Archive für 31.10.2007

Mein Lesemonat Oktober 2007

Im Oktober habe ich vier Bücher gelesen. Drei haben mich sehr beeindruckt, jedes auf seine Art. Nur mir Nabokovs „Lolita“ konnte ich so gar nichts anfangen.

1.040 Seiten Die Madonna von Murano – Charlotte Thomas

125 Seiten Lolita – Vladimir Nabokov

416 Seiten Totenstarre – Mark Nykanen

528 Seiten Der Kindersammler – Sabine Thiesler

2.109 gelesene Seiten

 

 

Sabine Thiesler - Der Kindersammler

:) :) :) :)

 

Geh’ nicht mit Fremden mit!“ Diesen Satz hat wohl fast jedes Kind schon mehrfach gehört. Es ist die Horrorvorstellung für Eltern, das eigene Kind könnte nicht mehr nach Hause kommen, weil ihm etwas unbeschreibliches widerfahren ist. Sabine Thiesler widmet sich diesem brisanten Thema in ihrem Debutroman.

Im Abstand von etwa 3 Jahren verschwinden in verschiedenen deutschen Orten kleine Jungen, alle sind blond und für ihr Alter recht zierlich. Alles weist auf den gleichen Täter hin. Seine Handschrift ist eindeutig und lässt keine Zweifel zu.

Auch in einer abgelegenen Gegend in der Toskana werden in den folgenden Jahren drei Jungen vermisst. Durch eine Reportage im Fernsehen wird die mit den deutschen Fällen betraute Kommissarin darauf aufmerksam und entdeckt Parallelen.

Der Roman beginnt dramatisch. Es gibt kein „Einlesen“, kein vorsichtiges Herantasten. Der Leser ist gleich mitten im Geschehen. Die Thematik bewegt, erschüttert, geht tief unter die Haut. Sabine Thiesler lässt den Leser an den Gedankengängen des Täters teilhaben, dieser ist von Anfang an bekannt. Sie schildert die Unbekümmertheit der Jungen ebenso wie ihre Todesängste. Aber auch das Entsetzen der Eltern, ihre Panik, ihre Trauer und Selbstvorwürfe werden nachvollziehbar aufgezeigt.

Die Dramaturgie dieses Buches ist meines Erachtens gut gelungen. Einem spannungsreichen Beginn folgt ein ruhiger Mittelteil, der sich gut und flüssig lesen lies. Gerade diese Ruhe lässt erahnen, das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Das Ende wird dann wieder rasant – und erstaunlich.

Meine Kritikpunkte an diesem Roman sind die etwas konstruiert wirkende letzte Tat und die in allen Einzelheiten beschriebenen Tathergänge. Meine Fantasie hätte mir genügend Grauen geliefert. Sabine Thiesler untermauerte dies durch Details.

Mein Fazit: „Der Kindersammler“ ist das beeindruckende Debut der Autorin. Spannung, Entsetzen und tiefe Betroffenheit begleiteten mich durch das Buch, das für zart besaitete Leser sicher nicht geeignet ist. Ich freue mich schon darauf, ihr neues Buch „Hexenkind“ zu lesen.

Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3453024540
Gelesen: Oktober 2007

 

 

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