Archive für Februar 2008

Wolf Serno - Der Puppenkönig


Der Puppenkönig
Wolf Serno

Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-13: 978-3426197479

Wer Wind sät, wird Sturm ernten, seine Saat soll nicht aufgehen und sein Gewächs kein Mehl geben.“ Hosea, 8,7

Steinfurth im Jahre 1782. Der Bauchredner und Puppenspieler Julius Klingenthal ist mit seinen Puppen, die für ihn Charakter und Seele besitzen und denen er im Spiel so vorzüglich Leben einhauchen kann, auf dem Weg nach Steinfurth, um dort, wie auch schon in den vorangegangenen Jahren im Pfarrhaus zu überwintern. Unterwegs trifft er auf die junge Klagefrau Alena, sie kommen sich schnell nahe. Und so lag bei mir die Vermutung zwischen den Seiten, Serno könnte diese Liebesgeschichte in den Mittelpunkt seines Romanes stellen. Aber zu meiner Freude kam es anders. Beide fanden Unterschlupf bei dem neuen Pfarrer. Julius übernahm Arbeiten in der Kirche und Alena fand im Pfarrhaus eine Anstellung als Haushälterin.

In der kleinen Stadt in der Mark Brandenburg ereignen sich zur gleichen Zeit eine Reihe ungewöhnlicher Morde, die auf brutalste Weise erfolgen. Die Ermordeten stammen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen und zu Beginn scheint es nichts zu geben, was die Männer verbindet. Die Untersuchungen des Stadtbüttels führen zu keinem vorweisbaren Ergebnis. Als Julius Klingenthal auf eigene Faust Nachforschungen betreibt, gerät er schnell selbst unter Mordverdacht. Über das Puppenspiel, das er wie den Einsatz seiner Stimme wie kaum ein anderer beherrscht, versucht er Zusammenhänge zu ergründen und Motive aufzudecken.

Dieser Roman war der Erste, den ich von Wolf Serno las, es war jedoch keinesfalls der Letzte. Diese gelungene Mischung aus historischem Roman und Krimi ließen mich das Buch nur ungern aus der Hand legen. Ganz besonders haben mir die Personen gefallen, die der Autor geschaffen hat. Jede war etwas Besonderes. Keine von ihnen war nur gut oder nur böse. Die Charaktere waren so diffizil und facettenreich als würden sie dem wahren Leben entstammen. Besonders beeindruckte mich die Figur des Spinner-Franz, auf eine fast schon groteske Art wuchs mir dieser Unsympath doch ans Herz. Ich hätte gern mehr über Alena erfahren. Sie blieb für mich während der Lektüre stets etwas geheimnisvoll. Hier hoffe ich auf einen Cliffhanger, der sich im Folgeroman lösen wird.

Die Auflösung der Morde am Ende des Romans kam für mich dann etwas einfach, schnell und problemlos. Obwohl ich schon einige Zeit eine Person stark verdächtigte, war ich traurig über die Art und Weise der Lösung als sich meine Vermutung bestätigte.

Neben dem sehr leicht und flüssig zu lesenden Roman erhielt ich gut recherchierte historische Informationen. Das Bild, welches vom Leben in der damaligen Zeit gezeichnet wurde war glaubwürdig und die eingearbeiteten Informationen zur Medizingeschichte rundeten das Buch ab.

Fazit: „Der Puppenkönig“ ist ein sehr schöner historischer Roman, der mir einen guten Einblick in die Handlungszeit gewährte. Geschickt verband Wolf Serno die Genres History und Krimi, so, dass ich schon gespannt auf die Fortsetzung dieses Romans warte, die mich dann hoffentlich ebenso gut unterhält wie dieser erste Teil.

 

Ein Abend mit Peter Scholl-Latour

(Foto: Märkische Oderzeitung)

Am 16. Februar 2008 war es soweit. Um 20 Uhr betrat Peter Scholl-Latour unter tosendem Beifall die Bühne des ausverkauften Frankfurter Kleist-Forums.

Entgegen den Ankündigungen und Erwartungen, war diese Veranstaltung keine Lesung. „Lesen können sie selbst.“, sagte Scholl-Latour. So erzählte er auf sehr unterhaltsame Art aus seinem Leben. Berichtete über aktuelle Brennpunkte auf der Welt und hielt sich bei der Kritik an den Politiker nicht zurück. Er sprach frei wie ihm der Schnabel gewachsen war. Denn, so Scholl-Latour, im Alter von fast 84 Jahren, brauche er auf die Karriere keine Rücksicht mehr nehmen. Manchmal sprach er mir aus der Seele. Die Anekdoten, die er in die vornehmlich ernsten Themen einflocht, waren gut ausgewählt und rundeten die wirklich interessante Veranstaltung ab. Im zweiten Teil des Abends stellte sich Peter Scholl-Latour den Fragen von MOZ-Chefredakteur Mangelsdorf.

Nach dem offiziellen Teil gab es die Möglichkeit mit Peter Scholl-Latour persönlich kurz ins Gespräch zu kommen. Er signierte sein neues Buch, nahm sich viel Zeit für sein Publikum, wechselte 2, 3 oder auch gern mehr Sätze mit den Besuchern. Was von den Wartenden einiges an Geduld abforderte. Der noch 83-jährige schien aber nicht müde zu werden. Unermüdlich signierte er, beantwortete Fragen und zeigte reges Interesse an den Äußerungen seiner jeweiligen Gesprächspartner. Es war ein sehr gelungener Abend.

 

Urlaub

Heute stand  Bad Sobernheim auf dem Urlaubsprogramm. Dort traf ich mich mit einer ganz besonders netten Einwohnerin, die dazu auch eine Leseratte ist, zu einem Kaffee. Danach gab es noch eine ganz persönliche Führung durch den Ort. Danke, liebe Elke. :D

 

 

Reno Kassmann - Lebe deinen Traum

 

Lebe deinen Traum
Reno Kassmann

Broschiert: 371 Seiten
Verlag: Bp-Verlag; Auflage
ISBN-13: 978-3939691730

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In seinem Buch „Lebe Deinen Traum“ berichtet Reno Kassmann von seinem eigenen Leben. Schon in jungen Jahren wird es ihm zu eng im Friesischen, er hörte den Ruf der großen, weiten Welt und folgte ihm. So war er oft monatelang mit dem Motorrad oder auch mal mit dem Auto in Afrika, den USA, in Kanada, und in Australien unterwegs. Kehrte er zurück in seine Heimat, hielt es ihn nur kurz dort. Meist dauerten seine Aufenthalte lediglich so lange bis er seine nächste Reise finanzieren konnte. Größere Planungen gingen seinen Fahrten nie voraus. Er ist Individualist, er braucht keine Reiseleitung, kein Hotel, keinen Luxus. Ihm genügen sein Schlafsack und die Weite des Himmels.

Reno Kassmann ist ein Biker wie er im Buche steht. Wenn er von Pisten, vom Schrauben an seiner Maschine, von Treffen mit Gleichgesinnten und seinen Frauengeschichten berichtet, ist er in seinem Element. Mir waren diese Schilderungen häufig etwas zu ausführlich. Sie gingen zu Lasten der Impressionen von den Strecken. Ich erfuhr zu wenig von den bereisten Ländern und den dort lebenden Menschen. Reno Kassmanns Buch ist aber nur zweitrangig eine Reisebeschreibung, in erster Linie ist es sein ganz persönlicher Lebensbericht. Er schildert seine Sicht auf die Dinge, die ihn bewegen mit seinen ganz individuellen Prämissen und die liegen eben nicht in der Wiedergabe von Landschaftsstimmungen.

Kassmann bedient sich im Wesentlichen einer einfachen, leicht zu lesenden Sprache. Eigentlich schreibt er, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Da kommt es auch schon mal zu eher derben oder deftigen Aussagen. Anfangs konnte ich darüber noch lächeln, im weiteren Verlauf des Buches störte es mich aber immer mehr. Hätte er den flüssigen Stil, der den Hauptteil des Buches prägt, konsequent durchgehalten, wäre meine Bewertung etwas besser ausgefallen.

Trotz der angeführten Kritikpunkte habe ich das Buch nicht ungern gelesen. In mir Stadtpflanze wurde schon ein wenig die Lust auf Ferne, Weite und Abenteuer geweckt. Ich fand es äußerst interessant, von Reno Kassmanns Lebensart zu erfahren, die sich so gänzlich von der meinen unterscheidet.

 

 

Dieter Noll 31.12.1927 - 06. 02.2008

Dieter Noll *31.12.1927 06. 02.2008

 

Am 06. Februar 2008 verstarb in Zeuthen bei Berlin der Schriftsteller Dieter Noll im Alter von 80 Jahren. Bekannt wurde Noll durch seinen zweibändigen autobiografisch geprägten Roman „Die Abenteuer des Werner Holt“. Der erste Teil gehörte in meiner Schulzeit zur Pflichtliteratur. Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen.

 

Jana Frey - Ich, die Andere


Ich, die Andere

Jana Frey

Gebundene Ausgabe 357 Seiten
Verlag: Loewe Verlag (2007)
ISBN-13: 978-3785558652

 

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Kelebek ist Deutsche. Und sie ist Türkin. Sie will mit ihren Freundinnen Spaß haben und gleichzeitig mit ihrer Familie den Ramadan begehen. Sie liebt die blaue Moschee in Istanbul - und sie liebt Janosch. Ihre Gefühle sind zu kostbar, als dass sie jemandem davon erzählen könnte, zu zerbrechlich. Doch Sercan, ihr Bruder, mit dem sie früher alle Geheimnisse geteilt hat, merkt sofort, dass Kelebek plötzlich anders ist. Er beginnt sie zu kontrollieren, eindringliche Fragen zu stellen. Als er endlich Gewissheit hat, ist Sercan voller Hass. Hass auf Janosch, Hass auf Kelebek - Hass, der außer Kontrolle zu geraten droht …

 

Meine Meinung

Wie die anderen Bücher von Jana Frey hat mir auch dieses sehr gut gefallen. Wieder hat sie ein aktuelles Thema, die Integration von Jugendlichen die in zwei Kulturen leben, aufgegriffen, dem es an Brisanz nicht fehlt. Mit einer schönen Sprache wird der Leser in die Welt von Kelebek geführt, sie ist Türkin und sie ist Deutsche. So ist sie mit den türkischen Traditionen eng verbunden und liebt die freiere deutsche Lebensweise. Dieser innere Zwiespalt wird dem Leser sehr gut vermittelt, ich konnte gut mit Kelebek mitfühlen. Aber auch der Gewissenskonflikt der jungen Türkin als sie sich verliebt und der Bruder Sercan nur noch mit Hass reagiert, war für mich sehr gut nachvollziehbar.

Jana Frey schrieb ihren neuen Jugendroman fernab von den gängigen Klischees und Vorurteilen. Sie zeigt deutlich positive und negative Aspekte beider Kulturen aus und erteilt auch jungen Radikalen auf beiden Seiten eine Abfuhr. Ich hatte den Eindruck ein sehr realitätsnahes Buch gelesen zu haben. Es war ein typischer Jana-Frey-Roman, interessant, informativ, spannend und unterhaltsam.

Einzig ein kleiner Recherchefehler schlich sich ein. Vor Rügen sind Wattwanderungen leider nicht möglich. ;)

 

Mein Lesemonat Januar 2008

Trotz eines beruflich bedingten schwierigen Lesestart in das neue Jahr, ist die Bilanz doch beachtlich, aber 3 verregnete Wochenenden halfen, ein paar mehr Bücher als erwartet zu lesen. Absolutes Highlight im Januar war „Traum im Polarnebel“ von Juri Rytchëu.

 

 

120 Seiten   Meeresrand - Veronique Olmi
560 Seiten   Wir müssen über Kevin reden - Lionel Shriver
382 Seiten  
Schloss aus Glas - Jeannette Walls
75 Seiten   
Die Analphabetin - Agota Kristof
475 Seiten  
Witwe im Wahn - Oliver Hilmes
369 Seiten  
Traum im Polarnebel - Juri Rytchëu
357 Seiten   Ich, die Andere - Jana Frey

 

2.338 gelesene Seiten

 

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