Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs Karthauses bunte Bücherwelt für Juni, 2008.
25.6.2008 von Karthause.

Wer kennt das nicht, in den Schränken und Regalen sammeln sich im Laufe von Jahren Dinge an, die man unbedingt einmal brauchte und doch nie nutzte. Spätestens wenn die Schränke aus den Angeln gehen, stellt sich jeder wohl die Frage nach der Anschaffung eines weiteren Schrankes oder dem Aufraffen zum Entrümpeln. Frei nach dem Motto ‚Ballast belastet’ gibt Rita Pohle gute oder auch gut gemeinte Ratschläge zur Neuorganisierung. Einige Tipps waren mir schon bekannt, andere werde ich wohl nie anwenden. Aber es gab auch neue Impulse. Letztlich hat dieses Buch schon die Lust aufs Entrümpeln geweckt. Aber von liebgewordenen Dingen werde ich mich nicht trennen, nur um dadurch mehr Freiraum zu erhalten. Auch meine geliebten Bücher wandern nicht in den Altpapiercontainer. Mir war dieses Buch ein wenig zu esoterisch. Räuchern, klären und Energie aufladen sind nicht so meine Denkweise. Aber sicher kann jeder aus diesem Buch ein paar Anregungen entnehmen und sie umsetzen.
Taschenbuch: 206 Seiten
Verlag: Goldmann
ISBN-13: 978-3442165278
Geschrieben in 2008, Fach- und Sachbuch | Keine Kommentare »
23.6.2008 von Karthause.

Die 18-jährige Helen liegt nach einer missglückten Intimrasur wegen einer Analfissur im Krankenhaus. Diese Situation will sie ausnutzen, damit ihre geschiedenen Eltern wieder zusammenkommen. Als ihre Wunde aber schneller heilt, als sie ihr Vorhaben umsetzen kann, greift sie zum letzten Mittel, um ihren Aufenthalt verlängern zu können. Sie reißt sich ihre frische Operationswunde bewusst selbst auf. Soweit die eigentliche Handlung, dafür würden an sich 2 DIN A4 Seiten genügen. Die 219 Seiten des Buches werden gefüllt mit detaillierten Beschreibungen von Helens Körper, insbesondere der Körperöffnungen, ihres (sehr eigentümlichen) Hygieneverhaltens, ihrer Masturbationstechniken. Mir ist jetzt jeder einzelne Geschmack und Geruch der verschiedenen Körperflüssigkeiten der jungen Frau bekannt. Die Konsistenz würde natürlich nicht ausgelassen.
Nachdem „Feuchtgebiete“ sozusagen in aller Munde war – was für ein zum Buch passendes Wortspiel – wollte ich mir meine eigene Meinung darüber bilden. Ich habe sie mir gebildet. Das Buch empfand ich weder als ekelerregend noch als skandalös. Ich fühlte mich auch nicht provoziert. „Feuchtgebiete“ hat mich einfach nur gelangweilt. Auf gut 200 Seiten wird versucht, gegen Tabus anzuschreiben und dem gegenwärtigen Hygieneverhalten den Kampf anzusagen. Um dies zu erreichen, war die Autorin bemüht, sämtliche Fettnäpfchen zu betreten und dem Leser eine derb-vulgäre, eher gossenhaft wirkende Sprache zu präsentieren. Zwischenzeitlich war ich versucht dieses Buch zur Seite zu legen. Ich habe mich aber dann anders entschieden, nur um festzustellen, ob mir eine Grimmepreisträgerin wirklich nicht mehr zu sagen hat.
Ich gehe jedoch davon aus, dass Charlotte Roche akribisch für dieses Werk recherchiert hat. Das würde mich beruhigen, denn würde das doch beweisen, dass ich bedenkenlos öffentliche Toiletten auf jedwede Weise benutzen kann und mich trotzdem bester, wahrscheinlich sogar noch besserer Gesundheit erfreuen werde.
Mein Fazit: Ich kann Charlotte Roche nur zu ihrem Marketing-Erfolg gratulieren, ein literarischer Erfolg ist es wohl eher nicht. Für mich gehört dieses Buch in die Kategorie „Bücher, die die Welt nicht braucht“. Zum Glück war mein Exemplar nur ein geliehenes.
Broschiert: 219 Seiten
Verlag: Dumont Buchverlag
ISBN-13: 978-3832180577
Geschrieben in 2008, sonstiges | 1 Kommentar »
23.6.2008 von Karthause.

Venedig zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Laura, Antonio, Valeria und Carlo, der entflohene Sklave, müssen ihr Leben als Straßenkinder fristen. Während sich Valeria als Kinderhure Männern hingibt, sind die anderen als Diebe unterwegs. In dieser gemeinsamen Zeit ist zwischen den Kindern eine tiefe Verbindung gewachsen, die Jahre später noch Bestand hat. Alle vier haben ein schlimmes Schicksal hinter sich. In „Die Lagune des Löwen“ wird in verschiedenen Handlungssträngen deren Lebensweg mit Höhen und Tiefen erzählt. Ihre Wege kreuzen sich immer wieder und alle sind getrieben von dem Wunsch, nie wieder in solcher Armut leben zu müssen. Die Wege, die sie gehen, um ihr Ziel zu erreichen, können verschiedener nicht sein. Ich konnte die Höhen und Tiefen des Lebens der Protagonisten bis hin zu einem fulminanten Ende miterleben.
Auch dieser zweite Roman von Charlotte Thomas führte mich ins Venedig der Renaissance. Mir hat der Vorgängerroman „Die Madonna von Murano“ schon sehr gefallen und in gleich guter Weise wurde auch dieser Roman geschrieben. Wieder entstand in meinen Gedanken ein farbenprächtiges und detailreiches Bild der Serenissima vergangener Tage. Charlotte Thomas hat in ihren Roman eine Vielzahl von Charakteren und Schicksalen eingearbeitet, die fast alle Gesellschaftsschichten berühren. Die Schilderung der verschiedenen Lebensumstände empfand ich als glaubwürdig und die Dialoge waren sehr natürlich und ungekünstelt. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Protagonisten eine deutliche Entwicklung durchlebten. Ihre Charaktere waren sehr fein gezeichnet und wirkten sehr lebensecht.
Neben der eigentlichen Handlung bekam ich gut recherchierte Informationen zum historischen Hintergrund von den Lebensumständen und dem Handel in der damaligen Zeit, die geschickt mit dem Geschehen verwoben waren. Der Roman ließ sich sehr leicht lesen. Charlotte Thomas’ leichter, flüssiger Stil, der aber keineswegs seicht ist, hat mich auch in diesem Buch überzeugt. Besonders hervorheben möchte ich die Gestaltung des Buches. Es ist wahrer „Hingucker“. „Die Lagune des Löwen“ hat mich von der ersten Seite in seinen Bann gezogen, es hat mich sehr gut unterhalten und ich hatte sehr schöne Lesestunden.
Gebundene Ausgabe: 960 Seiten
Verlag: Ehrenwirth
ISBN-13: 978-3431037449
Geschrieben in 2008, History | Keine Kommentare »
10.6.2008 von Karthause.
Und wieder ist ein ganz besonderer Schriftsteller von uns gegangen.
Tschingis Aitmatow
12. November 1928 - 10.Juni 2008
Sein Buch “Dshamilja” werde ich immer in bester Erinnerung behalten.
Geschrieben in Allgemeines | 4 Kommentare »
5.6.2008 von Karthause.
Was für ein Monat. Seitenmäßig habe ich wohl einen persönlichen Rekord gebrochen, aber die Bücher haben auch das ihre dazu beigetragen.
637 Seiten Die letzte Spur – Charlotte Link
426 Seiten Ausgesetzt - James W. Nichol
154 Seiten Eine blassblaue Frauenschrift – Franz Werfel
445 Seiten Vater unser in der Hölle - Ulla Fröhling
590 Seiten Das Jesus Video – Andreas Eschbach
640 Seiten Bis ans Ende aller Tage – Jodi Picoult
2.892 gelesene Seiten
Geschrieben in Lese-Statistik | Keine Kommentare »
2.6.2008 von Karthause.

Emily Gold und Chris Hart kennen sich seit ihrer Geburt. Ihre Eltern sind beste Freunde und Nachbarn. So sind auch beide Seiten erfreut, als sich die enge Freundschaft zwischen den Emily und Chris in eine junge Liebe verwandelt. Sie sind unzertrennlich, teilen alles miteinander, Freude und Sorgen. Doch dann kommt der Tag, an dem für beide Familien die Welt aus den Angeln gehoben wird und Unvorstellbares geschieht. An der Frage Selbstmord, missglückter Doppelselbstmord oder Mord zerbricht die Freundschaft der Eltern. Das alles Bestimmende werden das Wie und das Warum.
„Bis ans Ende aller Tage“ ist der erste Roman, den ich von Jodi Picoult gelesen habe, deshalb kann ich nicht sagen, ob er typisch für die Autorin ist oder nicht. Mir hat er sehr gut gefallen. Binnen kürzester Zeit war ich in die Geschichte eingetaucht. Gleich zu Beginn des Buches wird der Tod von Emily offenbart und bis zum Ende bleibt der Spannungsbogen erhalten. Viele Gedanken wurden nur angerissen, andere bis zu Ende gedacht, Das Geschehen wurde aus verschiedenen Blickwinkeln heraus betrachtet. Das Handeln der einzelnen Personen wurde so beschrieben, dass jedes Tun nachvollziehbar war. Die Autorin beleuchtet jeden einzelnen Charakter und ergründet ihn. Das hat mir sehr gut gefallen. Die beiden Familien sind bis zum Tod von Emily ganz normale amerikanische Familien, mit einem ganz normalen Alltag und ganz normalen Problemen. Dieses Leben wird von Jodi Picoult gekonnt beschrieben, aber so dass durch diese Normalität keine Langeweile aufkommt.
Jodi Picoult schreibt in einem sehr schönen, warmen Stil, der wirkliche Lesefreude aufkommen lässt. So verschlang ich dieses Buch in kürzester Zeit. Es hat mich emotional sehr berührt. Trotzdem möchte ich ihm nur 4 von 5 Sternen geben. Denn nach der Lektüre blieben für mich mehrere Fragen offen. Da diese ungeklärten Sachverhalte im Buch jedoch eine nicht unerhebliche Bedeutung hatten, fühle ich mich jetzt genötigt zu spekulieren und das empfinde ich in diesem Fall als unbefriedigend.
Broschiert: 640 Seiten
Verlag: Piper
ISBN-13: 978-3492248303
Geschrieben in 2008, Belletristik | Keine Kommentare »