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29.10.2007 von Karthause.
Im Juli wählte ich hauptsächlich wieder interessante Bücher aus. Überrascht hat mich „Muskat“. Ein sehr einfühlsamer Roman von der mir bisher unbekannten Autorin Kristin Valla. Auch der Roman „Ich bitte nicht um mein Leben“ hat mich gefesselt. Durch ihn erhielt ich einen guten – wenn auch subjektiv geprägten – Einblick in das Alltagsleben im Iran.
240 Seiten Muskat – Kristin Valla
288 Seiten Reifeprüfung – Petra Gerster
390 Seiten Ich bitte nicht um mein Leben – Marina Nemat
852 Seiten Owen Meany – John Irving
480 Seiten Südwinde – Nicole Vosseler
2.250 gelesene Seiten
Geschrieben in Lese-Statistik | 2 Kommentare »
29.10.2007 von Karthause.
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„Südwinde“ von Nicole Vosseler ist ein wunderbar recherchierter historischer Roman. Auszüge aus den Tagebüchern von James Cook machen den Roman zu einem Zeitdokument, das dem Leser das entbehrungsreiche und gefährliche Leben auf See und die Entdeckung unbekannter Gebiete sehr anschaulich nahe brachte. Die Mitglieder der Besatzung haben fast alle wirklich gelebt, einzig Brittany, die weibliche Protagonistin, entsprang dem Kopf der Autorin. Die Liebesgeschichte zwischen Brittany und Hicks belastete die Handlung des Buches nicht, sie war schmückendes Beiwerk zu einem fast Tatsachenroman.
Besonders gut hat mir das Ende gefallen. In einem Epilog wurde auf das spätere Leben der Hauptpersonen kurz eingegangen. So konnte ich noch etwas meinen Gedanken nachhängen und mir die eine oder andere Entwicklung ausmalen.
Dieses Buch war der erste Roman von Nicole Vosseler, einer Autorin, auf deren Bücher ich auch künftig mit großem Interesse schauen werde.
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Scherz; Auflage: 1 (2001)
ISBN-10: 3502118051
ISBN-13: 978-350211805
Gelesen: Juli 2007
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29.10.2007 von Karthause.
Dieses Buch beschreibt die Geschichte der Freundschaft zwischen Owen Meany, einem kleinwüchsigen Jungen mit Fistelstimme, und John Wheelwhrigt, dem Erzähler, die bis ins Erwachsenenalter hinein andauert. Die Story beginnt in den frühen 50-er Jahren und wird durch Berichte des Ich-Erzählers aus dem Jahr 1987 immer wieder unterbrochen. „Owen Meany“ ist aber auch eine kritische Auseinandersetzung des Autors mit der Politik der USA in diesem Zeitraum. So werden u. a. der Vietnamkrieg, die Rassenunruhen und der Einsatz der USA am persischen Golf unter der Reagan-Regierung thematisiert. John Irving bezieht aber darüber hinaus auch Stellung zu Fragen der Religion und des Glaubens.
Owen Meany ist ein Protagonist an dem ich mich – zumindest zu Beginn des Buches – reiben konnte. Seine Meinung, er sein ein von Gott Auserwählter, konnte ich zu diesem Zeitpunkt weder teilen noch nachvollziehen. Es war mir unverständlich, wie ein 11jähriger auf solche Ideen kommen konnte. Das war auch der Grund, weshalb ich mich beim Lesen der ersten Kapitel etwas schwertat. Diese ersten Kapitel wiesen auch Längen auf, die mir nicht so gefallen haben. Als ich mich dann aber eingelesen hatte, erfasste mich die Handlung wie ein Sog.
Die Charaktere wurden von John Irving, wie gewohnt, teilweise stark überzeichnet. Manche wirkten schon fast grotesk oder skurril. Aber alle wurden mit viel Liebe zum Detail geschaffen und die Protagonisten erlebten im Verlauf der Handlung auch erstaunliche Entwicklungen.
„Owen Meany“ ist ein ausgesprochen politischer Roman. Stellenweise bringt Irving bissigen Sarkasmus und Zynismus ein, er rechnet gnadenlos mit den Militäreinsätzen der USA ab. Obwohl ein breites Spektrum an Themen in diesen Roman einfließen, wirkt er nicht überladen.
„Owen Meany“ ist ein wunderbares Buch voller Menschlichkeit, Historie, Verworrenem und dem für John Irving charakteristischen Humor. Die Spannung wird vom ersten Kapitel an ganz langsam aufgebaut und steigert sich kontinuierlich. So, dass ich beim letzten Kapitel traurig war, dass dieses Buch nur 852 Seiten umfasst. Dass Owen Meany wohl der tragische Held dieses Buches sein würde, war wohl so ziemlich von Beginn des Buches an klar. Was für ein unerwartetes, furioses Ende John Irving zu dieser Geschichte inszeniert, hat mich dann aber doch stark beeindruckt. Wie Owen Meany im Verlauf des Romans mehrmals betont, dass es keine Zufälle gibt, wird zum Schluss von Irving eindrucksvoll bewiesen. Alle offenen Frage und Ungereimtheiten sind dann geklärt, alle Handlungsfäden wurden zusammengeführt .
Mich hat, trotz meiner anfänglichen Probleme, dieses Buch nachhaltig beeindruckt. Ich werde es sicher irgendwann noch einmal lesen, denn die Vielfältigkeit dieses Romans ist beim ersten Lesen kaum auszumachen.
Taschenbuch: 852 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag
ISBN-10: 3257224915
ISBN-13: 978-3257224917
Gelesen: Juli 2007
Geschrieben in 2007, Zeitgenössisch | Keine Kommentare »
29.10.2007 von Karthause.
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Die 16-jährige Marina wurde im christlichen Glauben erzogen. Seit zwei Jahren ist Ayatollah Khomeini an der Regierung. Seit zwei Jahren gab es islamische Indoktrinierung und Religionswächter. Für Marina Nemat war das gleichbedeutend mit großen Einschränkungen im täglichen Leben, die die Schülerin nur bedingt bereit war hinzunehmen. Sie arbeitete gemeinsam mit anderen Schülern an einer Schülerzeitung, deren Beiträge nicht systemkonform waren, daraufhin stand sie unter Beobachtung und wurde schließlich verhaftet und ins berüchtigte Evin-Gefängnis verschleppt. Dort wurde sie gefoltert und zum Tode verurteilt. Der Vollstreckung des Urteils konnte sie durch ihre Heirat mit einem Aufseher entgehen.
Dieses Buch habe ich fast an einem Stück gelesen, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Es ist für mich immer wieder unfassbar was Menschen anderen Menschen unter dem Deckmantel der “einzig richtigen” Überzeugung antun können. Wenn ich dann noch daran denke, dass Marina erst 16 Jahre alt war als sie das Grauen erleben musste, fehlen mir die Worte.
Marina Nemat hat ihre Gefühle sehr eindringlich geschildert. Ihr Bericht ist zutiefst erschütternd. Die einfache Sprache hat ihre Empfindungen meines Erachtens noch verstärkt. Sie ist ihren Weg gegangen, für mich nachvollziehbar, kämpfte mit Stolz und Angst. Bestürzt war ich aber über das Verhältnis zu ihren Eltern, das nach ihrer Entlassung deutlich wurde.
Zu Beginn des Buches sind immer wieder Geschichten aus Marinas Kindheit eingefügt. Das fand ich sehr angenehm. So wurde der Schrecken des Gefängnisalltags immer wieder ausgeblendet und ich konnte durchatmen. Denn was in der Haft geschah, sowohl mit ihr als auch mit ihren Mitgefangenen, ist kaum vorstellbar.
In diesem Buch wurde der Focus auf das Evin-Gefängnis in Teheran gelenkt, aber wie viele Haftanstalten gibt es weltweit, in denen Willkür herrscht, gefoltert und gemordet wird. Mich stimmt das sehr traurig und nachdenklich.
Dieses Buch bekommt meine uneingeschränkte Empfehlung, es ist absolut lesenswert.
Gebundene Ausgabe: 390 Seiten
Verlag: Weltbild Buchverlag; Auflage: 1 (Mai 2007)
ISBN-10: 3898976319
ISBN-13: 978-3898976312
Gelesen: Juli 2007
Geschrieben in 2007, Biografie/Erfahrungen | Keine Kommentare »
29.10.2007 von Karthause.
Von einer Bekannten wurde mir dieses Buch empfohlen. Ich habe es gelesen und war am Ende doch recht enttäuscht.
Für Petra Gerster war der 50. Geburtstag Anlass Bilanz zu ziehen, zurückzublicken auf ein halbes Jahrhundert, das sie miterlebt hat und vorauszuschauen auf das, was vor ihr liegt.
Der autobiografische Teil war noch recht nett zu lesen. Petra Gerster schrieb mit Wortwitz und viel Charme. Da kam schon die eine oder andere Situation, in der ich dachte, stimmt, daran kann ich mich auch erinnern.
Im zweiten Teil, in dem es dann um die 50+ Problematik geht, blieb das Buch meines Erachtens sehr oberflächlich. Ich hatte mir mehr davon versprochen. Dazu kommt, dass die Autorin aus einem Erfahrungspool schöpft, der mich eigentlich so gar nicht interessiert. Die Fernsehwelt ist für mich eher eine Scheinwelt, eben die Welt des schönen Scheins und von diesem Buch erwartete ich mehr als die Bedienung gängiger Klischees, Schönheitsoperation, Schlanksein, Jugendlichkeit. Sie ging zwar auch auf andere Themen ein, z. B. wie es ist, wenn die Kinder sich abnabeln, oder welche Aussichten frau über 50 noch hat. Das kam mir aber deutlich zu kurz.
Für mich war dieses Buch nur im ersten Abschnitt lesenswert. Dem folgenden Teil konnte ich für mich recht wenig entnehmen. Ich bin mir auch nicht im Klaren in welches Genre ich dieses Buch einordnen kann. Biografie – war es nur zu Beginn. Ratgeber – war es für mich nicht. Sachbuch – trifft es auch nicht.
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Rowohlt, Berlin
ISBN-10: 3871345334
ISBN-13: 978-3871345333
Gelesen: Juli 2007
Geschrieben in 2007, Biografie/Erfahrungen | Keine Kommentare »
29.10.2007 von Karthause.
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Zu dem Inhalt des Buches möchte ich nicht mehr schreiben, ich würde einfach zuviel verraten. „Muskat“ ist nur ein recht dünnes Buch, aber es ist von einer Tiefe, die man in so manchem seitenstärkeren Roman vergebens sucht. Sehr einfühlsam beschrieb die Autorin die Stimmungen und Lebenssituationen der Protagonisten. Wundervoll fand ich die Beschreibungen von Landschaften und Kristin Vallas Blick fürs Detail. Mich hat dieser Liebesroman tief berührt. Er ging mir unter die Haut und die intensiven Gedanken über Liebe und Freundschaft beschäftigen noch immer. Ich bin nicht unbedingt ein Freund von Liebesgeschichten. Wäre diese mir nicht empfohlen worden, hätte ich sie wohl nie gelesen. Aber diese Geschichte ist anders, tief, klar, frei von Kitsch und rosaroter Romantik, einfach nur beeindruckend und berührend.
Der Titel „Muskat“ hätte treffender nicht gewählt werden können, denn so wie dem märchenhaften Duft der Muskatblüte die bittere Süße der Frucht folgt, fühlt man in diesem Buch die bittere Süße der Liebe.
„Muskat“ ist der vielversprechende Erstling von Kristin Valla. Ich wünsche diesem Buch viele Leser und freue mich auf weitere Bücher der Autorin. Leider gibt es ihr neues Buch noch nicht in deutscher Sprache.
Broschiert: 240 Seiten
Verlag: Heyne (November 2002)
ISBN-10: 3453863798
ISBN-13: 978-3453863798
Gelesen: Juli 2007
Geschrieben in 2007, Liebesroman | Keine Kommentare »
29.10.2007 von Karthause.
Auch im Juni habe ich vier Bücher gelesen. Herausgeragt hat keines, bis auf Gogol waren alle guter Durchschnitt – Lesefutter.
715 Seiten Das Vermächtnis der Wanderhure – Iny Lorentz
100 Seiten Die toten Seelen – Nikolai Gogol
589 Seiten Die Kastellanin – Iny Lorentz
348 Seiten Fast ein Heiliger – Anne Tyler
1.752 gelesene Seiten
Geschrieben in Lese-Statistik | Keine Kommentare »
29.10.2007 von Karthause.
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Wieder hat das Schicksal es nicht unbedingt gut gemeint mit Marie. Auf dem Rückweg von einem Besuch bei ihrer Freundin Hiltrud wird die hochschwangere Marie von ihrer Todfeinding Hulda von Hettenheim entführt und nach der Geburt ihres Sohnes an Sklavenhändler verkauft, die sie ins ferne Russland bringen. Der Weg nach Hause ist lang und voller Abenteuer und Gefahren.
Wie auch schon in den beiden anderen Teilen der Trilogie zeichnet Iny Lorentz ein recht realistisches Bild des Mittelalters, in diesem Fall wird die Aufmerksamkeit auf das Leben in Russland gelenkt. Wie von Iny Lorentz bekannt, lebt auch dieses Buch durch eine gute und tiefgründige Recherche. So gibt es wieder unzählige kleine Begebenheiten, die den mittelalterlichen Alltag mit Leben erfüllen. Sehr interessant fand ich die Abschnitte, in denen auf alte russische Traditionen eingegangen wurde. Das Erbrecht spielte dort eine ganz besondere Rolle. Maries gesamte „Reise“ war gepickt mit vielfältigen Informationen, die dem Leser die damalige Zeit nahebrachten. Anmerken möchte ich noch, dass „Das Vermächtnis der Wanderhure“ kein Roman für zartbesaitete Leser ist. Denn das Mittelalter ist eine raue, brutale Zeit, besonders die Frauen mussten darunter häufig leiden. An manchen Stellen waren mir die Vergewaltigungen fast etwas zuviel, zumal sie auch als Bestrafung Anwendung fanden.
Die Charaktere fand ich in diesem Teil etwas schwächer entwickelt als in den beiden vorhergegangenen Romanen. Besonders die männlichen Personen blieben für mich etwas blass und konturenlos.
Als Leser erkennt man das bewährte Muster der Vorgängerromane, die Heldin lebt glücklich, kommt wie aus heiterem Himmel in Schwierigkeiten und meistert diese dann erfolgreich. Das hat meinen Lesespaß nicht gemindert, denn ich hatte es nicht anders erwartet. „Das Vermächtnis der Wanderhure“ ist ein einfach geschriebener, aber gut zu lesender und recht unterhaltsamer und spannender Historienschmöker, der durch die gute Recherche noch einiges an Hintergrundwissen vermittelt.
Broschiert: 715 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur; Auflage: 1 (April 2007)
ISBN-10: 3426635054
ISBN-13: 978-3426635056
Gelesen: Juni 2007
Geschrieben in 2007, History | Keine Kommentare »
29.10.2007 von Karthause.
Abruch nach 100 Seiten
Kurzbeschreibung www.amazon.de
Die Reise des Kollegienrats Tschitschikow führt durch die Provinz des zaristischen Russland, wo er zu einem Spottpreis ‘tote Seelen’, d.h. verstorbene Leibeigene, einkauft, um diese später zum Marktwert zu verpfänden und so zu Reichtum zu gelangen. So ausgefallen wie dieses Vorhaben ist, so ungewöhnlich gestaltet sich auch Tschitschikows Reise von Gut zu Gut: Es entsteht eine grotesk-komische Sammlung geistig deformierter Grundbesitzer, der wahren ‘toten Seelen’. Ein zeitloses, irrwitziges Bild der ‘condition humaine’.
„Die toten Seelen“ war ein re-read für mich. Vor Jahren hat mich dieser Klassiker noch begeistert. Dieses mal leider nicht. Vielleicht war der Abstand für eine Wiederholung zu kurz.
Taschenbuch: 365 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 11., Aufl. (Januar 2002)
ISBN-10: 3257203845
ISBN-13: 978-3257203844
Gelesen: Juni 2007 - Abbruch nach 100 Seiten
Geschrieben in 2007, Klassiker/Weltliteratur | Keine Kommentare »
29.10.2007 von Karthause.
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„Die Kastellanin“ setzt die Geschichte von Marie aus „Die Wanderhure“ fort. 10 Jahre waren vergangen und Marie lebte mit ihrem Mann, dem Burgvogt Michel Adler, ein recht sorgenfreies Leben. Das Glück wäre vollkommen gewesen, wenn der Kinderwunsch der beiden in Erfüllung gegangen wäre. Doch auf Befehl des Pfalzgrafen musste Michel dessen Heer anführen und in den Krieg ziehen, um Kaiser Sigismund im Kampf gegen die Hussiten zur Seite zu stehen. Unter den alteingesessenen Rittern hatte Michel nicht nur Freunde. Viele sahen in dem Sohn eines Wirtes einen Emporkömmling, den es zu bekämpfen galt.
Obwohl Maries sehnlichster Wunsch nach einem Kind dann 9 Monate nach Michels Fortgehen doch in Erfüllung ging, hielt das Schicksal viele Schwierigkeiten für das Paar bereit. Aber Marie gab nicht klein bei, sie packte ihre Sachen und zog mit ihrer Tochter Trudi und Hiltrud ältestem Sohn Michi als Maketenderin dem Heer hinterher in Richtung Böhmen.
Gleich vorweg, mir hat „Die Kastellanin“ sehr gut gefallen, noch besser als „Die Wanderhure“. Ich begann dieses Buch und schon nach ganz kurzer Zeit war ich mitten im Geschehen und in meiner Phantasie setzte das Kopfkino ein. Das ist sicher auch ein Resultat der guten bildhaften Beschreibungen, die dieses Buch mit Leben erfüllten. Die Handlung war spannend, das Buch war flüssig zu lesen. Auch für die geschilderten Schlachten wurde m.E. ein gutes Maß gefunden. Es wurde gezeigt, dass erbitterte und verlustreiche Kämpfe geführt wurden. Iny Lorentz verzichtete jedoch darauf, das Blutvergießen bis ins letzte Detail auszumalen. Das empfand ich als sehr angenehm.
Ich möchte noch positiv erwähnen, dass der Leser mit den historischen Gegebenheiten nicht allein gelassen wurde. Die notwendigen Erklärungen und Beschreibungen waren immer gut in die Handlung eingebaut. Ich hatte immer wieder einen Aha-Effekt und fühlte mich an keiner Stelle belehrt.
Maries Gedanken und Handlungen konnte ich nicht in allen Situationen nachvollziehen. Das lag aber vielleicht daran, dass ich meine in der Gegenwart gemachten Erfahrungen nicht vollständig von der im Mittelalter angesiedelten Handlung trennen konnte.
Alles in allem hat mir „Die Kastellanin“ sehr schöne, unterhaltsame Lesestunden bereitet. Die Begegnung mit dem Mittelalter kam mir fast wie eine Zeitreise vor, so bildhaft und lebensnah waren die Beschreibungen, denen akribische Recherchen zugrunde lagen. Dieses Buch ist die gelungene Fortsetzung von „Die Wanderhure“. Meine Gedanken gehen nun aber schon weiter, „Das Vermächtnis der Wanderhure“ liegt schon bereit.
Taschenbuch: 589 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur (März 2006)
ISBN-10: 3426631709
ISBN-13: 978-3426631706
Gelesen: Juni 2007
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29.10.2007 von Karthause.
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Wieder ein Buch von Anne Tyler, dass mir gut gefallen hat. Mit leisen Tönen erzählt sie die Geschichte einer Durchschnittsfamilie, die bei näherer Betrachtung doch nicht durchschnittlich ist. Ideenreich schildert sie diese Familie mit all ihren Sorgen und Problemen. Die Gedanken schweiften bei mir immer wieder ab, warum schreibt die Autorin ihre Romane über scheinbar ganz normale Menschen, wie wir sie auch bei uns um die Ecke finden? Ich glaube, ein Grund dafür könnte sein, dass es über diese Familien mit ihren Alltagsproblemen viel mehr zu berichten gibt als vielen klar ist. Der Bezug zur Realität liegt wesentlich näher.
Das Ende kam schnell und unspektakulär. Da hätte ich mir ein paar Ideen der Autoren mehr gewünscht.
Gebundene Ausgabe: 348 Seiten
Verlag: Fischer (S.)
ISBN-10: 3100800125
ISBN-13: 978-3100800121
Gelesen: Juni 2007
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29.10.2007 von Karthause.
Im Mai habe ich vier Bücher gelesen. Ein Buch möchte ich an dieser Stelle ganz besonders hervorheben. „Christiane und Goethe“ von Sigrid Damm. Es war ein Leseerlebnis.
531 Seiten Christiane und Goethe – Sigrid Damm
887 Seiten London – Edward Rutherford
381 Seiten Der Duft der Erinnerung – Deana Zinßmeister
680 Seiten Der Duft von Sandelholz – Laila ElOmari
2. 479 gelesene Seiten
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29.10.2007 von Karthause.
Zu Beginn hatte ich ein paar Probleme mich in das Buch einzulesen, aber als es dann mehrere Handlungsstränge gab, las es sich fast wie von allein. Einfach und leicht geschrieben, plätscherte die Handlung so dahin. Die beiden Protagonisten litten jahrelang unter ihrer unerfüllten Liebe, handelten aber nicht konsequent, um eine Änderung der Situation herbei zu führen. Die wenigen im Roman vorkommenden Beschreibungen des Lebens in Indien haben mir recht gut gefallen. Aber ich hätte mir deutlich mehr davon gewünscht. So spielte der Roman zwar in Indien, die einzigartige Atmosphäre konnte für meine Begriffe aber nicht überzeugend vermittelt werden.
Die vergleichenden Ausführungen zum Stand der Medizin zur damaligen Zeit fand ich sehr interessant, auf der einen Seite las man den Stand der Europäer auf der anderen Seite den der Inder.
Angenehm empfand ich, dass auf der Liebesgeschichte von Elisha und Damian, die keineswegs kitschig-schwülstig war, nicht der gesamte Focus des Buches lag. Es war meiner Meinung nach eher eine Familiengeschichte.
Das Buch enthält ein Glossar mit einen zeitlichen Abriss der indischen Kolonialzeit, Informationen die Handelsgesellschaften in Indien, die britisch-französischen Kolonialkriege und Informationen über wichtige Personen der Kolonialzeit sowie eine Karte Indiens zur Handlungszeit.
Mein Fazit: „Der Duft von Sandelholz“ ist ein leicht zu lesender Indienroman mit etwas zu wenig landestypischem Flair. Wer nur Unterhaltung in diesem Buch sucht, ist sicher nicht schlecht beraten es zu lesen. Ich hatte mir nach den Lobeshymnen auf den ersten Roman der Autorin „Die englische Erbin“ mehr davon versprochen. Dem Vergleich mit den Büchern von Rebecca Ryman hält dieses Buch nicht stand.
Broschiert: 671 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur (April 2007)
ISBN-10: 3426629860
ISBN-13: 978-3426629864
Gelesen: Mai 2007
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29.10.2007 von Karthause.
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„Der Duft der Erinnerung“ ist die gelungene Fortsetzung von „Fliegen wie ein Vogel“. So abrupt wie der erste Teil endete, so lückenlos und harmonisch schloss sich der zweite Teil an. Problemlos war ich wieder in der spannenden Handlung um Luise und Duncan versunken.
Sehr gut gelingt es Deana Zinßmeister auch in diesem Buch, die Gefühle der Protagonisten zu schildern. Das geschieht auf eine so lebensnahe Art und Weise, dass man glauben könnte, es handele sich um reale Menschen und nicht um die Figuren in einem Roman. So fiel es mir leicht deren Denken und Tun nachzuvollziehen und mit ihnen zu fühlen. Trotz des leicht und flüssig zu lesenden Stils ist dieses Buch keine seichte oberflächliche Liebesgeschichte. Die Autorin hat auch tiefgehende Gedanken zu gesellschaftlichen Missständen und Ungerechtigkeiten zur Zeit der englischen Industrialisierung in ihren Roman eingebracht.
Die Charaktere haben sich in diesem 2. Teil auch weiter entwickelt. Sie erschienen mir menschlicher als im Vorgängerroman, auch weil sie in verschiedenen Situationen von Zweifeln gequält wurden. Sie waren eben nicht mehr nur gut, sondern hatten ihre Stärken und Schwächen deutlicher ausgeprägt.
Mir hat „Der Duft der Erinnerung“ noch besser als „Fliegen wie ein Vogel“ gefallen, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, zumal sich das Thema unauffällig durch den ganzen Roman schlängelt. Die Titelwahl hätte besser nicht sein können.
Und am Ende des Buches bleibt die Hoffnung, dass es vielleicht doch noch einmal eine Begegnung mit Luise, Duncan und den anderen geben könnte.
Die Leser, die „Fliegen wie ein Vogel“ nicht kennen, könnten auch problemlos den zweiten Teil lesen. Geschickt eingeschobene und den Handlungsablauf keineswegs störende Rückblicke machen die Geschichte stimmig.
Gebundene Ausgabe: 381 Seiten
Verlag: Moments
ISBN-10: 3937670432
ISBN-13: 978-3937670430
Gelesen: Mai 2007
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29.10.2007 von Karthause.
Edward Rutherfurds „London“ beginnt im Jahr 54 v. Chr. mit der Besetzung Britanniens durch die Römer und endet im Jahr 1997. Ihm gelang mit diesem Buch eine gewaltige Saga, in deren Mittelpunkt die Entwicklung der kleinen Siedlung Londinium am Themseufer zur Metropole London stand. Dabei hielt er sich eng an die historischen Fakten. Ich begegnete Julius Cäsar, Heinrich VIII., Elisabeth I. und erlebte die Gründung Londons, den Bau der Westminster Abbey, den großen Stadtbrand, das Entstehen der London Bridge, bis hin zu den Luftangriffen im 2. Weltkrieg. In diesen historischen Rahmen setzte Rutherfurd fiktive Familien, die der Realität sicher nicht all zu fern waren und das Buch mit Leben erfüllten.
Obwohl die Handlung in diesem Roman eine Zeitspanne von 2000 Jahren umfasst, hatte „London“ keine Längen. Geschickt setzte Rutherfurd seine Protagonisten so ein, dass sie letzten Endes in allen Gesellschaftsschichten agierten, so erhielt ich als Leser auch einen tiefen Einblick in die verschiedenen Lebensumstände. Der große Zeitrahmen erforderte vom Autor auch, Zeitsprünge einzubauen. In einzelnen, aber letztlich doch zueinander gehörenden Geschichten widmete er sich den verschiedenen Epochen. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass die Übergänge den Lesefluss behindern. Durch kleine Kunstgriffe gelang es Rutherfurd, dass die Handlungszeiträume recht fließend in einander griffen. Darüber hinaus erleichterte der im Buch vorhandene Stammbaum der handelnden Familien eine Orientierung.
Beeindruckend fand ich auch in diesem Roman von Edward Rutherfurd seine Fähigkeit, zu beschreiben. So gut wie seine Landschafts- und Stadtbeschreibungen sind, schildert er auch die Charaktere der handelnden Personen. Sie sind facettenreich und lebensecht und es fiel bei fast allen Protagonisten schwer sie nun als ausschließlichen Sympathieträger oder Antihelden einzuordnen.
Der sprachliche Stil, in dem „London“ gehalten ist, hat mir gut gefallen. Sachlich nüchtern wurden historisch unverzichtbare Fakten geschildert. Sobald die Handlung wieder einsetzte, begann der Roman sich wieder mit Leben zu füllen.
Das Buch enthält auch drei Pläne der Stadt aus den verschiedenen Epochen, diese habe ich beim Lesen gern genutzt. Sie rundeten das Bild ab, das ich von London bekam.
„London“ ist ein sehr gelungener historischer Roman, den ich den Liebhabern dieses Genres ans Herz lege. Darüber hinaus kann ich ihn auch den vielen Liebhabern der Stadt empfehlen, es gibt sicher auch für sie vieles über London neu zu entdecken.
Gebundene Ausgabe: 876 Seiten
Verlag: Droemer Knaur (Oktober 2002)
ISBN-10: 3426193450
ISBN-13: 978-3426193457
Gelesen: Mai.2007
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29.10.2007 von Karthause.
Etliche Werke von Goethe habe ich sehr gern gelesen. Seine Gedichte liebe ich. Aber wie ist der Mensch Goethe, mit wem teilt er sein Leben und seine Gedanken? Kann ich den Menschen Goethe mit dem Zitat von ihm „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“, das bei bloßer Nennung des Dichterfürsten sofort in meinem Kopf spukt, identifizieren. Christiane Vulpius fällt mir ein, sein “Bettschatz” und spätere Ehefrau. Ich wollte mehr wissen, deshalb kam mir der Tipp von Wirbelwind gerade recht.
Christiane Vulpius (eigentlich Christiana) war mir bis dahin nur als „ein rundes Nichts“ (Charlotte v. Schiller) bekannt, die ihr Leben im Hintergrund führte. Sigrid Damm zeigte mir eine ganz andere Christiane als ich sie erwartete. Sie belegte mit Briefen und diversen historischen Dokumenten, dass Christiane eine anpackende, couragierte und leidenschaftliche Frau war. Sie hielt Goethe den Rücken frei, ermöglichte ihm dadurch ein ungestörtes Schaffen. Sie verwaltete seine Ländereien und führte seinen Haushalt. Sie liebte das Leben in allen Facetten, das Essen und das Trinken, das Tanzen und das Reisen und die Liebe. Mit fortschreitenden Alter bekam sie Depressionen, häufig begleiteten sie nun Krankheiten und über den Tod von 4 ihrer Kinder, die scheinbar gesund zur Welt kamen und nur wenige Tage nach der Geburt starben, kam sie nie ganz hinweg.
Aber mit jeder Seite, die ich in diesem Buch las, wandelte sich auch mein Goethe-Bild. Er war ehrgeizig, verfolgte seine dichterischen, politischen und wissenschaftlichen Ziele bis zur Besessenheit. In seinem Ehrgeiz war sein Egoismus maßlos. Er hungerte nach Anerkennung und Erfolg. Blieb dieser aus oder gab es für ihn unangenehme Situationen flüchtete sich der große Dichter in (eingebildete) Krankheiten, so auch beim Tod Christianes. Auf seinen diversen Reisen und Kuren tankte er neue Energie. Er ließ sich von der Natur und den Damen der Gesellschaft inspirieren, die auch mal mehr als nur ein Äuglein für ihn waren.
Christianes Leben war nicht leicht. 18 Jahre lebte sie die freie Liebe. Der gemeinsame Sohn August war bereit 17 Jahre alt, als das Verhältnis legitimiert wurde. Für das Weimar der damaligen Zeit war diese „wilde Ehe“ ein noch nie da gewesener Skandal. Aber beide setzten sich über geltende Konventionen und Etikette hinweg und lebten ihre Liebe. Ich bin jetzt nach dem Lesen dieses Buches fest davon überzeugt, dass sowohl für Christiane als auch für Goethe die große Liebe war. In einigen Briefen, manchmal auch nur zwischen den Zeilen, fand ich Beweise dafür.
Sigrid Damm hat mich mit ihrer Recherche sehr beeindruckt. Sie analysiert die historischen Hintergründe ebenso wie die noch erhaltenen Dokumente aus der damaligen Zeit. Damit schafft sie ein eindrucksvolles Zeitbild des Weimar zur Goethezeit. Gut gefallen haben mir die immer wieder eingefügten Originaltexte. Das erforderte beim Lesen zwar mehr Konzentration, macht aber die Recherche äußerst lebensnah. An einigen wenigen Stellen verlor sie den dokumentarischen roten Faden und stellte eigene Spekulationen an. Im Großen und Ganzen hielt sie aber den authentisch-rationalen Erzählstil durch.
Selten habe ich eine Biographie gelesen, die so spannend und zugleich so informativ geschrieben wurde, dass mich das Buch auch in den Gedanken nicht los ließ. Ich freute mich auf jede neue Lesestunde und fieberte darauf, die neuen Beiträge meiner Mitleserinnen der kleinen Leserunde zu lesen.
Dieses Buch ist auf jeden Fall ein Lesetipp, der Lust macht, mehr von der Familie Goethe zu erfahren.
Gebundene Ausgabe: 540 Seiten
Verlag: Insel, Frankfurt; Auflage: 21., unveränd. Aufl. (2000)
ISBN-10: 3458169121
ISBN-13: 978-3458169123
Gelesen: Mai 2007
Geschrieben in 2007, Biografie/Erfahrungen, Meine Besten | 1 Kommentar »
29.10.2007 von Karthause.
Im April habe ich drei hervorragende Jugendbücher gelesen. Die Autorin Jana Frey versteht es, Probleme junger Leute aufzugreifen und literarisch gut zu verarbeiten.
176 Seiten Rückwärts ist kein Weg – Jana Frey
220 Seiten Die Nacht vor der Scheidung – Sandor Marai
426 Seiten Das Wahre Kreuz – Jörg Kastner
384 Seiten Zoli – Colum McCann
543 Seiten Was keiner weiß – Susan Sloan
541 Seiten China Run – David Ball
176 Seiten Höhenflug abwärts – Jana Frey
192 Seiten Sackgasse Freiheit – Jana Frey
2.658 gelesene Seiten
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29.10.2007 von Karthause.
Eigentlich war Sofia einmal eine gute Schülerin. Aber von der Muter wird sie nicht geliebt und vom Stiefvater bekommt sie häufig schon aus nichtigen Anlässen Prügel. Die Eltern lieben nur ihr gemeinsames Kind. Zuerst lassen ihre schulischen Leistungen stark nach und Sofias Versetzung ist gefährdet, dann schwänzt sie die Schule und schließlich beginnt sie zu stehlen. Die Eltern reagieren immer gleich – mit Prügel. So eskaliert die häusliche Situation immer mehr. Die Eltern werden nicht mehr Herr der Lage. Sie schalten das Jugendamt ein und die 14-Jährige kommt in ein Heim aus dem sie wiederholt flieht, bis sie eines Tages gar nicht mehr zurückkehrt. Sie wählt für sich das harte Leben auf der Straße.
Auch „Sackgasse Freiheit“ ist wie die anderen Bücher der Autorin ein sehr realitätsnahes auf einer wahren Begebenheit beruhendes Jugendbuch. Ungeschönt, mit einfachen Worten erzählt sie die Geschichte von Sofia, die sich ungeliebt fühlt und im Elternhaus seelischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt ist. Jana Frey schildert die Gefühle des Mädchens so eindringlich und nachvollziehbar, dass ich mich als stille Beobachterin fühlte, die Sofia sehr gern in den Arm genommen und geholfen hätte.
Am Ende des Buches sind Adressen von Ansprechpartnern in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgeführt, die Betroffenen Auskünfte erteilen können.
Dieses Jugendbuch hallt noch immer in mir nach. Ich möchte es den Lesern aller Generationen uneingeschränkt empfehlen.
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Loewe Verlag; Auflage: 1 (März 2005)
ISBN-10: 3785554222
ISBN-13: 978-3785554227
Gelesen: April 2007
Geschrieben in 2007, Jugendbuch | Keine Kommentare »
29.10.2007 von Karthause.
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Marie lebt das Leben einer ganz normalen 14-Jährigen. Sie erlebt in den Sommerferien ein erstes Verliebtsein in Leon, den sie schon seit frühester Kindheit kennt und der sie in den Ferien zum ersten Mal geküsst hat. Als das neue Schuljahr beginnt kommt eine neue Schülerin in die Klasse der Beiden, Friederike. Leon verliebt sich in die Neue. Für Marie bricht eine Welt zusammen. In dieser Situation lernt sie ältere Schüler ihrer Schuler näher kennen, sie geht zu deren Parties, dort gehören Alkohol, Zigaretten, Joints, Ecstasy und LDS dazu, nur von Heroin hält sich die Clique fern.
Jana Frey beschreibt auf eindrucksvolle Weise die Entwicklung von Marie. Feinfühlig schildert sie die Gefühlswelt des Mädchens. Der Leser bekommt eine sehr realistische Vorstellung von dem Loch, in das Marie gefallen ist. Der Leser erfährt aber auch von den Hochgefühlen, die Marie nach dem Drogenkonsum durchlebt. Diese werden von der Autorin so bildhaft geschildert, dass eine gewisse Neugier bei den jugendlichen Lesern geweckt werden könnte. Zu normal ist die Einnahme von Pillen, der Konsum von LSD und der Genuss von Alkohol.
Für Jugendliche würde ich dieses Buch nur bedingt empfehlen. Parallel zu der Lektüre sollten von Erwachsenen intensive Gespräche zur Drogenproblematik geführt werden. Dieses Buch klärt meines Erachtens nicht ausreichend über die Folgen der Drogeneinnahme auf. Auch diesem Buch von Jana Frey ist eine Liste nützlicher Ansprechpartner zu finden.
Ich bewerte dieses Buch mit nur 2,5 von 5 Sternen, das hat ausschließlich damit zu tun, dass die Gefährlichkeit von Drogen nicht ausreichend herausgearbeitet wurde. Sprachlich und stilistisch hat mir dieses Buch sehr gut gefallen.
Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Loewe Verlag
ISBN-10: 3785556241
ISBN-13: 978-3785556245
Gelesen: April 2007
Geschrieben in 2007, Jugendbuch | Keine Kommentare »
29.10.2007 von Karthause.
Valerie Marsh sitzt im Gerichtssaal und wartet auf das Urteil, sie wird beschuldigt, nach 43 Ehejahren ihren Mann Jack erschlagen zu haben.
Ihre Gedanken gehen zurück in die Vergangenheit, 1955 lernt sie, die unscheinbar Naive, den gutaussehenden Jack kennen und verliebt sich in ihn. Kurze Zeit später heiraten beide, entgegen der Vorbehalte ihres Vater gegenüber dem Schwiegersohn. Aber die Ehe verläuft nicht harmonisch, körperliche Nähe kann sie nur erdulden, über sich ergehen lassen. Eigene Wünsche zu äußern wagt die streng katholisch erzogene Valerie nicht. So erträgt sie auch seine Schläge stumm, findet für ihre Blessuren Ausreden, denn Familienangelegenheiten werden nicht nach außen getragen, das hat man ihr seit frühester Kindheit im elternhaus beigebracht. Ihre einzige Freude sind ihre fünf Kinder, von denen Jack nicht eines wollte. Die Kinder werden groß und von der Gewalt im Hause Marsh werden auch sie nicht verschont. So bricht die Familie langsam auseinander. Nur Valerie hält immer noch zu ihrem Mann. Über 40 Jahre erduldet sie ihren Ehealltag. Als Jack jedoch ihren Enkel prügelt, bricht alle Wut aus ihr heraus.
„Was keiner weiß“ ist ein sehr ruhiger, nachdenklich stimmender Roman. Er ist eher eine Familiengeschichte mit tragischem Ende als ein Thriller, wie er vom Verlag ausgewiesen wurde. Die gängigen, in amerikanischen Thrillern üblichen Actionszenen fehlen. Dafür gewährt uns die Autorin Einblick in eine nach außen hin ganz normal erscheinende amerikanische Familie. Nur wenigen Menschen fällt auf, dass Valeries häufige Verletzungen nicht auf ihre eigene Tollpatschigkeit zurückzuführen sein können, sprechen ihre Befürchtungen aber nicht aus und helfen ihr nicht.
Der Roman ist in einem leichten, einfach zu lesenden Stil geschrieben. Nichts wurde beschönigt und doch hat mich das Buch auf eigentümliche Weise berührt. Zeigt es doch ganz deutlich, welche Werte Mädchen in früheren Generationen vermittelt bekamen, damit sie sich in die Rolle der gehorsamen Ehefrau fügten.
Mich hat dieses Buch sehr gut unterhalten. Ich hatte zwar einen Thriller á la „Schuldlos schuldig“ erwartet und wurde durch den für mich neuen Stil von Susan Sloan etwas überrascht. Es war aber eine angenehme Überraschung.
Taschenbuch 506 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-10: 3426629089
ISBN-13: 978-3426629086
Gelesen: April 2007
Geschrieben in 2007, Krimi/Thriller | Keine Kommentare »