Umzug

Hallo ihr lieben Besucher meines Blogs,

dies wird der letzte Beitrag in diesem zu Hause sein. Karthause zieht um. Ich danke euch fürs Lesen, Besuchen und Kommentieren. Wenn ihr weiterhin Lust habt, mal vorbei zu schauen, findet ihr mich jetzt unter Karthauses Welt…

Klick aufs Schild!

Der neue Eschbach…

… erscheint am 15. September 2009. Auf der HP von Andreas Eschbach fand ich Interessantes zu seinem neuen Buch, das bei ihm den Arbeitstitel „Ein König für Deutschland“ hatte. Eigentlich sollte das Buch auf Wunsch des Verlages unter dem Titel “König, Kanzler, Vaterland” erscheinen. Nun wurde aber doch wieder anders entschieden und das Buch wird mit dem ursprünglichen Titel erscheinen.

 

Egal wie, auf diesen Polit-Thriller warte ich schon ganz ungeduldig.

 

 

 

 

Neuerscheinungen - sehnlichst erwartet

Gestern habe ich ein wenig in den Ankündigungen der Neuerscheinungen für den Herbst 2009 gestöbert und freue mich auf folgende Bücher, die ich unbedingt lesen möchte. Zum neuen Eschbach werde in Kürze noch etwas schreiben. Auf den freue ich mich ganz besonders.

 

 

Ein König für Deutschland – Andreas Eschbach

Erscheinungsdatum: 15.September 2009

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten

Verlag: Lübbe

ISBN-13: 978-3785723746

19,99 EUR


 

Die große Welt – Colum McCann

Erscheinungsdatum: 18.September 2009

Gebundene Ausgabe: 544 Seiten

Verlag: Rowohlt, Reinbek

ISBN-13: 978-3498045111

19,90 EUR


Vikas Swarup - Rupien! Rupien!

 

Ram Mohammed Thomas, ein armer indischer Kellner, kann bei der Quizshow „Wer wird Milliardär“ alle zwölf Fragen richtig beantworten. Doch wie kann das sein? Wie kann ein ungebildeter Waisenjunge, noch dazu ein Analphabet, der im Slum lebt, über dieses Wissen verfügen? Der Fernsehsender vermutet Betrug und so wird Ram verhaftet. Wie aus heiterem Himmel taucht eine Anwältin bei ihm im Gefängnis auf, sie übernimmt seine Verteidigung. Gemeinsam schauen sie sich die Aufzeichnung der Show an und Ram berichtet aus seinem Leben und erklärt damit,warum er genau diese Fragen beantworten konnte.

Der Roman von Vikas Swarup folgt konsequent dem von der Show vorgegebenen Schema, 12 Fragen – 12 Antworten – 12 Kapitel. Zu Beginn eines jeden Kapitels erzählt Ram Mohammed Thomas eine Begebenheit aus seinem Leben, die genau zur richtigen Lösung der Frage führt. Dann wird geschildert wie die Zwei das Video ansehen und er den Moderator immer mehr in Erstaunen versetzt wird. Der Ausgang des Buches ist von Beginn an klar und doch bleibt es interessant, mehr über das Leben des jungen Inders zu erfahren. Swarup schildert die gesellschaftlichen Verhältnisse kritisch und malt so ein recht realistisches Bild der Lebensumstände im Indien unserer Zeit.

„Rupien! Rupien!“ habe ich sehr gern gelesen. An keiner Stelle kam Langeweile auf, nie war es langatmig. Im Gegenteil, die Geschichte wird aus der Sicht des Protagonisten erzählt, jung, frisch, stellenweise witzig, oder auch bedrückend und traurig. Die gesamte Klaviatur der Gefühle wird angesprochen, der Erzähler driftet aber nie ins Pathetisch-Kitschige ab, erzählt aber mit so viel Charme und transportiert trotz der eigentlich ja eher traurigen Geschichte sehr viel Lebensfreude zum Leser. Der Film ist inzwischen in den deutschen Kinos gespielt worden und ich überlege immer noch, ob ich ihn mir ansehe, oder ich es beim Lesen belassen werde.

 

Über den Autor

Vikas Swarup hat als indischer Diplomat in der Türkei, in den USA, Äthiopien und Großbritannien gearbeitet. Zurzeit ist er beim Außenministerium in Neu Delhi beschäftigt. »Rupien! Rupien!« ist sein erster Roman.

Es geht wieder weiter!

Nach ein paar Tagen Pause wird in den nächsten Tagen hier wieder weiter geschrieben. Zum Lesen habe ich die Zwischenzeit genutzt. Aber ich habe auch einige Tage Urlaub auf der sonnigen Ostseeinsel Usedom genossen.

 

 

 

Gregory David Roberts - Shantaram

Es gibt eine Wahrheit, die tiefer liegt als Erfahrung. Man findet sie jenseits dessen, was wir sehen und fühlen. Diese Form der Wahrheit unterscheidet das aufrichtige Empfinden von einfacher Klugheit. Für gewöhnlich fühlen wir uns hilflos, wenn wir ihr begegnen; und der Preis, den wir für das Wissen um sie bezahlen, ist, wie der Preis für das Wissen um die Liebe, manchmal höher, als das Herz zu geben bereit ist. Sie kann uns nicht immer helfen, die Welt zu lieben, doch sie bewahrt uns davor, die Welt zu hassen. Und der einzige Weg, diese Wahrheit zu erleben, besteht darin, sie zu offenbaren, von Seele zu Seele…“

Nach einem aufsehenerregenden Ausbruch aus einem australischen Hochsicherheitsgefängnis ist Lindsay – so sein Name in seinem gefälschten Pass - auf der Flucht. Über Umwege landet er in Bombay und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Kurz nach seiner Ankunft lernt er den Inder Prabaker kennen. Dieser zeigt Linbaba, wie er Lindsay freundschaftlich nennt, sein Indien auf seine ganz persönliche Weise. So lernt er nicht nur das Land, sondern auch die Menschen zu schätzen. Er findet sowohl eine Heimat als auch Freunde und lernt deren Sprachen, Hindi und Marathi. Schicksalhaft sind die Begegnungen mit Karla, Khaled Ansari und Khaderbhai, sie werden sein weiteres Leben bestimmen. Im Slum, in dem Lin zunächst lebt, wird er aufgrund seiner Ausbildung in Erster Hilfe zum Arzt auserkoren. So wird er zum Shantaram, dem Mann des Friedens. Er erlebt alle Facetten des menschlichen Lebens von ehrlicher Liebe bis zu familiären Gewalt. Kleiner und größere Gesetzesverstöße, Alkohol und Drogen bestimmen das Leben vieler, er lernt Missstände aller Art kennen und ganz langsam gerät er immer mehr unter den Einfluss eines mächtigen Mafiabosses. Aber dann wird er plötzlich aus unerklärlichen Gründen verhaftet…

In eine fiktive Form gebracht, erzählt Gregory David Robert mit diesem Buch seine eigene unglaubliche Lebensgeschichte. Lange bin ich um dieses Buch geschlichen, denn 1088 Seiten sind auch für mich, einer bekennenden Liebhaberin von dicken Wälzern, kein Pappenstil. Und mir drängte sich immer wieder die Frage auf, kann ein 1952 Geborener so viel erlebt haben, dass er diese Seiten ohne große Längen füllen kann. Roberts kann das und, wie ich meine, in beeindruckender Form. Die Sprache ist einfach und leicht zu lesen und so schmökerte ich mich durch ein Buch, das Indien sehr detailliert und facettenreich beschrieb. Beim Lesen hatte ich oft den Eindruck direkt dabei zu sein. Mit sehr gelungenen Beschreibungen von Land und Leuten und den unübersehbaren Gegensätzen entstand in meinem Kopf ein beeindruckend farbenprächtiges Bild des indischen Subkontinents. Es ist schon eine ganze Weile her, seit ich zum letzten Mal mit einem Protagonisten so mitfieberte und -litt.

Mein Fazit: „Shantaram“ ist ein Indienepos der besonderen Art. Es ist Roberts’ Liebeserklärung an das Land, beeindruckend, mitreißend, aufwühlend. Ich wünschte es gäbe mehr solcher Romane.

 

Über den Autor www.amazon.de

Gregory David Roberts wurde 1952 in Melbourne, Australien, geboren. Während seiner Studienjahre beging er mehrere bewaffnete Raubüberfälle und wurde zu einer 19-jährigen Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt. Nach seiner spektakulären Flucht ließ sich Gregory David Roberts in Bombay nieder. Dort gründete er unter anderem seine eigene Castingagentur für Bollywood-Filmproduktionen und eine Rockband. Seine Kontakte zur lokalen Mafia führten schließlich zu seiner Festnahme in Frankfurt. Gregory David Roberts wurde nach Australien zurückgeschickt, wo er weitere sechs Jahre im Gefängnis verbrachte - zwei davon in Einzelhaft. In dieser Zeit begann er seine Arbeit an seinem ersten Roman “Shantaram”, der mittlerweile zu einem weltweiten sensationellen Erfolg avanciert ist. Heute lebt Gregory David Roberts mit seiner Familie in Genf.

Gebundene Ausgabe: 1072 Seiten * Verlag: Goldmann * ISBN-13: 978-3442311538

Elke Heidenreich empfiehlt …

…in dieser Woche “Eine exklusive Liebe” von Johanna Adorjàn .

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)
»Dieses Buch erzählt die Geschichte von Vera und István, die als ungarische Juden den Holocaust überlebten, 1956 während des Aufstands von Budapest nach Dänemark flohen und sich 1991 in Kopenhagen das Leben nahmen. Man fand sie Hand in Hand in ihrem Bett. Es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe. Die Geschichte meiner Großeltern.« Johanna Adorján

Zwei Menschen, die miteinander alt geworden sind, beschließen, sich das Leben zu nehmen. Er ist schwer krank, sie will nicht ohne ihn sein. An einem Sonntag im Herbst 1991 setzen sie ihren Plan in die Tat um. Sie bringen den Hund weg, räumen die Wohnung auf, machen die Rosen winterfest, dann sind sie bereit. Hand in Hand gehen Vera und István in den Tod, es ist das konsequente Ende einer Liebe, die die ganze übrige Welt ausschloss, sogar die eigenen Kinder.Diskret und liebevoll rekonstruiert Johanna Adorján den Tag des Selbstmordes ihrer Großeltern, die alles andere waren als ein gewöhnliches Paar. Sie siezten sich ihr ganzes Leben, rauchten Kette und sahen umwerfend aus. Und sie hatten eine Vergangenheit, über die sie nicht sprachen. Weil sie sich nicht daran erinnern wollten. Als ungarische Juden hatten sie den Holocaust überlebt, waren Kommunisten geworden und 1956 während des Budapester Aufstands außer Landes geflohen. In Dänemark fingen sie ein neues Leben an und blickten - scheinbar - nie mehr zurück.Sechzehn Jahre nach dem Tod ihrer Großeltern hat sich Johanna Adorján über das Gebot ihrer Familie hinweggesetzt: »Davon sprechen wir nicht.« Sie hat sich auf die Suche nach den blinden Flecken im Leben ihrer Großeltern gemacht und dabei Dinge herausgefunden, die mehr mit ihr selbst zu tun haben, als sie geahnt hatte. Vor den Abgründen der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts lässt sie Vera und István wieder auferstehen: ein faszinierendes Paar, verschroben elegant, unbequem, exzentrisch. Es ist die traurige und schöne Geschichte einer großen Liebe, zugleich die Suche nach der eigenen Geschichte, und dass Johanna Adorján dafür einen leichten, bisweilen sogar komischen Ton gefunden hat, ist ihre große Kunst.

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten

Verlag: Luchterhand Literaturverlag

ISBN-13: 978-3630872919

17,95 EUR

 

 

 

 

 

 

 

Inge Löhnig - Der Sünde Sold

 


Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Kaum ist Agnes Gaudera in ihr neues Haus in Mariaseeon gezogen, verschwindet ein Junge aus dem Dorf spurlos. Eine Entführung, ein Mord oder ein Unfall? Der Münchner Kommissar Konstantin Dühnfort führt die Ermittlungen. Trotz fieberhafter Suche bleibt der fünfjährige Jakob unauffindbar. Da entdeckt Agnes bei einem ihrer Waldläufe den kleinen Jungen nackt auf einem Holzstoß, äußerlich unversehrt, aber verstört und stumm. Die Suche nach Täter und Motiv geht weiter. Es gab keinen Missbrauch. Was also ist der Grund für die Entführung? Und für die seltsame Art und Weise, wie Jakob im Wald zurückgelassen wurde?

Bald darauf erschüttert ein grausamer Mord an Jakobs Erzieherin die kleine Gemeinde. Kommissar Dühnfort erkennt, dass ein Täter sein Unwesen treibt, der in einer Welt religiöser Wahnvorstellungen lebt, die sein Handeln bis hin zum Mord bestimmen. Denn der Sünde Sold ist der Tod. So steht es in der Bibel, und danach scheint der Mörder sich zu richten. Aber Sünder gibt es viele …

 

Meine Meinung

Im beschaulichen Mariaseeon verschwindet der 5jährige Jakob nach dem Spiel bei einem Freund. Die Dorfbewohner beginnen die Suche, Kommissar Konstantin Dühnfort leitet die Ermittlungen, aber der Junge bleibt spurlos verschwunden. Bei einem Waldlauf entdeckt die neu in das Dorf gezogene Agnes Gaudera Jakob nackt auf einem Holzhaufen, der einem Scheiterhaufen sehr ähnlich sieht. Körperlich ist Jakob gesund, seine Sprachlosigkeit ist jedoch die Folge psychischer Verletzungen. Wer war der Täter, welche Motive hatte er oder sie? Die Polizei ist noch mitten in ihren Ermittlungen als die Erzieherin des Jungen auf grausamste Weise ermordet aufgefunden wird…

Der Sünde Sold“ ist das gelungene Krimi-Debüt von Inge Löhnig. Von der ersten Seite an nahm mich die Handlung gefangen. Dachte ich zu Beginn des Buches noch, es würde sich ausschließlich um Verbrechen an Kindern handeln, nahm der Krimi schon nach kurzer Zeit eine Wendung, wurde deutlich thrillerlastiger und spannender. Mit dem Kommissar Konstantin Dühnfort wurde eine sehr lebensechte und menschliche Figur geschaffen. Durch seine ganz spezielle , manchmal etwas kauzige Art und Weise war er mir sofort sympathisch. Auch die anderen Figuren waren durch das Leben gezeichnet. Jeder musste bereits Schicksalsschläge bewältigen, hatte gute und auch schlechte Seiten. Auch die sich leise anbahnende Liebesgeschichte hatte ihren Charme. Die gesamte Story war intelligent geschrieben, durchdacht und stimmig. Auch als ich ahnte, wer die Taten begangen haben könnte, wurde der Spannungsbogen gehalten. Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen.

Mein Fazit: „Der Sünde Sold“ zeigt mir wieder, dass es den guten deutschen Krimi noch gibt. Ich werde den 2. Fall des Kommissars Dühnfort, der am 1. Februar 2010 unter dem Titel „In weißer Stille“ erscheint, ungeduldig erwarten.

 

Über den Autor (www.amazon.de)

Inge Löhnig hat Grafik-Design studiert. Nach einer Karriere als Art- Directorin in verschiedenen Werbeagen-turen hat sie sich mit einem Designstudio selbstständig gemacht. Inge Löhnig wohnt mit ihrer Familie in der Nähe von München.

 

Broschiert: 432 Seiten * Verlag: Ullstein TB-Verlag * ISBN-13: 978-3548268644

 

 

Judith Hermann - Alice

 

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)
Wenn jemand geht, der dir nahe ist, ändert sich dein ganzes Leben, es ändert sich, ob du willst oder nicht. Alles wird anders. Alice ist die Heldin dieser fünf Geschichten, alle erzählen von ihr - und davon, wie das Leben ist und das Lieben, wenn Menschen nicht mehr da sind. Judith Hermann erzählt mit fester und berührender Stimme, wie Lebenswege sich kreuzen, die Richtung ändern und unwiederbringlich auseinandergeführt werden.

 

Meine Meinung

Die Planeten laufen langsam, aber sie machen ihre Transite, und dann ändert sich dein ganzes Leben, es ändert sich, ob du willst oder nicht.“ Seite 67/68

In ihrem neuesten Werk „Alice“ erzählt Judith Hermann fünf Geschichten vom Sterben und vom Tod. Verbunden werden diese durch die Titelfigur Alice, die eben jene menschlichen Verluste zu beklagen hat. Fünfmal musste sie von ihr nahestehenden Personen Abschied nehmen, in ihrem Herzen jedoch und das wird besonders in der letzten Episode deutlich, behalten alle ihren festen Platz.

Es ist bewundernswert wie sachlich, gleichwohl warmherzig und menschlich die Autorin mit diesem traurigen Thema umgeht. In schon fast minimalistischer Form schildert sie die Schicksale und Erlebnisse weit entfernt von Gefühlsduselei und Druck auf die Tränendrüsen. Beeindruckt hat mich die klare, geradlinige Sprache von Judith Hermann. Kein Wort ist zuviel und keins am falschen Platz. Dabei schafft sie eine bemerkenswert tiefe Atmosphäre, die mir als Leser aber doch noch genügend Raum für eigene Gedanken ließ.

Alice“ ist ein Buch für ruhige, besinnliche Stunden, und genau darin lag für mich der Reiz dieses Buches, es ist zeitlos, leise, wohltuend unspektakulär und unsentimental. Ich wünsche diesem besonderen Buch viele Leser und werde es selbst gern weiter empfehlen.

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten * Verlag: Fischer * ISBN-13: 978-3100331823

 

Elke Heidenreich empfiehlt …

“Schrumpft die Bundesrepublik“ von Michael Rudolf und Jürgen Roth.

 

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

„Wir müssen die Zahl der Bundesländer verringern!“ Peter Struck, SPD-MdB Schrumpft die Bundesrepublik! Nicht mehr feierlich: Zum 60. Geburtstag der BRD optimieren Michael Rudolf und Jürgen Roth den Geltungsbereich des Grundgesetzes. Illustriert von F.W. Bernstein. „Deutschland ist schön“, wirbt eine Brauerei für ihr Bier. Aber Werbung lügt. Jeder weiß, welch grausliche Ethnien im deutschen Tann hausen, auf welchem Teil die Betonung des Wortes „Gemeinwesen“ liegt. Selbst die Politik hat genug und unterstützt parteiübergreifend die Forderung des SPD-Granden Peter Struck, Deutschland zu reduzieren. Warum auch nicht? Über Jahrhunderte ist Deutschland immer kleiner geworden: Aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation schieden italienische, französische, Schweizer, niederländische, belgische, österreichische, böhmische und polnische Teile aus. Das tat diesen wohl. Am Ende blieb die immer noch überdimensionierte Bundesrepublik 1.0 mit ihren aberwitzigen Abermillionen übrig. Doch leider ist die gesunde Spalttendenz rückläufig: Seit 1989 sind allein fünf neue Länder („Beitrittsgebiete“) dazugekommen. Längst wurde über die Eingemeindung von Mallorca deliriert. Das wirft Fragen auf: Muss das alles ein? Tun einem waschechten europäischen Staat derart viele, um genau zu sein: 16 Bundesländer wirklich gut? Warum wird dieses Jahr überhaupt gefeiert („60 Jahre Bundesrepublik“)? Und: Was sind das eigentlich für absonderliche und abartige Landsmannschaften, diese Pfälzer, Schwaben, Sachsen usw.? Geht es nicht besser ohne sie? Kann man die nicht einfach loswerden? Hochkanter Rausschmiss? Abtrittsgebiete? Michael Rudolf kennt viele Gründe, die für eine Verkleinerung sprächen. Und hat sie vorsorglich alle in der Berliner Tageszeitung (Taz) zuammengetragen. Seine komischen Abhandlungen lösten heftige Reaktionen bei den Taz-Leser/innen aus. Höchste Zeit, sie anlässlich des Jubiläums „unseres“ Staatswesens vollständig zu versammeln - ergänzt um ein Vorwort von Jürgen Roth, drei nagelneue Traktate über jene Bevölkerungsgruppen, denen sich Michael Rudolf nicht mehr hat widmen können, sowie eine knappe staatsphilosophisch-juristische Erörterung der notwendigen und hinreichenden Bedingungen, unter denen der Staatsausschluss ganzer Landstriche, Bundesländer und Volkseinheiten erfolgen kann - und erfolgen muss!

 

Schrumpft die Bundesrepublik

 

Michael Rudolf und Jürgen Roth

 

Gebundene Ausgabe: 98 Seiten
Verlag: Zweitausendeins
ISBN: 978-3861509004

 

 


Ach du liebe Zeit!

Die OECD hat gerade veröffentlicht, dass den Deutschen laut einer internationalen Studie täglich 6 Stunden und 34 Minuten Freizeit pro Tag zur Verfügung stehen. Der Vergleich wurde zwischen 18 OECD-Staaten vorgenommen, damit landeten wir Deutschen nach Belgien auf Platz 2.

Das sollte mich nachdenklich stimmen, denn ich habe immer ein gefühltes Freizeitdefizit. So hat sich im Laufe der Jahre ein ansehnlicher SuB aufgebaut, der inzwischen schon zum Regal ungelesener Bücher mutiert ist. Aber noch schlimmer ist mein Rezensionsstau. Folgende Bücher warten auf ihre Nachbetrachtung, dabei waren einige fantastische Bücher dabei:

Die Farbe des Krieges von Arkadi Babtschenko
Joseph Roth. Eine Biografie von Wilhelm Sternburg
Die Frau im Mond von Milena Agus
Alice von Judith Hermann
Shantaram von Gregory David Roberts
Obsession von Simon Beckett

Aber es scheint nicht nur mir so zu ergehen. Bei Nerolaan las ich von gleichen Sorgen. Was läuft da bei mir (uns) nicht richtig? Schlechtes Zeitmanagement? Vielleicht liegt es ja auch nur an der momentanen hektischen Zeit im Job oder an dem schönen Wetter, dass mich mehr Freizeit in der Natur verbringen lässt. So nach und nach werde ich meine Zettel verarbeiten und die Rezis nachreichen.

 

lesen! - ganz anders…

Elke Heidenreich präsentiert in der neuen Folge von lesen! dieses Mal nicht Bücher sondern nur ein Buch, das Buch der Woche. Sie stellt „Die Zeit der Asche“ von Jorge Volpi vor. Wie der Zufall es wollte, genau dieses Buch landete heute Vormittag im meiner Tasche als ich nach langer Zeit wieder einmal im Buchladen stöbern war.

 

Und darum geht es in diesem Buch:

 

Klappentext

Im Wirbel der Weltgeschichte überlagern sich drei Frauenschicksale. Eine sowjetische Biologin bezeugt aus nächster Nähe den Zusammenbruch des Kommunismus und den Tod ihrer Tochter. Am anderen Ende der Welt hat eine amerikanische Ökonomin mit ihrem skrupellosen Mann und ihrer globalisierungskritischen Schwester zu kämpfen. Und schließlich ist da eine begnadete Computerwissenschaftlerin, entschlossen, das Geheimnis der Intelligenz zu lüften. Alle drei finden sich im Fadenkreuz eines sonderbaren Söldners wieder … Kriminalgeschichte, Wissenschaftsthriller und schillerndes Panorama der Zeitgeschichte in einem. Virtuos und schwungvoll erzählt »Zeit der Asche« von den großen Umbrüchen des ausgehenden 20. Jahrhunderts: von Tschernobyl, dem Fall der Berliner Mauer, dem Niedergang des Sowjetreiches, von bakteriologischer Kriegsführung und dem Humangenom Projekt. Und erforscht dabei die allzu menschlichen Leidenschaften und Abgründe.

 

Zeit der Asche

Jorge Volpi

 

Gebundene Ausgabe: 510 Seiten
Verlag: Klett-Cotta
ISBN-13: 978-3608937015
24,90 EUR

Hans Salcher - Steinwurf

Hans Salchers Gedichtband „Steinwurf“ war ein wahrer Volltreffer. Dieses einfach aufgemachte Büchlein im Handtaschenformat habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Ich nahm es mit in den Urlaub und in stillen Minuten genoss ich seine Gedichte, ließ mich tragen von oft nur wenigen Zeilen und versank in seinen Illustrationen. Vom Stil her minimalistisch, manche Gedichte erinnern schon an Fragmente, jedoch vom Inhalt her ungeheuer tief, so könnte man dieses Buch kurz und knapp charakterisieren. Nichts wirkt überflüssig, kein Wort ist zuviel. So erzeugt Hans Salcher ungeheure Stimmungen beim Leser. Manchmal waren es nur drei oder vier Zeilen, die mehr Tiefe in sich bargen als manch seitenlange Beschreibung. In seinen Gedichten widmet Hans Salcher vornehmlich der Natur das Augenmerk, aber auch das dörfliche Leben und die Liebe zu Mensch, Tier und Umwelt haben ihren Platz. Dieses Büchlein ist gewiss keines, welches man hintereinander weg lesen kann und möchte. Ich nahm es immer wieder zur Hand, um mich an einigen seiner Gedichte zu erfreuen.

Dieser Gedichtband ist ein Schätzchen zu dem ich gern immer wieder greifen werde und das ich gern empfehlen oder verschenken werde.

Clemens Lindner - Weißer Mohn

 

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Sebastian Hauser, poetisch begabt, aber wenig erfolgreich, fühlt sich in seinem Schicksal dem lange verstorbenen Dichter Georg Trakl seelenverwandt. Die unglücklichen Leidenschaften zu ihren Schwestern, die Flucht aus der Wirklichkeit und die Passion für das Schreiben verbinden die beiden bis hin zum frühen, selbstgewählten Tod.

In starken Bildern führt Clemens Lindner durch teils abenteuerliche Episoden: von der Schulzeit in Tirol über Szenen aus der New Yorker Halbwelt bis hin zu den letzten Tagen in Okinawa. Zwielichtige Gestalten kreuzen Hausers Weg. Vor allem während seiner Zeit in New York ist er konfrontiert mit Gewalt, sexuellen Übergriffen und vollkommener Beziehungslosigkeit. Doch drängen sich in die illusionslosen

Schilderungen des Großstadtalltags immer wieder Passagen voll Poesie und Hoffnung, die die Nähe zu Georg Trakl deutlich spüren lassen. Kunstvoll und in stimmungsvoller Sprache webt Lindner die Lebensfäden zweier Dichter und Außenseiter ineinander, die um ihren Platz am Rande der Gesellschaft bis zu ihrem tragischen Scheitern kämpfen.

Meine Meinung

Sebastian Hauser ist ein Außenseiter. An seiner Umwelt und den Mitmenschen hat er wenig Interesse. Seine Aufmerksamkeit ist fast ausschließlich auf das Leben des Dichters Georg Trakl gerichtet. Er sieht sich aufgrund einiger sehr spezieller Gemeinsamkeiten mit ihm verbunden, fühlt sich als Seelenverwandter. Drogen, Inzest und Depressionen prägen beider Leben, sie haben sogar am gleichen Tag Geburtstag und so ist das Grab Trakls zur Pilgerstätte für Sebastian Hauser geworden. Dort ist er ihm, seinem Idol, am nächsten.

Las sich „Weißer Mohn“ zu Beginn noch spannend, so ließ dies von Abschnitt zu Abschnitt nach. Der Autor erzählt seinen Roman aus verschiedenen Blickwinkeln. Diese Perspektivwechsel brachten viel Unruhe in das ohnehin recht kurze Buch. Dazu kam noch, dass ich öfter nicht wusste, wer gerade der erzählende Part ist, so kam zu der Verwirrung in der Geschichte noch meine eigene dazu. Auch konnte ich nicht klar erkennen, wem die Texte zuzuordnen waren, die in die Geschichte verwoben waren. Waren es Zitate aus Trakls Werks oder stammten sie doch eher aus Hausers Feder?

Ein Gutes hatte das Buch dann aber doch. Ich bin neugierig geworden auf das Werk des Georg Trakl. Er war mir als Dichter bisher unbekannt.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich von „Weißer Mohn“ doch eher enttäuscht bin, die Kurzbeschreibung von Amazon war recht ansprechend. Schade, ich kann dieses Buch nicht guten Gewissens empfehlen.

Über den Autor

Clemens Lindner, geboren 1965 in Hall, lebt und arbeitet in Tirol und Tokyo. Mehrere Literaturstipendien und -preise. Mitarbeit an diversen Theaterproduktionen, Publikationen in Zeitschriften und Anthologien, Hörspiele, Tätigkeiten als Übersetzer.

Broschiert: 168 Seiten * Verlag: Skarabaeus * ISBN-13: 978-3708232614

 

Sadie Jones - Der Außenseiter

 

Im Jahr 1945 kehrt Lewis Vater aus dem Krieg zurück. Für ihn ist der Vater ein Unbekannter, seine Bezugsperson ist und bleibt die Mutter. Als Lewis im Alter von 10 Jahren miterlebt wie die Mutter ertrinkt, beginnt sein Leidensweg. Seine Trauer kann er nicht zeigen. Er zieht sich von seiner Umwelt zurück und als der Vater ihm nur wenige Monate später eine Stiefmutter präsentiert, bricht die Welt des Jungen gänzlich zusammen. Der Vater ist gefühllos und abweisend zu ihm, die Stiefmutter verfügt zwar über einen guten Willen, findet aber trotzdem keinen Zugang zu Lewis und verharrt in ihrer Hilflosigkeit. Trost spendet ihr der Alkohol. Der Druck der auf dem Jungen lastet wird enorm und entlädt sich in autoaggressivem Verhalten und im Alkoholkonsum, er wird ein Einzelgänger. 1955 kommt es dann zur Katastrophe und Lewis kommt für zwei Jahre ins Gefängnis. Als er danach in seine Heimatstadt zurückkehrt hat sich nichts geändert, er bleibt der Außenseiter.

Das Buch beginnt mit der Entlassung Lewis’ aus der Haftanstalt. So weiß der Leser schon von vornherein, der Weg des Jungen wird ein steiniger. Ruhig und sachlich, in einer sehr schönen Sprache erzählt Sadie Jones dann die Geschichte von Lewis und als Leser spürt man förmlich das Unheil kommen. Diese atmosphärisch dichte Handlung wird abgerundet durch psychologisch gut gezeichnete Charaktere, dadurch wirkt der Roman unwahrscheinlich authentisch und das Desinteresse und die Gleichgültigkeit von Lewis Umfeld wurde erschreckend deutlich. Auch das Ende fand ich sehr gelungen, so bleibt es dem Leser überlassen, sich eigene Gedanken zu machen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Über den Autor (www.welt.de)

Sadie Jones begann ihrer Karriere als Drehbuchautorin. 1968 in London als Tochter eines jamaikanischen Lyrikers und einer Schauspielerin geboren, brach Sadie Jones die Schule ab und schlug sich zunächst mit zahlreichen Aushilfsjobs durch. Sie arbeitete als Kellnerin, Sekretärin und Englischlehrerin, lebte eine Zeit in Mexiko, dann in Paris, bis sie in Frankreich ihr erstes Drehbuch verfasste. Zurück in London, gelang es ihr, sich im Film- und Fernsehgeschäft zu etablieren. 2005 verfilmte John Irvin ihr Drehbuch “The Fine Art of Love” mit Jacqueline Bisset in der Hauptrolle. Ihr erster Roman “Außenseiter” wurde in England auf Anhieb ein Bestseller.

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten * Verlag: Schöffling *ISBN-13: 978-3895613852

 

Michael Gantenberg - Neu-Erscheinung


Kurzbeschreibung (www.amazon.de)
Paul Elmar Litten lebt in einer sehr überschaubaren Kreisstadt: 50.000 Einwohner, die Hälfte katholisch, die andere das Gegenteil. Paul ist verheiratet, arbeitet als Lokalredakteur beim Westfälischen Heimatboten und will endlich mal zeigen, welches Talent wirklich in ihm schlummert. Er macht einen geheimen Deal mit dem Herausgeber und veröffentlicht als Bella Gabor einen spektakulären Fortsetzungsroman auf Seite 1 des Heimatboten: Die Messias , die Geschichte von Jesu Zwillingsschwester Hannah, die nach zweitausend Jahren Unsterblich- und Enthaltsamkeit endlich das wahre Leben leben will: Sie möchte Liebe finden, Sex haben und vielleicht auch ein paar Kilo abnehmen, möglicherweise sogar gleichzeitig. Das Ganze schlägt ein wie eine Bombe im idyllisch sortierten Westfalen, und auch Pauls Frau ist begeistert nur ahnt sie nicht, wer Bella Gabor wirklich ist …

Meine Meinung
Dieses Buch kam als Wanderbuch zu mir und ich las es in einer Zeit, die nicht wirklich toll für mich war. Schon mit dem quittegelben Umschlag versprach es ein wenig Sonnenschein, der Inhalt hielt dieses Versprechen.
Jesus hatte eine Zwillingsschwester, wer hätte das gedacht. Aber Paul Elmar Litten, Lokalredakteur beim Westfälischen Heimatboten, macht dies zum Plot eines Fortsetzungsromans in der örtlichen Presse. Die Messias will sich natürlich emanzipieren und die Geschichte bekommt eine Aktualität und wird förmlich zum Selbstläufer. Aber es ist nicht nur diese unglaubliche Story, es sind die Geschichten der Leser der Lokalzeitung drumherum, die teilweise skurril, teilweise urkomisch sind. Gantenberg hat ein wunderbares Geschick Menschen zu beobachten und sie im Buch überspitzt darzustellen. Und irgendwie hatte ich schon das Gefühl, solche Typen auch zu kennen. Er nimmt mit Witz die Kleinkarierten, die Frömmler und die Scheinheiligen auf die Schippe, versteht es damit zu unterhalten und von den Alltagsproblemen abzulenken. Für mich war es eine gelungene Abwechslung.

Über den Autor
Michael Gantenberg (* 1961) war WDR-Radiomoderator, Gastgeber des Satiremagazins »Extra 3« und schrieb für DIE ZEIT und die FAZ. Für die RTL-Komödie »Ritas Welt« erhielt er den Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis. Er entwickelte »Alles Atze« und »Nikola« und arbeitete als TV-Autor für den »Großen Deutschtest« (mit Hape Kerkeling). 2008 startet sein erster Kinofilm »U-900« mit Atze Schröder und Yvonne Catterfeld. Michael Gantenberg lebt mit seiner Familie in der Nähe des Sauerlandes.

Gebundene Ausgabe: 364 Seiten * Verlag: Piper Verlag GmbH * ISBN-13: 978-3938060261

 

 

Sven Plöger - Gute Aussichten für morgen

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Wie unterschiedlich unsere Auffassungen zum Thema Klimawandel auch sein mögen wir sitzen alle in einem Boot. Und dem geht der Sprit aus. Wenn wir nicht rudern wollen, müssen konstruktive Lösungen her. Sven Plöger zeigt, wie die Einzelinteressen von Lobbyisten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien endlich überwunden werden können, und macht damit den Blick frei für die Möglichkeiten, die sich uns eröffnen. Denn der Klimawandel bewirkt durchgreifende Veränderungen auf den Lebensstil, auf Verkehr und Industrie, Landwirtschaft und Wohnen und verstärkt damit den Zwang, effizientere Technologien zu entwickeln und Alternativen zu fossilen Energieträgern wie erneuerbare Energien zu fördern.

 

Meine Meinung

Seit Menschengedenken ist es von enormer Bedeutung, die Entwicklung des Wetters vorhersagen zu können. Aber es geht nicht nur um das Wetter, sondern besonders um das Klima, das ebenfalls Veränderungen unterliegt. So sind die Schlagworte Klimakatastrophe und Treibhauseffekt, CO2-Ausstoß und Ozonloch in aller Munde. Ungewöhnliche Wetterereignisse werden sofort mit der Klimakatastrophe in Zusammenhang gebracht und Schreckensszenarien werden prophezeit.

 

Nicht so in Sven Plögers Buch „Gute Aussichten für morgen“. Er spricht von Klimawandel und legt dazu ein gut strukturiertes und leicht verständliches Sachbuch vor. Schon das Vorwort hat mich neugierig gemacht und die folgenden Kapitel hielten meinen Erwartungen stand. Neben bereits Bekanntem las ist sehr viel Interessantes. War mir doch nicht klar, dass wir momentan in einer Eiszeit leben und im Sommer die Sahara die Atmosphäre kühlt. Im Abschnitt „Klimawandel verstehen“ erklärt Plöger sehr anschaulich die Begrifflichkeiten und nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise, um die Entwicklung des Erdklimas zu verdeutlichen. „Stimmen der Interessengruppen“ zeigt wie Regierungen, Medien und Lobbyisten, aber auch die Forschung mit diesem brisanten Thema umgehen und es für sich nutzen. Am interessantesten für mich war jedoch das letzte Kapitel „Chancen für morgen“, darin wurden die Möglichkeiten, die der Klimawandel mit sich bringt aufgezeigt und erklärt, wie man selbst handeln kann.

Sven Plögers Art über dieses aktuelle Thema zu schreiben ist sehr ansprechend. Er versteht es, anschaulich und allgemeinverständlich dieses komplexe Thema darzulegen und den Leser förmlich in den Bann zu ziehen. Durch seine bildhafte und pointierte Sprache gelingt es ihm, das Leserinteresse zu wecken und den Leser an das Buch zu binden, ihm gelegentlich ein Schmunzeln zu entlocken und ihn dabei gut zu unterhalten.

 

Über den Autor

Sven Plöger, Jahrgang 1967, sagt seit 1999 in Funk und Fernsehen das Wetter voraus und ist vielen Zuschauern vor allem aus »Wetter im Ersten« nach den »Tagesthemen« bekannt. Der studierte Meteorologe arbeitet seit 1996 bei Meteomedia in der Schweiz und hält regelmäßig Vorträge über Wetter und Klima.

 

Gebundene Ausgabe: 364 Seiten * Verlag: Piper Verlag GmbH * ISBN-13: 978-3938060261

 

 

Uwe Tellkamp - Der Turm

Klappentext

Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der »süßen Krankheit Gestern« der Dresdner Nostalgie entfliehen wie Richards Cousin Niklas Tietze - oder ist der Zeitpunkt gekommen, die Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, der Medizin studieren will, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Sein Weg scheint als Strafgefangener am Ofen eines Chemiewerks zu enden. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Als Kind der »roten Aristokratie« im Moskauer Exil hat er Zugang zum seltsamen Bezirk »Ostrom«, wo die Nomenklatura residiert, die Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches demokratisches Recht gesprochen wird.

In epischer Sprache, in eingehend-liebevollen wie dramatischen Szenen entwirft Uwe Tellkamp ein monumentales Panorama der untergehenden DDR, in der Angehörige dreier Generationen teils gestaltend, teils ohnmächtig auf den Mahlstrom der Revolution von 1989 zutreiben, der den Turm mit sich reißen wird.

 

Meine Meinung

Nach 976 gelesenen Seiten lege ich nun das Buch aus der Hand und ich fühle mich wahrlich wie nach einer Turmbesteigung. Ich war atemlos vom Lesen, habe mich durch einige Abschnitte gequält und zwischendurch immer wieder die Rückblicke genossen. Um es auf den Punkt zu bringen, dieses Buch zu lesen bedurfte schon einiger Anstrengung, besonders bei den experimentellen Passagen. An sich gefiel mir der Stil Tellkamps sehr gut. Die verschiedenen Spielarten des Sprachgebrauchs, die Wortgewalt, die Sprachgewandtheit und der immer wieder hervor blitzende Witz, das Überzeichnen bis ins Groteske beeindruckten mich. Diese Bandbreite der Sprache und dann die Verbindung von Dialogen, Beschreibungen, Briefen und Tagebüchern in anderen Romanen vorgefunden zu haben, kann ich mich im Moment gar nicht erinnern. Jedes Kapitel las sich anders, manche lasen sich leicht und flüssig, andere waren eine Herausforderung. Manche Stellen mussten förmlich erarbeitet werden und nicht immer war mir danach klar, was der Autor damit nun wirklich zum Ausdruck bringen wollte. Dann gab es wieder Stellen voller Poesie, die so gar nicht zum zuvor genannten K(r)ampf-Lesen passten, die einfach nur schön waren. Eigentlich passte jedes Wort, auch wenn manche im ersten Augenblick ungewohnt oder ungebräuchlich waren. Bemerkenswert fand ich auch, dass Tellkamp es bis zum Ende hin durchhielt jeder Person seinen eigenen Sprachstil zuzugestehen.

Erinnerungen wurden wach und das „Weißt du noch…?“ stand ab und an im Raum. Bei einigen der Protagonisten drängten sich Parallelen zu real existierenden Persönlichkeiten förmlich auf. Tellkamp sprach viele kleine Alltagsdinge an, die mich auch schon mal schmunzeln ließen, ob das nun die Mintkissen, mein geliebter grüner Parka aus Jugendtagen oder der Minolpirol war. Stellenweise gab es jedoch eine richtige Flut solcher Dinge, weniger wäre in dem Fall nicht weniger authentisch gewesen.

Die Protagonisten wurden vom Autor gut gewählt und ebenso gut in Szene gesetzt. Allerdings fehlte ihnen häufig das, was den Menschen letztlich ausmacht, das Gefühl. Oft erschienen sie mir in Situationen, die Gefühl forderten, blutleer und kalt. Ein ausführlicheres Personenverzeichnis wäre wünschenswert gewesen.

Gefallen hat mir die Aufmachung des Buches mit der Karte auf den Buchinnenseite. Dort wurden die wichtigsten Handlungsorte in die Dresdner Umgebung gebracht, eine DDR im Kleinformat.

Mein Fazit: „Der Turm“ ist ein für mich einzigartiger Roman. Selten musste (wollte) ich mich durch ein Buch so hindurch arbeiten und empfand dabei noch Freude. Es ist ein monumentales Werk, ein Epos, mit ein paar kleinen Schwächen. Ich hoffe auf einen zweiten Teil, Tellkamp bezeichnet ihn als Wenderoman, endet aber genau 1989. Ich wäre neugierig, wie die Türmer die neue gesellschaftliche Situation erleben. Da geht doch noch was, Herr Tellkamp, oder?

 

Gebundene Ausgabe: 976 Seiten * Verlag: Suhrkamp Verlag * ISBN-13: 978-3518420201

Gilbert Sinoué - Die Straße nach Isfahan

In „Die Straße nach Isfahan“ erzählt Gilbert Sinoué vom wechselvollen Leben des Abu Ali ibn Sina, auch bekannt als Avicenna. Dieser war bereits in jungen Jahren der bekannteste Mediziner seiner Zeit. Aber er war nicht nur auf dem Gebiet der Medizin sachkundig, sondern auch auf dem des Rechts und der Astronomie. Von seiner Kindheit an ordnete er dem Erwerb von Wissen alles andere unter. Er erlebte die Ehren des schnellen Aufstiegs und die Schmach des tiefen Falls. Mehr als einmal musste er flüchten, weil sein Leben bedroht war.

 

Nachdem ich mich an den Stil Sinoués und das Namengewirr gewöhnt hatte, fand ich einen gut zu lesenden und hoch interessanten historischen Roman vor. Ich bekam Einblicke in die Medizintechnik des Mittelalters und war zugleich erstaunt, über welche Kenntnisse man zu damaliger Zeit bereits verfügte. Da aber der Protagonist nicht nur Mediziner war, erfährt der Leser viele interessante Details aus den anderen Wissensgebieten. Besonders gut haben mir die Ausführungen zum Zusammenleben der verschiedenen Religionen gefallen. Zeigen diese Abschnitte doch Probleme auf, die sich auch in unserer Zeit wiederfinden lassen. Sinoué lässt einen Erzähler sprechen, Al-Djudzani, Freund und Vertrauter des Abu Ali ibn Sina, und beschränkt sich bis auf wenige Ausnahmen auf die historischen Fakten. Nur an einigen Stellen fügt er die Meinung und Interpretation des Erzählers ein. So wirkt das gesamte Buch sehr authentisch und ich erhielt gute Einsichten in die Lebensumstände des 11. Jahrhunderts. Ein paar Längen gab es bei der Schilderung der Schlachten, in die der Protagonist involviert war. Aber mein Gesamteindruck von diesem Buch ist ein sehr guter. Informativ, unterhaltsam und historisch korrekt, so muss ein solcher Roman geschrieben sein. All das trifft auf diesen zu.

Mein Fazit: „Die Straße nach Isfahan“ kommt meinen Erwartungen an einen historischen Roman sehr nahe. Wer leichte, lockere Unterhaltung erwartet, wird vielleicht eine Enttäuschung erleben. Allen anderen Lesern dieses Genres kann ich dieses Buch empfehlen.

 

Der Autor (Quelle: Verlag Droemer Knaur)

Gilbert Sinoué, 1947 in Ägypten geboren, gilt als Meister des historischen Romans. Die Straßen nach Isfahan machte ihn berühmt. Der blaue Stein bescherte ihm 1996 den Prix des libraires. In Frankreich zählt Sinoué zu den erfolgreichsten Autoren des Landes.

 

Gebundene Ausgabe: 544 Seiten * Verlag: Bechtermünz * ISBN-10: 3860475142

Alina Bronsky - Scherbenpark

Ihre Sätze hämmern sich ins Bewusstsein, der Rhythmus ihres Debütromans macht fast atemlos. Wäre Scherbenpark ein Popsong, wäre er schnell, gut durchkomponiert, aufmüpfig und stellenweise ohrenbetäubend laut. Definitiv kein Stück, das schwermütig macht. (Brigitte)

 

Die hochbegabte Alexandra Naimann, genannt Sascha, kam aus Russland und wohnt mit ihren Geschwistern und der Tante in einem Neubau-Ghetto von Frankfurt/Main, dem Scherbenpark. Zwei große Ziele hat sich die 17jährige gestellt, sie will für ihre Mutter ein Buch schreiben und sie will Vadim umbringen. Was es mit diesen Wünschen auf sich hat, erfährt der Leser erst im Laufe der Handlung. Zu Beginn stehen dazu die Fragen im Raum, welche sich jedoch nach und nach erklären.

 

Frisch, frech, spritzig, witzig, angenehm anders, diese Worte fallen mir nach der Lektüre von „Scherbenpark“ spontan ein. Die Handlung ist simpel, wird jedoch durch den flotten Erzählstil der Autorin deutlich aufgewertet. Unbekümmert und wie ihr der Schnabel gewachsen ist, erzählt Alina Bronsky die Geschichte der Sascha Naimann. Sie steht als Aussiedlerin am Rande der Gesellschaft. Alles ist anders als in Sibirien, wo sie geboren wurde und die Kindheit verbrachte. Von der alten Heimat hat sie sich noch nicht vollkommen gelöst, in der neuen ist sie noch nicht ganz angekommen. Zu den Mitschülerinnen hat sie kaum Kontakt gefunden. Aber durch das Verbrechen, dem die Familie zum Opfer fiel erlangte sie traurige Berühmtheit. Ihre Kommentare und Bemerkungen über ihre neue Heimat sind mitunter bissig, aber doch zutreffend. Die gängigen Klischees von Aussiedlern aus Russland bedient sie ebenso wie die über die Neubau-Ghettos. Aber vielleicht sind es gar keine sondern eher Wahrheiten? Das hohe Erzähltempo hält sie von Anfang bis Ende durch. Das unterstreicht den jugendlichen Eindruck, den ich von ihrer Schreibweise erhielt. Gut gefallen hat mir auch der Humor, der in der doch tragischen Geschichte steckt.

Mein Fazit: „Scherbenpark“ ist ein Buch, das mich von Beginn an gefangen und gut unterhalten hat. Es ist ein echter Page-Turner, der die Suche einer 17jährigen nach ihrem Platz im Leben eindrucksvoll beschreibt.

 

Über den Autor

Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, verbrachte ihre Kindheit auf der asiatischen Seite des Ural-Gebirges und ihre Jugend in Marburg und Darmstadt. Nach abgebrochenem Medizinstudium arbeitete sie als Texterin in einer Werbeagentur und als Redakteurin bei einer Tageszeitung. Sie lebt in Frankfurt und telefoniert bis heute fast täglich mit ihren Großeltern in Sibirien. “Scherbenpark” ist ihr erste literarische Veröffentlichung.

 

Gebundene Ausgabe: 286 Seiten * Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag * ISBN-13: 978-3462040302