Archive für Mai 2008

Andreas Eschbach - Das Jesus Video

    

Der junge Amerikaner Stephen Foxx stößt bei Ausgrabungen in Israel auf einen sensationellen Fund. In einem 2.000 Jahre alten Grab liegt die Bedienungsanleitung einer Videokamera, die frühestens in drei Jahren auf den Markt kommen wird. Der Geldgeber der Ausgrabung, der schwerreiche Medienmagnat John Kaun, reist persönlich an, um die Nachricht als erster senden zu können. Verschiedene Theorien, wie die dieses Papier in das Grab gekommen sein könnte, werden diskutiert und wieder verworfen. Die zentrale Frage aber ist, gibt es ein Video, das Jesus zeigt und wenn ja, wo ist es?

In der Regel sind Zeitreiseromane so das Letzte wozu ich greifen würde. Aber auf wiederholtes Drängen meines Sohnes und weil es eben ein Eschbach ist, habe ich dieses Buch gelesen. Gleich vorweg, ich habe es nicht bereut.

In gewohnter Manier hat Andreas Eschbach seinen Roman „Das Jesus Video“ geschrieben. Leicht zu lesen, informativ, spannend, unterhaltsam, packend. Von der ersten Seite an war ich in die Geschichte involviert. Steven Foxx, war mir sofort, trotz seiner anfänglich fast grenzenlosen Naivität, oder vielleicht genau deshalb, ein recht sympathischer Held, mit dem ich gut mitfiebern konnte. Aber mit der Zeit öffneten sich auch seine Augen, für das Spiel, das hinter den Kulissen der Ausgrabung gespielt wurde. Den Charakteren fehlte ein wenig der Tiefgang, das wurde aber durch die rasante Handlung wettgemacht.

Der Spannungsbogen wurde bis zum Schluss gehalten, denn das Buch endete zu meiner Überraschung und Freude anders als der mir bereits bekannte Film und vor allem, es endete nicht vorhersehbar.

Auch in diesem Buch zeigt Eschbach wieder, dass er nicht nur ein hervorragender Dramaturg ist, er besticht auch wieder durch eine brillante Recherche. Dies stellt er immer wieder durch die in die Handlung gut integrierten Sach- und Fachdialoge unter Beweis, die für meinen Geschmack allerdings in diesem Buch, besonders zu Beginn, etwas zu umfangreich waren.

Ich wurde von diesem Buch wirklich sehr positiv überrascht, alle meine Vorurteile, die aus dem recht mittelmäßigen Film resultierten, sind abgebaut. Nun werde ich mich in absehbarer Zeit auch mit den Science-Fiction-Romanen von Andreas Eschbach befassen. Das ist als Genre für mich ein fast unbekanntes Gebiet, eine richtige Herausforderung. Aber wenn ein Autor mein Interesse an dieser Literaturrichtung wecken kann, dann Andreas Eschbach.

 

Gebundene Ausgabe: 590 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-13: 978-3426632390

Ulla Fröhling - Vater unser in der Hölle

     

Klappentext

Seit frühester Kindheit erlebte Angela Lenz sexuelle Gewalt. Mit grausamen Folterungen, Drogen und Gehirnwäsche wurde sie in einer Geheimsekte zur Prostitution gezwungen und musste andere in satanistischen Ritualen quälen. Unter der Last des Unerträglichen zersplitterte ihre Seele in Dutzende von Persönlichkeiten. So überlebte sie die Schrecken. Doch die traumatischen Erlebnisse drängten an die Oberfläche. Angela machte eine Therapie, und trotz Schweigegebot und Todesdrohungen wagt sie über das zu sprechen, was man ihr und anderen angetan hat.

Meine Meinung

Es ist bereits etliche Tage her, seit ich „Vater unser in der Hölle“ von Ulla Fröhling beendet habe. Eher war ich nicht in der Lage, meine Gedanken niederzuschreiben. Dieses Buch wurde mir von lieben Freundin ans Herz gelegt, ich kannte im Groben die Thematik, wusste aber nicht, worauf ich mich einlasse. Die Unfassbarkeit dieses Buches veranlasst mich auch, hier ausschließlich über meine Gefühle, mit denen ich beim Lesen zu kämpfen hatte, und nicht über meine literarischen Eindrücke zu schreiben.

Noch heute bekomme ich Gänsehaut und einen Kloß im Hals, wenn ich an dieses Buch denke. Viele Bücher dieser Art habe ich bereits gelesen und ich dachte, mein Fell wäre auch für „Vater unser in der Hölle“ dick genug, weit gefehlt. Ulla Fröhlings Buch ist anders, härter, schrecklicher, grausamer, die geschilderten Taten sind unvorstellbar menschenverachtend. Es ging mir nicht nur unter die Haut, es berührte mich im tiefsten Inneren. Nichts wurde ausgeblendet, umschrieben oder beschönigt. Die Autorin lenkte meine Gedanken genau auf die schlimmsten unbeschreiblichsten Schreckenstaten. Stellenweise kam ich mir wie ein Voyeur vor. Und immer, wenn ich dachte, die Leiden der Angela Lenz können nicht mehr schlimmer werden, gab es wieder eine furchtbare Steigerung. Mehrfach war ich versucht, das Buch zur Seite legen, aber auch das konnte ich nicht. Gedanklich war ich schon viel zu sehr verstrickt in die Fäden des Geschehens.

Dieses Buch bewerte ich lediglich mit 4 von 5 Sternen, weil es auf mich stellenweise etwas reißerisch wirkte. Es ist aber ein wichtiges Buch, ihm sind viele Leser zu wünschen. Wenn ich es empfehlen würde, dann nur sehr stabilen Lesern und es wäre immer eine Warnung mit dabei, denn was ich gelesen habe, überstieg oft mein Vorstellungsvermögen, ich mochte es nicht wahr haben, obwohl es nachgewiesenermaßen leider wahr ist.

Broschiert: 445 Seiten
Verlag: Lübbe
ISBN-13: 978-3404616251

Lesung mit Sigrid Damm

                                                                                                                                                                                                                                                       Am vergangenen Donnerstag, 22. Mai, war ich zu Sigrid Damms Lesung zu „Goethes letzte Reise“ im Frankfurter Kleist-Museum. Ich hatte recht hohe Erwartungen an diese Veranstaltung und wurde auch nicht enttäuscht. Sie las sich quer durch besagtes Buch, so dass ich einen guten Überblick davon bekam. Da ich es mir schon gekauft hatte, werde ich es auch lesen, keine Frage. Allerdings wird es nicht mein nächstes Buch von ihr sein, weil ich mich beim Lesen von Sigrid Damms Büchern ein bisschen an die zeitliche Reihenfolge halten möchte. Das war wohl die Erkenntnis des Abends.

Sigrid Damm hat eine ganz wunderbare Stimme, am liebsten würde ich ihre Bücher als Hörbuch verschlingen. Sie kam auch äußerst sympathisch rüber und beantwortete alle Fragen sehr geduldig und ausführlich. Unter anderem beschrieb sie auch noch ihre aufwändige Recherche zu „Christiane und Goethe“, von der sie auch bei ihrem letzten Buch noch profitiert hat.

Zum Schluss gab es wie üblich die Möglichkeit, sich von ihr Bücher signieren zu lassen. Ich hatte natürlich ein Buch von ihr dabei. Mich hat Sigrid Damm künstlerisch überzeugt und menschlich in ihren Bann gezogen. Es war ein sehr gelungener Abend.

Franz Werfel - Eine blassblaue Frauenschrift

    

Leonidas hat reich geheiratet. Ein „geerbter“ Frack ebnete ihm den Eintritt in die Wiener Gesellschaft. Er hat Karriere gemacht und lebt recht sorglos. Aber sein gut organisiertes Leben wird durch einen ganz unerwarteten Brief, den er eines Morgens erhält, erschüttert. Nach 18 Jahren meldet sich bei ihm seine ehemalige Geliebte und bittet ihn, einem nichtarischen 17jährigen Jungen zu helfen, der im Nazideutschland vor größten Problemen steht. Leonidas fühlt sich von der Vergangenheit eingeholt. Wer kann dieser ominöse 17jährige wohl anderes sein als sein Sohn – das Ergebnis einer Affäre, die er schon nicht mehr wahr haben wollte. Er muss Entscheidungen treffen.

Franz Werfel hat die Geschehnisse um diesen mit der blassblauen Frauenschrift geschriebenen Brief in seiner Novelle in einem Tag zusammengefasst. Er beschreibt die Qualen und die Gewissensbisse von Leonidas, aber auch seine Ängste um den Verlust von Ansehen und Stellung und greift damit die Frage nach Wahrheit oder Lüge auf. Die 154 Seiten von Werfels Novelle sind eine einzigartige Charakterstudie des Protagonisten, in die er fast unmerklich die politischen Ereignisse im Österreich des Jahres 1936 einfließen lässt. Die Sprache ist sehr weich, sehr angenehm, aber auch ein wenig altmodisch, was wiederum sehr gut zum Stil dieser Erzählung passt. Werfel benötigt nicht viele Worte, seine Sätze sind prägnant, seine hintergründige Ironie ist wohltuend. „Eine blassblaue Frauenschrift“ ist eine sehr schöne Novelle, die zum Nachdenken anregt und mich deutlich länger als erwartet beschäftigt hat. Aber trotz der schönen Sprache und der feinen Charakterzeichnung konnte der letzte Funke nicht überspringen. Leonidas blieb für mich immer (auf unerklärliche Weise) etwas unnahbar.


Gebundene Ausgabe: 154 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt;
ISBN-13: 978-3596175505
 

Der neue Roman von Wolfram Fleischhauer erscheint im Herbst!

Heute habe ich erfahren, dass am 09. Oktober 2008 der neue Roman von Wolfram Fleischhauer erscheint.   

„Der gestohlene Abend“ ist der Titel. Es ist zeitlich in den 1980er Jahren in den USA angesiedelt und es soll um ein Ereignis gehen, das für die Gesisteswissenschaften historisch bedeutsam ist. Ich bin sehr gespannt und werde sicher auch rechtzeitig im Buchladen meines Vertrauens erscheinen, um dieses Buch zu ergatten. Wolfram Fleischhauer gehört zu den Autoren, deren Bücher ich mir automatisch kaufe, ich wurde von noch keinem enttäuscht.

 Hier noch der Link zu Wolfram Fleischhauers Homepage.

 

Juri Rytchëu ist 78-jährig verstorben

Gerade fand ich im Internet die traurige Nachricht, dass der russische Schriftsteller Juri Rytchëu im Alter von 78 Jahren in St. Petersburg gestorben ist. Ich habe erst in diesem Jahr mein erstes Buch von ihm gelesen, welches ich fantastisch fand. Andere warten noch auf mich.

 

Quelle: Unionsverlag

 

James W. Nichol - Ausgesetzt

  

Walker Devereaux, als 3jähriger an einer Straße ausgesetzt, ist jetzt mit 19 Jahren auf der Suche nach seinen Wurzeln. Das einzige, was ihm von seiner Mutter geblieben ist, ist ein altes Foto und ein Brief.  Sein Weg führt ihn zielstrebig nach Toronto und relativ schnell findet er seine heiße Spur.

 

„Ausgesetzt“ wurde als DER Thriller gehandelt. Amazon schrieb, Nichol mache süchtig. Aber letzten Endes ist dieses Buch ein eher spannungsarmer, lediglich die Mittelmäßigkeit erreichender Thriller.  Die Story ließ sich auf Grund der einfachen Sprache sehr zügig lesen. Die Grundidee des Buches hat mir auch gefallen. Aber die Umsetzung hat mir nicht das gegeben, was ich erwartete. Einige Dinge empfand ich als an den Haaren herbei gezogen, andere wurden häufig wiederholt oder sehr in die Länge gezogen. Spätestens ab der Mitte des Buches war eigentlich klar, wer als Täter in Frage kommt. Es blieb nur noch die Frage nach dem Wie offen. Aber je mehr ich mich dem Ende näherte, wurde auch das immer vorhersehbarer. Künftig werde ich wieder vorsichtiger bei der Buchauswahl sein und mich nicht von entsprechenden Werbestickern verleiten lassen. Ich habe noch ein Buch von diesem Autor auf meinem SuB, aber das wird sich nun wohl noch eine Weile gedulden müssen.

 

Taschenbuch: 426 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-13: 978-3426628287

Charlotte Link - Die letzte Spur

   

Elaine Dawson wollte zur Hochzeit ihrer Freundin Rosanna nach Gibraltar fliegen. Aber durch den tückischen Londoner Nebel kam der Flugverkehr zum Erliegen. So blieb ihr nur die Wahl auf dem Flughafen zu übernachten, denn alle Hotels in der Umgebung waren ausgebucht, oder die Einladung des hilfsbereiten Herren anzunehmen und bei ihm Obdach zu finden. Bei Rosanna kam Elaine nie an.5 Jahre später bekommt die ehemalige Journalistin Rosanna, die ihren Vater in London besuchen will, von ihrem ehemaligen Chefredakteur ein verlockendes Angebot. Sie soll eine Serie über verschwundene Menschen schreiben und dazu den Stand der Dinge neu recherchieren. Einer von diesen Fällen ist der ihrer Freundin Elaine. Entgegen dem Willen ihres Mannes übernimmt Rosanna diesen Auftrag. Sie fliegt nach London und ist schnell in eigene Nachforschungen verstrickt. 

Diesen Roman von Charlotte Link würde ich auch eher als Spannungsroman bezeichnen, für einen Thriller reichte mir die Spannung nicht aus, denn stellenweise verflüchtigte sie sich doch. Wie bei allen ihren Romanen gibt es auch in diesem verschiedene Handlungsfäden, die anfangs scheinbar nichts miteinander zu tun haben, sich aber zum Ende hin entwirren. Allerdings kam ich bei diesem Buch schon relativ zeitig der Lösung recht nahe. Auch sprachlich war dieser Roman gewohnt einfach geschrieben und deshalb sehr flüssig zu lesen. Allerdings waren einige Dialoge etwas zu konstruiert und wirken dadurch gekünstelt. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass die Charaktere nicht so fein gezeichnet wurden, wie ich schon in anderen Romanen von ihr vorfand. Ich habe doch nun einiges an diesem Buch benörgelt. Das heißt aber nicht, dass mich dieses Buch nicht gut unterhalten hätte. Der Unterhaltungswert war gut. Das Buch lies sich schnell und leicht lesen. Aber ich habe schon wesentlich mitreißendere Bücher von Charlotte Link gelesen. In einem Arbeitszeugnis würde wohl der Satz zu finden sein: Sie legte einen Roman auf solidem Niveau vor. 

Mein Fazit: „Die letzte Spur“ ist ein unterhaltsamer Roman von Charlotte Link, der sich schnell als Zwischenlektüre liest. Es ist ein gutes, aber bei weitem nicht ihr bestes Buch.


Broschiert: 637 Seiten
Verlag: Goldmann TB
ISBN-13: 978-3442464586

Mein Lesemonat April 2008

Der April war ein richtig guter Lesemonat. Vier 4-Sterne-Bücher und ein Büchlein mit größtenteils bekannten aber trotzdem nachdenkenswerten Weisheiten. Jedes Buch hat mich gut unterhalten.

544 Seiten Corellis Mandoline von Louis de Berniéres
313 Seiten Schmidts Bewährung von Louis Begley
70 Seiten Glück von Wilhelm Schmid
1.151 Seiten Die Säulen der Erde von Ken Follett
288 Seiten Ein liebender Mann von Martin Walser

2.366 gelesene Seiten 

Martin Walser - Ein liebender Mann

    

Bis er sie sah, hatte sie ihn schon gesehen. Als sein Blick sie erreichte, war ihr Blick schon auf ihn gerichtet. (Seite 9 „Ein liebender Mann“ Martin Walser) 

„Ein liebender Mann“ ist ein Roman über eine späte und einseitige Liebe. Der 74jährige Johann Wolfgang von Goethe hat sich in die 19jährige Ulrike von Levetzow verliebt. Eifersucht und Selbstzweifel plagen den berühmten Dichter. Träumereien und die Gedanken an die Geliebte lassen ihn nicht schlafen. Dass die Weimarer ihn inzwischen als einen Lustgreis bezeichnen, trifft ihn, der sich so jung wie seit Jahren nicht mehr fühlt, zutiefst.

„Ein liebender Mann“ habe ich sehr gern gelesen. Das Buch war unterhaltsam, teils fiktiv, teils historisch festgeschrieben.

Ich konnte in diesem Buch in die Gefühlswelt alternder, eitler und selbstverliebter Herren abtauchen. Ein Blick, die sich mir in diesem Maße noch nicht eröffnet hatte. Manches wurde mir dadurch verständlicher, manche Szenen empfand ich nur als  bizarr. Die Selbstzweifel, die Ängste, aber auch die Hochgefühle kamen mir sehr lebensecht vor. Ulrike ist der Jungbrunnen des Dichterfürsten, sie erscheint mir sehr modern und selbstbewusst. Ich hatte bisher immer einen anderen Eindruck von ihr. Aber dies ist ja auch keine Biografie sondern ein fiktiver Roman, da darf der Autor schon etwas kreativer ans Werk gehen. Mir hat die Sprache, bis auf wenige Ausnahmen, bei denen ich sie twas aufgestetzt empfand, sehr gut gefallen. Besonders die Wort- und Satzspielereien im Geplänkel zwischen Ulrike und Goethe hatten es mir angetan.
 

Und der letzte Satz war dann ganz besonders.
 

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag GmbH
ISBN-13: 978-3498073633

Ken Follett - Die Säulen der Erde

    

England im 12. Jahrhundert. Krieg, Intrigen und Hunger haben das Land im Griff. In verschiedenen Handlungssträngen zeichnet Ken Follett ein eindrucksvolles detailliertes Bild des Lebens seiner Protagonisten im Mittelalter.

Der Steinmetz Tom Builder zieht, nachdem er seine Arbeit verlor, mit seiner hochschwangeren Frau, seiner Tochter Martha und seinem Sohn Alfred durch die Lande, immer auf der Suche nach neuer Arbeit und Nahrung. Bei der Entbindung stirbt seine Frau und schon kurz darauf lernt er die rätselhafte Ellen und deren Sohn Jack kennen. Trotz aller Not verliert er nie seinen Traum aus den Augen, eines Tages eine Kathedrale zu bauen.

Aliena, die schöne Grafentochter, wurde erst geschändet und dann mit ihrem Bruder von der Burg Shiring vertrieben. Erstmals steht sie auf eigenen Beinen und muss sich im Leben bewähren. Auch sie hat einen Traum, sie setzt alles daran, den Grafentitel und die Burg für ihren Bruder Richard zurück zu holen.

Philip, der Prior von Kingsbridge, hat es sich zum Ziel gestellt, die Priorei erblühen zu lassen und dort eine Kathedrale zu errichten, deren Säulen sich von der Erde bis in den Himmel erheben.

Sie haben jedoch mächtige Gegenspieler aus Kirche und Adel. An deren Spitze steht William Hamleigh. Er ist ein junger, unberechenbarer Adliger, lässt sich willig von der Mutter, vom Bischof und vom König manipulieren und für deren Intrigen einsetzen und kennt nur eine Sprache, die Gewalt. Mit ihr verschafft er sich skrupellos Macht um der Macht Willen. Er will nur herrschen und beherrschen.  

Mir hat das Buch gut gefallen. Die historischen Begebenheiten hat der Autor glaubwürdig beschrieben. Der Spannungsbogen war gut aufgebaut und hielt sich bis zum Ende. Ken Folletts Stil zu schreiben mag ich sehr. Er schreibt flüssig und zieht seine Leser so ins Geschehen hinein, dass das Buch trotz seiner 1.151 Seiten recht zügig zu lesen ist. Leider bin ich mit sehr großen, mit zu großen Erwartungen an dieses Buch gegangen. So kam es, dass ich stellenweise mit diesem wohl bekanntesten historischen Roman etwas haderte. Zu Beginn des Buches störte mich die schwarz-weiß Malerei bei den Charakteren. Die positiv besetzten Figuren hatten kaum negative Eigenschaften, die Antihelden waren durchweg schlecht. Im weiteren Verlauf der Handlung war dieser Eindruck nicht mehr so präsent, da kaum noch neue Charaktere auf der Bildfläche erschienen. Dafür gab es hier ausführliche Beschreibungen von Schlachten, Vergewaltigungen und Metzeleien, die mich in ihrer Detailliertheit störten. Außerdem waren manche Abschnitte ein wenig mit bautechnischen Einzelheiten überfrachtet, so dass ich diese Seiten etwas überflog. Abgesehen von diesen drei Kritikpunkten habe ich dieses Buch sehr gern gelesen. In meinem Kopfkino entstand ein recht farbiges Bild dieser doch eher dunklen Zeit. Mein Fazit: „Die Säulen der Erde“ ist ein solider, sehr detailreicher historischer Roman, der mich gut unterhalten hat. Die Fortsetzung dieses Romanes „Die Tore der Welt“ werde ich in kürze lesen. Darauf bin nun schon recht gespannt.

Gebundene Ausgabe: 1151 Seiten
Verlag: Lübbe
ISBN-13: 978-3785705773

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