Archive für 26.2.2008

Wolf Serno - Der Puppenkönig


Der Puppenkönig
Wolf Serno

Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-13: 978-3426197479

Wer Wind sät, wird Sturm ernten, seine Saat soll nicht aufgehen und sein Gewächs kein Mehl geben.“ Hosea, 8,7

Steinfurth im Jahre 1782. Der Bauchredner und Puppenspieler Julius Klingenthal ist mit seinen Puppen, die für ihn Charakter und Seele besitzen und denen er im Spiel so vorzüglich Leben einhauchen kann, auf dem Weg nach Steinfurth, um dort, wie auch schon in den vorangegangenen Jahren im Pfarrhaus zu überwintern. Unterwegs trifft er auf die junge Klagefrau Alena, sie kommen sich schnell nahe. Und so lag bei mir die Vermutung zwischen den Seiten, Serno könnte diese Liebesgeschichte in den Mittelpunkt seines Romanes stellen. Aber zu meiner Freude kam es anders. Beide fanden Unterschlupf bei dem neuen Pfarrer. Julius übernahm Arbeiten in der Kirche und Alena fand im Pfarrhaus eine Anstellung als Haushälterin.

In der kleinen Stadt in der Mark Brandenburg ereignen sich zur gleichen Zeit eine Reihe ungewöhnlicher Morde, die auf brutalste Weise erfolgen. Die Ermordeten stammen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen und zu Beginn scheint es nichts zu geben, was die Männer verbindet. Die Untersuchungen des Stadtbüttels führen zu keinem vorweisbaren Ergebnis. Als Julius Klingenthal auf eigene Faust Nachforschungen betreibt, gerät er schnell selbst unter Mordverdacht. Über das Puppenspiel, das er wie den Einsatz seiner Stimme wie kaum ein anderer beherrscht, versucht er Zusammenhänge zu ergründen und Motive aufzudecken.

Dieser Roman war der Erste, den ich von Wolf Serno las, es war jedoch keinesfalls der Letzte. Diese gelungene Mischung aus historischem Roman und Krimi ließen mich das Buch nur ungern aus der Hand legen. Ganz besonders haben mir die Personen gefallen, die der Autor geschaffen hat. Jede war etwas Besonderes. Keine von ihnen war nur gut oder nur böse. Die Charaktere waren so diffizil und facettenreich als würden sie dem wahren Leben entstammen. Besonders beeindruckte mich die Figur des Spinner-Franz, auf eine fast schon groteske Art wuchs mir dieser Unsympath doch ans Herz. Ich hätte gern mehr über Alena erfahren. Sie blieb für mich während der Lektüre stets etwas geheimnisvoll. Hier hoffe ich auf einen Cliffhanger, der sich im Folgeroman lösen wird.

Die Auflösung der Morde am Ende des Romans kam für mich dann etwas einfach, schnell und problemlos. Obwohl ich schon einige Zeit eine Person stark verdächtigte, war ich traurig über die Art und Weise der Lösung als sich meine Vermutung bestätigte.

Neben dem sehr leicht und flüssig zu lesenden Roman erhielt ich gut recherchierte historische Informationen. Das Bild, welches vom Leben in der damaligen Zeit gezeichnet wurde war glaubwürdig und die eingearbeiteten Informationen zur Medizingeschichte rundeten das Buch ab.

Fazit: „Der Puppenkönig“ ist ein sehr schöner historischer Roman, der mir einen guten Einblick in die Handlungszeit gewährte. Geschickt verband Wolf Serno die Genres History und Krimi, so, dass ich schon gespannt auf die Fortsetzung dieses Romans warte, die mich dann hoffentlich ebenso gut unterhält wie dieser erste Teil.

 

Ein Abend mit Peter Scholl-Latour

(Foto: Märkische Oderzeitung)

Am 16. Februar 2008 war es soweit. Um 20 Uhr betrat Peter Scholl-Latour unter tosendem Beifall die Bühne des ausverkauften Frankfurter Kleist-Forums.

Entgegen den Ankündigungen und Erwartungen, war diese Veranstaltung keine Lesung. „Lesen können sie selbst.“, sagte Scholl-Latour. So erzählte er auf sehr unterhaltsame Art aus seinem Leben. Berichtete über aktuelle Brennpunkte auf der Welt und hielt sich bei der Kritik an den Politiker nicht zurück. Er sprach frei wie ihm der Schnabel gewachsen war. Denn, so Scholl-Latour, im Alter von fast 84 Jahren, brauche er auf die Karriere keine Rücksicht mehr nehmen. Manchmal sprach er mir aus der Seele. Die Anekdoten, die er in die vornehmlich ernsten Themen einflocht, waren gut ausgewählt und rundeten die wirklich interessante Veranstaltung ab. Im zweiten Teil des Abends stellte sich Peter Scholl-Latour den Fragen von MOZ-Chefredakteur Mangelsdorf.

Nach dem offiziellen Teil gab es die Möglichkeit mit Peter Scholl-Latour persönlich kurz ins Gespräch zu kommen. Er signierte sein neues Buch, nahm sich viel Zeit für sein Publikum, wechselte 2, 3 oder auch gern mehr Sätze mit den Besuchern. Was von den Wartenden einiges an Geduld abforderte. Der noch 83-jährige schien aber nicht müde zu werden. Unermüdlich signierte er, beantwortete Fragen und zeigte reges Interesse an den Äußerungen seiner jeweiligen Gesprächspartner. Es war ein sehr gelungener Abend.

 

|