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29.7.2008 von Karthause.

Inhaltsangabe (Achtung! Hier wird der gesamte Inhalt wiedergegeben.)
1859 rettete der aus bäuerlichen Verhältnissen stammende, junge Infanterieleutnant Joseph Trotta Kaiser Franz Joseph I. in der Schlacht von Solferino das Leben. Die für den Kaiser bestimmte Kugel traf den Leutnant in die Schulter. Aus Dankbarkeit verlieh ihm der Kaiser den Maria-Theresia-Orden, beförderte ihn zum Hauptmann und erhob ihn in den Adelsstand. Jahre später, Joseph von Trotta und Sipolje war inzwischen verheiratet und hatte einen Sohn, Franz. Als er im Lesebuch seines Sohnes die Geschichte seiner Heldentat völlig verändert las. Er bat um eine Audienz beim Kaiser und trug ihm seine Beschwerde vor. Franz Joseph versuchte ihn zu beschwichtigen und riet ihm, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Joseph von Trotta zog für sich die Konsequenzen und schied als Major und in den Freiherrenstand erhoben aus dem Militär aus.
Seinen herangewachsenen Sohn drängte er in eine Beamtenkarriere. Franz studierte Jura und wurde später Bezirkshauptmann in einer Stadt in Mähren. Der Held von Solferino war zwischenzeitlich verstorben, Baron Franz von Trotta und Sipolje führte das regelmäßige Leben eines Beamten der k.u.k. Monarchie. Am Sonntagmorgen erklang der Radetzkymarsch, am Mittag gab es Tafelspitz, am Nachmittag kam der Kapellmeister zu den von Trottas auf Besuch.
Sein Sohn Carl Joseph von Trotta ging nach Beendigung der Schule zum Militär. Bei den Ulanen lebte er zwischen Exerzierplatz und Kasino, auf dem Klavier des Bordells wurde immer wieder der Radetzkymarsch gespielt. Aber Carl Joseph fand in seinem Leben beim Militär keine Erfüllung. Er sehnte sich nach einfachen Arbeiten auf dem Land. In seinem Regiment lernte er den Arzt Max Demant kennen. Beide wurden Freunde. Für Max war das wohl der einzige Freund, den er je hatte. Unglückliche Umstände führten dazu, dass Demant in einem Duell ums Leben kam. Carl Joseph hinterließ er seinen Säbel und seine Taschenuhr. Weil Carl Joseph eine Mitschuld am Tod seines Freundes sah, ließ er sich in das in Grenznähe zu Russland stationierte Jägerbataillon versetzen. Dort tickten die Uhren anders. Der Kaiser wurde salopp nur Franz Joseph genannt, wenn von ihm die Rede war und der Graf Chojnicki sah bereits die Monarchie zerfallen. Carl Joseph tappte blauäugig in eine Schuldenaffäre. Das hatte einen erheblichen Ehrenverlust zur Folge und er musste mit der unehrenhaften Entlassung aus dem Militär rechnen. Aber noch immer schützte der Kaiser die von Trottas. Er ließ die Sache erledigen. Die Heldentat des Großvaters zahlte sich noch immer aus. Nachdem der Kaiser die unsäglich Affäre um Carl Joseph beendet hatte, die Schulden beglichen waren und Kapturak die Garnisonsstadt verlassen hatte, quittierte der Enkel des Helden von Solferino den Dienst. Vom Grafen Chojnicki bekam er ein Häuschen zugeteilt, dass er sich mit dem Förster teilen musste. Er kümmerte sich nun um die Abrechnungen des Grafen. Ich hatte den Eindruck, dass er zum ersten Mal wirklich zufrieden war. Er hatte seine Scholle gefunden. Aber dann kam der Krieg und er nahm die Uniform wieder und ging zu seinem Jägerbataillon zurück. Nach einem langen Marsch war die Truppe durstig. Carl Joseph von Trotta ging zum Brunnen, um Wasser zu holen. Auf dem Rückweg trafen ihn feindliche Kugeln. Er fiel nicht mit dem Gewehr in der Hand, sondern mit zwei Wassereimern. Er war nicht der Held, sondern nur der Enkel des Helden.
Meine Meinung
„Radetzkymarsch“ habe ich als ein ganz wunderbares Buch empfunden. Joseph Roth ist ein wahrer Künstler des Wortes. Seine Beschreibungen haben mich tief beeindruckt. Er kann mit einfachen Worten eine Atmosphäre schaffen, die für den Leser spürbar und erlebbar wird. Ich habe lange kein Werk ähnlicher Brillanz gelesen. Die Charaktere sind hervorragend gezeichnet, die Handlungen dieser dazu stimmig. Joseph Roth vermag aber auch hintergründige Ironie, die stellenweise schon ins Satirische überging, gekonnt und bewusst einzusetzen.
Die Protagonisten symbolisieren mit ihrem Stand in der Gesellschaft die Säulen der k.u.k. Monarchie. Der Großvater, Held von Solferino, steht für das noch „gesunde“ Militär, die funktionierende Stütze der Gesellschaft. Franz von Trotta als Bezirkshauptmann verkörpert das Beamtentum, er ist ein treuer Diener des Staates. Der weichliche Carl Joseph von Trotta fühlt sich in seiner Rolle bei der Armee nicht wohl. Er sehnt sich zurück zu den Wurzeln der Familie und repräsentiert so den Untergang des Systems. Roth zeichnet Bilder mit Symbolcharakter in dieses Buch, am meisten beeindruckten mich die Krähen als Prophetenvögel und die Stimmung am Vorabend des I. Weltkrieges. Und durch die ganz gesamte Handlung zieht sich unaufdringlich der Radetzkymarsch.
Auffällig war auch, dass es in diesem Buch kaum Frauen gab, die in die Handlung eingriffen. Das empfand ich jedoch nicht als Mangel, sondern als direkte Folge der doch recht militärlastigen Handlung.
Mein Fazit: „Radetzkymarsch“ ist ein äußerst gelungenes Werk, das den Niedergang der k.u.k. Monarchie auf sehr einprägsame Weise beschreibt. In meiner persönlichen Bestenliste wird es ganz weit oben einen Platz finden. „Kapuzinergruft“ werde ich in kürze lesen. Die Erwartungen daran sind entsprechend hoch.
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN-13: 978-3462034622
Geschrieben in 2008, Klassiker/Weltliteratur, Meine Besten | Keine Kommentare »
22.7.2008 von Karthause.

1. Fall
Eine ostfriesische Kleinstadt wird von einer grausamen Mordserie erschüttert. Schnell wird klar, zwischen den Opfern gibt es eine Verbindung, den Verein „Regenbogen“, der sich die Hilfe für Behinderte zur Aufgabe gemacht hat, aber nicht unumstritten ist. Jedoch bleiben das Motiv und der Täter lange unbekannt.
Die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen ermittelt auf sehr sympathische Weise. Sie tritt nicht als Super-Women auf, sondern ist eine Frau, der der Spagat zwischen Beruf und Familie nicht so gelingt wie Ehemann und Sohn sich das wünschen. So sucht der Mann Trost bei einer anderen Frau, die so völlig anders ist als seine Ehefrau. Die Ehepartner trennen sich, der Sohn geht mit dem Vater und Ann Kathrin Klaasen steht privat vor dem Nichts.
Eigentlich mag ich die typischen Sonntagabendkrimis im Stil von Tatort und Co. nicht sonderlich. „OstfriesenKiller“ ist aber auf seine Art erfrischend anders. Die Personen sind alle sehr authentisch und lebensecht gezeichnet. Ich empfand sie als glaubwürdig. Sie hatten alle, begonnen bei der Kommissarin über die Vereinsmitglieder bis hin zum Täter, ihre Ecken und Kanten. Auch das Motiv, dass zu dem Morden führte, war überzeugend. Allein die Geschichte um die zerrüttete Ehe der Ann Kathrin Klaasen bietet Stoff für einen eigenen Roman. Gern hätte ich mehr über diese Nebengeschichte gelesen. Klaus-Peter Wolf steigerte die Spannung auf unaufdringliche, leise Weise ohne besonders actionlastig zu sein. Ich wurde förmlich von diesem Krimi erfasst und mit der Handlung mitgezogen. Das Gefühl ein Leser zu sein ging völlig verloren, ich fühlte mich eher wie ein stiller Beobachter.
Dem Autor ist es ausgesprochen gut gelungen, die Besonderheiten Ostfrieslands und seiner Bewohner einzufangen. Er hat die typische Atmosphäre ganz wunderbar transportiert.
Als einzigen Kritikpunkt sehe ich die Ankündigungen, wie lange ein auserkorenes Opfer noch zu leben hat. Das hat ein wenig die Spannung gemildert. Trotzdem war ich über die Auflösung erstaunt, die Hinweise am Anfang des Buches hatte ich nicht erst genommen.
Mein Fazit: „OstfriesenKiller“ ist ein ruhiger, trotzdem blutiger und spannender Krimi, den ich so nicht erwartet hätte. Ich danke dem Zufall, der mir dieses Buch in die Hände spielte. Der nächsten Fall der Kommissarin Klaasen wird mir nicht entgehen.
Broschiert: 311 Seiten
Verlag: Fischer
ISBN-13: 978-3596166671
Geschrieben in 2008, Krimi/Thriller | 5 Kommentare »
21.7.2008 von Karthause.

Dieser Roman von Deana Zinßmeister führt den Leser ins Eichsfeld des Jahres 1617. An fünf Schicksalen schildert die Autorin die Zeit kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg.
Die junge Katharina soll nach dem Tod ihrer Schwester an deren Stelle treten, deren Mann heiraten und den Kindern die Mutter sein. Aber sie stellt sich ihr Leben gänzlich anders vor. Ihr Traum ist es, wie einst die heilige Elisabeth von Thüringen, ihr Leben in den Dienst der Armen und Bedürftigen zu stellen. Zudem ist ihr der Schwager zuwider, der wiederum will ihr ihren Einsatz für die Armen verbieten. Als Ausweg bleibt ihr nur die Flucht.
Johannes, der älteste Sohn und somit der Erbe eines reichen Bauern, verliebt sich in die Magd Franziska. Diese ist in den Augen der Eltern nicht standesgemäß. Johann soll seinesgleichen heiraten, Reichtum muss beisammen gehalten und durch günstige Heirat gemehrt werden. Johann will aber seinem Herzen folgen. Vom Vater wird er wegen seiner Sturheit fast zu Tode geprügelt, Franziska flieht als die Gerüchte, sie sei eine Hexe, nicht verstummen, Johann folgt ihr kurze Zeit später.
Clemens lebt gemeinsam mit seiner Schwester Anna und deren Mann auf dem Hof der verstorbenen Eltern. Seinem Schwager geht es nur um Geld und dabei wirtschaftet er den Hof herunter. Clemens und seine Schwester sind ihm bei seinen Plänen im Weg. Anna will er in ein Kloster abschieben und für Clemens bereitet er ein Mordkomplott vor. Er kommt nur knapp mit dem Leben davon und muss fliehen.
Burghart, der Franziskanermönch, kann die Hexenprozesse nicht mehr ertragen, denen er beiwohnen muss. Er ist zwar der Überzeugung, dass den Hexen das Handwerk gelegt werden muss, aber die Vorgehensweise verabscheut er zutiefst. Die Umstände zwingen auch ihn zur Flucht.
Deana Zinßmeister erzählt die Geschichten der Protagonisten parallel. Ich brauchte einige Zeit um mich an diesen Stil zu gewöhnen, musste ich doch zu Beginn eines jeden überlegen, in welcher Geschichte ich mich gerade befinde. Verbindungen zwischen den Hauptpersonen gibt es nicht. Entschädigt dafür wurde ich durch die hervorragende Recherche der Autorin. Ein Quellenverzeichnis am Ende eines Romanes ist schon eher etwas Ungewöhnliches und belegt ihre Exaktheit. So fanden die Fakten zur Denunziation, zur Hexenverfolgung, zur Folter, zur peinlichen Befragung, zu Hexenproben und letztlich auch zur Verbrennung der Hexen in diesem Buch ihre Verwendung. Dies ging meines Erachtens ein wenig zu Lasten der Handlung, die doch ein wenig schwer in Gang kam, in der Mitte des Buches aber begann mich zu packen und sich zum Ende hin dann sehr steigerte.
Mit diesem Roman widmete sich die Autorin einem völlig anderen Thema als in den erfolgreichen Vorgängerromanen. Diesen Schritt fand ich mutig und gelungen. Sprachen ihre ersten beiden Romane vornehmlich Herz und Seele des Lesers an, so wurde in diesem auch der Geist gefordert.
Mein Fazit: „Das Hexenmal“ ist ein flüssig zu lesender, sehr gut recherchierter historischer Roman, der, wenn man in ihn eingetaucht ist, gute Unterhaltung bietet und fundiertes Wissen über die Zeit der Hexenverfolgung vermittelt.
Broschiert: 510 Seiten
Verlag: Goldmann
ISBN-13: 978-3442467051
Geschrieben in 2008, History | Keine Kommentare »
12.7.2008 von Karthause.

In Natchez wurde am Ufer des Mississippi die halbnackte Leiche der 17jährigen Kate gefunden. Ein Schock lag über der amerikanischen Kleinstadt und schnell war ein Tatverdächtiger gefunden, der angesehene, verheiratete Arzt Drew Elliot. Er war am Tatort. Er hatte ein Verhältnis mit der Minderjährigen und ein Motiv war auch schnell gefunden. Denn es stellte sich heraus, dass Kate schwanger war. Drew bat seinen langjährigen Freund, den ehemaligen Staatsanwalt Penn Cage, der seit dem Tod seiner Frau sehr zurückgezogen lebt und Romane schreibt, um seine Verteidigung. Doch für Penn wurde sehr schnell klar, dass hinter diesem Mord sehr viel mehr steckt, als auf den ersten Blick zu vermuten war. So ermittelte Penn Cage auf eigene Faust. Die örtliche Polizei war ihm keine echte Hilfe, sie war durch den Streit um Kompetenzen im Tun behindert, außerdem war für sie die Überführung des Mörders nur noch eine Formsache, der mutmaßliche Täter saß schließlich bereits in Untersuchungshaft. Der politisch ambitionierte farbige Staatsanwalt plante, an dem weißen Arzt ein Exempel zu statuieren und mit aller Härte des Gesetzes durchzugreifen. Das sollte ihm den Weg auf den vakanten Bürgermeisterstuhl ebnen, aber auch Penn Cage dachte über seine eigene Bewerbung für diese Position nach. Bei seiner Recherche wirbelt Cage viel Staub auf und macht sich damit, die auch zum letzten Mittel greifen würden.
Greg Iles Thriller spielt in der amerikanischen Kleinstadt Natchez, die schon bedeutend bessere Zeiten gesehen hatte. Mord, Korruption, Drogenkriminalität, organisiertes Verbrechen, politische Intrigen und Erpressung, aber auch Rassenkonflikte und Bandenrivalität spielen in diesem Ort eine nicht unwesentliche Rolle. Der Mord an der Schülerin ist nur die Spitze des Eisberges. Zwischen der detektivischen Arbeit Penns und den Auseinandersetzungen mit der Staatsanwaltschaft fügt Greg Iles sehr glaubwürdige und reale Bilder einer sterbenden Kleinstadt ein. Die Jugendlichen, die im Ort bleiben, haben kaum eine Perspektive. Viele Ältere haben resigniert und sich in die Situation ergeben. So ist die Kriminalität und der Drogenkonsum entsprechend hoch. Eine brisante Thematik, die hochaktuell ist und nicht nur für diese Stadt in den USA Gültigkeit besitzt. Die Aufkläung des Mordfalles im Zusammenhang mit den offensichtlichen Problemen der Stadt fand ich als sehr gelungen.
„Blackmail“ ist sehr flüssig zu lesen. Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten, obwohl ich schon recht zeitig einen Verdacht hegte. Aber es gab immer wieder geschickt eingebaute Wendungen und Verwicklungen, die diesen Thriller nicht vorausschaubar machten. Lediglich das Ende steht in einem doch krassen Widerspruch zu meinem Rechtverständnis. Aber in diesem fiktiven Buch kann ich mit dem Ausgang gut leben.
Broschiert: 640 Seiten
Verlag: Lübbe
ISBN-13: 978-3404158027
Geschrieben in 2008, Krimi/Thriller | Keine Kommentare »
11.7.2008 von Karthause.
Meine Leseerlebnisse vom Monat Juni warten noch auf ihre Zusammenfassung. Insgesamt waren lauter interessante Bücher bei mir am Start. Das Ungewöhnlichste für mich war wohl „Feuchtgebiete“. Es hat mich zwar irgendwie gelangweilt, aber schleicht sich doch immer wieder in meinen Kopf zurück. Heute las ich, dass es als Theaterstück auf die Bühne gebracht werden soll.
960 Seiten Die Lagune des Löwen – Charlotte Thomas
219 Seiten Feuchtgebiete – Charlotte Roche
206 Seiten Weg damit! Entrümpeln befreit. - Rita Pohle
464 Seiten Einmal Hölle und zurück! - Carla van Raay
720 Seiten Die Kapelle der Glasmaler – Kirsten Schützhofer
411 Seiten Flieh, wenn du kannst - Joy Fielding
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2.980 gelesene Seiten im Juni
Geschrieben in 2008, Lese-Statistik | 3 Kommentare »
4.7.2008 von Karthause.


Bonnie Wheeler lebt mit ihrer Tochter Amanda und ihrem Ehemann Rod in einer heilen Welt. Bis sie eines morgens von der geschiedenen Frau ihres Mannes angerufen und diese Bonnie erklärt, sie und Amanda seien in Gefahr. Daraufhin verabreden sich die beiden Frauen. Als Bonnie am verabredeten Ort eintrifft findet sie Joan – sie ist tot.
Die Polizei hat somit eine Verdächtige, die die ungeliebte Vorgängerin aus dem Weg geräumt haben könnte. Aber auch Rod könnte ein Motiv haben. Schließlich hat er die Verdoppelungsklausel in der Lebensversicherung abgeschlossen, die auch bei einem Mord greifen würde. Bonnie beginnt eine Recherche auf eigene Faust und mehr als einmal zweifelt sie Liebe und Freundschaft an.
Joy Fielding kommt in diesem Buch gleich zur Sache. Ohne eine lange Einführung war ich als Leser mitten im Geschehen und der Spannungspfeil hatte mich getroffen. Ein typischer Fielding-Thriller also, den man nur ungern zur Seite legt. Der Stil ist flüssig und leicht zu lesen. Das muss in diesem Fall auch so sein, denn schließlich wollte ich vorankommen, wollte wissen, wer hat Joan umgebracht, warum wurde sie umgebracht, sind Bonnie und Amanda wirklich in Gefahr und wer bedroht sie? Mit meinen Verdächtigungen tappte ich ständig im Dunklen und jede endete immer mit der Erkenntnis, das derjenige nichts mit der Sache zu tun haben könne. Zum Schluss wird der Mord und die Bedrohung aufgelöst. Es kam fast völlig anders als ich erwartet habe.
Angenehm war, dass auch die Protagonistin keine Super-Women war. Sie war glaubhaft gestaltet mit ihren Ängsten, Zweifeln und Nöten. So, wie ich überhaupt sagen kann, dass die Figuren in diesem doch recht typisch amerikanischen Thriller recht gut gezeichnet und psychologisch durchdacht waren.
In der Mitte des Buches kommt Joy Fielding ein wenig ins Erzählen, die Spannung flacht für ein Weilchen etwas ab, aber nur um am Schluss noch einmal Hochspannung zu erzeugen.
Mein Fazit: Bei Joy Fielding finde ich immer spannende Unterhaltung, bei der ich nach einem stressigen Arbeitstag die Welt um mich für einige Zeit verdrängen kann.
Taschenbuch: 411 Seiten
Verlag: Goldmann TB
ISBN-13: 978-3442432622
Geschrieben in 2008, Krimi/Thriller | Keine Kommentare »
1.7.2008 von Karthause.

Frankreich im 13. Jh.. Clément ist ein angesehener Glasmaler. Er träumt davon einmal im Leben etwas zu schaffen, das der Schönheit Gottes angemessen ist. Nach der Beendigung seiner Arbeit in Rouen zieht er mit seiner Familie nach Paris, um als Glasmaler beim Bau der Sainte Chapelle zu arbeiten. Der Meister der dortigen Glasmaler ist Thomas. Beide kennen sich gut. Zu gut. Haben sie doch beide um Edwige geworben, die sich jedoch für Clément entschieden hat. Clément ist aber auf die Arbeit angewiesen und Thomas nutzt jede sich bietende Gelegenheit, um ihm zu zeigen, wer der Meister auf dem Bau ist. Seine Zurückweisung durch Edwige hat er nie verwunden, in seinem verletztem Stolz und seinem unberechenbaren Jähzorn sinnt er nach Rache. Neben diesem Haupthandlungsstrang werden noch die Geschichten des als Kind allein aufgefundenen Ghislain, der sich als Jongleur über Wasser hält und die des Baumeisters Pierre de Monteuil erzählt.
Dies war der erste Roman, den ich von der Autorin Kirsten Schützhofer gelesen habe. Wieder ein historischer Roman, in dem es um die Errichtung einer Kathedrale geht. Da schweifen die Gedanken schon mal zu Folletts „Die Säulen der Erde“ ab. Aber diesen Vergleich braucht die Autorin nicht scheuen. Im Gegenteil, mir hat dieser Roman deutlich besser gefallen als der Weltbestseller. Atmosphärisch dicht, in einer sehr schönen Sprache schildert Kirsten Schützhofer den Bau der Kirche. Vor dem inneren Auge habe ich das Werden dieses Bauwerks gesehen. Wie nebenbei erklärt sie das Handwerk. Die Arbeit der Glasmaler beschreibt sie in einer beeindruckenden Detailgenauigkeit. Auch die gewöhnlichsten Alltagssituationen, wie Wasser holen oder heizen, weiß Kirsten Schützhofer in die Handlung einzubauen, so dass der Leser sich gut in die damalige Zeit einfühlen kann. Abgerundet wird das Buch durch die fein gezeichneten Charaktere, denen jede Schwarz-Weiß-Malerei fehlt. Sie wirken wie aus dem Leben gegriffen, jeder hat sowohl gute als auch schlechte Seiten. Bei aller Erzählfreude der Autorin, die ich beim Lesen deutlich spüren konnte, gab es keine nennenswerten Längen in den Beschreibungen oder Handlungen.
Mein Fazit: „Die Kapelle der Glasmaler“ ist ein opulenter und farbenprächtiger Mittelalterroman. Kirsten Schützhofer hat es geschafft, diese Zeit für mich mit Leben zu füllen, ich konnte sowohl das Mittelalter sehen, riechen und hören, als auch mit den Protagonisten mitfiebern. Dies ist einer der besten historischen Romane, die ich bisher gelesen habe.
Taschenbuch: 720 Seiten
Verlag: Diana Taschenbuch
ISBN-13: 978-3453351523
Geschrieben in 2008, History, Meine Besten | 3 Kommentare »
1.7.2008 von Karthause.

Als Kind wurde Carla vom Vater missbraucht. Als junge Frau ging sie ins Kloster und musste die psychischen Quälereien der Nonnen über sich ergehen lassen. Als sie auch das nach Jahren nicht mehr aushält, ist ihr einziger Ausweg die Prostitution.
Carla van Raay hat in diesem Buch ihr Leben niedergeschrieben. In wie weit darin Ausschmückungen enthalten sind, kann ich nicht beurteilen und Vermutungen möchte ich nicht anstellen. Eins steht fest, sie hat ein schweres Schicksal in ihrem von großen Kontrasten geprägten Leben hinter sich. Carlas Geschichte hat mich betroffen gemacht, aber nicht so berührt, wie es andere Bücher dieses Genres schon taten. Dafür hatte es einfach zu viele Längen und die Sprache zeigte deutlich, dass das Schreiben nicht der Beruf der Carla van Raay ist. Trotzdem war es interessant zu lesen, wie Carla van Raay ihren Weg fand.
Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-13: 978-3426778241
Geschrieben in 2008, Biografie/Erfahrungen | Keine Kommentare »