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30.12.2007 von Karthause.
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Nachdem dieses Buch in aller Munde war und nun auch noch verfilmt wurde, wollte ich mir meine eigene Meinung bilden.
Die 13-jährige Briony spielt auf Grund ihrer noch kindlichen Fantasie, ihrer Unaufgeklärtheit und ihrer unterschwellig vorhandenen Eifersucht Schicksal. Die Mutter liegt migränegeplagt im Bett und macht sich über ihre morbide Welt recht eigene Gedanken. Die Schwester Cecilia ist in Robbie Turner, den Sohn der Putzfrau verliebt und auf dem Landsitz der Tallis halten sich besuchsweise Lola , eine Cousine und deren Zwillingsbrüder auf. Es herrscht eine gewisse Aufregung, denn Leon, der älteste Sohn der Tallis, kommt mit seinem Freund auf Besuch.
In einem ersten Teil stellt McEwan die einzelnen Charaktere sehr ausführlich dar. Die wenigen Ereignisse werden von mehreren verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Er ergibt sich in die Beschreibung der inneren Handlung, so dass ich schon einige Geduld beim Lesen aufbringen musste. Einziger Höhepunkt der Handlung war die Fehleinschätzung von zufällig beobachteten Situationen durch die von ihrer pubertierenden Fantasie geleiteten Briony. Sie sah was sie sehen wollte und behielt ihren „ungeheuerlichen Erkenntnisse“ auch nicht für sich. Wäre nicht die sehr schöne Sprache Ian McEwans gewesen, hätte ich das Buch noch in diesem ersten Teil entnervt zur Seite gelegt. Da ich aber von verschiedenen Seiten hörte, mir würde das Buch gefallen, hielt ich durch und es hat sich gelohnt. Im 2. und 3. Teil hat sich sowohl der Aufbau als auch die Sicht geändert. Augenmerk wurde hier auf die äußere Handlung gelegt und ich konnte schon bald nicht mehr von dem Buch lassen. Inzwischen war Krieg und McEwan beschreibt die Schrecken und Gräuel auf so besondere Weise, dass auch ohne direkte Blicke auf Kampfhandlungen eine Gänsehautgefühl entstand. Aber auch die Leiden der in London zurückgebliebenen beschreibt er realistisch und erstmalig musste ich Briony, die mir ja von Beginn des Buch an nicht gerade sympathisch war, Respekt zollen. Als Lernschwester wird sie mit den Folgen des Krieges direkt konfrontiert. Eigentlich wollte sie ja Schriftstellerin werden und diese für sie „niedere“ Tätigkeit ist ihre Form der Abbitte für die Schuld, die sie vor Jahren auf sich geladen hat.
Herausragend aber ist das Ende des Buches, das McEwan für den Leser bereit hält. Es war alles andere als vorhersehbar. Ich musste den Schluss zweimal lesen, ehe ich zwischen den Fiktionen das wirkliche Ende der Handlung fand, das war fast schon genial.
Mein Fazit: Ich hätte nach einem zähen Einstieg in dieses Buch nicht erwartet, eine so beeindruckende Lektüre vor mir zu haben. Es war nicht mein letztes Buch, dass ich von diesem Autor gelesen habe. Und schon aus reiner Neugier, wie dieses Buch filmisch umgesetzt wurde, werde ich mir den Film wohl auch ansehen.
Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Diogenes
ISBN-13: 978-3257233803
Gelesen: Dezember 2007
Geschrieben in 2007, Belletristik | 1 Kommentar »