelöst. Trotz der 1.028 Seiten gab es keine Längen. Im Gegenteil, der Wunsch weiterzulesen, mehr zu erfahren wurde ständig stärker.

Auf dem Schutzumschlag wird dieser Roman als „Ein prächtiger historischer Bilderbogen voller Abenteuer, Intrigen und Leidenschaft – ausgebreitet vor der einzigartigen Kulisse Venedigs“ angepriesen. Dem kann kaum noch etwas hinzugefügt werden. Für mich ist dieses Buch ein Highlight in meinem Lesejahr.

Aber nicht nur der Inhalt überzeugte mich, auch die Aufmachung des Buch ist erwähnenswert, schönes Papier, ein Lesebändchen, ein Personenverzeichnis, ein Glossar und liebevolle Illustrationen machen das Buch zu einem „Hingucker“.

Gebundene Ausgabe: 1040 Seiten
Verlag: Ehrenwirth; Auflage: 2 (20. Februar 2007)
ISBN-13: 978-3431036992
Gelesen: Oktober 2007

 

Anne Tyler - Damals als wir erwachsen waren

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Wieder einmal ist es Baltimore, wo Anne Tyler die Geschichte um Rebecca und ihre Familie angesiedelt hat. Rebecca ist 53 Jahre alt und der Überzeugung, dass die Person zu der sie geworden ist, nicht zu ihr passt. Sie ist das weibliche Oberhaupt einer skurril-chaotischen Familie und richtet Partys für andere Leute aus. In Gedanken unternimmt sie eine Reise in ihre Vergangenheit Sie hinterfragt ihre sehr schnell geschlossene Ehe. Mit ihrer Jugendliebe nimmt sie wieder Kontakt auf und dazwischen bekommt der Leser einen recht umfassenden Eindruck vom hektischen und mitunter unübersichtlichen Leben der Familie Davitch.

Rebecca selbst machte auf mich eher den Eindruck einer etwas unreifen Frau. Ihre Entscheidungen waren für mich nur selten nachvollziehbar.

Das Buch war flüssig zu lesen, im typischen Anne-Tyler-Stil, den ich eigentlich gern mag. Trotzdem konnte mich dieses Buch nicht in dem Maße in den Bann ziehen wie andere der Autorin. Diesem Roman fehlte das gewisse Etwas, das sich so schwer beschreiben lässt. Es war mir ein wenig zu amerikanisch, zu chaotisch und zu oberflächlich.

Anne Tyler ist eine meiner Lieblingsautorinnen. Deshalb war sicher die Erwartungshaltung, mit der ich an dieses Buch ging, deutlich höher.

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Krüger, Frankfurt; Auflage: 1 (Februar 2003)
ISBN-13: 978-3810519252
Gelesen: September 2007

Jonathan Safran Foer - Extrem laut und unglaublich nah

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Dieses Buch ist eines der ungewöhnlichsten Bücher, welches ich bisher gelesen habe, das betrifft nicht nur die Typographie, es betrifft auch den Protagonisten.

“Extrem laut und unglaublich nah” hat mich ziemlich schnell gepackt. Mit klugen und schön gesetzten Worten führte Foer den Leser förmlich in einen Irrgarten, der sich langsam zum Ende hin entwirrte.

Gefallen hat mir die Suche Oskars nach Mr. bzw. Mrs. Black. Die Personen, die Foer beschrieb, waren alle auf ihre Art einzigartig, teilweise waren sie skurril, andere waren wieder ganz normale Mitmenschen. Auch die Geschichte, die die Großeltern zu erzählen hatten, hat mich berührt, obwohl deren Beziehung schon äußerst merkwürdig war. Oft ertappte ich mich dabei, dass ich eigentlich immer von ihnen mehr erfahren wollte als von Oskar.

Mein einziger Kritikpunkt an diesem Buch betrifft Oskar. Er ist für einen 9-jährigen nicht wirklich altersgerecht dargestellt. Besonders störten mich seine sexuellen Gedanken, Äußerungen und Fragen. Hätte mein Sohn in diesem Alter solche Gedanken geäußert, wäre ich hoch besorgt mit ihm zum Psychologen gegangen. Ehrlicherweise muss ich aber auch schreiben, dass mich dies in der 2. Hälfte des Buches nicht mehr so gestört hat. Vielleicht war es eine Art Gewöhnung. Ich habe leider nicht erkannt, was Jonathan Safran Foer bewogen hat, den Jungen dermaßen zu überzeichnen.

In diesen Roman baut der Autor eine den Atombombenabwurf auf Hiroshima betreffende Episode ein, diese konnte ich bis zum Ende nicht eindeutig in diesen Roman einordnen.

Die Erinnerungen an den Vater waren sentimental und Foer drückte schon auf die Tränendrüse. Aber es ist der Vater eines 9-jährigen ums Leben gekommen. Dieser Vater wird für den Jungen immer auf einer Art Sockel stehen. Alles was den Vater betrifft, gerät ins Licht von etwas ganz Besonderem. Für mich war es nicht zu sentimental. Und als Oskar dem William Black dann erzählte, er konnte um 10.26 Uhr nicht ans Telefon gehen als sein Dad zum letzten mal anrief und er das was dann geschah wirklich live am Anrufbeantworter mithörte, musste ich auch mit den Tränen kämpfen.

Die Fotos haben das Buch abgerundet, nur die auf den letzten Seiten fand ich grausam, nachdem ich nicht umhin kam Daumenkino zu spielen. Das ging mir durch und durch.

Mein Fazit: “Extrem laut und unglaublich nah” ist ein ungewöhnliches Buch, das aus der Masse der Bücher herausragt. Es zählt für mich zu den Büchern, die mit jedem Lesen besser werden, weil man neue Details erkennt, die vorher einfach überlesen wurden. Dieser Roman ist vielschichtig und gut geschrieben. Er macht Lust auf weitere Foers.

Broschiert: 436 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.)
ISBN-13: 978-3596169221
Gelesen: September 2007

 

John Boyne - Der Junge im gestreiften Pyjama

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Gerade habe ich dieses Buch beendet, ein Gänsehautgefühl blieb zurück und auch gedanklich kann ich mich momentan noch nicht so ganz von diesem Buch lösen.

Als erstes fiel mir der ungewöhnliche Klappentext auf, der ausnahmsweise gar nichts verrät, sondern explizit darauf hinweist, dass es für den Leser besser ist, wenn er nichts vorher weiß.

Unter dem Titel stand “Fabel”. Hmmm. Ich erwartete ja einen Roman und mit der entsprechenden Verwunderung und Neugier begann ich das Lesen. Über den Inhalt will ich hier auch nichts weiter schreiben, nur über die Wirkung. Das Buch las sich schnell und flüssig und nur ungern unterbrach ich. Schnell stellte ich auch fest, es ist wirklich eine Art Fabel.

Der Stil von John Boynes Buch ist geprägt durch Vergleiche, Auslassungen, Andeutungen und durch die große Naivität des Protagonisten. Vieles bleibt unausgesprochen, doch der Leser weiß, es ist das Grauen für das es keiner Worte bedarf. Gerade das war es, was mich in den Bann dieses Buches zog. Viele Romane über das 3. Reich habe ich bereits gelesen. Aber meistens zeichneten die sich durch detailgetreue Schilderungen von Gräueltaten und den Zuständen in Konzentrationslagern aus. “Der Junge im gestreiften Pyjama” ist wegen des bewussten “Wegblendens” nicht weniger intensiv. Denn die eigene Phantasie beginnt dann aktiv zu werden, wenn der Autor aufhört zu beschreiben. Es muss den jugendlichen Lesern der Schrecken nicht detailliert präsentiert werden. Sicher werden die Jugendlichen dazu Fragen haben, dann sollten die Eltern, Großeltern oder auch die Lehrer entscheiden, in wie weit die Jugendlichen mit Einzelheiten konfrontiert werden können. Ich persönlich würde dieses Buch einem Schüler erst als Lektüre empfehlen, wenn der Geschichtsunterricht die notwendigen Grundlagen gelegt hat. Empfehlenswert ist es auf jeden Fall für Jung und Alt.

OT: The boy in the striped Pyjama
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Fischer, S., Verlag GmbH
ISBN-13: 978-3596852284
Gelesen: September 2007

Iris Kammerer - Der Pfaffenkönig

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Iris Kammerer führt den Leser ins mittelalterliche Thüringen. Heinrich Raspe von Thüringen kam schwer verletzt von seinem letzten Feldzug zurück auf die Wartburg. Im Sterben liegend erinnert er sich an die Stationen seines Lebens, die die Autorin mittels eingefügter Rückblenden in dem Roman verarbeitet. Er erzählt seiner Frau Beatrix davon und lässt mit seinem Getreuen Wigo die Vergangenheit Revue passieren.

Er berichtet vom Leben seiner Schwägerin, der Frau seines älteren, aber bereits verstorbenen Bruder Ludwig, die als die Heilige Elisabeth in die Geschichte einging. Heinrich hat sie sehr geliebt. Diese Liebe wurde von ihr aber nicht erwidert. Elisabeth widmete ihr Leben nach dem Tod Ludwigs nur noch Gott und den Armen.

Heinrich erinnert sich an Fehden und Intrigen zwischen Herrschern und der Kirche. Dieser Zwist mündet letztlich darin, dass Heinrich sich zwischen Kaiser und Papst entscheiden muss.

Iris Kammerer hat einen Roman geschrieben, der sich nicht einfach nebenbei lesen lässt. Ich musste mich auf dieses Buch konzentrieren und mich durch manches Kapitel quälen. Erschwerend kam für mich hinzu, dass einige historisch bedingte Namensgleichheiten auftraten. So gab es die eine Elisabeth in Gestalt der Elisabeth von Thüringen und die andere als Gemahlin von Heinrich. Ein Personenverzeichnis wäre hilfreich gewesen.

Der sprachliche Stil Iris Kammerers ist bestechend klar und der Zeit angepasst. Bei manchen Redewendungen und längst in Vergessenheit geratenen Begriffen war ich dankbar, dass „Der Pfaffenkönig“ ein Glossar enthielt.

In diesem Roman finden eine Unmenge historischer Fakten ihren Niederschlag. Für den Hobby-Historiker mag dies ein Leckerbissen sein. Für den interessierten Leser ist es stellenweise ein wenig zu viel des Guten. Auf jeden Fall aber ist das Beweis für eine äußerst sorgfältige Recherchearbeit und die Liebe fürs Detail von Iris Kammerer.

Was ich wirklich kritisch anmerken möchte – dafür kann allerdings die Autorin nichts – ist die schlechte Papierqualität. Dieses raue, dicke Papier mag für eine Fibel im 1. Grundschuljahr geeignet sein, jedoch nicht für einen Roman, der auch an seine Leserschaft bestimmte Ansprüche stellt. Da wurde vom Aufbau Verlag an der falschen Stelle gespart.

Mein Fazit: „Der Pfaffenkönig ist ein anspruchsvoller, sprachlich sehr gelungener historischer Roman, der seinem Leser einiges an Geduld und Konzentration abverlangt.

Broschiert: 420 Seiten
Verlag: Aufbau Tb; Auflage: 2., Aufl. (Dez. 2006)
ISBN-13: 978-3746622958
Gelesen: September 2007

 

Günter Ogger - Die Abgestellten

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Fast täglich berichten die Medien im Wirtschaftsteil der Nachrichten von Stellenabbau , Unternehmensverlagerungen oder Verschlankung von Organisationsstrukturen. Einkäufer und Vertriebsmitarbeiter, Buchhalter und Controller werden durch moderne Informationstechniken verdrängt. Können Abläufe nicht automatisiert werden, verlagert man sie in Länder in denen die Personalkosten weitaus geringer sind. Von den 18 Millionen Angestelltenjobs in Deutschland ist jeder zweite in Gefahr.

Kritisch betrachtet Günter Ogger die Zustände in den verschiedenen Branchen. An konkreten Beispielen und unter Nennung von Personen und Firmen zeigt er auf, wie Stellenabbau betrieben wird und die Mitarbeiter häufig vor die Entscheidung gestellt werden, entweder länger für weniger Geld zu arbeiten oder den Job zu verlieren. Dabei beleuchtet er die Rollen, die Manager, Gewerkschaften und auch Politiker dabei spielen und findet auch Bezüge zu den aktuellen Korruptionsskandalen.

Die Zukunft der abgestellten Angestellten sieht der Wirtschaftsjournalist in Zeitarbeitsfirmen, in befristeter und Teilzeitarbeit und in der weiteren Verbreitung von Minijobs. Eine Zunahme von so genannten „prekären“ Arbeitsverhältnissen, die kaum soviel abwerfen, dass es zum Leben reicht, ist unausweichlich. Der Mittelstand bricht langsam weg und wie zum Hohn für die Betroffenen werden und wurden Entlassungen mit Kursgewinnen an den Börsen belohnt.

Der Niedergang der Arbeiterklasse erscheint harmlos im Vergleich zu dem Drama, das die rund 18 Millionen Angestellten erfasst hat: Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes wird unser Land gründlicher verändern als die Wiedervereinigung.“

Um den Verfall des Angestelltentums zu erklären, blickt Günter Ogger in der Geschichte weit zurück und beschreibt den kontinuierlichen Aufstieg und die Entwicklung dieses Standes. Er nennt Privilegien, die den Angestellten in vergangenen Zeiten sicher waren und beschreibt die Ängste, die diese Beschäftigten heute begleiten.

Der Autor zeigt nicht nur mit dem Finger auf eine Wunde der deutschen Wirtschaft. Er analysiert, hinterfragt, sucht Ursachen und findet Antworten. „Die Abgestellten“ ist ein sehr zeitnahes aktuelles Buch. Viele Sachverhalte sind zwar aus Presse, Rundfunk und Fernsehen bekannt. Die Hintergründe dazu verdeutlicht Günter Ogger auf verständliche und nachvollziehbare Weise.

Ich empfand dieses Buch als sehr nachdenklich machend und fast schon bedrückend. Denn eine Problemlösung zeichnet sich nur dahingehend ab, dass die Angestellten selbst durch deutlich mehr Flexibilität, Spezialisierung und den Verzicht auf traditionelle Karrieren eine Zukunft haben.

Günter Oggers Werk ist aber keine Anklageschrift gegen ein Wirtschaftssystem bzw. dessen Manager. Er untertitelte sein Buch als „ein Nachruf auf den festen Arbeitsplatz“. Diesem Untertitel wird es zweifelsfrei gerecht.

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann (September 2007)
ISBN-10: 3570009602
ISBN-13: 978-3570009604
Gelesen: September 2007